Die krankengymnastische Abteilung der Universitätsklinik Ulm am Safranberg hat in Zusammenarbeit mit Herrn Oberarzt Dr. R. Eisele aus der Abt. für Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie den Einfluß der postoperativen Frühmobilisation auf den venösen Fluß am Bein untersucht.

Untersuchung 1

Bei 40 gesunden Probanden wurde der Fluß in der Oberschenkelvene in Abhängigkeit von der Belastung der Extremität gemessen. Die Teilbelastungen wurden mit einer Personenwaage überprüft. Die Messungen erfolgten bei 10 kp, 20 kp und weiter in 10 kp-Schritten bis 50 kp Teilbelastung sowie bei Vollbelastung. Es konnte gezeigt werden, daß der venöse Fluß in der Oberschenkelvene mit 20 kp Teilbelastung bereits den gleichen Wert wie bei Vollbelastung erreichte.


Untersuchung 2

Bei 70 stationären Patienten mit einem Durchschnittsalter von 49 Jahren wurde die Reproduzierbarkeit von 20 kp Teilbelastung untersucht. In einem 3-Tages-Trainingsprogramm waren die Patienten schließlich ohne visuelle Kontrolle in der Lage, 20 kp Teilbelastung +- 1 kp zu reproduzieren (p = 0,05).


Untersuchung 3

Bei 40 Probanden wurde eine dreidimensionale Bewegungsanalyse auf dem Laufband bei 3 km/h und 3 % Steigung durchgeführt. Aus Vorversuchen war bekannt, daß die Bewegung im oberen Sprunggelenk den venösen Fluß in der Oberschenkelvene besonders positiv beeinflußt. Die dreidimensionale Bewegungsanalyse zeigte, daß der Bewegungsumfang im Sprunggelenk 20° im Median betrug. Aus den Vorversuchen war außerdem bekannt, daß ein Bewegungsumfang von 20° ausreichte, den venösen Fluß am Oberschenkel optimal zu verbessern.


Fazit:

Die Untersuchungen zeigen, daß eine Teilbelastung von 20 kp sowie ein Bewegungsausmaß im oberen Sprunggelenk von 20° die wichtigsten Faktoren zur Verbesserung des venösen Rückflusses am Bein darstellen. Diese Faktoren werden als quasi physiologische Situation dargestellt. Die Reproduzierbarkeit der Ergebnisse wird durch die große Fallzahl der Patienten statistisch gesichert. Die Bedingungen sind von nahezu jedem Patienten postoperativ zu erreichen, weshalb die gezielte Physiotherapie erheblich zur Thromboseprophylaxe beitragen kann. Einmal mehr ist die Virchow`sche Trias-Basis einer einfachen, aber effizienten Strategie, wenn die Thrombose-inzidenzen der Abt. für Unfallchirurgie am Safranberg herangezogen werden. Die Inzidenzen betragen unter Beachtung der o.g. Bedingungen für den stationären Bereich 2 % und für den ambulanten Bereich bis 4 % thrombo-embolische Komplikationen. Diese Zahlen sind im Literaturvergleich sehr niedrig! In der Physiotherapie sind Qualitätskontrolle und Qualitätsnachweis von großer Wichtigkeit, um ihre Effektivität zu unterstreichen. Insbesondere in einer Zeit, wodurch Budgetierung die Vergabe von Geldern eng mit der Effektivität von Maßnahmen gekoppelt wird.

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