Anwendungsbeispiel: Elisabeth Kirchner und Alexa Stromberg, Universitätsklinik Ulm, Medizinische Klinik M/2c

Beispielhaft wird die Pflege einer 30-jährigen Patientin vorgestellt.

Diagnose: Zustand nach einer Gehirnoperation bei einem gutartigen Tumor. Sie hatte nach der Operation ein massives Gehirnödem, die Hypophyse stellte teilweise ihre Funktion ein, wodurch es zu einer schweren Elektrolytentgleisung kam. Die Auswirkungen waren Somnolenz, Abbau der Muskelfunktion, hoher Muskeltonus, die Bewegungsfähigkeit war komplett eingeschränkt, alle Alltagsfunktionen mußten übernommen werden.

Interaktion, Anatomie

Um kranke Menschen in Bewegungsaktivitäten anzuleiten, benutzen wir Pflegende für den Informationsaustausch die verschiedenen Sinne. Der Informationsaustausch für Bewegungsaktivitäten wird am häufigsten mit Hören, Sehen und Tasten gestaltet. Ziel ist, daß der kranke Mensch in seinen möglichen Fähigkeiten folgen kann. Über den Tastsinn, der den Widerstand spürt, ist es am leichtesten, eine Bewegung anzuleiten, damit der Patient ohne zu viel Muskelwiderstand folgen kann. Jede Bewegung braucht eine gewisse Zeit, die einzelnen Knochen, Muskeln und Körperteile brauchen jeweils eine Richtung für die Bewegung, desgleichen brauchen die einzelnen Körperteile einen Spielraum für ihre Bewegung. Die Muskeln benutzen für ihre Funktion eine gewisse Kraft um im Austausch einerseits den eigenen Bewegungsabläufen folgen zu können und andererseits dem Informationsgeber folgen zu können.

Umsetzung:

Die kranke Frau war 1.60 m groß und wog 48 kg. Die einzelnen Körperteile konnten bewegt werden, aber nur sehr eingeschränkt, weil ihre Bewegungsebenen einen sehr hohen Muskeltonus hatten. Auffallend eingeschränkt waren der Hals, die Taille und das Hüftgelenk, sie konnte sich selbständig nicht bewegen.. Ebenso konnte sie anfänglich keine Informationen über Hören und Sehen von ihrer Umgebung aufnehmen. Der Tastsinn war die einzige Möglichkeit den Information/Reaktion zu gestalten. Den Informationen über Sehen (Gegenstände, Menschen etc.) und Hören (Geräusche etc) konnte sie nicht verarbeiten oder zuordnen. Der Tastsinn war der Hauptsinn um die Interaktion zu gestalten, damit sie wieder lernen konnte, ihre anderen Sinne zu benutzen. Über diesen Tastsinn lernte sie in kürzester Zeit, kleine Bewegungen selbst durchzuführen, z.B. die Arme zu benutzen. Sie lernte die betreuenden Personen erkennen, ebenso ihre Eltern. Bei jeder pflegerischen Intervention, wie z.B. Körperpflege, Lagewechsel, prophylaktische Maßnahmen war es notwendig, die oben beschriebene Vorgehensweise in die tägliche Pflege einzubinden. Desgleichen, daß wir alle Körperteile und Gelenke gezielt durch bewegten Wurde dies nicht berücksichtigt, reagierte sie mit äußerster Muskelspannung und war nur mit viel Anstrengung zu bewegen. Altherkömmliche Lagerungswechsel und pflegerische Interventionen wurden von ihr mit äußerster Muskelpannung beantwortet. Diese Anpassung in der pflegerischen Aktivität hatte sofortige Auswirkung im Bewegungsprozeß, sie konnte leichter folgen Wir konnten dies anhand des Monitorings sehen, ihre Vitalzeichen blieben konstant. Erfolgte keine Anpassung bekam sie eine sofortige Atemnot und die Pulsfreguenz stieg an. Ihre Wahrnehmung, ihre Orientierung und ihre Bewegungsfähigkeit wurden täglich besser. Beeindruckend war der erste Trinkversuch. Wir haben ihr die dazugehörige Armbewegung gelernt und sie konnte, wohl etwas schwach, aber doch sehr gut, diese Information verarbeiten und teilweise selbständig im Sitzen durchführen.

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