Intraaortalen Ballongegenpulsation (IABP)
von PD Dr. med. K. Hekmat
Indikation
Kardiogener Schock bei Myokardinfarkt nach erfolgloser medikamentöser Therapie oder das postoperative Low-Output-Syndrom nach herzchirurgischen Operationen. Das Ziel der IABP ist es, über die Entlastung der Pumparbeit bei gleichzeitiger Erhöhung des Sauerstoffangebotes die Energiebilanz des Herzmuskels zu verbessern.
Pathophysiologie des akuten Herzversagens
Die Hauptpumparbeit des Herzens wird vom linken Ventrikel geleistet. Während der Diastole fließt sauerstoffreiches Blut vom linken Vorhof über die Mitralklappe in den linken Ventrikel. In der Systole kontrahiert sich das Myokard und wirft das Schlagvolumen über die geöffnete Aortenklappe in die Aorta aus. Einen Teil des ausgeworfenen Schlagvolumens wird aufgrund der Windkesselfunktion in der elastischen Aorta eingespeichert. Dieses eingespeicherte Volumen wird in der Diastole aus der gedehnten Aorta wieder freigegeben. Aus dieser Windkesselfunktion resultiert ein kontinuierlicher Blutstrom im peripheren arteriellen Gefäßssystem. Die Durchblutung der Koronargefäße erfolgt hauptsächlich in der Diastole, denn nur während der diastolischen Erschlaffung des Myokards sind die intramural liegenden Koronargefäße weit genug für den Blutfluß geöffnet. Bei einer Myokardschädigung kommt es zu einer Kontraktionsstörung des linksventrikulären Myokards. Die Auswurfleistung des linken Ventrikels wird vermindert. Als Folge davon fällt der Blutdruck in der Aorta ab. Die Durchblutung des Herzmuskels verschlechtert sich. Das Myokard wird zusätzlich geschwächt. Ein Teufelskreis setzt ein. Durch die Leistungsabnahme des Herzens einerseits und die mangelnde Versorgung andererseits vergrößert sich die Schädigung des Myokards. Die Versorgungssituation wird immer kritischer. Es kommt zum kardiogenen Schock. Um diese kritische Situation zu durchbrechen, oder besser noch zu verhindern, sollte das Herz mechanisch unterstützt werden.
Prinzip der IABP
Direkt unterhalb des Abgangs der Arteria subclavia wird ein Kunststoffballon plaziert der im Rhythmus der Herztätigkeit aufgeblasen und wieder entleert wird. Die Inflation erfolgt zu Beginn der Diastole. Durch die Verdrängung des Blutes aus diesem Teil der Aorta, bei gleichzeitiger Sperrung des thorakalen Blutabstromes, verstärkt der Ballon den Windkesselmechanismus und damit die Perfusion der Koronargefäße. Daraus resultiert vor allem eine bessere Durchblutung des Herzmuskels. Das erhöhte Sauerstoffangebot wirkt dem Versorgungsdefizit des Myokards entgegen. Der zweite günstige Effekt ergibt sich zu Beginn der Systole. Noch bevor das Schlagvolumen vom linken Ventrikel ausgeworfen wird, entbläht sich der Ballon aktiv. Diese Deflation bewirkt eine Volumenverschiebung und damit eine Reduzierung des aktuellen Aortendruckes. Die so verminderte Nachlast erleichtert die Auswurfarbeit des linken Ventrikels. Der Sauerstoffbedarf des Herzens wird reduziert. Damit wird die Energiebilanz der Herzarbeit günstig beeinflußt und die Voraussetzungen zur Durchbrechung des Circulus vitiosus sind geschaffen. Das reversibel geschädigte Myokard kann sich erholen.
Kontraindikationen und Komplikationen
Die IABP kann nicht eingesetzt werden bei Aortenklappeninsuffizienz und Aortenaneurysma. Relative Kontraindikationen sind eine schwere periphere arterielle Verschlußkrankheit. Bei der Anwendung der IABP können folgende Komplikationen auftreten: Periphere Ischämie, periphere Embolie, lokale Blutungen, lokale Infektionen und Gefäßverletzungen.






