Pflegemodell und Kinästhetik
Vernetzung des Handlungskonzeptes Kinästhetik in der Pflege in die Organisation eines Krankenhauses der Maximalversorgung
Erschienen in: Kinästhetik Zeitschrift Nr. 2, August 1997
Ein Diskussionsbeitrag von:
Elisabeth Kirchner, Krankenschwester, Kinästhetiktrainerin
Klaus Rettenberger, Stellvertretender Pflegedienstleiter
Einleitung
In diesem Artikel findet eine Auseinandersetzung statt in wieweit das Programm Kinästhetik in der Pflege in die bestehende Organisationsstruktur eines Krankenhauses der Maximalversorgung integriert und vernetzt werden kann.
Unsere Überlegungen sollen Anregungen darstellen und als konstruktiver, kritischer Diskussionsbeitrag verstanden werden.
Als Grundlage nehmen wir die Erfahrungen, die Organisationsstrukturen unserer Klinik und die momentanen Verhältnisse im Gesundheitswesen in Deutschland.
Bevor wir die einzelnen Einheiten beschreiben und die Vernetzung mit dem Programm Kinästhetik in der Pflege darstellen, wollen wir noch Grundlegendes darlegen.
Ein Universitätsklinikum ist ein Krankenhaus der Maximalversorgung. Der Schwerpunkt liegt in der Forschung, der Lehre und der Krankenversorgung.
Die Entwicklung neuer Therapieformen für Erkrankungen hat einen hohen Stellenwert, ebenso wie die Ausbildung der Mediziner im theoretischen wie im klinischen Bereich. Die ärztliche Diagnostik und Therapie ist an den neuesten Standard der Medizin und der neuesten Forschung in der Medizin angepasst.
Dies hat Auswirkungen auf den Bereich der Pflege und auf andere Berufsgruppen in einem Universitätsklinikum.
Die Strukturen einer Universitätsklinik sind wegen der Forschung und Lehre in der Medizin etwas anders gestaltet als vergleichsweise in einem Krankenhaus der Regelversorgung. Die Organisationsstruktur der Pflege muss an die obengenannten Bedingungen angepasst sein und dies in ihrem pflegerischen Konzept beschreiben.
Die momentane Situation im Gesundheitswesen (die strengen Sparmassnahmen, um die Kostenexplosion im Gesundheitswesen zu stoppen, der Abbau von Krankenbetten, die daraus resultierende Schliessung von Krankenhäusern) hat unmittelbare Auswirkungen auf alle Berufsgruppen im Gesundheitswesen. Die Budgetierung im Gesundheitswesen ist im Moment für die in den Leitungsfunktionen verantwortlichen Personen schwierig zu gestalten.
Die Berufsgruppe Pflege muss sich Gedanken machen, wie mit dieser Situation umgegangen werden kann. Wir können die schwierige Situation im Gesundheitswesen in der Berufsgruppe Pflege als Chance benutzen, um Konzepte für die Zukunft zu gestalten.
Diese Konzepte sollten sich am kranken Menschen, aber auch am gesunden Menschen orientieren indem sie zusammen mit anderen Berufsgruppen einerseits Genesungsprozesse unterstützen, andererseits mitzuwirken, Gesundheit zu fördern. Das sind neue Herausforderungen.
Unseres Erachtens braucht die Pflegepraxis für die Zukunft neben den pflegerischen Grundkenntnissen, innovative Ideen, pflegewissentschaftlich erfasste und erprobte Massnahmen für die tägliche praktische Arbeit. Hier gibt es sehr gute Anzeichen und Ansätze.
- Pflegemodelle, die nicht einseitig und dogmatisch eingesetzt werden, sondern sich dem Patienten individuell anpassen.
- Pflegestandards, die nicht Grundlagenwissen vermitteln, die seitenlang formuliert sind, sondern sich an ausgebildetes Krankenpflegepersonal wenden.
