Mitarbeiter

Leiter:

Prof. Dr. W. Kratzer

Wissenschaftlicher Mitarbeiter:
Mark Martin Hänle (Assistenzarzt)

Doktoranden:

Andrea Vögtle
Christoph Mittrach
Thomas Schmidt
David Borchert
Sven Eggink
Anja Preismer
Jan Schreckenberg
Regina Thiel
Monika Bader
Anne Ambrosius
Jovana Vogt
David Albrecht
Julia Born
Saskia van der Ham

 



Erkrankungen der Gallenblasen


Gallenblasensteine stellen eine der häufigsten Ursachen der Morbidität in den westlichen Industrienationen dar. Für Deutschland liegen nur wenige exakte Informationen über Prävalenz und Risikofaktoren vor. Deshalb führten wir im Laufe der letzten Jahre mehrere epidemiologische Untersuchungen zu dieser Fragestellung durch.

Im Rahmen einer Vollerhebung (Response rate: 66.6%) untersuchten wir im Jahre 1996 2560 Personen einer Gemeinde in Süddeutschland zu Risikofaktoren und Prävalenz von Gallenblasensteinen. Insgesamt wurden bei 7.8% der Studienteilnehmer (10.5% der Frauen bzw. 4.9% der Männer) Gallenblasensteine festgestellt. In einer multiplen logistischen Regression zeigten die vier berücksichtigten Einflußgrößen Alter, Geschlecht, Body Mass Index (BMI) und Familienanamnese (hinsichtlich Gallensteinen) einen deutlichen Einfluß auf das Auftreten von Gallenblasensteinen.

In derselben Untersuchung konnten bei 34 von 2327 Personen (1.5%) Gallenblasenpolypen nachgewiesen werden. Bei Männern lag die Prävalenz mit 19 von 1118 (1.7%) leicht über der bei Frauen mit 15 von 1209 (1.2%). Am häufigsten waren Gallenblasenpolypen jeweils in der 4. und 5. Dekade. Im Rahmen einer Nachuntersuchung 30 Monate nach Erstuntersuchung war bei knapp der Hälfte der Probanden keine Größenveränderung aufgetreten. Bei circa 40% war eine Vergrößerung der Polypen feststellbar.

In einer weiteren Untersuchung bei 1116 Blutspendern waren Alter, positive Familienanamnese und hoher Body-Mass-Index mit einer höheren Gallensteinhäufigkeit verknüpft. Es konnte kein Einfluß des Geschlechts nachgewiesen werden.

Im März 2000 untersuchten wir im Rahmen einer prospektiven Untersuchung Aspekte der Adipositas-assoziierten Co-Morbidität (u.a. Gallensteinleiden) an einem Kollektiv adipöser Kinder und Jugendlicher.

Im November/Dezember 2002 erfolgte eine großangelegte Studie in Leutkirch im Allgäu (EMIL Studie).

Publikationen unserer Arbeitsgruppe zu Erkrankungen der Gallenblase
Scand J Gastroenterol 1997; 32:953-8
Dig Dis Sci 1998; 43:285-91
J Clin Ultrasound 1999; 27:1-7
Dtsch med Wschr 1999; 124:580-3
Z Gastroenterol 1999; 37:1157-62
Monatsschr Kinderheilkd 2000; 148:600-4
Can J Gastroenterology 2001; 15:363-6
World J Gastroenterol 2005; 11(43):6800-6
World J Gastroenterol 2005; 11(39):6170-5 J
Pediatr Gastroenterol Nutr 2006; 42(1)66-70



