Risiken des sexuellen Missbrauchs erkennen lernen
Von: Petra SchultzeUlmer Wissenschaftler stellen auf internationalem Kongress der katholischen Kirche E-Learning-Konzept für kirchliche Mitarbeiter vor
Ulmer Wissenschaftler der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie/Psychotherapie stellen auf einem internationalen Kongress der katholischen Kirche zum Thema des sexuellen Missbrauchs in Rom (6. – 9. Februar 2012) die Arbeit des kürzlich gemeinsam gegründeten „Zentrums für Kinderschutz“ vor. Das von der Päpstlichen Universität Gregoriana an der Erzdiözese München-Freising zusammen mit der Ulmer Arbeitsgruppe geführte Zentrum erarbeitet ein multimediales E-Learning-Konzept, das kirchlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern helfen soll, in ihren Einrichtungen sexuellem Missbrauch vorzubeugen.
Kirchliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter schulen
Wie können Priester, Diakone oder ehrenamtliche Mitarbeiter die Risiken für möglichen sexuellen Missbrauch in ihren Einrichtungen erkennen und mindern? Wie lässt sich ein angemessenes Gespräch über einen Verdachtsfall führen? Welche Möglichkeiten gibt es, Betroffenen schnell zu helfen? Das am 20. Januar dieses Jahres eröffnete „Zentrum für Kinderschutz“ erarbeitet in den kommenden drei Jahren ein multimediales E-Learning-Konzept, das kirchliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in aller Welt im Umgang mit diesen und weiteren Fragen praxisnah und interaktiv schult. Es umfasst in sechs Lernmodulen unter anderem Videosequenzen, Gesprächstraining, Bausteine zur Selbstreflexion, Glossare und Kontrolltests. Das Konzept ist eines der Kernthemen des Kongresses, zu dem mehr als 200 Vertreter von Bischofskonferenzen, Obere katholischer Orden sowie Psychologen und Kirchenrechtler aus aller Welt in der Päpstlichen Universität Gregoriana in Rom erwartet werden.
Praxisnaher und weltweit umsetzbarer Weg
„Die Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie/Psychotherapie hat in den letzten Jahren ein internationales Netzwerk zu den Themenbereichen seelische Gesundheit und Kinderschutz aufgebaut“, erläutert der Ärztliche Direktor Prof. Dr. Jörg M. Fegert. „Die weltumspannende katholische Kirche nutzt dieses Wissensnetzwerk über das ‚Zentrum für Kinderschutz’ nun, um sich weiter dem Thema des sexuellen Missbrauchs zu stellen. Unser E-Learning-Konzept ist dabei für eine internationale Organisation wie die katholische Kirche ein praxisnaher und weltweit umsetzbarer Weg, ihre Mitarbeiter zu schulen“, so Fegert.
Dabei gilt es, die interaktiven Lerninhalte auf die besondere Zielgruppe im kirchlichen Umfeld auszurichten und sie dem weltweiten Einsatz anzupassen: „Andere Kulturen und Traditionen in aller Welt erfordern angepasste Lerninhalte. Um sie zu entwickeln, werden wir die Situation in verschiedenen Entwicklungs- und Schwellenländern analysieren“, erläutert der Direktor des Münchner Zentrums für Kinderschutz, der Ulmer Wissenschaftler Prof. inv. Dr. Hubert Liebhardt.“ Ziel ist, eine Kultur des Hinsehens und des Dialogs zu fördern.
Erfahrung in der Entwicklung von Lernplattformen
Im Bereich interaktiver Lernplattformen haben die Ulmer Wissenschaftler bereits große Expertise erworben. So entwickelten sie eine Lernplattform „Frühe Hilfen“ und arbeiten mit Förderung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung derzeit an einem E-Learning-Programm für die Ausbildung von Medizinern und Pädagogen in Deutschland zur Thematik des sexuellen Missbrauchs (mehr).








