Kampf dem Krebs - Wie die Forschung bei der Heilung hilft

Bundesweiter „Tag der Gesundheitsforschung“ am 16. und 17. Februar

im Stadthaus Ulm

Krebs ist eine erschreckende Diagnose, den Kampf gegen diese Krankheit haben Ärzte und Wissenschaftler weltweit aufgenommen. Am „Tag der Gesundheitsforschung“ berichten Spezialisten des Integrativen Tumorzentrums CCCU im Ulmer Stadthaus über den aktuellen Wissensstand bei einzelnen Krebsarten. Prof. Dr. Hartmut Döhner gibt in diesem Gespräch Auskunft über Erfolge und Aussichten der Krebsforschung. Er ist Sprecher des Integrativen Tumorzentrums CCCU (Comprehensive Cancer Center Ulm) am Universitätsklinikum.

 



Können Ärzte Krebserkrankungen heute besser heilen als früher?

Es gibt bei vielen Erkrankungen Fortschritte, vor allem bei den Leukämien, auch Blutkrebs genannt, oder beispielsweise beim Lymphdrüsenkrebs. Wir verstehen die Erkrankungen und ihre genetischen Grundlagen heute wesentlich besser. Dadurch können wir zum Beispiel entscheiden, wem als Hochrisiko-Patient außer einer Chemotherapie eine Übertragung von gespendetem Knochenmark hilft.

Auch die Einführung von neuen Medikamentengruppen war sicherlich ein Durchbruch. Die sogenannten monoklonalen Antikörper beispielsweise sind gentechnologisch hergestellte Eiweiße, die ganz zielgerichtet bestimmte Oberflächenstrukturen der Krebszellen angreifen und so zum Zelltod führen. Durchschlagende Erfolge hat dabei das Herceptin in der Behandlung des Bruskrebses gebracht und das Medikament Rituximab in der Behandlung des Lymphdrüsenkrebses. Die Heilungschancen sind in diesem Bereich gestiegen. Das ist ein Fortschritt der Forschung der letzten Jahre, an der in vielen Bereichen auch Ulmer Wissenschaftler maßgeblich beteiligt waren.

 

Bei welchen Krebsarten gibt es bislang nicht die erhofften Erfolge?

Zum Beispiel beim Bauchspeicheldrüsenkrebs. Er wird meist sehr spät erkannt, so dass eine operative Entfernung oft gar nicht mehr möglich ist. Und die Chemotherapien gegen diesen Krebs sind nicht so wirksam, wie zu wünschen wäre. Ganz ähnlich ist es auch beim fortgeschrittenen Lungenkrebs. Beides sind Beispiele von Tumoren, die gegen unsere derzeitigen Therapien außerordentlich resistent sind.


Ist Krebs eine Volkskrankheit?

Ja, und es ist auch eine Zivilisationskrankheit. Die Rate an Krebserkrankungen ist in den westlichen Industrienationen wesentlich höher als in den unterentwickelten Ländern. Das liegt in erster Linie am westlichen Lebensstil, am hohen Nikotinkonsum, der kalorienreichen Ernährung und mangelnder Bewegung. Wir müssen davon ausgehen, dass weltweit die Häufigkeit von Krebserkrankungen in den nächsten Jahren insgesamt erheblich zunehmen wird: In den unterentwickelten Ländern geschieht dies, weil die Menschen dort den westlichen Lebensstil übernehmen. Bei uns geschieht es, weil wir immer älter werden. Lediglich bei einigen Krebsarten könnte die Häufigkeit abnehmen – zum Beispiel beim Darmkrebs, wenn mehr Menschen zur Vorsorge gehen oder beim Lungenkrebs, wenn durch Rauchverbote weniger geraucht wird.

 

Wenn Krebs eine Zivilisationskrankheit ist, heißt das dann auch, dass man selbst vorbeugen kann?

Richtig. Gesunde Ernährung, regelmäßige körperliche Aktivität, Zigaretten vermeiden, Alkohol nur in Maßen trinken – das sind wissenschaftlich gesicherte Maßnahmen, mit denen man die Häufigkeit von Krebserkrankungen senken kann. Aber sie sind natürlich keine Garantie dafür, nicht an Krebs zu erkranken.


Aber warum bekommt der eine Mensch Krebs, der andere nicht?

Darüber wissen wir noch relativ wenig. Bei einem bestimmten Prozentsatz der Patienten gibt es familiäre Häufungen, zum Beispiel beim Brustkrebs oder bei akuten und chronischen Leukämien. Hier kennt man heute teilweise die verantwortlichen Gene, bei den meisten familiär vorkommenden Krebsarten ist das nicht der Fall. Die Mehrzahl der Krebserkrankungen tritt jedoch sporadisch, also ohne familiären Hintergrund auf. Und bei den meisten kennen wir die Ursachen noch zu wenig. Deshalb ist Forschung so wichtig. Was sie schon geleistet hat und noch leisten soll, das wollen wir den Menschen am bundesweiten Tag der Gesundheitsforschung erklären und zeigen.

 

Krebspatienten am Universitätsklinikum werden vom Integrativen Tumorzentrum CCCU betreut. Welche Vorteile bringt das?

Ein wichtiges, ganz entscheidendes neues Element sind die interdisziplinären Tumorkonferenzen, die Tumorboards. Sie gewährleisten, dass jeder Patient, der mit einer neu diagnostizierten Tumorerkrankung zu uns kommt, von allen Spezialisten gemeinsam besprochen wird. Dabei sitzt der Pathologe am Tisch mit dem Strahlentherapeuten, dem Chirurgen, dem Onkologen und so weiter. Sie diskutieren mit höchstmöglicher Kompetenz über den Fall und geben dann eine verbindliche Therapieempfehlung nach den neuesten Standards. Im Rahmen von klinischen Studien profitieren Patienten am CCCU auch sehr früh von erfolgversprechenden neuen Medikamenten, teilweise Jahre bevor diese zur Zulassung gelangen. Dies und vieles mehr garantiert höchste Qualität und Innovation in der Patientenversorgung.


Das Interview führte Petra Schultze

 

Programm des Tags der Gesundheitsforschung

Integratives Tumorzentrum CCCU (Comprehensive Cancer Center Ulm)

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