Operationen an der Schilddrüse, Nebenschilddrüse und Nebenniere
Operationen an der Schilddrüse, Nebenschilddrüse und Nebenniere
Operationen an der Schilddrüse, Nebenschilddrüse und den Nebennieren erfolgen an unserer Klinik unter Einsatz modernster Operationstechniken. Gemeinsam mit den betreuenden niedergelassenen Kollegen und in enger Zusammenarbeit mit Endokrinologen und Nuklearmedizinern werden für jeden Einzelnen die verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten – konservativ oder operativ – geprüft und eine individuelle Empfehlung abgegeben. Durch die Durchführung von eigenen wissenschaftlichen Untersuchungen und die aktive Beteiligung an nationalen (Chirurgische Arbeitsgemeinschaft für endokrine Chirurgie) und internationalen Fachgesellschaften (European Society of Endocrine Surgeons, American Association of Endocrine Surgeons) ist eine kontinuierliche Umsetzung der neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse gewährleistet.
Operationen der Schilddrüse und der Nebenschilddrüsen erfordern besonders schonende Operationstechniken vor allem in Bezug auf die Stimmbandnerven und die Nebenschilddrüsen. Bei jeder Operation wird deshalb das sogenannte Neuromonitoring zur Untersuchung der Funktion der Stimmbandnerven benutzt. Bei Operationen an den Nebenschilddrüsen erfolgt noch während der Operation eine Erfolgskontrolle durch eine Bestimmung des Parathormons.
In Abhängigkeit von der Größe der Schilddrüse und der Knotenbildung, sowie der Lokalisation der Nebenschilddrüsen kann die Operation auch als minimal-invasiver Eingriff durchgeführt werden.
Noch im Operationssaal wird eine intraoperative Schnellschnittuntersuchung, d.h. eine feingewebliche Untersuchung des Operationspräparates durch einen erfahrenen Pathologen durchgeführt. Im Falle des Nachweises eines bösartigen Schilddrüsentumors (Karzinom) kann dann im Bedarfsfall die Operation erweitert werden. Wiederholte Operationen aufgrund von Schilddrüsenkarzinomen sind deshalb nur selten erforderlich.
Operationen an der Schilddrüse
Die Schilddrüse liegt unterhalb des Kehlkopfes und weist zwei Lappen auf, die durch einen Steg (Isthmus) miteinander verbunden sind. Die Schilddrüse hat bei der Frau ein Volumen von bis zu 18 ml, beim Mann bis zu 25 ml. In der Schilddrüse werden jodhaltige Hormone gebildet, die für viele Funktionen des Stoffwechsels von Bedeutung sind. Man unterscheidet eine normale Stoffwechsellage (euthyreot) von einer Schilddrüsenunterfunktion (hypothyreot) und einer Schilddrüsenüberfunktion (hyperthyreot).
An der Rückseite und neben der Schilddrüse befinden sich vier linsenförmige Nebenschilddrüsen (Epithelkörperchen), die Parathormon produzieren und somit den Calciumstoffwechsel regulieren.
= Text neben dem anatomischen Bild
Unabhängig von der Stoffwechsellage wird eine Vergrößerung der Schilddrüse als Struma (Kropf) bezeichnet. Eine Vergrößerung der Schilddrüse kann entweder diffus oder durch eine Knotenbildung bedingt sein.
Die Indikation zur operativen Behandlung einer Struma besteht vor allem bei Nachweis von mehreren Knoten, schnell wachsenden Knoten, Knoten, die im Ultraschall oder der Szintigraphie tumorverdächtig erscheinen oder auch bei schweren Entzündungen der Schilddrüse, die medikamentös nicht ausreichend zu behandeln sind (Morbus Basedow). In Abhängigkeit vom Ausmaß der krankhaften Veränderungen der Schilddrüse wird festgelegt, wie viel Schilddrüsengewebe entfernt werden muss. Ziel ist hierbei der Erhalt von gesundem Restgewebe, aber auch die Vermeidung einer erneuten Knotenbildung (Rezidivstruma).
Besteht bereits vor der Operation der Nachweis einer bösartigen Tumorerkrankung der Schilddrüse (Schilddrüsenkarzinom) oder wird diese während der Operation durch den Pathologen nachgewiesen, kann vor allem bei papillären Schilddrüsenkarzinomen eine zusätzliche Entfernung der Halslymphknoten indiziert sein. Medulläre Schilddrüsenkarzinome, die in 30% auch familiär gehäuft auftreten, werden bereits vor der Operation durch eine Bestimmung des Tumormarkers Calcitonin nachgewiesen und können dann entsprechend operiert werden.
Zur Vermeidung einer vorübergehenden oder dauerhaften Schädigung der Stimmbandnerven oder der Nebenschilddrüsen erfolgen während der Operation eine sorgfältige Darstellung dieser Strukturen und eine zusätzliche Überwachung der Funktion der Stimmbandnerven durch das intraoperative Neuromonitoring.
