Wirbelsäulenchirurgie: Wirbelbrüche, Korrekturoperationen, Minimalinvasive Wirbelsäulenchirurgie

Wirbelkörperbrüche sind mit dem Risiko einer Rückenmarkschädigung verbunden. Aus diesem Grund müssen Verletzungen der Wirbelsäule mit höchster Sorgfalt diagnostiziert und adäquat behandelt werden. Wir haben als zweitältester Lehrstuhl für Unfallchirurgie in Deutschland eine jahrzehntelange Erfahrung mit der Behandlung dieser Verletzungen. Zahlreiche wissenschaftliche Publikationen zu dieser Problematik entstammen unserer Abteilung und haben das moderne Verständnis der Wirbelsäulenchirurgie mitgeprägt. Als überregionales Wirbelsäulenzentrum in Süddeutschland bieten wir das komplette Operationsspektrum zur Behandlung von Wirbelfrakturen und deren Folgeerscheinungen an.

Stabilisierung von Wirbelfrakturen

  1. HWS: Alle Verletzungen der oberen und unteren Halswirbelsäule werden durch moderne Titan-Implantate in fortschrittlicher Weise über schonende Operationswege versorgt.
  2. BWS/LWS: Verletzungen der Brust- und Lendenwirbelsäule stabilisieren wir überwiegend mit winkelstabilen Fixateur intern Systemen über einen hinteren Zugang. Dies ermöglicht dem Patienten bereits am ersten Tag nach der Operation sein Bett selbstständig verlassen zu können. In einigen Fällen sind weitere Eingriffe zur Stabilisierung der Fraktur über vordere (ventrale) Zugänge notwendig. Die Entscheidung zur Durchführung solcher Eingriffe treffen wir nach sorgfältiger Abwägung von Vor- und Nachteilen mit dem Patienten zusammen. Ventrale Eingriffe führen wir wenn immer möglich über minimal invasive Techniken durch. Hierzu wurde in unserer Abteilung eigens ein winkelstabiles Implantat entwickelt.

Wirbelsäulenchirurgie unter Verwendung eines Navigationssystems

Bestimmte Umstände können es sehr schwierig machen die Implantate korrekt im Wirbelkörper zu platzieren. Dabei können Navigationssysteme, ähnlich wie sie im Strassenverkehr verwendet werden, sehr hilfreich sein. Ein medizinisches Navigationssystem gewinnt zu Beginn der Operation einen dreidimensionalen Bilddatensatz der knöchernen Strukturen im OP Gebiet. Diese Bilder weisen dem Operateur dann den Weg, den er den Schrauben des Implantates geben muss. Wir gehören zu den ersten Pionieren die diese Technik in Deutschland nutzten und auch durch wissenschaftliche Arbeiten validiert und etabliert haben.

Korrektur von posttraumatischen Fehlstellungen der Wirbelsäule

Wirbelkörperfrakturen können in Fehlstellungen ausheilen. Fehlstellungen können zu haltungsbedingten Schmerzen und zu neurologischen Ausfallserscheinungen führen. In diesen Fällen führen wir Korrektur-operationen durch.

Stabilisierung osteoporotischer Wirbelkörperfrakturen

Mit dem Alter schwindet die Dichte der knöchernen Strukturen immer mehr, was zum Krankheitsbild der Osteoporose führt. Bei einer Osteoporose ist die Gefahr von Knochenbrüchen deutlich erhöht, so dass manchmal scheinbar harmlose Alltagsbelastungen zu einem Wirbelkörperbruch führen können. Die Rückenschmerzen sind medikamentös häufig kaum zu beherrschen und bedeuten für ältere Menschen Bettlägerigkeit und nicht selten Pflegebedürftigkeit. In solchen Fällen ist durch eine Kyphoplastie/Vertebroplastie eine schnelle Schmerzlinderung bei minimaler Zugangsmorbidität möglich. Gleichzeitig wird durch eine Kyphoplastie/-Vertebroplastie das Risiko einer Fehlstellung der Wirbelsäule minimiert.

Minimalinvasive Wirbelsäulenchirurgie

Minimalinvasive Operationstechniken nutzen möglichst kleine Zugangswege zum Knochen. Dies spart Blut, schützt Muskulatur und Weichteilgewebe und verursacht deutlich weniger postoperative Schmerzen. Der Patientenkomfort kann dadurch deutlich gesteigert werden. In der traumatologischen Wirbelsäulenchirurgie sind hier zwei Techniken zu nennen:

  1. Kyphoplastie/Vertebroplastie: Über zwei Stichinzisionen von ca. einem Zentimeter werden Hülsen in den gebrochenen Wirbelkörper eingebracht. Über diese Hülsen wird der Wirbelkörper zuerst durch einen Ballon aufgerichtet und die dadurch entstandene Höhle anschließend mit einem Zement ausgegossen. Das Verfahren sorgt für schnelle Schmerzfreiheit bei minimaler operativer Belastung.
  2. Thorakoskopische Wirbelsäulenchirurgie: Hierbei nutzt man den Hohlraum des Brustkorbes als Arbeitsraum. Primär werden in die Wand des Brustkorbes drei kleine Plastikrohre über Stichinzisionen eingebracht. Diese Rohre dienen als Öffnungen, über die mit langen Instrumenten die Operation durchgeführt werden kann. Viele Probleme die durch den früher notwendigen langen Schnitt bedingt waren, können durch diese Technik verhindert werden. Die Patienten sind schneller mobil und haben weniger Schmerzen.

Tumorchirurgie der Wirbelsäule

Die Wirbelsäule wird von gutartigen und bösartigen Neubildungen leider nicht verschont. Da die Zerstörung eines Wirbelkörpers durch einen Tumor die Gefahr einer Querschnittslähmung birgt, sind hier chirurgische Eingriffe häufig notwendig. Gleichzeitig ist die Behandlung eines Tumorleidens eine interdisziplinäre Aufgabe an der verschiedene Spezialisten ihr Können einbringen müssen. Für jeden Patienten mit einer Tumorerkrankung wird in einem Kreis von Spezialisten ein optimaler Therapieplan aufgestellt. Viele Tumorerkrankungen können so mit guter Prognose behandelt werden. Chirurgische Aufgaben sind hierbei:

  1. Biopsien von Wirbelkörpermetastasen: Dies ist wichtig um die genaue Herkunft des Tumors und seinen Malignitätsgrad beurteilen zu können. Diese Information ist die Grundlage jeder Tumorbehandlung.
  2. Stabilisierung von frakturgefährdeten befallenen Wirbelkörpern: Hierzu werden die selben Verfahren, wie sie bei der Stabilisierung von Wirbelkörperfrakturen zur Anwendung kommen, verwendet. 
  3. Wirbelkörperersatz bei Wirbelkörpermetastasen:  Wenn ein Tumor zu einem großen Knochenverlust geführt hat, verwenden wir Titanimplantate um den Defekt zu überbrücken.
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