Einführung

Das Transplantationsprogramm in der Universität Ulm ist an der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Transplantationschirurgie angesiedelt. Die Betreuung der Patienten im Ulmer Nierentransplantationsprogramm – ob auf der Warteliste oder bereits transplantiert – erfolgt interdisziplinär durch in der Transplantationschirurgie erfahrene Chirurgen und Nephrologen. Ärztliche Ansprechpartner des Transplantationsprogrammes sind die Chirurgen Dr. Mathias Wittau und Dr. Claas Brockschmidt sowie die Nephrologen Dr. Hartmann und Professor Dr. Frieder Keller. Darüber hinaus nehmen weitere speziell geschulte Chirurgen und Nephrologen am Transplantationsdienst teil, um eine kontinuierliche Versorgung gewährleisten zu können.

 

Das Transplantationszentrum besteht neben den ärztlichen Mitarbeitern aus einem Transplantationskoordinator und einer für die Nachsorge zuständigen Mitarbeiterin (MTA) und ist 24 Stunden am Tag für Sie erreichbar.

 

Für die Information zur Organspende verweisen wir an dieser Stelle auf die Homepage der DSO (Deutsche Stiftung Organspende): www.dso.de.

 

Am Beispiel der Nierentransplantation soll im Folgenden kurz der Weg eines Dialysepatienten bis zur Transplantation, während dieser und danach erläutert werden.

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Vorbereitung und Aufnahme auf die Warteliste

Die Transplantation einer neuen Niere ist die beste Behandlung für einen dialysepflichtigen Patienten. Neben dem Zugewinn an Lebensqualität verhindert die Nierentransplantation die Entstehung von Folgekrankheiten der Niereninsuffizienz und verlängert die Lebenserwartung erheblich. Allerdings stellt die Transplantation auch eine Belastung für den Patienten dar und setzt eine gewisse körperliche Belastbarkeit voraus. Die Abklärung der Transplantationsfähigkeit ist daher der erste Schritt auf dem Weg zur neuen Niere.

 

Die ersten hierfür notwendigen Untersuchungen erfolgen in der Regel durch den betreuenden Dialysearzt in enger Absprache mit dem Transplantationszentrum. Abgeklärt wird unter anderem die kardiopulmonale Belastbarkeit, die Anatomie und Funktionsfähigkeit der Harnwege, möglicherweise vorhandene Erkrankungen der Augen, der Stirnhöhle und der Nase sowie eventuell existierende weitere Erkrankungen des Gefäßsystems.

 

Die Anmeldung im Transplantationszentrum Ulm durch den betreuenden Dialysearzt erfolgt durch die Übermittlung aller notwendigen Daten zur Nierentransplantation, einschließlich aller diagnostischen Befunde. Das Anmeldeformular können Sie hier (am Ende der Seite) elektronisch herunterladen. Im nächsten Schritt wird dann jeder Patient in einer interdisziplinären Transplantationskonferenz besprochen, welche in 6-wöchigem Abstand stattfindet. Die regelmäßig alle 6 Wochen einberufene Transplantationskonferenz besteht aus den administrativen Mitarbeitern des Transplantationszentrums, einem Chirurgen, einem Nephrologen, einem Vertreter der Anästhesie, Urologie, Kardiologie sowie des HLA-Labors der Blutspendezentrale sowie den vorstellenden/ betreuenden Dialyseärzten. Hier wird entschieden, welche Befunde noch nachgefordert werden müssen bzw. ob der Patient prinzipiell zur Transplantation geeignet ist.

 

Nachdem die Transplantationskonferenz „grünes Licht“ gegeben hat und alle eventuell nachgeforderte Befunde vorliegen, wird der Patient von uns in die Aufklärungssprechstunde einbestellt. Hier lernt der Patient seine betreuenden Ärzte sowie den Transplantationskoordinator kennen. Es werden die Durchführung der Organtransplantation, mögliche Komplikationen, Behandlungsalternativen und die Nachbehandlung besprochen. Wenn der Patient in die Organtransplantation einwilligt, muss er noch eine Reihe von Formularen und Einwilligungserklärungen ausfüllen, welche nach den Bestimmungen des Transplantationsgesetzes sowie für die Vermittlung von Organen über Eurotransplant in Leiden (Niederlande) notwendig sind. Ferner wird dem Patienten bei der nächsten Dialyse Blut abgenommen und an das HLA-Labor der Blutspendezentrale zur Analyse geschickt. Die Eingabe der Patientendaten bei Eurotransplant wird direkt im Anschluss an dieses Aufklärungsgespräch, bei Einwilligung, vorgenommen. Sobald die Ergebnisse aus dem HLA-Labor vorliegen, ist der Patient als „transplantabel“, d. h. als transplantationsfähig auf unserer Warteliste bei Eurotransplant gemeldet.