Echinokokkose

In Europa treten zwei Formen der Echinokokkose auf: Echinococcus granulosus und Echinococcus multilocularis. Der Hundebandwurm (Echinococcus granulosus) tritt vor allem in den Ländern Südost-Europas und Afrika auf und imponiert sonographisch häufig als zystische Raumforderung. Das Gebiet der Schwäbischen Alb westlich von Ulm gilt neben dem französischen Jura und der Schweiz als Endemiegebiet des Fuchsbandwurmes (Echinococcus multilocularis).
In bestimmten Gemeinden konnte bei bis zu 75% der Füchse eine Infektion mit Echinococcus multilocularis nachgewiesen werden. Die vom Fuchs mit dem Kot ausgeschiedenen Eier werden von Mäusen aufgenommen, in deren Leber der Fuchsbandwurm heranwächst. Ein Fuchs kann sich durch Verzehr einer befallenen Maus infizieren. Eine Übertragung auf den Menschen als fehlzwischenwirt ist möglich.
Trotz der hohen Verbreitung bei Füchsen gilt die von Echinococcus multilocularis verursachte alveoläre Echinokokkose selbst in Endemiegebieten als seltene Erkrankung, deren genaue Prävalenz nur schwer abgeschätzt werden kann. Insbesondere ist unklar, welche Risikofaktoren (z.B. Haustiere, häufiger Aufenthalt im Wald, Verzehr von Waldfrüchten...) für die Übertragung des Parasiten prädisponierend sind.
Im Rahmen einer sonographischen und serologischen Screeninguntersuchung (Leiter: Prof. Dr. P. Kern) in der Gemeinde Römerstein auf der Schwäbischen Alb konnte bei 2560 untersuchten Einwohnern (knapp 70% der Gesamtbevölkerung) bei einem Patienten die Erstdiagnose einer alveolären Echinokokkose gestellt werden. Der Patient konnte im Anschluß erfolgreich operiert werden. In drei weiteren Fällen lagen verdächtige, zu Echinococcus multilocularis passende Raumforderungen der Leber vor, die weiter abgeklärt wurden.
Bei 9 Personen fanden wir spezifische Antikörper und bei ca. 40 weiteren unspezifische Antikörper gegen Echinococcus multilocularis, ohne daß sich sonographisch (bzw. später im CT) ein manifester Befall zeigte. Die Mehrzahl dieser Personen nahm 30 Monate nach der Erstuntersuchung an einer Follow-up-Untersuchung teil. Bei keinem Probanden zeigte sich ein Anhalt für eine in der Zwischenzeit neu aufgetretene Echinokokkose.

Im November/Dezember 2002 erfolgte eine zweite große Studie an einem Baden-Württembergischen städtischen Kollektiv in Leutkirch im Allgäu. Publikationen sind in Vorbereitung

Publikationen zum Thema Echinokokkose:

Med Klin 1998; 93:63-7
Clin Infect Dis. 1999; 29:157-63.
Am J Trop Med Hyg. 1999; 61:566-73
Dtsch Med Wochenschr. 2000; 125:87-9
Dtsch Med Wochenschr. 2000; 125:59-62
Infection 2001; 29:119-25
Infection 2001; 29:310-4
Hepatology 2004; 39:509-17
Abdom Imaging 2005;30 (3) :286-90
Parasitol Int 2006;55 Suppl :S283-7
Abdom Imaging 2007 Feb 7; [Epub ahead of print]

 

Darmwandsonographie

Bis vor wenigen Jahren gehörte der Magen-Darm-Trakt nicht zu den mittels Ultraschall zu untersuchenden Organen. Durch die Entwicklung neuer leistungsfähiger Geräte nimmt die Bedeutung des Ultraschalls insbesondere zur Untersuchung im Screening bei unklaren abdominellen Beschwerden und in der Verlaufskontrolle chronisch-entzündlicher Darmerkrankungen zu.

Zum einen ist durch die beliebig häufige Wiederholbarkeit eine engmaschige Kontrolle im akuten Schub möglich. Darüber hinaus stellt die Darm-wandsonographie in der Langzeitbetreuung von Patienten eine ideale Ergänzung zu laborchemischen und klinischen Parametern (wie z,B. dem CDAI) dar.

