Forschungsaktivitäten

Im Zentrum unserer Forschungsaktivitäten stehen Pankreatische Sternzellen (PSC), die mesenchymalen Ursprungs und wichtiger Bestandteil des pankreatischen Stromas sind. Sie speichern Vitamin A in intrazellulären Lipidvakuolen und bilden u.a. Extrazellulärmatrix(ECM)-Proteine und Wachstumsfaktoren, die für die Gewebshomöostase wichtig sind.
Doch damit nicht genug! Unter pathophysiologischen Bedingungen verändern sie ihren Phänotyp hin zu myofibroblast-ähnlichen Zellen, verlieren dabei Vitamin A und bilden vermehrt ECM-Proteine, Wachstumsfaktoren, Chemokine, aber auch ECM-abbauende Proteine. Im Rahmen von Pankreaserkrankungen übernehmen sie nicht nur die Rolle eines 'Lückenbüßers', sondern tragen wesentlich zur Pathogenese von Pankreatitis und Pankreaskrebs bei.
Was es nun genau mit PSC und deren Beitrag zum Krankheitsgeschehen auf sich hat, ist weiter unten noch ausführlicher erklärt - sowie unsere derzeitigen Forschungsprojekte
Mitarbeiter unserer Forschungsgruppe:
| Dr. Hansjörg Habisch, Biochemiker |
| Frau Jing Lu, Medizinstudentin aus Nanjing, China |
| Frau Gisela Sailer, MTA |
| Herr Zhigong Zhang, Mediziner (Assistenzarzt Chirurgie, Anhui Medical University, China) |
| Dr. Shaoxia Zhou, Laborfachärztin |
Freie Stelle:
Ab Januar 2011 gibt es 2-3 Stellen für medizinische Doktoranden bzw. auch Projekte für Studenten anderer Studienrichtungen (Molekulare Medizin, Biologie, Chemie) – als Bachelor- oder Diplomarbeit.
Bei Interesse an einer experimentellen Doktorarbeit – bei der es nicht nur um ein bisschen Statistik geht, sondern bei der man häufig verwendete Methoden (Zellkultur, real-time PCR, Westernblot, ELISA, Multiplex-Analyse, Immunfluoreszenzmikroskopie, life-cell imaging, etc.), in einem modern ausgestatteten Labor einmal gründlich erlernen kann – bitte bei Hansjörg Habisch melden, dann können wir gerne einen Termin vereinbaren.
Grundlagen
Wie eingangs erwähnt, spielen pankreatische Sternzellen (PSC) eine wichtige Rolle bei akuten und chronischen Erkrankung der Bauchspeicheldrüse. Was sind PSC, was ist ihre (patho)physiologische Funktion?
1. 'Ruhende' PSC Unter physiologischen Bedingungen speichern PSC Vitamin A in intrazellulären Vakuolen. Die konstante Speicherung und Bereitstellung von Retinsäure ist vermutlich wichtig, um eine Aktivierung von PSC (s.u.) zu verhindern und die Proliferationsrate gering zu halten. Kennzeichnend ist außerdem die Expression der zytoplasmatischen Filamentproteine Vimentin, Desmin und GFAP sowie eine geringe Synthese von Extrazellulärmatrixproteinen. Bis dato ist wenig bekannt über die physiologische Funktion 'ruhender' PSC, da sie etwa nach Isolierung aus dem (auch gesunden) Pankreas rasch aktiviert werden: |
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2. Aktivierte PSC
| Aktivierung bedeutet, dass PSC Vitamin A verlieren, eine Myofibroblasten- ähnliche Morphologie annehmen, dass Zellmotilität und Proliferationsrate steigen und sich das Expressionsprofil der Zellen deutlich ändert. Die charakteristischste Veränderung ist die Expression des Zytofilamentproteins a-smooth muscle actin (a-SMA), durch die u.a. ein Nachweis aktivierter PSC in vivo möglich ist. Außerdem werden vermehrt Extrazellulärmatrix(ECM)-proteine, allen voran Fibronectin, Kollagen I und III exprimiert, die ihrerseits zu einer erhöhten Festigkeit des Gewebes führen (Fibrose), andererseits aber auch Matrixmetalloproteinasen (MMPs) und deren Inhibitoren (TIMPs). Letztere werden zwar |
auch von inaktiven PSC konstitutiv gebildet (um einen ständigen basalen Umbau der ECM zu ermöglichen), in aktivierten PSC verlagert sich das MMP/TIMP-Gleichgewicht jedoch auf Seite der MMPs und führt somit zu verstärktem ECM-Abbau. Darüber hinaus exprimieren aktivierte PSC zahlreiche Signalproteine (sowie deren Rezeptoren), allen voran PDGF, TGFb und FGF-2. Diese verstärken über auto- und parakrine Wirkung die Aktivierung von PSC und haben Einfluss auf andere Zellen in der Umgebung (etwa Acinus-, Insel-, Endothel- oder Tumorzellen). | |
3. Die Rolle von PSC beim Pankreaskarzinom Beim Pankreaskarzinom findet man eine besonders ausgeprägte desmoplastische Reaktion, d.h. im und um den Tumor finden sich zahlreiche aktivierte PSC, die große Mengen an ECM-Proteinen bilden. Zum einen verringert dieser große Anteil an Stroma die Wahrscheinlichkeit einer Metastasierung, zum anderen produzieren PSC aber auch MMPs (-> ECM-Abbau) und erleichtern dadurch die Metastasierung, fördern (nach dzt. Kenntnisstand) die Tumor-Angiogenese und sind an der Chemoresistenzentwicklung beteiligt. |
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4. Die Rolle von PSC bei Pankreatitis
Bei Pankreatitis kommt es u.a. zur Aktivierung von PSC, die darauf hin eine Reihe von Mediatoren, z.B. pro-inflammatorische Zytokine, freisetzen sowie verstärkt ECM-Proteine produzieren, die einerseits Immunzellen anlocken, andererseits zu einer Fibrosierung mit letztendlichem Funktionsverlust des Gewebes führen.
