Sonographisch gesteuerte Punktion / Informationen für Patienten und Ärzte

Im Rahmen von Tumorerkrankungen, bei Infektionen oder auch bei zufällig entdeckten Raumforderungen in einem Organ kann es möglich sein, dass trotz der Ausschöpfung aller derzeit zur Verfügung stehenden bildgebenden Verfahren wie Ultraschall, Computertomographie (CT), Kernspintomographie (MRT) und Positronenemmissionstomographie-CT (PET-CT) keine genaue Ursache für eine Veränderung beschrieben werden kann, bzw. nicht definitiv gesagt werden kann, ob es sich um eine gutartige, bösartige oder entzündliche Veränderung handelt.

Kann durch bildgebende Verfahren keine Diagnose gestellt werden, kann es notwendig sein, durch eine Punktion Gewebeproben aus einem Organ zu gewinnen. Auch bei bekannten Tumorerkrankungen kann es notwendig sein, Gewebe aus dem bekannten Tumor eines Patienten zu gewinnen, um anhand der gewonnen Gewebeprobe Informationen über die feingewebliche Struktur des Tumors zu bekommen und so die bestmögliche Therapie für den Patienten zu finden.

Gewebeproben können praktisch aus allen Organen entnommen werden. Wir haben uns seit vielen Jahren auf die sonographisch gestützte Punktion von Organen zur Gewebeentnahme spezialisiert. Die Leber und Lymphknoten sowie die Schilddrüse sind die Organe, welche am häufigsten punktiert werden.

Anhand eines Beispiels einer Lebergewebeprobeentnahme wollen wir Ihnen die wichtigsten Dinge, welche Sie als Patient darüber wissen müssen, erläutern. Ist bei Ihnen eine Punktion geplant, erhalten Sie zunächst einen Aufklärungsbogen (Informationsblatt) in welchem Sie schriftlich über den geplanten Eingriff informiert werden. Am Ende des Aufklärungsbogens müssen Sie durch Ihre Unterschrift Ihr Einverständnis zur geplanten Punktion geben und bestätigen, dass Sie ausführlich und ausreichend über die möglichen Risiken der Punktion informiert worden sind.

 

Aufklärung

Worauf ebenfalls vor einer geplanten Punktion geachtet werden muss, ist die Einnahme von Medikamenten, die die Blutgerinnung  beeinflussen können. Dies sind Medikamente wie Aspirin, Kombinationspräparate (z.B. Kopfschmerztabletten), Schmerzmittel in denen ebenfalls Aspirin in bestimmten Dosen enthalten ist oder Medikamente wie Ibubrofen® oder Voltaren®. Rücksprache sollten Sie halten, falls Sie Medikamente wie Marcumar® oder Plavix® einnehmen müssen. Hier müssen unter Umständen genaue Absprachen getroffen werden, damit die geplante Punktion für Sie komplikationslos durchgeführt werden kann. Ein Merkblatt über Gerinnungshemmende Medikamente können Sie hier anklicken bzw. herunterladen.

 

Merkblatt


Zusammenfassend benötigen wir vor einer Punktion also folgende Dinge:

  • schriftliche Aufklärung und Einverständniserklärung
  • aktuelle Blutwerte (Blutbild, Gerinnungswerte)
  • eine Liste der regelmäßig eingenommenen Medikamente
  • Absetzten von gerinnungshemmenden Medikamenten oder abgesprochenes Vorgehen falls gerinnungshemmende Medikamente nicht abgesetzt werden können


Punktionsvorbereitung

Am Tag der Punktion sollten Sie nüchtern in die Ultraschalldiagnostik kommen. Falls Sie mit dem eigenen PKW anreisen, sollten Sie darauf achten, dass Sie gegebenenfalls Schmerzmittel erhalten, welche Ihre Fahrtüchtigkeit beeinträchtigen. Sie dürfen nach dem Erhalt solcher Medikamente für 24 Stunden nicht aktiv am Straßenverkehr teinehmen, gegebenenfalls an Begleitperson denken! Für die eigentliche Punktion benötigen Sie eine Venenverweilkanüle, welche das Einspritzen von Medikamenten (Schmerzmittel) und eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr ermöglicht.

Punktionsdurchführung

Nach dem Anlegen der Verweilkanüle wird mittels Ultraschall die Stelle, an der die Punktion durchgeführt werden soll, markiert. Nach der Markierung und der Hautdesinfektion an der entsprechenden Stelle wird an dieser Stelle ein Medikament zur örtlichen Betäubung eingespritzt.

Die hierzu verwandten Medikamente sind denen, welche Sie vielleicht schon einmal beim Zahnarzt zur örtlichen Betäubung bekommen haben, ähnlich (z. B. Mepivacain) und sehr gut verträglich. Nebenwirkungen sind extrem selten.