Als überaus wertvoll hat sich die Kombination der Darmwandsonographie mit Power Doppler (+ ggf. Ultraschallkontrastmittel, z.B. Levovist®) erwiesen. Bei Patienten mit Morbus Crohn ist es dadurch möglich Näheres über die Ätiologie von Darmstenosen (entzündliche versus narbige Stenose) in Erfahrung zu bringen, was für das weitere therapeutische Procedere von entscheidender Bedeutung ist.

Neben den entzündlichen Darmerkrankungen kann der Ultraschall auch bei der Diagnostik einer Divertikulose / Divertikulitis entscheidende Hinweise liefern.


Zum Thema Darmwandsonographie bisher erschienene Publikationen:

Z Gastroenterol 2000; 38:295-300
J Ultrasound Med 2002; 21:149-57
Rofo Fortschr Geb Rontgenstr Neuen Bildgeb Verfahr. 2003; 175:1093-9 Z Gastroenterol. 2003; 41:641-8 Z Gastroenterol 2004;42(9):973-8 Eur J Gastroenterol Hepatol 2005;17(3):263-75 Scand J Gastroenterol 2005;40(8):985-91 Eur Radiol 2006 Nov;16(11):2410-7



Ultraschall des Fettgewebes

Das Fettgewebe galt bis vor kurzem als bradytrophes Gewebe mit nur eingeschränkter Bedeutung für den Gesamtstoffwechsel des Organismus. Da sich die Einschätzung des Fettgewebes hin zu einem dynamischen Gewebe, das bei einer Reihe von chronischen Erkrankungen eine wichtige Rolle spielt, gewandelt hat, haben in den letzten Jahren Untersuchungen über den Stoffwechsel des Fettgewebes zunehmend an Bedeutung gewonnen.

Es ist heute möglich, kleine Arteriolen des Fettgewebes mittels hochauflösendem Ultraschall zu untersuchen. Durch Verwendung des Power-Dopplers können kleinste Gefäße dargestellt werden. Im Triple-Modus (B-Bild, Power Doppler, CW-Doppler) können Flußgeschwindigkeiten in Arteriolen bis zu 1 mm abgeleitet werden.

Im März 2000 untersuchten wir im Rahmen einer prospektiven Untersuchung die Bedeutung der Dicke des intraabdominellen Fettgewebes für Erkrankungen wie Gallenblasensteine, Steatosis hepatis, Arteriosklerose sowie den Einfluß von Laborparametern (u.a. Blutfette, HbA1c) an einem Kollektiv adipöser Kinder und Jugendlicher.



Sonstige Publikationen

Rofo Fortschr Geb Rontgenstr Neuen Bildgeb Verfahr 2000 May; 172:443-8
Internist 2000 Jan; 41:37-40
J Ultrasound Med. 2003; 22:1155-61

Int J Obes Relat Metab Disord 2004; 28(2):307-13 Arterioscler Thromb Vasc Biol 2005; 25(9):1804-9 World J Gastroenterol 2006; 12(11):1699-705 BMC Public Health 2006; 6:233



Aktuelles


Aktueller Forschungsgegenstand der Sonographie sind Untersuchungen der Leber und der Darmwand mit neuen Ultraschallkontrastverstärkern im sogenannten Low-MI (mechanical index) Verfahren. Dieses Verfahren ermöglicht es erstmals dynamische Untersuchungen zur Beurteilung der arteriellen und portalvenösen Durchblutung der Leber durchzuführen, vergleichbare Untersuchungen waren bisher ausschließlich mit der CT und MRT möglich.
Ausserdem wird derzeit eine computergestützte Grauwertanalyse zur quantitativen Bestimmung einer Leberverfettung etabliert.
Weitere Projekte stellen unter anderem eine vergleichende Untersuchung in der Diagnostik von Lebermetastasen bei Brustkrebspatientinnen mittels verschiedenen bildgebenden Verfahren (kontrastverstärkter Ultraschall versus Kontrastmitel MRT), sowie die Durchführung einer Studie zur Wertigkeit der extended field sonography (Panoramasonographie) bei der Organgrössenbestimmung dar.

 

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