Die molekularbiologische Diagnostik stellt eine Ergänzung zur konventionellen kulturellen und serologischen Erregerdiagnostik dar.
Sie wird insbesondere zum Nachweis von Erregern durchgeführt, die
- nicht oder nur schwierig kulturell anzüchtbar sind
- sehr langsam wachsen
- Toxingene besitzen können, die mit einer sehr hohen Pathogenität verbunden sind (z. B. Corynebacterium diphtheriae)
- Resistenzgene besitzen können, die von großer klinischer und klinikhygienischer Relevanz sind (z. B. Nachweis von MRSA)
Bei der molekularbiologischen Diagnostik wird die Nukleinsäure der jeweiligen Erreger, bzw. ein für den jeweiligen Erreger spezifisches Gen nachgewiesen. Dazu stehen verschiedene Methoden, wie z. B. die Polymerase-Ketten-Reaktion und der Einsatz von Gensonden zur Verfügung. Da es sich bei den Methoden zum Nachweis von Nukleinsäuren um sehr empfindliche Verfahren handelt, die auch geringste Mengen Nukleinsäure des Erregers nachweisen können, müssen z. T. besondere Bedingungen bei der Materialentnahme und beim Transport beachtet werden:
- Für den Nachweis von Chlamydien und Gonokokken muss ein spezieller Abstrichtupfer benutzt werden, der in ein spezielles Transportmedium gegeben wird (COBAS Amplicor Set, erhältlich in der Apotheke des Klinikums). Da es sich bei C. trachomatis um einen intrazellulären Erreger handelt, sollten möglichst viele zellreiche Abstriche gewonnen werden.
- Für den PCR-Nachweis von M. tuberculosis aus Liquor mind. 2-5 ml Liquor oder Erststrahlurin einsenden!
- Auf saubere, kontaminationsfreie Materialentnahme achten.
Die molekularbiologische Diagnostik von Infektionserregern wird von unserem Labor grundsätzlich zweimal pro Woche angeboten. Indikationen für die molekularbiologische Sofortdiagnostik müssen mit dem zuständigen Laborarzt für die Molekularbiologie unter den Aspekten Schwere des Krankheitsbildes sowie therapeutische bzw. klinikhygienische Konsequenzen abgesprochen werden.
Bitte beachten Sie, dass die Untersuchungsmethoden und das ausgewählte Spektrum der Erreger einer ständigen Aktualisierung unterliegen. Bei entsprechenden Fragen, auch hinsichtlich der Befundinterpretation, stehen Ihnen unsere Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der Molekularbiologie unter der Telefonnummer 65327 zur Verfügung. Über diese Nummer werden Sie auch an den zuständigen Laborarzt für die Molekularbiologie weitergeleitet.
Im Folgenden finden Sie eine Übersicht über die Erreger, die mittels Nukleinsäurenachweis nachgewiesen werden:
Erreger | Untersuchungsmaterialien | Methode | Bemerkungen |
PCR | Bitte telefonische Rücksprache unter 65327. | ||
Atemwegssekrete Rachenabstrich, Trachealsekret, Bronchialsekret, BAL | LightCycler PCR | Bei Anforderung wird immer eine PCR für beide Erreger durchgeführt. | |
Rachenabstrich, AtemwegssekreteSputum, Trachealsekret, Bronchialsekret, BAL, Konjunktivalabstrich, Liquor | LightCycler PCR |
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Rachenabstrich, AtemwegssekreteSputum, Trachealsekret, Bronchialsekret, BAL, Konjunktivalabstrich, Liquor | LightCycler PCR | In der Regel nur indiziert bei anamnestischen Hinweis auf Vogelkontakt. | |
PCR | Achtung! Nur bei klinischem Verdacht auf Neugeborenen-Pneumonie indiziert (Neugeborene und Säuglinge < 6 Monate), COBAS Amplicor Set verwenden! | ||
Konjunktivalabstrich, Urethralabstrich, Zervikalabstrich, Vaginalabstrich, Erststrahlurin | PCR | COBAS Amplicor Set verwenden! | |
LightCycler PCR | Es wird zusätzlich eine PCR durchgeführt, die alle Legionella-Arten nachweist. | ||
Nasenabstrich, Wundabstrich, Rachenabstrich; | Real-time PCR | Die PCR wird zum MRSA-Screening empfohlen. | |
Trachealsekret, Bronchialsekret, BAL, induziertes Sputum, Liquor (mind. 2-5 ml), Punktate und Biopsien (nach telefonischer Rücksprache) | PCR | Die PCR ist nur für Materialien des Respirationstraktes standardisiert. | |
LightCycler PCR |
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LightCycler, PCR | COBAS Amplicor Set verwenden! | ||
PCR | Auswärtige Untersuchung | ||
LightCycler PCR | nur bei Neugeborenen und Säuglingen < 6 Monate! | ||
eubakterielle PCR (erfasst alle relevanten pathogenen Bakterien) | LightCycler PCR, anschließende Sequenzierung, | nur nach telefonischer Rücksprache unter 65327. | |
panfungal PCR (erfasst alle relevanten pathogenen Pilze) | LightCycler PCR, anschließende Sequenzierung, | nur nach telefonischer Rücksprache unter 65327. |
Neben den in der Tabelle aufgeführten Nukleinsäurenachweisen stehen Untersuchungen für die Kulturbestätigung bzw. den Toxinnachweis bestimmter Erreger zur Verfügung, die im Rahmen der jeweiligen Erregerdiagnostik eingesetzt werden:
- Bacillus anthracis (LightCycler PCR)
- Corynebacterium diphtheriae (LightCycler PCR)
- Escherichia coli (EHEC) (LightCycler PCR)
- Methicillin-resistente Staphylococcus aureus (MRSA) (LightCycler PCR)
- Nicht. tuberkulöse Mykobakterien (NTM) (mit Genotype)
- Mycobacterium tuberculosis Komplex (mit Genotype)
- Vancomycin-resistente Enterokokken (VRE) (LightCycler PCR)
- Burkholderia cepacia Genomovar I, IIIA (BlockCycler PCR)
- Burkholderia multivorans (BlockCycler PCR)
Neben der oben beschriebenen Nukleinsäurediagnostik ist es möglich, biochemisch nicht eindeutig zu bestimmende Erreger (Bakterien und Pilze) mittels Gen-Sequenzierung molekularbiologisch zu identifizieren. Da es sich hierbei um eine sehr zeit- und kostenintensive Spezialdiagnostik handelt, wird eine Sequenzierung nur bei einem signifikanten Keimnachweis und nach Rücksprache mit dem einsendenden Arzt bezüglich der klinischen Relevanz des Erregernachweises durchgeführt.
Für die Identifizierung biochemisch nicht eindeutig differenzierbarer Erreger, wie zum Beispiel gram-negative, nonfermentative Stäbchenbakterien von Mukoviszidose-Patienten, steht ferner die *Fluoreszenz-in-situ-Hybridisierung (FISH)* zur Verfügung. Diese Technik erlaubt durch den Einsatz spezies-spezifischer Fluoreszenzsonden, die an ribosomale RNA binden, eine zuverlässige und schnelle Erregeridentifikation. Abhängig vom Untersuchungsmaterial und den gewachsenen Erregers wird die Technik im Labor veranlasst und muss von Ihnen nicht explizit angefordert werden.