In Abhängigkeit von der Größe der zu entfernenden Schilddrüse und der anatomischen Verhältnisse kann der Eingriff in den meisten Fällen über eine 4 – 6 cm lange Hautinzision oder auch endoskopisch minimal-invasiv durchgeführt werden. Die Entlassung aus der Klinik erfolgt in der Regel am 2. – 3. Tag nach der Operation.
Operationen der Nebenschilddrüsen
Operationen von Erkrankungen der Nebenschilddrüsen werden an unserer Klinik mit großer Erfahrung über 70 Mal pro Jahr durchgeführt. Bei einer Überfunktion der Nebenschilddrüsen (Hyperparathyreoidismus) kommt es zu einer vermehrten Müdigkeit, Konzentrationsstörungen, depressiven Verstimmungen, Osteoporose mit Knochenschmerzen, Oberbauchbeschwerden und einer Verschlechterung der Nierenfunktion.
Eine Überfunktion der Nebenschilddrüsen (Hyperparathyreoidismus) führt zu einer vermehrten Bildung von Parathormon und somit zu erhöhten Calciumwerten im Blut. Als Ursache des primären Hyperparathyreoidismus findet sich in 85% ein Nebenschilddrüsenadenom, sehr viel seltener sind 2 Nebenschilddrüsenadenome oder eine Überfunktion aller 4 Nebenschilddrüsen (Hyperplasie) nachweisbar. Die Therapie der Wahl beim primären Hyperparathyreoidismus ist die operative Entfernung der vergrößerten Nebenschilddrüse. Bereits vor der Operation gelingt es heute in den meisten Fällen ein Nebenschilddrüsenadenom exakt darzustellen und die Operation somit gezielt zu planen. Hierzu erfolgen eine Ultraschalluntersuchung des Halses und eine Tc99-Sestambi-Szintigraphie. Ergeben diese Untersuchungen keine sicheren Aussagen oder sind bei dem betreffenden Patienten bereits Voroperationen am Hals erfolgt, so erfolgt in Zusammenarbeit mit der Klinik für Nuklearmedizin (Prof. Dr. S.N. Reske, Prof. Dr. M. Luster) die Durchführung einer Methionin-PET/CT-Untersuchung, die meist auch in komplexen Fällen eine vergrößerte Nebenschilddrüse sicher darstellen kann.
Die operative Therapie erfolgt meist als minimal-invasive Operation, d.h. über eine 2 – 3cm lange Hautinzision. Bereits 10 – 15 Minuten nach Entfernung der vergrößerten Nebenschilddrüse kommt es zu einer Normalisierung der Parathormonwerte. Der Erfolg der operativen Behandlung wird noch während des Eingriffs durch den Abfall des intraoperativ gemessenen Parathormonwerts nachgewiesen. Bedingt durch die anatomischen Lagevariationen der Nebenschilddrüsen erfordert dieser Eingriff ein in der Nebenschilddrüsenchirurgie erfahrenes Operationsteam.
Zur Ausbildung eines sekundären oder renalen Hyperparathyreoidismus kommt bei dialysepflichtigen Patienten. Dieser Erkrankung liegt eine Störung des Vitamin D – Stoffwechsels zugrunde, die zunächst medikamentös behandelt wird. Nur bei unzureichender medikamentöser Behandlung besteht hier die Indikation zur Entfernung aller 4 Nebenschilddrüsen und Replantation eines kleinen Anteils einer Nebenschilddrüse in den Unterarm.
Operationen an den Nebennieren
Die Nebennieren befinden sich am oberen Pol der Nieren und bestehen aus dem Nebennierenmark und der Nebennierenrinde. Im Nebennierenmark werden die sogenannten Streßhormone (Adrenalin, Noradrenalin, Dopamin) gebildet. In der Nebennierenrinde entstehen z.B. Cortison und weitere wichtige Hormone.
In den Nebennieren können als Zufallsbefund oder aufgrund typischer Symptome meist gutartige und seltener auch bösartige Tumore nachgewiesen werden.
Vor der operativen Behandlung dieser Tumore ist eine umfangreiche endokrinologische Untersuchung erforderlich, die wir in Zusammenarbeit mit der Abteilung für Endokrinologie der Klinik für Innere Medizin I (Prof. Dr. B.O. Böhm) durchführen. Erst nach der Untersuchung durch einen erfahrenen Endokrinologen wird gemeinsam die Indikation zur Operation gestellt. Die Entfernung einer Nebenniere erfolgt heute meist unter Belassen eines kleinen gesunden Drüsenanteils (subtotale Adrenalektomie) durch einen laparoskopischen minimal-invasiven Zugang.
Minimal-invasive Entfernung eines Nebenschilddrüsenadenoms bei primärem Hyperparathyreoidismus
Nachweis eines Nebenschilddrüsenadenoms bei primärem Hyperparathyreoidismus im Brustkorb rechts
Nachweis eines Nebenschilddrüsenadenoms rechts bei primärem Hyperparathyreoidismus






