4.500 Kilometer durch Europa
Von: Petra SchultzeMobiles MRT begleitet Extremlaeufer
Von Süditalien zum Nordkap legen 68 Läuferinnen und Läufer aus zwölf Nationen ab dem 19. April im „Transeurope-Footrace“ 4.500 Kilometer zurück und laufen täglich ein bis zweimal die Marathondistanz. Ein Team von Radiologen des Universitätsklinikums Ulm begleitet die Extremsportler mit einem mobilen Kernspin-Tomographen, um die Auswirkungen der starken Belastung auf den Körper und die Fähigkeit zur Regeneration zu untersuchen. Es ist die erste Studie, die Extremläufer über zwei Monaten so engmaschig begleitet, sie wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) mit 200.000 Euro gefördert.
Langzeitbeobachtungen möglich
„Wir haben die einmalige Chance, die Reaktionen des Körpers über einen langen Zeitraum im täglichen Wechsel von Extrembelastung und Erholung zu begleiten“, freut sich Projektleiter Dr. Uwe Schütz, Radiologe und Orthopäde an der Ulmer Universitätsklinik für diagnostische und interventionelle Radiologie. „Die meisten sportmedizinischen Studien nehmen nur einen Vorher- Nachher-Befund auf. Unser mobiler Magnet-Resonanz-Tomograph ermöglicht uns einen umfassenden Blick in verschiedene, besonders beanspruchte Bereiche des Körpers.“
Auswirkungen auf Gelenke und Körpermasse
Ein Schwerpunkt sind orthopädische Fragen: Wie reagieren z. B. Hüft-, Knie- und Sprunggelenk auf die tägliche Belastung von 44 bis 95 Kilometern Straßenlauf? Die Ulmer Wissenschaftler beobachten dabei auch, wie gut sich die Gelenke in den Erholungsphasen regenerieren. Zudem wollen die Mediziner untersuchen, wo und wie die Sportler während des Laufs Körpermasse verlieren. „Dazu stellen wir fest, wie Muskelmasse, Fett und Wasser vor dem Lauf verteilt sind, und messen dann, wie der Körper im Verlauf des Rennens seine Reserven einsetzt“, so Schütz.
Wie das Gehirn mit dem körperlichen Extremeinsatz umgeht, ist ein dritter Forschungsschwerpunkt: „Wir wollen wissen, wie die Zentren für Motivation und Schmerzunterdrückung im Gehirn arbeiten. Diese Erkenntnisse gleichen wir auch mit Persönlichkeitstests ab, bei denen z. B. untersucht wird, wie gut sich ein Sportler bei einem anstrengenden Rennen selbst beeinflussen kann.“
Organisatorische Herausforderung
Die rund 50 Sportler, die an der Studie teilnehmen (aus Ulm z. B. Extremläufer Tom Wolter-Rössler), werden vor dem Rennen in Ulm und an anderen Standorten gründlich untersucht und nach dem Zufallsprinzip bestimmten wissenschaftlichen Fragestellungen zugeordnet. Während der Veranstaltung finden neben täglichen Untersuchungen, die in Zusammenarbeit mit der Sportmedizin der Universität Basel ausgewertet werden, für jeden Sportler etwa zwölf Untersuchungen im mobilen MRT statt. „Das ist neben der wissenschaftlichen auch eine große organisatorische Herausforderung“ berichtet Projektleiter Dr. Schütz. „Wir fahren das Großgerät Kernspintomograph mit einem Truck vom Gesamtgewicht von 37 Tonnen über alle Etappen von Bari bis zum Nordkap, haben ein Notstromaggregat dabei und müssen uns bis zum Zieleinlauf am 21. Juni mit unseren Untersuchungen natürlich dem Tagesablauf der Sportler anpassen.“
Das Foto zeigt Projektleiter Dr. Uwe Schütz (links) und Dr. Christian Billich bei der Vorbereitung des mobilen MRT für die Wissenschaftstour zum Nordkap (Quelle: UK Ulm).








