Nephrologische Untersuchungen

Leiter des Nephrologischen Labors:

Prof. Dr. med. Frieder Keller

Sektion Nephrologie
Abteilung Innere Medizin I
Universitätsklinikum
Albert-Einstein-Allee 23
89081 Ulm

Tel. +49-(0)731-500-44561
Fax +49-(0)731-500-44567
frieder.keller@uniklinik-ulm.de


Fachpersonal:

Fr. Rosa Herzog

Fr. Irene Bauer

 

Bestimmungen im Nephrologischen Labor:

Urinsediment
Zellzählung im CAPD-Dialysat
Addis Count (Sediment qualitativ)

 

Urinsediment

Bestimmungsindikation

Das Urinsediment ist unverzichtbar in der Diagnostik von Nierenerkrankungen, weshalb bei jeder nephrologischen Fragestellung eine Analyse eines Urinsediments erfolgen sollte. Das Urinsediment umfasst eine qualitative und quantitative Beschreibung von Erythrozyten, Leukozyten, Epithelien, Zylindern, Kristallen und Keimen.


Bestimmungsmethode

Der Urin wird im Labor zunächst zentrifugiert und anschließend unter dem Mikroskop untersucht. Dabei werden die verschiedenen Zellen quantifiziert (Zellen/Blickfeld) und sonstige Urinbestandteile aufgeführt.


Bewertung

Eine Eryhtrozytenzellzahl über 4 Zellen/Blickfeld gilt als pathologisch, man spricht dann von einer Mikrohämaturie (Urin nicht sichtbar blutig verfärbt). Sind mehr als 5% der Erythrozyten in typischer Weise morphologisch verändert (Ringform mit Ausstülpungen, so genannte Akanthozyten), ist dies ein Hinweis auf eine glomeruläre Erkrankung (Nierenkörperchen, Glomerulonephritis).

Leukozyten werden bei Harnwegsinfekten in großer Anzahl neben Bakterien nachgewiesen. Aber auch andere Krankheiten können mit einer Leukozyturie einhergehen (z.B. toxische oder immunologische Ursachen, Analgetikanephropathie, Chlamydien-, Trichomonadeninfektion).

Zylinder werden nach Aussehen und Bestandteilen klassifiziert. Sie sind tubulären Ursprungs, von unterschiedlichem Durchmesser und Transparenz. Je nach eingeschlossenen Substanzen kann man z.B. Erythrozytenzylinder, Leukozytenzylinder, Proteinzylinder differenzieren.

 


Zylindermorphologie

Vorkommen

Hyaline Zylinder

Vereinzelt auch bei Gesunden

Vermehrt bei Proteinurie

Granulierte Zylinder

Unspezifisch

Fettzylinder

Proteinurie, nephrotisches Syndrom

Erythrozytenzylinder

Glomeruläre Hämaturie (Glomerulonephritis)

Leukozytenzylinder

Pyelonephritis

interstitielle Nephritis

Glomerulonephritis

Epithelzylinder

Akutes Nierenversagen
(Schädigung des Tubulussystems)

Pigmentzylinder

Hämoglobin

Bilirubin

            Myoglobin

Glomerulonephritis

Hepatitis, Cholestase

Muskeltrauma


Zellzählung im CAPD-Dialysat

Bestimmungsindikation

Bei CAPD-Patienten mit einer Bachfellentzündung (Peritonitis) dient die Zellzahlbestimmung der Diagnosesicherung und der Verlaufsbeurteilung.


Bestimmungsmethode

Vom Dialysat werden 10 ml abgenommen und unter dem Mikroskop die Zellzahlbestimmung durchgeführt.


Bewertung

Eine Zellzahl über 100/µl mit >50% Granulozyten gilt als pathologisch. Bei zusätzlichen abdominellen Symptomen oder Keimnachweis besteht ein dringender Verdacht auf eine CAPD-assoziierte Peritonitis und eine anitmikrobielle Therapie sollte eingeleitet werden.

 

Addis Count (Sediment quantitativ)

Bestimmungsindikation

Der Addiscount dient der Quantifizierung einer Mikrohämaturie. Hierzu wird der Urin über einen Zeitraum von 3h gesammelt und anschließend die Erythrozyten- und Leukozytenzahl bestimmt.


Bestimmungsmethode
Mikroskopisch

Bewertung

Nach Auszählung der Zellen wird das Ergebnis umgerechnet auf Zellen/min (Zellen/µl*1000*Urinvolumen in ml/Sammelzeit in Minuten). Eine Hämaturie über 2.000 Erythrozyten/Minute und eine Leukozytenzahl über 4000/min gelten als pathologisch.


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