- Eine an die Praxis angepasste Dokumentation und nicht seitenlange Pflegepläne, an die sich meist niemand hält, weil der Aufwand zu gross ist.
In der Krankenpflege sollte einiges konstruktiv und kritisch überprüft werden. Krankenpflege ist ein begleitender, betreuender und behandelnder Prozess. Es bedarf eines hohen pflegerischen Fachwissens. Dieses Fachwissen ist meist am medizinischen Modell ausgerichtet. Dies ist wichtig und richtig, aber zu wenig prozessorientiert. Jeder, der länger in der Pflegepraxis steht, weiss, wie einerseits medizinisches Wissen absolut notwendig ist, aber wie begrenzt es wiederum in der täglichen Beziehungsarbeit ist.
Die verschiedenen Pflegemodelle an die jetzige Situation im Gesundheitswesen mit ihren Restriktionen, Budgetkürzungen anzupassen, braucht viel Einsatz und Vision.
Hier wird sich als erstes die Frage auftun: "Wer braucht professionelle Pflege und wer nicht?" Und wie steht die Gesellschaft zur Finanzierung dieser professionellen Pflege.
Kann nicht jeder pflegen? Das ist eine provokative Frage.
Die Krankenpflege sollte sich schnellstens Gedanken machen, wer, wie, wann und warum professionelle Pflege braucht, um einer Überpflege oder einer Unterpflege entgegenzuwirken. Die komplexe Situation im Krankenhaus, im Gesundheitswesen erfordert Handeln und Reaktion.
Pflegemodelle weisen uns den Weg und dieser Weg, kann für die tägliche Arbeit in der Praxis mit einem Handlungskonzept erweitert werden.
Wie sich in den letzten Jahren gezeigt hat, ist die Kinästhetik in der Pflege eines dieser Handlungskonzepte mit dem Schwerpunkt auf menschliche Bewegung und Beziehung.
Es ist eine Idee von uns, in diesem Artikel darzulegen, wie Kinästhetik in der Pflege in die Struktur eines Krankenhauses der Maximalversorgung speziell im Bereich der Pflege eingefügt und angepasst werden kann.
Kinästhetik in der Pflege ist kein Pflegemodell und ist nicht Krankenpflege.
Sie unterstützt die Krankenpflege in der Praxis, im täglichen Prozess kranke Menschen zu bewegen, und sie wieder zu befähigen, Bewegungsfunktionen selbständig durchzuführen und/oder dem kranken Menschen zu lernen, mit seiner Bewegungseinschränkung zu leben. Werden Angehörige in diesen Lernprozess miteinbezogen, wird dies umfassend vernetzt.
Das Ziel der Kinästhetik ist einerseits die Erleichterung des Bewegens von Menschen (ohne Heben und Tragen), andererseits Bewegungsressourcen vom kranken Menschen zu erkennen und zu fördern. Um beides zu können braucht es ein breites Wissen über Bewegung. Dieses Wissen ist ein kontinuierliches Lernen und Anpassen.
Wie kann dieser Prozess in das pflegerische Konzept eingefügt werden?
Wir sind der Meinung, dass dieses Programm in seiner Struktur in den einzelnen Formen der Pflegeorganisation eine positive Wirkung auf die Pflegequalität hat. Auch andere Handlungskonzepte, die auf die praktische Arbeit eine Einwirkung haben, können dies bewirken.
Wir meinen, dass die Kinästhetik in der Pflege eines der umfassensten Handlungskonzepte ist, weil die Bewegung die Grundlage aller menschlichen Funktionen ist.
Fundament der Pflege
Die einzelnen Bausteine der Krankenpflege werden kurz erläuert und anschliessend ein Bezug zu Kinästhetik in der Pflege hergestellt.