 

 

Download Anmeldeformulare

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Betreuung während der Wartezeit auf ein Organ

Während der Wartezeit auf ein Organ erfolgt natürlich eine regelmäßige Betreuung durch Sie als Dialysearzt. Wir bitten Sie, zeitnah auftretende Probleme, die eine Transplantation eventuell unmöglich machen, an das Transplantationszentrum zu melden. In enger Zusammenarbeit besprechen wir bei Problemen das weitere Vorgehen und werden alles Mögliche unternehmen, um den Patienten wieder transplantationsfähig zu machen. Solange aber eine ernste Erkrankung den Erfolg einer Transplantation gefährden könnte, wird der betroffene Patient von uns als „nicht transplantabel“ auf der Liste geführt. Dadurch erhält er während dieser Zeit kein Organ zugeteilt, verliert aber auch keine Wartezeit.

 

Sollte während der Wartezeit auf eine Niere eine längere Reise oder ein längerer Aufenthalt weit vom Wohnort entfernt geplant sein, sollte sich der Patient oder sein betreuendes Dialysezentrum beim Transplantationszentrum melden. Es kann dann entschieden werden, ob er für diese Zeit als „nicht transplantabel“ gemeldet wird oder ob eine rechtzeitige Anreise ins Transplantationszentrum im Falle der Zuteilung eines Organes möglich ist.

 

Nach durchschnittlich vier bis sieben Jahren wird einem Patienten von Eurotransplant eine Niere zugeteilt. Die Wartezeit ist für alle Patienten überall in Deutschland gleich, egal wo sie gemeldet sind. Die Zuteilung selbst erfolgt nach einem komplexen Berechnungssystem, das von einem Expertengremium bei Eurotransplant regelmäßig den aktuellen Gegebenheiten angepasst wird.

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Ablauf der Transplantation

Zunächst wird das Transplantationszentrum über ein Organangebot für einen bestimmten Patienten informiert. Der diensthabende Chirurg beurteilt anhand der von Eurotransplant zugesandten Unterlagen, ob sich ein Organ prinzipiell für den gewählten Empfänger eignet. Nimmt er das Organ an, wird der betreuende Dialysearzt von einem Mitarbeiter des Transplantationszentrums kontaktiert, ebenso wie der Empfänger – wenn der betreuende Arzt dies nicht selbst übernehmen möchte. Ist der Empfänger aktuell gesund und in der Lage, rechtzeitig (d. h. innerhalb etwa 2 - 4 Stunden) in der Klinik zu sein und geben Sie als betreuender Dialysearzt „grünes Licht“, kann das Organangebot angenommen werden. Dies muß innerhalb von 30 Minuten erfolgen, sonst verfällt das Angebot. Daher ist es wichtig, daß der Patient und sein betreuender Nephrologe ständig auch kurzfristig erreichbar sind.

 

Der Patient wird nun in die Klinik gebeten, wo ihn der diensthabende Nephrologe gemeinsam mit einem Anästhesisten noch einmal untersucht und Blut abnimmt. Dieses Blut ist für die Kreuzprobe bestimmt, womit die Verträglichkeit des angebotenen Organs untersucht wird. Oftmals ist eine frische Kreuzprobe nicht notwendig, z. B. bei nichtimmunisierten Patienten und bei Ersttransplantation ohne immunologisches Risiko. Gelegentlich kommt es vor, daß die Kreuzprobe positiv ausfällt. In diesem Fall muß der Patient leider unverrichteter Dinge wieder nach Hause gehen, die Wartezeit aber bleibt erhalten und das angebotene Organ wird von Eurotransplant weitervermittelt. Die Wiederholung der Kreuzprobe bei unklaren Befunden kann manchmal recht zeitintensiv sein, sie erfolgt aber parallel zur Explantation und bedeutet daher keine Verlängerung der kalten Ischämiezeit (dies ist nur bei Zweitangeboten der Fall). Die Wartezeit verbringt der Patient auf einer normalen Krankenstation.

 

Ist die Kreuzprobe negativ, wird der Patient zur Operation vorbereitet. Dazu wird er in den OP-Vorraum gebracht, wo die anästhesiologische Vorbereitung erfolgt. Während dessen präpariert das Chirurgenteam bereits die entnommene Niere und bereitet sie zur Transplantation vor. Ist der Patient in Narkose, erfolgt dann die eigentliche Transplantation. Zunächst wird durch einen bogenförmigen Schnitt in der Leistengegend der retroperitoneale Raum eröffnet und die Beckengefäße (A. und V. iliaca) freigelegt. Dann werden Arterie und Vene der gekühlten Transplantationsniere an die entsprechenden Gefäße des Beckens angeschlossen. Die Durchblutung wird jetzt freigegeben und oft beginnt schon jetzt die Urinausscheidung. Nun wird die Blase aufgesucht und der Harnleiter der transplantierten Niere in die Blase neu eingenäht, wobei eine Ureterschienung dafür sorgt, daß die Neuverbindung nicht zu eng wird. Anschließend werden Drainagen gelegt und die Wunde wieder verschlossen.

