Aufbau und Erkrankungen der Speiseröhre


Anatomische Darstellung der Speiseröhre
© Eigentum der Abteilung Allgemein-, Viszeral- und Transplantationschirurgie, Universitätsklinikum Ulm

Die Speiseröhre (Ösophagus) besitzt eine Länge von ca. 25 cm und dient dem Transport der Speise vom Mundrachenraum in den Magen hinein. Man unterscheidet drei Teile: den Halsteil, den Brustteil und den Bauchteil. Ein oberer und ein unterer Verschlußmechanismus (Sphinkter) wirken ventilartig einem Zurücklaufen des Speisebreis entgegen. Bei einer eingeschränkten Funktion des unteren Ösophagussphinkters entsteht das Krankheitsbild des Sodbrennens (Refluxerkrankung). Im Brustteil besteht eine anatomische Nähe zur Luftröhre und zur Hauptschlagader.

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Zenker'sches Divertikel


Zenker'sches Divertikel
aus: Duale Reihe "Chirurgie", 2. Auflage 2003, Thieme Verlag, Hrsg.: Henne-Bruns, Dürig, Kremer

Im oberen Bereich der Speiseröhre kann sich eine Ausstülpung der Schleimhaut durch eine Muskellücke hindurch bilden. Man spricht dann von einem Zenker´schen Divertikel, in dem sich Speisereste ansammeln können. Dieses kann nach Diagnosestellung mittels Gastroskopie oder Röntgendarstellung über einen Halsschnitt in Narkose problemlos abgetragen werden.

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Refluxerkrankungen

Läuft Mageninhalt durch ein Versagen des unteren Ösophagussphinkters in die Speiseröhre, die nicht säurefest ist, hinein, so kann das Krankheitsbild der Rückflußentzündung (Refluxösophagitis) entstehen. Typische Symptome sind Sodbrennen, insbesondere beim flachen Liegen bzw. nach der Nahrungsaufnahme.

 

Die Stadien der Refluxerkrankung der Speiseröhre können durch Magenspiegelung festgestellt werden. Zunächst wird ein konservativer Behandlungsversuch durch Ernährungsumstellung und medikamentöse Säureblockade vorgenommen. Zusätzlich kann bereits veränderte Schleimhaut der Speiseröhre (Barrett-Ösophagus) durch eine Gastroskopie mit einem Argongas-Verfahren abgetragen werden. Hier sind engmaschige Kontrollen erforderlich, da in veränderten Schleimhautbereichen eine Entartung mit Entwicklung eines bösartigen Tumors entstehen kann. Das chirurgische Verfahren zur Wiederherstellung des Schließmechanismus besteht in einer Manschettenbildung des oberen Magenanteils um die Speiseröhre herum (Fundoplicatio nach Nissen-Rossetti). Zusätzlich wird ein manchmal begleitender Bruch im Bereich des Zwerchfells mit verschlossen (Hiatusplastik). Dieser Eingriff kann sowohl offen, als auch minimal invasiv (Schlüsselloch-Chirurgie) durchgeführt werden. Der stationäre Aufenthalt beträgt ca. 5 bis 7 Tage. Nach der Operation wird der Operationserfolg durch eine Röntgendarstellung überprüft. Auch nach der Operation sind endoskopische Kontrollen, vor allem beim Vorliegen einer sog. „Barrett-Schleimhaut“ erforderlich.

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Bösartige Speiseröhrentumoren (Ösophaguskarzinom)

Diese entstehen entweder durch übermäßigen Alkoholgenuss, Rauchen, lang bestehende Refluxerkrankung, Verätzungsengstellungen oder aus bisher unbekannten Ursachen. Die Tumoren zeigen keine Frühsymptome. Schluckbeschwerden entstehen erst ab einer Einengung der Speiseröhre von über 50 %. Durch entsprechende Umfelduntersuchungen (Staging) wird geprüft, welches Erkrankungsstadium vorliegt. Bei gutem Allgemeinzustand und dem Fehlen von Absiedlungen wird die Operation angestrebt. Dieser kann eine Vorbehandlung durch Strahlen- und/oder Chemotherapie vorausgehen.