Klinik- und Unternehmensleitbild
Die Funktion eines Klinikleitbildes ist die Vermittlung von grenzsichernden, richtungsweisenden und orientierenden Richtlinien. Das Leitbild ist die Fassung von Regeln, Normen und Wertvorstellungen in der betrieblichen Wirklichkeit und dient der Transparenz der Arbeitsorganisation und Zielsetzung für den Mitarbeiter. Nicht nur der Sinn der Arbeit soll vermittelt werden, sondern auch eine eigene Sinnfindung soll möglich sein. Wesentlich ist es, die Arbeitsleistung als Teil des Ganzen zu sehen, um sich mit der Organisation identifizieren zu können. Das Leitbild dient als eine systematische Orientierungshilfe für die Kommunikation zwischen Führungskräften und Mitarbeitern über Ziele und Inhalte der Organisation.
Bezug zur Kinästhetik
Im Unternehmensleitbild wird beschrieben, dass die Arbeitsleistung als Teil des Ganzen zu sehen ist, um sich mit der Organisation identifizieren zu können.
Die Kinästhetik entstammt wissenschaftlichen Erkenntnissen auf dem Gebiet der Verhaltenskybernetik. Die kybernetische Forschung geht auf den 2. Weltkrieg zurück und hatte ursprünglich zum Ziel, militärische Geräte so zu gestalten, dass diese vom Personal optimal bedient werden konnten (Smith 1945).
In Studien der amerikanischen Stahlindustrie über Produktivität und Arbeitssicherheit, im Verhältnis zu den aufgewendeten Leistungen, wurden wichtige Anforderungen erkannt:
Schulung der Handfertigkeiten und ergonomische Arbeitsplatzgestaltung.
Die Kinästhetik mit ihrem Programm zur Gesundheitsförderung kann hier zur Arbeitssicherheit und Produktivität beitragen, mit dem Ziel alle Mitarbeiter in Gesundheitsförderung und Gestaltung des Arbeitsplatzes zu schulen. Die gesetzlichen Vorgaben zur Unfallverhütung werden teilweise damit abgedeckt.
Pflegeleitbild
Das Pflegeleitbild orientiert sich am Unternehmensleitbild. Die Inhalte des Unternehmensleitbildes werden jetzt auf die Ebene des Pflegeleitbildes heruntergebrochen, und es erfolgt eine Konkretisierung der einzelnen Inhalte. Folgende Punkte sollten als Grobübersicht in einem Pflegeleitbild angesprochen und definiert werden:
Auf der Basis des Pflegeleitbildes kann nun ein entsprechendes Pflegemodell für die Klinik gewählt werden. Dieses muss sich aber in den inhaltlichen Aussagen mit den Definitionen im Leitbild decken bzw. es muss eine Übereinstimmung hergestellt werden können.
Bezug zur Kinästhetik
In dieser Grobübersicht des Pflegeleitbildes kann wiederum auf die Studien der Verhaltenskybernetik und in der amerikanischen Stahlindustrie zurückgegriffen werden. Die Pflegenden sollen so trainiert werden, damit sie die motorischen und sensorischen Fähigkeiten erlangen, um ihre spezifischen Tätigkeiten effektiv durchführen zu können.
Die Umgebung wird so gestaltet, dass die Tätigkeiten möglichst einfach sind. Die einzelnen Konzepte der Kinästhetik können einzeln oder aufeinander bezogen in die einzelnen Punkte des Pflegeleitbildes als Handlungshilfe eingefügt werden.
Pflegemodell
Ein Pflegemodell ist ein systematisch konstruiertes, auf einer wissenschaftlichen Grundlage basierendes und logisch aufgebautes Konzept, weiches die grundsätzlichen Komponenten der Krankenpflege, ihre theoretische Basis und die erforderlichen Werterhaltungen der Anwendung in der Praxis, definiert.
