30|11|16

Arztanweisung auf dem Prüfstand

Von: Maria Delles

Dr. Alexander Eickhoff gewinnt internationalen Forschungspreis

Sechs Wochen das Bein nicht belasten? Vielen Patienten fällt das schwer  (Foto: Universitätsklinikum Ulm)

Sechs Wochen das Bein nicht belasten? Vielen Patienten fällt das schwer (Foto: Universitätsklinikum Ulm)

Sich schonen, mehr Bewegung, gesündere Ernährung – neben Rezepten für Medikamente bekommen Patienten von Ärzten häufig weitere Anweisungen für den Alltag an die Hand, um den Genesungsprozess zu unterstützen. Nach einer Verletzung der unteren Extremität soll zum Beispiel häufig das verletzte Bein für einen bestimmten Zeitraum nicht belastet werden. Aber halten sich Patienten tatsächlich an diese Anweisung? Mit dieser Frage beschäftigt sich der Dr. Alexander Eickhoff vom Universitätsklinikum Ulm. Mithilfe von elektronischen Schuheinlagen fand er nun heraus, dass sich viele Patienten nicht an die Vorgabe halten. Für seine Forschung wurde Dr. Eickhoff mit dem internationalen Preis der Orthopaedic Trauma Association (OTA) ausgezeichnet.

Viele Patienten halten sich nicht daran

Sechs Wochen nach einer Verletzung das Bein nicht belasten – diese ärztliche Anweisung fällt vielen Patienten nicht leicht. „Insbesondere bei älteren Patienten gibt es schon länger die Vermutung, dass sich viele nicht an die Verhaltensempfehlung halten und die betroffene Extremität zu stark belasten“, meint Dr. Alexander Eickhoff, Assistenzarzt der Ulmer Universitätsklinik für Unfall-, Hand-, plastische und Wiederherstellungschirurgie. Um zu überprüfen, inwieweit die Anweisung eingehalten wird, wurden die Patienten mit speziellen Schuheinlagen ausgestattet. Diese messen über mehrere Drucksensoren die Belastung, die auf sie ausgeübt wird. Die Daten können dann kabellos ausgelesen werden. Nach Auswertung der gesammelten Daten kam Dr. Eickhoff zu dem Ergebnis, dass die meisten Patienten der Anweisung keine Folge leisten und das verletzte Bein zu stark belasten.

Beste internationale Arbeit

Eine Forschungsarbeit, die diese Ergebnisse zusammenfasst, wurde auf dem Kongress der Orthopaedic Trauma Association (OTA) in Washington D.C. als beste internationale Arbeit ausgezeichnet. Forscher wurden weltweit dazu aufgerufen, Arbeiten einzureichen. Die Autoren der vielversprechendsten Forschungsarbeiten durften sich in Washington D.C. im Rahmen eines Vortrages vor dem Fachpublikum beweisen. Dr. Eickhoff erhielt von den drei besten vorgetragenen Arbeiten den ersten Preis.

Wird der Heilungsprozess beeinflusst?

Eine weitere Studie soll nun klären, ob und inwieweit Verletzungen bei Patienten, die sich nicht an diese Anweisung halten, schlechter heilen. „Wenn sich zeigt, dass eine Anweisung für Patienten schwer umzusetzen ist und gleichzeitig keinen Einfluss auf den Heilungsprozess hat, sollte diese überdacht werden“, so Dr. Eickhoff. „Zeigt sich jedoch, dass Verletzungen so schlechter heilen, müssen wir gemeinsam Wege finden, um die Anweisung umsetzbarer zu machen.“


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