18|05|17

P.A.R.T.Y. in der Notaufnahme

Von: Nina Habres

Das Universitätsklinikum Ulm beteiligte sich an der bundesweiten P.A.R.T.Y.-Aktionswoche. Das Programm stärkt das Verantwortungsbewusstsein von Jugendlichen und dient so der Prävention von Verkehrsunfällen.

(Foto: Universitätsklinikum Ulm)

Anlässlich der weltweiten Woche der Verkehrssicherheit und der bundesweiten P.A.R.T.Y.-Aktionswoche luden die Ärztinnen und Ärzte der Klinik für Unfallchirurgie und der Anästhesie des Universitätsklinikums Ulm die 10. Klasse des Caspar-Mohr-Progymnasiums aus Bad Schussenried kürzlich in das Klinikum ein. Ziel des P.A.R.T.Y.-Programmes ist es, Jugendliche darin zu bestärken, im Straßenverkehr keine unnötigen Risiken einzugehen. Denn junge Verkehrsteilnehmer im Alter zwischen 15 und 25 Jahren haben das höchste Unfall- und Sterberisiko auf deutschen Straßen.

 

P.A.R.T.Y. steht in diesem Kontext keineswegs für Ausgelassenheit und Spaß – sondern für Ernsthaftigkeit und Verantwortung. Das Programm „Prevent Alcohol and Risk Related Trauma in Youth“ (Prävention von alkohol- und risikobedingten Traumen von Jugendlichen) dient zur Prävention unnötig risikobedingter Unfälle und soll frühzeitig das Verantwortungsbewusstsein von Jugendlichen im Straßenverkehr fördern. Auf einem Rundgang durch die Unfallchirurgie und die Anästhesie des Klinikums lernten die Schüler den Versorgungsweg eines Schwerverletzten nach einem Unfall kennenlernen. Dabei kooperieren die Ärztinnen und Ärzte auch mit dem Rettungsdienst und der Polizei.

 

Der Tag begann mit einem Vortrag von Dr. Sigrun Traub, die das Projekt seit Juni 2015 am Universitätsklinikum betreut und leitet: „Ich habe den Schülern zu Beginn unter anderem Unfallbilder von zerrissenen Autos gezeigt – denn mit dem Programm wollen wir eine Botschaft überbringen: Wir wollen euch nicht eines Tages aus einem solchen Wrack ziehen.“ Eine Menge solcher Unfälle lassen sich nämlich durch verantwortungsbewusstes Verhalten vermeiden – und das soll der Tag den Jugendlichen bewusst machen.

 

Der Rundgang startete dann so, wie ihn auch Traumapatienten erleben: Anfahrt im Krankenwagen, Aufnahme und Stabilisation im Schockraum durch den Anästhesisten, Übergabe an den Unfallchirurg. Weiter ging es mit einem Besuch der Intensivstation, in der Regel die zweite Station eines Schwerverletzten, bevor die Normalstation besucht wurde. Den Abschluss des simulierten Krankenhausaufenthaltes bildete der Besuch des Physiotherapeuten Herrn Gerstenacker. Er zeigte den Jugendlichen, wie herausfordernd und anstrengend die Bewältigung des Alltags mit dem Rollstuhl oder auf Krücken sein kann.

 

Damit wurden die Schüler aus der Rolle des Patienten entlassen und mussten sich dem umgekehrten Szenario stellen – wie wird man ein „Täter“. Durch einen Test mit einer Polizistin des Polizeipräsidiums Ulm, Referat Prävention wurde schnell klar, dass dies nur ein paar Sekunden braucht: Die Jugendlichen mussten den Satz „Treffen uns heute um acht“ ins Smartphone tippen, dabei wurde die Zeit gestoppt. Diese wurde mit einer hypothetischen Geschwindigkeit im Auto verrechnet und die Distanz ausgerechnet, die ein Auto dabei zurücklegt. „Die Jugendlichen sind dabei theoretisch die Länge eines Fußballstadions blind gefahren, nur um diesen Satz in ihr Handy zu tippen“, erklärt Dr. Traub.

 

Den Abschluss bildete der bewegende Vortrag einer Patientin, die seit ihrem Verkehrsunfall vor fünf Jahren noch immer regelmäßig in Behandlung ist und ihr Leben lang mit Einschränkungen und Schmerzen leben muss – nur weil eine junge Frau hinter dem Steuer für einen Moment nicht aufmerksam genug war.

 

Der Lehrer der Schulklasse, Christian Weichhard, wünscht sich, dass der P.A.R.T.Y.-Tag etwas in seinen Schülerinnen und Schüler ausgelöst hat: „Ich hoffe, dass jeder verstanden hat, dass man ständig Verantwortung trägt, auch wenn man sich dessen nicht immer bewusst ist. Keiner von uns ist unsterblich – vor allem nicht auf der Autobahn, auch wenn es sich da manchmal so anfühlt.“ Und tatsächlich hat der Tag Eindruck hinterlassen. „Man macht die Zeitung auf, den Fernseher an und nimmt es einfach nicht wahr, dass jeder hier das Opfer hätte sein können. Vor Augen geführt zu bekommen, wie schnell so etwas passieren und dass es jeden treffen kann, das war schockierend“, resümiert ein Schüler.

 

Das P.A.R.T.Y.-Präventionsprogramm wurde ursprünglich in Kanada entwickelt und zählt seit über 25 Jahren zu den erfolgreichsten Präventionsprogrammen weltweit. In Deutschland wird das Programm von der Akademie der Unfallchirurgie im Auftrag der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie e.V. umgesetzt.


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