Anforderungen, die an ein Pflegemodell zu stellen sind.
a) Es soll systematisch aufgebaut sein und keine willkürliche Zusammenstellung von Beobachtungen und Meinungen enthalten
b) Es soll eine wissenschaftliche Grundlage und nicht nur aus der Luft gegriffene Meinung sein. Diese wissenschaftliche Grund- lage können Erkenntnisse der Medizin, Psychologie oder Soziologie sein.
c) Die Bestandteile des Modells sollen logisch miteinander verknüpft sein. Sie sollten nicht passiv aus anderen Wissenschaftsbereichen übernommen werden, sondern aktiv für ihre Nutzbarkeit in der Pflegeverändert werden.
d) Die Modelle sollen nicht nur theoretische Gedankengebäude sein, sondern sie müssen auf ihre Verwendbarkeit und Gültigkeit in der Praxis überprüft werden.
Die Pflegemodelle sollten unter folgenden Kriterien betrachtet werden:
- Die Beschreibung des Menschenbildes
- Die Probleme, die pflegerisches Eingreifen erfordern
- Art und Inhalt der Einschätzung des Patienten
- Die Art und Weise der Zielsetzung und Planung der Pflege
- Die Schwerpunkte bei der Ausführung des Pflegeplanes
- Die Bewertung der Qualität und Effektivität der Pflege
- Die Rolle des Krankenpflegepersonals
Es fällt hierbei auf, dass einige Punkte, die ebenfalls im Pflegeleitbild schon definiert sind, sich nun im Pflegemodell wiederholen. Dies ist wichtig und richtig und stellt eine wichtige Verzahnung im Aufbau der Pflege dar.
Bezug zur Kinästhetik
Die Anforderungen, die an ein Pflegemodell zu stellen sind, haben mit dem Handlungskonzept Kinästhetik in der Pflege nach unserer Meinung Gemeinsamkeiten. Jedoch ist Kinästhetik in der Pflege kein Pflegemodell, sondern ein praktisches Modell. Es kann in seinen Konzepten in die Praxis als Handlungshilfe integriert werden.
Die Gemeinsamkeit zum Pflegemodell ist der systematische Aufbau der 6 Konzepte der Kinästhetik in der Pflege. Die wissenschaftlichen Grundlagen der Kinästhetik sind die Verhaltenskybernetischen Forschungen von Smith, Gould, Putz, Molitor, Ansell, Henry, Wiener, Bateson und Powers. Diese Forschungen beschreiben den Menschen als ein selbstkontrollierendes und sich selbsterhaltendes Rückkopplungssystem. Die wichtigste Grundlage ist die Funktions- und Lernfähigkeit des Menschen nach dem kybernetischen Modell.
Die Nutzbarkeit des Programmes Kinästhetik in der Pflege ist eindeutig und wird ständig in der Praxis weiterentwickelt, wie die Entwicklung in der Intensivpflege und in der gerontopsychiatrischen Pflege zeigt.
Die Entwicklung, die in der Kinästhetik in der Pflege in den letzten Jahren geschah, ist zum grössten Teil von denen, die täglich Kinästhetik angewendet haben entstanden. Wir nehmen als Beispiel Kinästhetik in der Intensivpflege, welche während der Schulung ständig den dortigen Gegebenheiten angepasst wurde.
Der Pflegeprozess
Der Pflegeprozess beschreibt nun in einem kybernetischen Regelkreislauf konkret die einzelnen Schritte und den Ablauf der Pflege. Es handelt sich hierbei um die Umsetzung der Pflege, nicht um eine Ausführung nach Einfühlungsvermögen und Instinkt, sondern um eine systematische Abfolge von Schritten, der man bei der Planung und Ausführung der Pflege folgen kann.
Die einzelnen Schritte des Pflegeprozesses müssen jetzt adaptiert an das angestrebte Pflegemodell betrachtet werden.
Legt man das PflegetheorieModell nach Dorothea Orem zugrunde, das stark auf der Selbständigkeit und der Eigenverantwortlichkeit des Patienten beruht, ergeben sich hierdurch für den Pflegeprozess weitgehende Auswirkungen. Die Ausführung der einzelnen Schritte, sprich Patientenaufnahmegespräch, Zielsetzung etc, haben deutlich andere Schwerpunkte als im klassischen Pflegeprozess. Daraus wird sehr schnell ersichtlich, dass eine sehr enge Verzahnung und Abstimmung zwischen Pflegemodell und Pflegeprozess herge stellt werden muss. Vor allem für das Pflegepersonal wird hier eine Transparenz zwischen theoretischen systematischen Vorstellungen und konkreten Handlungsrichtlinien hergestellt.