Derzeitige Forschungsprojekte
Symbiose zwischen PSC und Pankreaskarzinomzellen (PCC)
In diesem Projekt sollen die Signalnetzwerke, die die Symbiose zwischen PSC und PCC vermitteln und so zur Therapieresistenz des Pankreaskarzinoms wesentlich beitragen, identifiziert werden. Proteinkinasen und/oder ihre Substrate, die kritisch für diese Symbiose sind, könnten interessante neue therapeutische Targets für das Pankreaskarzinom darstellen. Proteinkinasen deshalb, weil sie bei den meisten in der Zelle ablaufenden Signalwegen an zentraler Stelle stehen, wie das unten gezeigte ‚vereinfachte’ Schema (in PSC) veranschaulicht.
Mittels siRNA und spezifischer Inhibitoren soll nun die Rolle zahlreicher Kinasen für zelluläre Vorgänge wie Morphologieveränderungen, Zellmotilität, Proliferation, Apoptose und Genexpression untersucht werden.
Dieses Projekt führen wir in Kooperation mit Prof. Thomas Seufferlein in Halle/Saale durch.
Vergleich von PSC isoliert aus tumornahem und -fernem Gewebe Da Tumorzellen zu einer Aktivierung von PSC führen, die mit einer Veränderung der Genexpression in PSC einhergeht, darf man annehmen, dass Unterschiede zwischen PSC bestehen, die aus tumornahem Gewebe entnommen wurden, und solchen, die aus tumorfernem (annähernd gesundem) Gewebe entnommen wurden. Um die Mechanismen der Aktivierung von PSC (mit den daraus resultierenden pathophysiologischen Folgen) besser zu verstehen, wurden mittels gene chip arrays einige Gene identifiziert, die in aktivierten PSC verstärkt exprimiert werden. Diese werden nun genauer in Hinblick auf ihre zelluläre Funktion untersucht. |
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Einfluss von PSC auf die Tumorzellmigration
Zellmigration ist eine wesentliche Vorraussetzung für die Metastasierung von Tumorzellen. In diesem Projekt wird der Einfluss von PSC-Zellkulturüberstand auf die Migration und die epithelial-mesenchymale Transition (EMT) von Tumorzellen untersucht. Neben transforming growth factor beta (TGFb) sollen weitere Faktoren, die dafür verantwortlich sind, sowie die zugrunde liegenden Signaltransduktionswege identifiziert werden.
Einfluss von PSC und PCC auf Endothelzellen in Hinblick auf Tumor-assoziierte Angiogenese
Aus der Literatur ist bereits bekannt, dass sowohl PSC als auch Krebszellen die Angiogenese beim Pankreaskarzinom fördern - eine Voraussetzung dafür, dass die Tumorzellen (im ansonsten hypoxischen Gewebe) überleben und proliferieren können. In diesem Projekt sollen die synergistischen Effekte der beiden Zellen auf Endothelzellen sowie einige der daran beteiligten Faktoren und Signaltransduktionswege untersucht werden.
Gefördert werden die Projekte durch die Deutsche Krebshilfe
Projektleiter: Prof. Dr. Dr. Dr. h.c. Max Bachem und Prof. Dr. Th. Seufferlein (Halle)
Titel: Die Symbiose zwischen pankreatischen Sternzellen (PSCs) und Pankreaskarzinomzellen (PCCs) als Target zur Überwindung der therapeutischen Resistenz des Pankreaskarzinoms
Förderperiode: 10/2010 – 9/2013
Vormalige Projekte:
Die Forschungsaktivitäten der Zentralen Einrichtung Klinische Chemie konzentrieren sich auf folgende Gebiete: SFB518 Teilprojekt A7 von 7.1998 bis 06.2010
Projektleiter: Prof. Dr. Dr. Dr.h.c. Max G. Bachem
Thema: Untersuchungen zur Rolle von EMMPRIN und dessen Interaktion mit pankreatischen Sternzellen bei der Fibrogenese und Tumordesmoplasie.














