Fragen und Antworten zu Ukrain

Stellungnahme von Prof. Dr. Doris Henne-Bruns, Ärztliche Direktorin der Abteilung Viszeral- und Transplantationschirurgie seit dem 01.10.2001

 

Sehr geehrte Patientin, sehr geehrter Patient,

 

in einigen Pressemitteilungen sowie in der Fernsehsendung „Mona Lisa“ am 10.Oktober 2004 wurde von einer positiven Wirkung des Mittels „Ukrain“ bei Krebserkrankungen berichtet.

Hierbei wurde unter anderem auf eine Studie Bezug genommen, die von 1999 bis 2001 an der chirurgischen Universitätsklinik Ulm unter Beteiligung von Herrn Prof. Dr. Beger durchgeführt wurde. Auf Grund der Berichterstattung erreichten mich zahlreiche Anrufe von betroffenen Patienten oder deren Angehörigen, die ich leider nicht alle persönlich beantworten kann.

 

Die am häufigsten gestellten Fragen waren:

 

Frage: Wirkt Ukrain bei Krebserkrankungen?

Antwort:

Die Studiengruppe „Methoden mit unbewiesener Wirksamkeit in der Onkologie“  der Schweizerischen Krebsliga schrieb 1995 in einer Zusammenfassung über Ukrain „nach sorgfältigem Studium der Literatur und anderer zur Verfügung stehender Informationen haben die Schweizerische Krebsliga und die Schweizerische Gesellschaft für Onkologie keine Beweise dafür, dass Ukrain eine Wirkung gegen Krebs beim Menschen hat. Sie raten von der Anwendung in der Krebstherapie ab“.

Nach 1995 liegen keine Ergebnisse vor, die zu einer anderen Bewertung dieses Präparates führen könnten.“

Zitat aus der gemeinsamen Stellungnahme der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft und der Deutschen Krebsgesellschaft e.V. Deutsches Ärzteblatt 98, Heft 7 vom 16.2.2001 Seite A-418.

 

Frage: Hat die in der Sendung erwähnte Studie einen positiven Behandlungseffekt für Ukrain gezeigt?

Antwort:

„Die Ergebnisse dieser Phase II-Studie zur palliativen Behandlung des fortgeschrittenen Pankreaskarzinoms, die eine Verlängerung der Überlebenszeiten  durch Ukrain bzw. Ukrain plus Gemcitabin im Vergleich zu einer Monotherapie mit Gemcitabin ergeben hat, sind auf Grund schwerwiegender Mängel in Planung, Durchführung und statistischer Auswertung nicht aussagekräftig.

Es ist äußerst bedenklich, dass die Ethikkommission einer renommierten deutschen Universität dieser Studie ein positives Votum erteilt hat und Chirurgen der Universität Ulm diese qualitativ mangelhafte Studie publiziert haben“.

Zitat aus „Der Arzneimittelbrief, Jahrgang 36, Mai 2002, Seite 39“.

 

Frage: Wer empfiehlt Ukrain?

Antwort:

Die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft und die Deutsche Krebsgesellschaft e.V. lehnen den Einsatz von Ukrain als Medikament beim Menschen zurzeit mit aller Entschiedenheit ab.

Zitat aus der gemeinsamen Stellungnahme der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft und der Deutschen Krebsgesellschaft e.V. Deutsches Ärzteblatt 98, Heft 7 vom 16.2.2001 Seite A-418.

 

Frage: Ist Ukrain verschreibungspflichtig?

Antwort:

Ukrain ist laut Auskunft des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte in der BRD nicht zugelassen.

Zitat aus der gemeinsamen Stellungnahme der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft und der Deutschen Krebsgesellschaft e.V. Deutsches Ärzteblatt 98, Heft 7 vom 16.2.2001 Seite A-418.

 

Frage: Gibt es aktuelle Daten zu Ukrain?

Antwort:

„An dem Wirksamkeitsnachweis von Ukrain und der Beurteilung seines Stellenwerts in der Krebstherapie hat sich seit dem Artikel aus dem deutschen Ärzteblatt vom 16.2.2001 nichts geändert.“

Zitat nach einer persönlichen Anfrage bei der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft  vom Juli 2004.

 

Frage: Was halten Sie persönlich von Ukrain?

Antwort:

Den Einsatz von einem nicht zugelassenen Präparat wie „Ukrain“ lehne ich 100% ig ab!

Ich bedaure zutiefst, dass Patientinnen und Patienten in einer aussichtslosen Krankheitssituation falsche Hoffnungen gemacht wurden.

 

Ich hoffe, dass all jene, die bereit wären für eine Therapie mit einem nicht zugelassenen  Medikament Geld zu investieren, alle obigen Zitate gelesen haben und vielleicht angesichts der Zitate bedenken, dass es auch „Verbreiter“ gibt, deren ethische Verantwortung in Frage gestellt werden kann.

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