Hilft Bewegung gegen Demenz?
Start einer deutschland-
weiten Studie
Dass Bewegung hilft, den Beginn einer Demenz zu verzögern oder gar zu verhindern, darauf weisen verschiedene Studien hin. Ob aber Bewegung im frühen Stadium einer Demenz noch therapeutisch eingesetzt werden kann, ist unklar. Insbesondere welche Art von Bewegung in welcher Intensität und Dauer sinnvoll ist, diese Frage kann bisher nicht klar beantwortet werden. Eine deutschlandweite Studie mit mehr als 300 Patienten soll diese Wissenslücke schließen helfen. Die Studie namens „Sport&C0G“ wird vom Bundesgesundheitsministerium mit 1,1 Millionen Euro gefördert. Beteiligt sind auch Wissenschaftler der Ulmer Universitätsklinik für Neurologie.
Welche Art von Bewegung hilft?
„Wir wollen Patienten ein halbes Jahr lang bei verschiedenen Sportangeboten begleiten“, erklärt Prof. Dr. Markus Otto, Leiter der neurologischen Ambulanz des Ulmer Universitätsklinikums, der die Studie am Ulmer Standort zusammen mit der Sektion Sportmedizin betreut. „Zwei Gruppen werden mehrmals in der Woche unterschiedliche Bewegungsprogramme absolvieren. Dabei liegt in der einen Gruppe der Schwerpunkt im Bereich Ausdauer, Kraft und koordinativer Fähigkeiten, in der anderen auf Dehnübungen.“
Vor Beginn und am Ende der sechs Monate zeigen mehrstündige neuropsychiatrische Untersuchungen, ob es durch das Sportprogramm zu Veränderungen gekommen ist. „Wir testen dabei zum Beispiel das Langzeit- und das Kurzzeitgedächtnis, die Wortflüssigkeit, die Spracherkennung und die Reaktionsfähigkeit“, erläutert Professor Otto. Außerdem wird die Belastung der Angehörigen im Zusammenhang mit der Demenzerkrankung erfasst, da sie oft einen entscheidenden Einfluss haben.
Teilnahme an Studie möglich
Schätzungen zufolge werden 2020 allein in Europa sieben Millionen Menschen unter Demenz leiden. „Angesichts einer alternden Bevölkerung ist es wichtig, Bewegungsprogramme gegen das Fortschreiten der Erkrankung auf wissenschaftlichen Grundlagen zu erarbeiten“, ist sich Otto sicher. „Denn nur dann können wir den Betroffenen sinnvolle und wirksame Angebote machen.“
Neben Ulm sind Essen, Bochum und Erlangen an der Studie beteiligt, die vom Essener Psychiater Prof. Jens Wiltfang geleitet wird. In Ulm startet das Programm im März. 40 Patienten, die an einer Demenz im Frühstadium leiden, können in die Studie aufgenommen werden. Interessierte können sich bei der Neurologischen Ambulanz des Universitätsklinikums melden, Tel: 0731 – 500 63010.
Heute hat in Essen zur Vorstellung der Studie eine Pressekonferenz stattgefunden, die Presseinformation des Essener Universitätsklinikums finden Sie im Anhang.
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