Fremdvergabe

Bezeichnung

Methyltetrahydrofolatreduktase Mutationen (Polymorphismen) in Positionen 677 und 1298

Diese Bestimmungen werden extern versandt!

Synonym

MTHFR-Mutationen, MTHFR-Polymorphismus

Handelsname

Keiner

Pathobiochemie

Die Methyltetrahydrofolatreduktase (MTHFR) katalysiert die Synthese von 5-Methyltetrahydrofolat, einem Methyldonor für die Methioninsynthese und Vorläufer von S-Adenosylmethionin. Die häufigste Mutationsvariante bei diesem Enzym ist eine Punktmutation in Position 677 (C677T), dadurch entsteht bei homozygoten Trägern eine thermolabile Variante der MTHFR mit etwa 50%igem Aktivitätsverlust. Die heterozygote Mutation ist mit einer Prävalenz von bis zu 40% der Bevölkerung sehr häufig, 5-20% sind homozygote Träger. Eine zweite genetische Variante  mit etwa der gleichen Häufigkeit bildet die Punktmutation an Position 1298 (A1298C). Auch dieser Polymorphismus der MTHFR ist mit einer verminderten Enzymaktivität assoziiert, homozygote Individuen besitzen etwa 60% der Enzymaktivität von Normalpersonen. Heterozygote Individuen für beide Mutationen (C677T und A1298C) repräsentieren etwa 15% der Bevölkerung und weisen etwa 50–60% der Enzymaktivität von Normalpersonen auf, dies bedeutet eine niedrigere Aktivität als bei einer alleinigen heterozygoten C677T Mutation.

Eine Hyperhomocysteinämie ist ein etablierter Risikofaktor für kardiovaskuläre Erkrankungen. Eine homozygote Mutation im MTHFR-Gen vom Typ 677T führt oft zu milden bis moderaten Erhöhungen der Homocysteinkonzentration im Plasma, speziell bei niedrigem B12- oder Folatstatus. Bei heterozygoten Trägern bleiben die Werte ohne zusätzlichen B12- und/oder Folsäure-Mangel im Referenzbereich.

Eine hetero- oder homozygote MTHFR- Mutation an Position 1298 scheint dagegen nur in Kombination mit einer hetero- oder homozygoten Mutation an Position 677 zu einer Erhöhung der Homocysteinkonzentration zu führen, wobei die Kombination homozygot 677T und heterozygot A1298C (crossover) selten und die Kombination homozygot 677T und homozygot 1298C nicht auffindbar ist.

Ein erhöhtes venöses Thromboserisiko durch MTHFR- Mutationen ist bisher nicht eindeutig nachweisbar, entscheidend für ein erhöhtes Risiko ist aber die Kombination mit weiteren prädisponierenden Faktoren, speziell mit einem gleichzeitigen Vitamin B12- und/oder Folsäure-Mangel. Die beiden Mutationen im MTHFR- Gen bedingen bei Individuen mit Faktor V-Leiden oder Prothrombin G20210-Mutation offenbar eine weitere Steigerung des Thromboserisikos. Beide MTHFR Mutationen sind offensichtlich auch verantwortlich dafür, dass weibliche Träger ein erhöhtes Risiko für wiederholte Aborte in der Frühschwangerschaft tragen. Eine Rolle der MTHFR-Mutationen bei der Genese des offenen Neuralrohres bzw. bei der Therapie mit Folsäureantagonisten wird diskutiert.

Hinweis zur Pharmakogenetik

Die MTHFR (Methylentetrahydrofolat-Reduktase)spielt als Schlüsselenzym des Folsäurestoffwechsels eine wichtige Rolle im Rahmen der therapeutischen Wirkung von Folsäureantagonisten wie Methotrexat.

 

Bei heterozygoten oder homozygoten Punktmutationen im MTHFR-Gen an Position 677 und/oder 1298 ist die Enzymaktivität vermindert, daraus kann ein höheres Risiko für toxische Nebenwirkung unter Methotrexattherapie folgen, speziell wenn keine Folatsupplementierung erfolgt. Die Aktivität der MTHFR ist bei alleiniger Mutation an Position 1298 deutlich weniger reduziert als bei Mutation an Position 677 oder bei kombinierter Mutation an beiden Positionen.

 

Beide  Punktmutationen im MTHFR-Gen sind Polymorphismen in der Bevölkerung, eine homozygote Mutation vom Typ 677T erreicht eine Prävalenz von etwa 15%.