 

Im Rahmen der Operation wird die Speiseröhre über einen Bauch- und über einen Brustkorbschnitt mit dem tumortragenden Anteil und den Lymphgefäßen entfernt. Die Nahrungspassage wird durch Bildung eines Magenschlauches wieder hergestellt. Da diese Operation in der Regel als so genannter Zweihöhleneingriff durchgeführt wird, handelt es sich um eine große Operation. Es muss zuvor eine exakte Risikoabklärung erfolgen. Der Aufenthalt beträgt ca. 3 Wochen.

Ist die große Operation nicht sinnvoll, so bieten sich eine Reihe alternativer Verfahren wie die endoskopische Anlage einer Ernährungssonde (PEG), die Einlage einer Prothese (Stent) und die Einlage eines Portzugangssystems zur Einleitung einer kombinierten Chemo-Radiotherapie an.

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Achalasie

Bei dieser seltenen Gefügeerkrankung handelt es sich um eine neuromuskuläre Störung der gesamten Speiseröhre mit fehlender Peristaltik und mit Öffnungslähmung des unteren Ösophagusverschluss-Mechanismus. Nach Tumorausschluß wird der Versuch einer pneumatischen Dehnungsbehandlung (chirurgische Endoskopie) begonnen. Bei erfolgloser konservativer Therapie steht ein operatives Verfahren mit Spaltung des Verschlußmuskels (Cardiomyopathie mit oder ohne Fundoplicatio, s. o.) zur Verfügung.

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Magen


aus: Duale Reihe "Chirurgie", 2. Auflage 2003, Thieme Verlag, Hrsg.: Henne-Bruns, Dürig, Kremer

Der Magen durchmischt den aus der Speiseröhre ankommenden Speisebrei, speichert ihn und gibt ihn über den Magenpförtner (Pylorus) in den Zwölffingerdarm hinein ab, wo Bauchspeicheldrüsen- und Gallensaft zugeführt werden. Hierbei bildet der Magen salzsäurehaltigen Magensaft (Magensäure), durch den die Nahrung bereits vorverdaut wird. Zum Schutz der eigenen Schleimhaut bildet er zusätzlich Magenschleim. Der Magen ist im Oberbauch unterhalb des Zwerchfells gelegen. Symptome bei Magenerkrankungen sind Nahrungsmittelunverträglichkeiten, Appetitlosigkeit, Gewichtsabnahme, Druck- und Völlegefühl sowie Aufstoßen, Erbrechen und Abgang von schwarz gefärbtem Stuhl (Teerstuhl). Erkrankungen des Magens werden durch eine Magen- und Zwölffingerdarmspiegelung festgestellt. Hierbei ist die Möglichkeit zur Probenentnahme gegeben. Ist eine Spiegelung nicht möglich und nur die Darstellung der Innenauskleidung des Magens erforderlich, kann diese mit Hilfe von Röntgenkontrastmittel erfolgen.


Kommt es auch auf eine Abbildung der gesamten Magenwand und der übrigen Bauchorgane an, ist dies mit Hilfe der Computertomografie möglich.
Die wichtigsten Magenerkrankungen sind das Magengeschwür, die Magenblutung und der bösartige Magentumor (Magenkarzinom).

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Magengeschwür (Ulcus ventriculi)

Magengeschwüre werden durch ungenügenden Schleimhautschutz und/oder durch erhöhte Bildung von Magensäure verursacht. Sehr oft besteht ein Zusammenhang zu einer Infektion des Magens mit dem Bakterium Helicobacter pylori (HP). Magengeschwüre können außerdem durch Arzneimittel und Stress sowie Fehlernährung ausgelöst werden. Sie sind durch die Magenspiegelung nachweisbar und werden in der Regel mit säurehemmenden Medikamenten und Antibiotika behandelt. Bei über 95 % der betroffenen Patienten ist diese Therapie erfolgreich. Chirurgische Maßnahmen kommen lediglich bei endoskopisch nicht beherrschbaren Komplikationen, z. B. einem durchgebrochenen Magengeschwür oder einer nicht stillbaren Magenblutung zum Einsatz. Selten sind die früher erforderliche Magenteilentfernung (Operation nach Billroth I oder Billroth II) oder die Durchtrennung des Magensäurenerves (Vagotomie) erforderlich. Auch Geschwüre im Bereich des Zwölffingerdarms (Ulcus duodeni) heilen in der Regel unter medikamentöser Behandlung ab, ohne daß eine Operation erforderlich ist.


