Korrekturen: Angeborene Fehlstellung, erworbene Achsabweichung

Seit über 20 Jahren ist die Behandlung von erworbenen und angeborenen Fehlstellungen im Bereich der oberen und unteren Extremität ein Schwerpunkt in unserer Klinik.  2007 veranstalten wir das 10. Symposium zur Analyse und Korrektur von Beindeformitäten auf Schloss Reisensburg.
Ursachen von erworbenen Fehlstellungen sind in Fehlstellung verheilte Brüche, oder bei Kindern eine Störung der Wachstumsfuge.
Jährlich werden von uns über 100 meist komplexe Korrekturen durchgeführt. Häufige Krankheitsbilder sind dabei

Entscheidend für die Behandlung der Fehlstellungen ist eine genaue Diagnostik vor der Operation. Hierfür steht ein, an der Universität Ulm entwickeltes Ultraschallnavigationssystem (2.5D-Sonographie) zur Verfügung. Mit diesem System können sehr genau Achsen, Längen und Torsionen (Verdrehungen) ohne Strahlenbelastung gemessen werden. Außerdem kommen modernste Computertomographen und Kernspintomographen zum Einsatz.

O-Beine und X-Beine (Genu varum, Genu valgum)

Eine häufige Fehlstellung im mittleren Alter ist das O-Bein (Genu varum) mit nachfolgender Arthrose im inneren Kniegelenksanteiles. Hier kann nach Analyse der Beinachse eine Beinachsenkorrektur mit geringer X-Beinstellung durchgeführt werden, was zu einer Entlastung und Erholung des inneren Kniegelenksanteiles führt. Mit Hilfe eines Navigationssystems ist es möglich, während der Operation die Beinachse sehr genau zu überprüfen und ggf. zu korrigieren, so dass ein optimales Behandlungsergebnis erreicht werden kann. Ein X-Bein ist in den meisten Fällen angeboren und geht mit einer übermäßigen Belastung des äußeren Kniegelenkanteiles einher. Zur Wiederherstellung der normalen Gelenksbelastung wird eine neutrale Beinachse angestrebt.

 

45-jähriger Patient nach Innenmeniskusteilresektion vor 15 Jahren mit jetzt O-Beinstellung und Arthrose im inneren Anteil des Kniegelenkes.. Korrektur der Beinachse durch eine aufklappende Osteotomie. Röntgenaufnahmen postoperativ, nach 6 und 12 Monaten.

Verlängerungen und Torsionskorrekturen

Bei der Versorgung von Trümmerbrüchen im Schaftbereich von langen Röhrenknochen kommen heute überwiegend Marknägel zum Einsatz. Bei diesen sind Längen- und Torsionswinkeldifferenzen (Verdrehungen) keine Seltenheit, da es während der Operation nur sehr eingeschränkt möglich ist, die Beingeometrie zu überprüfen.
Zur Korrektur von diesen Fehlstellungen stehen heute moderne Teleskopmarknägel zur Verfügung. Die Verlängerung von diesem Implantat erfolgt durch automatische Drehbewegungen während des Gehens.

 

Kontinuierliche Verlängerung eines Oberschenkelknochens um 5,5cm wegen einer unfallbedingten Verkürzung. Pro Tag verlängert sich der Marknagel um ca. 1mm durch Rotationsbewegungen während des Gehens. Die knöcherne Durchbauung dauert bei dieser Verlängerung ca. 10 Monate.

Gelenknahe Fehlstellungen

Vor allem bei gelenknahen Brüchen sind die Fehlstellungen oft mehrdimensional, das heißt es liegt eine Torsions- und Achsenabweichung vor. Bei diesen Brüchen kann bei entsprechender Konstellation, durch einen Sägeschnitt ohne Knochenverlust die Fehlstellung korrigiert werden.

 

Korrektur einer Dreh- (25°) und Achsenfehlstellung (15°) durch eine Single-Cut-Osteotomie. Bei dieser Osteotomieform muss die ideale Osteotomieeben vor der Operation genau berechnet werden. Vorteile von dieser technisch anspruchsvollen Osteotomie sind kein Knochenverlust, optimale knöcherne Kontaktflächen und eine frühe Vollbelastbarkeit.

 

Bei sehr komplizierten angeborenen Fehlstellungen ist es auch möglich, mit Hilfe der Computertomographie ein 3D-Knochenmodell zu erstellen und mit einer an der Universität Ulm entwickelten Software, die Durchtrennung der Knochen zu simulieren.

 

Simulation einer Osteotomie (Sokolowski-Osteotomie) zur Korrektur einer Hüftkopffehlstellung. Mit Hilfe eines vor der Operation angefertigten CT-Datensatzes kann mit einer Spezialsoftware die Osteotomie geplant werden.

Fehlstellungen bei Kindern und Jugendlichen

Die operative Korrektur von Fehlstellung bei Kindern unterscheidet sich grundsätzlich von der operativen Korrektur beim Erwachsenen. Der wesentliche Unterschied zwischen einem kindlichen Skelett und einem Skelett beim Erwachsenen sind die noch offenen Wachstumsfugen. Über diese ist eine Zunahme oder Verringerung der Fehlstellung im Laufe des weiteren Wachstums möglich. Zu Verlaufskontrollen hat sich hier die Ultraschalldiagnostik (2.5D-Sonographie) etabliert.
Nach Erstellung einer individuellen Wachstumskurve kann die Fehlstellung nach Wachstumsabschluss berechnet werden. Durch einen gezielten minimalinvasiven Verschluss der Wachstumsfuge zum richtigen Zeitpunkt ist eine vollständige Korrektur der Fehlstellung im Laufe des weiteren Wachstums möglich.

 

Minimalinvasive operative Zerstörung und damit Verschluss des inneren Anteils der Wachstumsfuge am Schienbeinkopf bei einem Kind mit einer X-Beinfehlstellung. Durch das Wachstum des äußeren Anteils der Wachstumsfuge korrigiert sich die Beinachse bis zum Wachstumsabschluss vollständig.
gepunktete blaue Linie 1000px breit