 

Durch Bestimmung des MTHFR-Genotyps kann vor einer MTX-Therapie ein entsprechendes Risiko für erhöhte Toxizität erkannt und ggf. eine individuelle Dosisanpassung vorgenommen werden.

 

Falls keine sonstigen Mutationen im MTHFR-Gen vorliegen, gilt:

 

Bei einer heterozygoten Mutation an Position an 677 (Typ C677T) im MTHFR-Gen ist die Enzymaktivität leicht reduziert, das Risiko für eine Toxizität von MTX ist höchstens geringfügig erhöht.

 

Bei einer homozygoten MTHFR-Mutation (Typ 677T) ist die Enzymaktivität in der Regel signifikant reduziert, es besteht ein erhöhtes Risiko für toxische Nebenwirkungen von MTX.

 

Bei kombinierter heterozygoter Mutation an Position 677 und Position 1289 (Haplotyp  C677T / A1298C) ist die Enzymaktivität in der Regel signifikant reduziert, auch in diesem Fall besteht ein erhöhtes Risiko für toxische Nebenwirkungen von MTX.

 

Heterozygote bzw. homozygote Mutationen an Position 1298 (A1298C) haben trotz verminderter MTHFR-Aktivität offenbar keine signifikante Auswirkung auf die Toxizität von MTX. Speziell die homozygote Genvariante (1298C) scheint umgekehrt das Ansprechen auf die MTX-Therapie positiv zu beeinflussen. Bei diesem Genpolymorphismus besitzt der Wildtyp (A1298) das höchste Risiko für toxische Nebenwirkungen bei MTX-Therapie

 

Weitere, seltenere Punktmutationen bei Enzymen des Folsäuremetabolismus (MTR, MTRR) können ebenfalls das Risiko für MTX-Nebenwirkungen erhöhen, sind aber z.Z. in der Routinediagnostik nicht erfassbar.  

Indikation

  • Abklärung einer Hyperhomocysteinämie.
  • Eventuell Abklärung einer Thrombophile.

Präanalytik

Probentransport und Abnahme:

Siehe hierzu die Informationen auf der Homepage der Zentralen Einrichtung Klinische Chemie.

Bitte fügen Sie der Anforderung eine Einverständniserklärung des Patienten  bei: (Formular).

Das neue Gesetz über genetische Untersuchungen bei Menschen (Gendiagnostikgesetz – GenDG) vom 24.04.2009 schreibt vor, dass genetische Analysen nur nach Vorliegen einer schriftlichen Einverständniserklärung der zu untersuchenden Person bzw. des Erziehungsberechtigten durchgeführt werden dürfen. Ferner muss vom anfordernden Arzt eine ausgiebige Aufklärung über die Bedeutung dieser Diagnostik durchgeführt werden.

Einheit

Qualitativ, siehe Referenzbereich.

Probenmaterial 

EDTA-Vollblut. (ggf. kann auch Citrat- oder Li-Heparin-Vollblut verwendet werden):


 

Referenzbereiche

Erwartete Ergebnisse:

-     homozygoter Wildtyp (negativ)

-     homozygot mutierter Genotyp (homozygot)

-     heterozygoter Genotyp (heterozygot).

Bei Chimärenbildung durch Knochenmarks- oder Lebertransplantation kann das Ergebnis der PCR-Bestimmung aus peripheren Leukozyten irreführend sein.

Methode/Meßverfahren/Gerät

Diese Bestimmungen werden seid dem 29.5.2015 extern versandt!

Bis zum 29.5.2015:

Im LightCycler (Fa.Roche) erfolgt eine Amplifikation eines DNA-Fragments durch die Polymerase-Kettenreaktion (PCR). 

Zur Detektion und Genotypisierung der amplifizierten MTHFR C677T Sequenz wird eine fluorogene zielspezifische Hybridisierung verwendet. Die Alleltypisierung erfolgt letztlich über Schmelzkurvenanalyse.

Zur Detektion und Genotypisierung der amplifizierten MTHFR A1298C Sequenz wird eine fluorogene zielspezifische Hybridisierung verwendet. Die Alleltypisierung erfolgt letztlich über Schmelzkurvenanalyse.

Sonden: Genes-4U für MTHFR A1298C und MTHFR C677T

Analysenfrequenz 

1 x wöchentlich

Literatur/Quelle der Referenzbereiche

  • Labor- und Diagnose, L. Thomas 7. Auflage, S 834-839

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