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Stationärer Aufenthalt nach der Transplantation

Nach der Operation wird der Patient auf die Chirurgische Wachstation verlegt, wo er in den ersten zwei bis drei Tagen rund um die Uhr überwacht wird. Die Flüssigkeitszufuhr wird bilanziert und die Transplantatfunktion kontrolliert. Zudem werden Herz- und Lungenfunktion überprüft und Medikamente zur Steuerung der Urinausscheidung verabreicht. Von Tag zu Tag wird entschieden, ob eventuell eine Zwischendialyse notwendig wird. Entwickelt sich alles normal, wird der Patient auf eine herkömmliche chirurgische Krankenstation verlegt, wo die genaue Anpassung der Medikamente, insbesondere der Immunsuppressiva, erfolgt. Neben den Visiten durch die Stationsärzte erfolgt zusätzlich täglich eine interdisziplinäre Visite, an der auch ein Nephrologe beteiligt ist.

 

Probleme nach der Operation betreffen in der Regel eine milde akute Abstoßung, Wundheilungsstörungen, Elektrolytentgleisungen oder unerwünscht hohe oder niedrige Medikamentenspiegel. Oftmals ist zudem eine operative Revision der Wunde notwendig, da unter Immunsuppression Wundheilungsstörungen vermehrt auftreten können. Meist aber ist der Verlauf der Krankenhausbehandlung komplikationsfrei. Zum Ende der dritten Woche kann der Patient in die gemeinsame ambulante Nachbetreuung entlassen werden. Vor seiner Entlassung führen speziell ausgebildete Pflegekräfte eine Schulung durch, in der der Patient vieles über den Umgang mit der neuen Niere lernt und angeleitet wird, auf Warnzeichen zu achten. Weiterhin erhalten die Patienten eine Ernährungsberatung durch eine besonders geschulte Ernährunsberaterin.

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Ambulante Betreuung nach Transplantation

Die ambulante Betreuung nach der Transplantation erfolgt in enger Absprache zwischen Transplantationszentrum und betreuendem Nephrologen. Eine enge ambulante Nachbetreuung ist insbesondere am Anfang sehr wichtig, da sich der Körper erst an die neue Situation gewöhnen muß, eine akute Abstoßung häufiger ist und die Medikamente erst richtig eingestellt werden müssen. Zunächst im wöchentlichen Wechsel, später dann in größeren Abständen, wird sich der Patient bei Ihnen oder in der Nachsorgesprechstunde des Transplantationszentrums vorstellen.

 

Die Nachsorgesprechstunde des Transplantationszentrums findet immer am Dienstag Vormittag statt. Um 8 Uhr sollte sich der Patient dort einfinden, wobei er zwar gefrühstückt haben darf, nicht aber die Medikamente eingenommen haben sollte. Zunächst wird durch die medizinisch-technische Assistentin, die das Nachsorgeprogramm betreut, Blut zur Bestimmung des Nüchternwertes mancher Medikamente wie CellCept®, Myfortic®, Prograf® oder Sandimmun® abgenommen. Dann wird der Patient zu aktuellen Besonderheiten befragt und schließlich von einem Arzt des Transplantationsteams untersucht. Dabei werden Besonderheiten und Fragen ebenso erörtert, wie Vorschläge zur Medikamenteneinnahme gegeben. Oft wird zwei Stunden nach Einnahme der Medikamente noch einmal Blut abgenommen.

 

Die Blutwerte liegen dem behandelnden Arzt in der Regel am Folgetag vor. Darüber erhält der Dialysearzt einen Brief. Eventuell ist eine Anpassung der Medikamente oder eine weitere Untersuchung notwendig, die dann vom Dialyse- oder Hausarzt veranlaßt werden kann.

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Stationäre Behandlung nach Transplantation

Auch nach erfolgreicher Transplantation bleibt der Patient im Transplantationszentrum in Betreuung. Das gilt insbesondere dann, wenn andere Erkrankungen eintreten oder gar ein größerer chirurgischer Eingriff notwendig wird. Als Transplantierter kann er sich jederzeit an die Ärzte des Transplantationszentrums wenden, wenn es sich zum Beispiel um Fragen der medikamentösen Behandlung oder eine anstehende Operation handelt. Gerade bei größeren Operationen ist der Transplantierte in einem Zentrum, das Erfahrung mit Organtransplantation hat, gut aufgehoben.

Während des stationären Aufenthaltes wird der Patient wiederum interdisziplinär mit der Nephrologie des Universitätsklinikums Ulm betreut.

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Kontakt

Das Transplantationszentrum ist für Notfälle rund um die Uhr besetzt, die normalen Bürozeiten sind wochentags von 7.30 bis 16.00 Uhr.


Transplantationszentrum

0731/500 - 53548 oder - 53550

Transplant- Koordinator

0731/500 - 53548

Nachsorgesprechstunde

0731/500 - 53548

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