Danach wird Ihnen ein Schmerzmittel in die Verweilkanüle injiziert. Hierzu verwenden wir Dipidolor, ein starkes Schmerzmittel, welches gelegentlich als Nebenwirkung Übelkeit hervorrufen kann. Um dies zu verhindern bekommen Sie gleichzeitig noch ein anderes Medikament (Metoclopramid) gespritzt. Nach der Injektion fühlen Sie sich meist etwas müde. Durch die örtliche Betäubung und das Schmerzmittel in die Vene können wir Ihnen eine fast vollständig schmerzfreie Punktion garantieren.

Anschließend wird die desinfizierte und betäubte Punktionsstelle mit einem sterilen Tuch abgedeckt. Dies hilft Infektionen durch die Punktion zu verhindern. Als nächstes werden nur steril verpackte Materialien oder Einmalartikel verwendet, d.h. auch der Schallkopf bekommt einen sterilen Überzug.

 

Danach wird an den Schallkopf eine Nadelführung angeklipst, durch welche dann unter Zuhilfenahme der elektronischen Punktionshilfe des Ultraschallgerätes die Punktionsnadel genau an ihr Ziel im Körper des Patienten gebracht werden kann. Dann wird an der Punktionsstelle mit einem sterilen Skalpell ein kleiner Hautschnitt durchgeführt. Um die haardünne Nadel in den Körper des Patienten überhaupt einbringen zu können benötigt man noch eine etwas dickere so genannte Führungsnadel durch welche dann die eigentliche Punktionsnadel hindurch geschoben wird. Danach überprüft der Arzt nochmals die Punktionsstelle mit dem schon steril verpackten Schallkopf und der eingeführten Führungsnadel. 

 

Danach werden die Zellproben auf einem Objektträger ausgestrichen. Meistens werden zwei bis drei Punktionsvorgänge durchgeführt. Dieses Zellmaterial wird dann auf den Objektträgern in ein Speziallabor gebracht wo diese dann unter einem Mikroskop von einem Fachspezialisten untersucht werden. Anhand der Zellen kann dann auf die untersuchte Gewebeart und eine mögliche bösartige oder entzündliche Erkrankung geschlossen werden.

Neben der Punktion mit einer sehr dünnen Nadel (0,7 mm) kann es notwendig sein, aus einem Gewebe einen ganzen Gewebeverband zu punktieren. Dies ist nur mit einer etwas dickeren Nadel (0,95 mm) möglich. Bei der Gewinnung eines Gewebeverbands wird eine so genannte Biopsiepistole verwandt. Ansonsten ist das Vorgehen bei der Punktion vollständig identisch, nur der Einsatz einer Führungsnadel ist nicht notwendig. Das Blutungsrisiko ist aufgrund der etwas größeren Nadeldicke minimal vergrößert.

Nach erfolgter Punktion kommt ein Pflasterverband auf die Punktionsstelle und ein Sandsack wird zur Verhinderung von Nachblutungen an die Punktionsstelle platziert.

Nachsorge nach Punktion

Wird die Punktion ambulant bei Ihnen durchgeführt, werden Sie nach der Punktion für ca. 3-4 Stunden in der Ambulanz der Medizinischen Klinik überwacht, d. h. es werden alle 30 Minuten der Puls und der Blutdruck registriert und Sie werden an einen Überwachungsmonitor angeschlossen. Nach ca. 3 Stunden wird nochmals eine Blutbildkontrolle durchgeführt, d.h. es wird geschaut, ob sich durch die Punktion ein Blutverslust nachweisen lässt.

Nach der Blutabnahme erfolgt nochmals eine abschließende Ultraschalluntersuchung wobei die Punktionsstelle und angrenzende Organe nochmals ganz genau angeschaut werden. Ist die Ultraschalluntersuchung und die Blutbildkontrolle in Ordnung, entlässt Sie der Arzt, welche die Punktion durchgeführt hat. Sie werden nochmals auf besondere Verhaltensweisen wie körperliche Schonung und über die weiteren Arzttermine informiert.

Die Komplikationsraten bei der oben beschriebenen zytologischen Punktion (Punktion bei der nur Zellen gewonnen werden) sind extrem niedrig. Schwerwiegende Komplikationen sind bei dieser Art der Punktion  in unserem Ultraschalllabor noch nie aufgetreten.
Die Ergebnisse unserer Punktionsergebnisse und Komplikationsraten wurden in verschiedenen englischsprachigen Fachzeitschriften publiziert. Details

 

Neue Telefonnummern!

Unsere neuen Telefonnummern finden Sie im aktuellen Flyer.

 

 

 

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