aus: Duale Reihe "Chirurgie", 2. Auflage 2003,
Thieme Verlag, Hrsg.: Henne-Bruns, Dürig, Kremer

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Bösartiger Magentumor


© Eigentum der Abteilung Allgemein-, Viszeral- und Transplantationschirurgie, Universitätsklinikum Ulm

Der Magen liegt im mittleren und linken Oberbauch. Auf Grund der zentralen Lage des Organs sind sowohl die Blutversorgung als auch der Abfluss der Lymphe sehr komplex. Es bestehen enge Verbindungen zur Milz, zur Bauchspeicheldrüse, zur Speiseröhre, zum Zwölffingerdarm und zum Dickdarm, sowie zur Hauptschlagader und zur unteren Hohlvene. Bei Operationen des Magens wegen eines bösartigen Tumors muss diesem Umstand Rechnung getragen und eine sehr aufwendige Lymphknotenentfernung durchgeführt werden.

Die linksseitige Abbildung zeigt den Magen mit der Milz sowie den arteriellen und venösen Gefäßen einschließlich der Lymphbahnen.

 

 

Das großes Hohlorgan über die Speiseröhre relativ leicht mit einem flexiblen Endoskop erreichbar. Hieraus ergeben sich sowohl diagnostische als auch therapeutische Möglichkeiten wie  z.B. die Beurteilung der Schleimhaut, die Entnahme von Proben oder das Stillen von Blutungen. Abbildung a zeigt einen Tumor im Schleimhautniveau der über das Endoskop vollständig abgetragen wurde (Abb. b). Abbildung c zeigt ein Magenkarzinom das sich aus einem alten Magengeschwürs entwickelt hat (helle Flecken). Abbildung d zeigt eine Magenblutung bei einem ausgedehnten Tumor.


© Eigentum der Abteilung Allgemein-, Viszeral- und Transplantationschirurgie, Universitätsklinikum Ulm

 

 


a und b: © Eigentum der Abteilung Allgemein-, Viszeral- und Transplantationschirurgie, Universitätsklinikum Ulm

a) Computertomografische Darstellung eines ausgedehnten Tumors der nahezu den gesamten Magen einnimmt,

b) Computertomografie eines Magentumors der Hinterwand des oberen Magenabschnittes,

c) Schematische Darstellung der verschiedenen Lymphknotenstationen des Magens, eine sachgerechte Entfernung der Lymphknoten ist ein wichtiger Faktor für die Überlebenschancen des Patienten und den weiteren Krankheitsverlauf

d) Schematische Darstellung der Möglichkeiten der Wiederherstellung der Nahrungspassage nach Magenentfernung


c und d: (*) Aus: Chirurgische Operationslehre Band 3, Hrsg. Kremer/Lierse et al. Thieme Verlag 1987



a und c (*) aus: Chirurgische Operationslehre Band 3, Hrsg. Kremer/Lierse et al. Thieme Verlag 1987

b und d: © Eigentum der Abteilung Allgemein-, Viszeral- und Transplantationschirurgie, Universitätsklinikum Ulm

a) Schematische Darstellung der Lymphknotenentfernung im Bereich der Hauptschlagader sowie am oberen Rand der Bauchspeicheldrüse und im Bereich der Versorgungsstrukturen von Leber und Milz,

b) Darstellung der Situation aus der Abb. a) am Patienten im OP,

c) Schematische Darstellung einer Eingriffserweiterung mit einer Entfernung des Schwanzes der Bauchspeicheldrüse,

d) wegen eines Tumors entfernter Magen mit Milz und großem Netz

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