Um das bisher Beschriebene jetzt konkret in Handlungen am Patienten umzusetzen, bedarf es gewisser Handlungsrichtlinien, Maximen, Vorgehensweisen, um beim Patienten das gewünschte Ergebnis zu erzielen. Sie sind somit eine Schnittstelle oder eine Umsetzungskomponente zwischen Pflegeleitbild, Pflegemodell und Pflegeprozess sowie der konkreten Anwendung von pflegerischen und therapeutischen Massnahmen.
Bezug zur Kinästhetik
Die Schritte des Pflegeprozesses sind immer die gleichen.
Problemformulierung, Zielformulierung, Massnahmenformulierung, und Überprüfung. Es ist aber von entscheidender Bedeutung, welches Pflegemodell als Grundlage zum Pflegeprozess hinzugezogen wird. Es gibt einige Unterschiede in den einzelnen Pflegemodellen und es würde zu weit führen, die einzelnen Unterschiede auszuarbeiten und den Zusammenhang zur Kinästhetik in der Pflege herzustellen. Wir nehmen das Pflegemodell von Dorothea Orem, denn die einzelnen Schritte im Regelkreislauf sind etwas anders gestaltet. Die Erhaltung und die Förderung der Selbständigkeit und Eigenverantworlung hat in dem Modell von Dorothea Orem einen hohen Stellenwert, deshalb ist die Einschätzung des Patienten ziemlich anders gestaltet als bei den anderen Modellen. Die Förderung und Unterstützung zur Selbständigkeit und Eigenverantwortung ist im Regelkreislauf ein ständiger Anpassungsprozess, weil die Situation sich ständig ändert und nie gleich ist. Hier kann ein enger Zusammenhang zur Kinästhetik in der Pflege hergestellt werden, denn menschliche Bewegung und somit auch die menschliche Funktion sind einer ständigen Veränderung und Anpassung ausgesetzt.
Die täglichen Unterschiede und Veränderungen, die der kranke Mensch erfährt, um sich an die Situation anzupassen, sind im Pflegeprozess schwierig zu beschreiben und zu begleiten. Es handelt sich immer um individuelle Prozesse. Die einzelnen kinästhetischen Konzepte können hier eine entscheidende Hilfe sein.
Das 1. Konzept der Kinästhetik, die Interaktion, ermöglicht einem gezielt, die Unterschiede, die der kranke Mensch mitbringt, über einen gezielten Informationsaustausch so anzupassen, dass der kranke Mensch in seinen Bewegungsfähigkeiten folgen kann. Die weiteren Konzepte können somit individuell angepasst werden. Diese Vorgehensweise und die verschiedenen Möglichkeiten, einen kranken Menschen zu bewegen, ist immer eine einmalige, eine sich ständig verändernde Situation. Der kranke Mensch kann durch diese gezielte Förderung in seinen menschlichen Funktionen aktiv durch Erfahrung und Lernen unterstützt und gefördert werden.
Die Dokumentation kann an die individuellen Bedürfnisse angepasst werden. Das Intensivpflegepersonal des Kantonsspital Baden hat einen sehr wichtigen Schritt für eine gezielte Dokumentation entwickelt und durchgeführt.
Organisationsform der Bereichspflege
Die Organisationsform der Bereichspflege ist charakterisiert durch die Arbeitsverteilung "Ganzheitliche Patienten". Die vorhandenen Patienten werden auf die innerhalb einer bestimmten Zeit anwesenden Pflegekräfte verteilt, weiche diese in allen pflegerischen Belangen ganzheitlich versorgen. Die einzelnen Pflegekräfte planen und kontrollieren alle Massnahmen, die bei dem Patienten in ihrem Bereich anfallen und tragen dafür die Verantwortung. Gleichzeitig sind sie zentraler Ansprechpartner für Ärzte und Angehörige sowie andere Bereiche der Klinik.
