Kontraindikationen

Die Auswahlkriterien für Spender beruhen auf einer Risikoanalyse im Zusammenhang mit der Verwendung der Spenderaugen bzw. -hornhäute.

Anzeichen für solche Risiken sind durch Anamnese, zweckdienliche Quellen wie Krankenakten und Befragung behandelnder Ärzte, biologische Untersuchung, postmortale Untersuchung und sonstige geeignete Untersuchungen zu ermitteln.

Sofern die Spende nicht aufgrund einer dokumentierten Risikobewertung, die von der verantwortlichen Person durchgeführt wird, gerechtfertigt ist, sind Spender von der Spende auszuschließen, sofern es Hinweise auf eines der folgenden Ausschlusskriterien gibt, die in der gemäß § 3 Abs. 1 TPG-GewV für Augenhornhäute spezifizierten Anlage 1 der TPG-GewV aufgeführt sind:

  1. Postmortale Zeit über 72 h für Spenderhornhäute, die organkultiviert werden.
  2. Postmortale Zeit über 16 h für Spenderhornhäute, die kurzzeitkultiviert (hypotherme Lagerung) werden.
  3. Unbekannte Todesursache, sofern die Todesursache nicht nach der Entnahme aus der Autopsie hervorgeht und kein anderes in diesem Abschnitt genanntes allgemeines Ausschlusskriterium zutrifft.
  4. Erkrankung unbekannter Ätiologie in der Vorgeschichte.
  5. Zentralnervöse Erkrankungen unklarer Genese, wie z. B.:

    • Multiple Sklerose
    • Amyotrophe Lateralsklerose
    • Morbus Alzheimer
    • Retrovirale ZNS-Erkrankung
    • Morbus Parkinson

  6. Spender mit malignen Erkrankungen können für Bulbus und Hornhautspenden in Betracht kommen, ausgenommen Spender mit Retinoblastom, hämatologischen Neoplasien und malignen Tumoren des Augenhintergrunds.
  7. Risiko der Krankheitsübertragung durch Prionen. Dieses Risiko besteht bei:

    • Personen, bei denen die Creutzfeldt-Jakob-Krankheit oder die neue Variante der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit diagnostiziert wurde, oder die eine nicht iatrogene Creutzfeldt-Jakob-Krankheit in der familiären Vorgeschichte aufweisen. Bei der neuen Variante der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit sind eventuell weitere Vorsichtsmaßnahmen zu empfehlen,
      beispielsweise die Berücksichtigung eines kumulativen Aufenthalts in Großbritannien von
      mehr als 6 Monaten zwischen 1980 und 1996.
    • Personen mit anamnestisch erhobener rasch fortschreitender Demenz oder einer degenerativen neurologischen Erkrankung unbekannter Ursache.
    • Empfänger von Hormonen, die aus der menschlichen Hypophyse gewonnen wurden (z. B.
      Wachstumshormone).
    • Empfänger von Transplantaten von Cornea, Sklera und Dura mater.
    • Personen, die nicht dokumentierten neurochirurgischen Operationen unterzogen wurden, bei denen möglicherweise Dura mater verwendet wurde.

  8. Aktive systemische Infektionen einschließlich bakterieller (z. B. Endokarditis), viraler, Pilz- oder parasitärer Infektionen oder Infektionen, deren Ursache unbekannt ist. Pilzsepsis oder Sepsis mit multiresistenten bakteriellen Erregern, z. B. Methicillin-resistenter Staphylococcus
    aureus, Vancomycin-intermediär empfindlicher Staphylococcus aureus, Vancomycin-resistenter Enterococcus.
    Spender mit bakterieller Sepsis können für eine Augenhornhautspende beurteilt und in Betracht gezogen werden, allerdings nur, sofern die Hornhäute in einer Organkultur aufbewahrt werden, welche den Nachweis einer etwaigen bakteriellen Kontamination des Gewebes ermöglicht.
  9. Ausschluss von Personen, bei denen jemals folgende Infektionen nachgewiesen wurden:

    • Viral: anamnestisch erhobene, klinisch oder durch bestätigte Labortests nachgewiesene HIV-Infektion, Übertragungsrisiko akuter oder chronischer Hepatitis B (außer bei Personen mit nachgewiesenem Immunstatus), Hepatitis C und HTLV I/II oder Anzeichen von Risikofaktoren für diese Infektionen.
    • Protozoonosen: Babesiose, Trypanosomiasis (z. B. Chagas-Krankheit), Leishmaniose.
    • Syphilis und andere chronisch persistierende bakterielle Infektionen, wie Brucellose, Fleckfieber und andere Rickettsiosen, Lepra, Rückfallfieber, Melioidose oder Tularämie.

  10. Ausschluss bei Personen mit Hinweisen auf folgende Erkrankungen:

    • Für 2 Jahre nach Infektion mit Salmonella typhi und S. paratyphi bzw. nach dokumentierter Heilung von Q-Fieber, Tuberkulose, Leptospirosen.
    • Für 4 Jahre nach dokumentierter Heilung von Malaria.
    • Für mindestens 4 Wochen nach Abklingen der Symptome von Masern, Röteln, Varicella-Zoster, Hepatitis und anderer als der oben erwähnten Infektionskrankheiten, virale Meningitis, virale Enzephalitis, virales hämorrhagisches Fieber.

  11. Lokal: Signifikante lokale Infektion der Augen durch Bakterien, Viren, Parasiten oder Pilze.
  12. Anzeichen für ungültige Testergebnisse der Spenderblutproben, wegen:

    • Hämodilution Gewebeeinrichtungen dürfen Gewebe von Spendern mit mehr als 50 %iger Plasmaverdünnung (s. 16., z. B. durch Infusion von Kristalloiden innerhalb einer Stunde vor Blutentnahme/Tod bzw. Gabe von Kolloiden oder Blutprodukten innerhalb von 48 h vor der Blutentnahme/Tod) nur annehmen, wenn die angewendeten Untersuchungsmethoden für solches Plasma validiert sind oder wenn eine Prätransfusionsprobe vorliegt.
    • Behandlung mit immunsuppressiven Wirkstoffen.

  13. Anzeichen sonstiger Risikofaktoren für Infektionskrankheiten auf der Grundlage einer Risikobewertung unter Berücksichtigung der Reisen und der Expositionsgeschichte des Spenders sowie der lokalen Prävalenz von Infektionskrankheiten bei Personen aus Ländern mit starker Verbreitung dieser Erkrankungen.
  14. Personen, deren Sexualverhalten ein gegenüber der Allgemeinbevölkerung deutlich erhöhtes Übertragungsrisiko für durch Gewebe übertragbare schwere Infektionskrankheiten wie HBV, HCV oder HIV bergen.
  15. Anzeichen am Körper des Spenders, die ein Infektionsrisiko nahelegen.
  16. Aufnahme oder Exposition gegenüber einer Substanz (wie Zyanid, Blei, Quecksilber, Gold), die auf den Empfänger in einer gesundheitsschädlichen Dosis übertragen werden könnte.
  17. Kürzlich erfolgte Impfung mit einem Lebendimpfstoff aus abgeschwächtem Virus, bei der eine Übertragung für möglich gehalten wird (z. B. Tollwut).
  18. Empfänger von Heterotransplantaten und Xenotransplantaten.
  19. Personen die sich in Ebola-Risikogebieten aufgehalten haben, Kontakt mit an Ebola erkrankten Personen hatten oder selbst an Ebola erkrankten und als geheilt gelten.

Quelle: Deutsches Ärzteblatt | Jg. 111 | Heft 31–32 | 4. August 2014

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