Die Bereichspflege ist somit ein wichtiges Transportmittel zur Umsetzung der Inhalte des Pflegemodelles und der Schritte des Pflegeprozesses. Wird hingegen funktionell auf einer Station organisiert und gearbeitet, ist dies eine strikte Kontraindikation für eine Umsetzung von ganzheitlichen oder patientenzentrierten Pflegemodellen.
Bezug zur Kinästhetik
Kinästhetik in der Pflege unterstützt die Krankenschwester, den Krankenpfleger in ihrem zuständigen Bereich, den Interaktionsprozess zum einzelnen Kranken zu fördern. Dadurch, dass die Pflegende in ihrem Bereich im gesamten für alle Funktionsstörungen des Kranken verantwortlich ist, kann sie die einzelnen Konzepte der Kinästhetik jeweils individuell anpassen.
Die Funktionspflege unterstützt jedoch nicht die individuelle Bewegungsfähigkeit des kranken Menschen. Funktionspflege ist eher Verrichtung - und Tätigkeitsorientiert. Trotzdem können Aspekte für Bewegungsunterstützung eingefügt werden. Die Bereichspflege hat aber eindeutige Vorteile um Gesundheit individuell und im Prozess zu fördern.
Pflegestandards
sind ebenso wie die Bereichspflege ein wichtiger Baustein in der Umsetzung der konkreten Pflege am Patienten. Die Pflegestandards ermöglichen eine Festlegung und Erhaltung von definierten Qualitätsnormen in der Krankenpflege. So werden durch die Standards pflegerische Leistungen dargestellt, und sie bieten auch gleichzeitig die Möglichkeit zur Evaluierung der Pflegeleistungen. Die Standards sind ebenso ein wichtiger Schritt zur Professionalisierung der Krankenpflege hinsichtlich der Entwicklung eines eigen ständigen Berufsbildes im Gesundheitswesen.
Des weiteren dient der Standard der Förderung des pflegerischen Begriffinstrumentariums und dessen Weiterentwicklung (Terminologie). Die Standards sind auch ein wichtiger Baustein zur Unterstützung der Umsetzung des Pflegeprozesses und der Pflegedokumentation. Besonders zur rechtlichen Absicherung wie zur Umsetzung des Krankenpflegegesetzes, speziell der Ausbildungs- und Prüfungsordnung, sind die Standards eine wichtige Komponente.
Bezug zur Kinästhetik
Eine der wichtigsten Qualitätsnormen ist die aktivierende Pflege. Dies ist eigentlich der grundsätzlichste Standard überhaupt. In allem was wir täglich tun, brauchen wir Bewegung. Atmen, An- und Auskleiden, Essen und Trinken, Ausscheidung, Schlafen, Fortbewegen. Bewegung kann eigentlich nicht standardisiert werden, weil sie jeweils individuell und situativ ist. Hier jedoch hat es das Handlungskonzept der Kinästhetik erreicht, Bewegung in 6 Konzepten zu beschreiben. Die Terminologie der Kinästhetik in der Pflege kann auch Pflegestandard sein.
Qualitätsmanagement
Zunehmend werden Begriffe wie die "Qualitätssicherung", Qualitätsmanagement in der Pflege" (im Krankenhaus allgemein) von grosser Bedeutung sein. Gemeint ist hier vor allem die stationsbezogene und prozessorientierte Qualitätssicherung im Krankenhaus. Diese bezieht sich vor allem auf Themen innerhalb der Pflegeorganisation selbst (Pflegestandards) wie auch auf übergreifende Problemstellungen (Schnittstellenproblematik). Es wird hierbei in der Regel ebenfalls nach einem bestimmten, festgelegten Regelkreislauf vorgegangen (z. B. CBO-Modell), um anhand von übergreifenden, multidisziplinären Qualitätszirkeln, Organisationsproblematiken innerhalb des Klinikums besser zu organisieren. Die Qualitätssicherung ist somit in allen Dienstleistungprozessen enthalten und muss kontinuierlich fort- und weitergebildet werden.
Bezug zur Kinästhetik
Qualitätssicherung im Krankenhaus hat inzwischen einen hohen Stellenwert bekommen. In der Industrie ist dies seit Jahren bereits Bestandteil. Nimmt man den kranken Menschen als Kunden, so ist es von entscheidender Bedeutung, wie er in der Gesamtstruktur eines Krankenhauses behandelt, betreut und gepflegt wird, um weitestgehend gesund wieder das Krankenhaus zu verlassen. Deshalb ist es von entscheidender Bedeutung, dass alle Berufsgruppen überschneidend an diesem Prozess mitarbeiten. Kinästhetik in der Pflege hat einen wichtigen Einfluss, diese Qualität zu sichern.
Fort- und Weiterbildung im Pflegebereich
Alle bisher genannten Elemente der Krankenpflege müssen kontinuierlich fort- und weitergebildet werden. Dies betrifft sowohl einzelne fachliche Qualifikationen (z. B. Stationsleitung, Mentorin, Qualitätsbeauftragte) wie auch eine inhaltliche Vertiefung von einzelnen speziellen pflegerischen Fragestellungen und Themen. Auch der gesamte Bereich der Fachweiterbildungen (Intensiv, OP, Onkologie) muss hierbei genannt werden. Werden die einzelnen Schritte logisch und konsequent aufeinander aufgebaut und abgestimmt, so lässt sich mit Sicherheit die Aussage treffen, dass eine qualitativ bestmögliche pflegerische Patientenversorgung in diesem System gewährleistet werden kann. Die momentane, strenge Budgetierung hat direkte Auswirkungen auf Fort- und Weiterbildungsmassnahmen, nicht nur im Pflegebereich, sondern in allen Berufsgruppen im Gesundheitswesen.
Es hätte fatale Auswirkungen, wenn aufgrund der finanziellen Situation diese Fort- und Weiterbildungsmassnahmen weiter dezimiert werden würden. Um Qualität zu sichern, ist jedoch eine gezielte Fort-und Weiterbildung von massgebender Bedeutung. Um Kosten einzusparen, braucht es ein umfassendes Wissen mit dem Ziel, Gesundheit zu fördern und Krankheit mit dem umfassenden Wissen so zu behandeln, dass der kranke Mensch wieder selbständig seine Alltagsfunktionen durchführen kann. Wir denken, dass das Handlungskonzept Kinästhetik in der Pflege in seiner Struktur des Lernens von Bewegung dazu einen Beitrag leistet.
Ausblick
Gesundheit und Krankheit haben einen entscheidenden Einfluss auf das Leben eines jeden Menschen. Wir haben uns Gedanken gemacht, wie wir dies anhand des Handlungskonzeptes Kinästhetik in der Pflege in die Organisationsstruktur eines Krankenhauses der Maximalversorgung integrieren und vernetzen können, Dies ist eine Idee, die im Laufe des Prozesses, Kinästhetik in der Pflege in unserer Klinik einzuführen, entstanden ist. Wir wollen diese Gedanken allen, die in diesem Prozess stehen weitervermitteln. Wir verbinden damit unser letztendlich einfaches Ziel, alle daran teilnehmen zu lassen, einen konstruktiven Austausch zu gestalten und vielleicht in einer schwierigen Situation wieder zu Kreativität und Vision zu finden. Wir haben nicht den Anspruch, dass diese Gedanken und Auseinandersetzungen mit dem Thema das einzig Wichtigste und Richtigste sind. Wir hoffen auf eine konstruktive und kritische Auseinandersetzung.






