Chronische Leukämien
Therapie und Forschung in der Klinik für Innere Medizin III
In der Klinik für Innere Medizin III werden alle Stadien und Formen lymphoproliferativer Erkrankungen und der CLL behandelt. Ein Schwerpunkt liegt hierbei in der Durchführung von klinischen Studien. Ziel dieser klinischen Studien ist die Verbesserung der derzeitigen Standardtherapien sowie die Erforschung individueller Risikofaktoren, auf dem Weg hin zu einer personalisierten Medizin. In fortgeschritteneren Stadien oder nach mehrfacher Vortherapie werden auch neuere, teilweise noch nicht zugelassene Medikamente getestet. Aus einem verbesserten Verständnis der Biologie der Erkrankung (s. unten) werden heute mehr und mehr gezielte Behandlungsansätze entwickelt (Abb.1). Das Zentrum Ulm beteiligt sich intensiv an den klinischen Studien der deutschen CLL Studiengruppe (DCLLSG) und ist innerhalb der Studiengruppe Referenzlabor. Eine Reihe von Studien werden aus Ulm koordiniert. Die Betreuung der Patienten findet entweder in der Spezial-Ambulanz oder auf einer der Fachstationen / Tagesklinik statt.
Abb. 1: Pathomechanismen und daran ansetzende Therapiestrategien bei der CLL
Ein wichtiger Schwerpunkt der Klinik für Innere Medizin III liegt in der Erforschung der Grundlagen der Krankheitsentstehung und des Verlaufs. Hierzu werden entartete Zellen auf das Vorliegen von Veränderungen der Chromosomen untersucht (Chromosomen sind die Verpackungseinheiten der DNA, welche die Erbinformationen enthält). Es ist bekannt, dass bei der CLL mehrere dieser Veränderungen gehäuft auftreten und teilweise auch Auswirkungen auf das Ansprechen auf die Therapie haben (Abb. 2). Weiterhin ermöglicht uns die stetige Weiterentwicklung neuer Technologien die Erforschung bislang unbekannter Chromosomen- und Genveränderungen. Wichtige Schwerpunkte sind die Frage wie verschiedene genetische Veränderungen zur Krankheit oder z.B. der Therapieresistenz beitragen. Gleichzeitig versuchen wir neue gezielte Therapieansätze zu entwickeln.
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Abb. 2: Fluoreszenz in situ Hybridisierung zum Nachweis einer 17p Deletion / p53 Signalweg bei der CLL
Sowohl die Durchführung der klinischen Studien als auch die Grundlagenforschung werden in enger Zusammenarbeit mit deutschen oder internationalen Studiengruppen durchgeführt. Ziel ist es, dass die Ergebnisse dieser Forschung dazu beitragen, in Zukunft effektivere Therapien zu finden, die auf die besonderen Merkmale der einzelnen Patienten abgestimmt sind.
Leistungszahlen und Qualitätsmanagement
für das Jahr 2009 | |
Anzahl an Neudiagnosen | 26 |
Vorstellungen im Tumorboard | 22 |
Teilnahme an Klinischen Studien | 14 |
Dokumentation im Klinischen Krebsregister | 26 |
Ansprechpartner
Spezialsprechstunde CLL/Lymphoproliferative Erkrankung:
Herr Prof. Dr. med. Stephan Stilgenbauer Herr PD Dr. med. Andreas Viardot Frau Dr. Jennifer Edelmann Frau Dr. Andrea Schnaiter Herr Dr. Dirk Winkler Herr Dr. Andreas Bühler Frau Dr. Manuela Bergmann Herr Prof. Dr. Christian Buske | stephan.stilgenbauer[at]uniklinik-ulm.de andreas.viardot[at]uniklinik-ulm.de jennifer.edelmann[at]uniklinik-ulm.de andrea.schnaiter[at]uniklinik-ulm.de dirk.winkler[at]uniklinik-ulm.de andreas.buehler[at]uniklinik-ulm.de |
Terminvereinbarung unter: 0731 500 44032
Studienzentrale:
Frau Silja Mack |
Labor:
Herr Prof. Dr. med. Stephan Stilgenbauer Frau Dr. Jennifer Edelmann Frau Dr. Andrea Schnaiter Herr Dr. Dirk Winkler Herr Dr. Andreas Bühler Herr PD Dr. rer. nat. Daniel Mertens Herr Dr. med. Johannes Bloehdorn | stephan.stilgenbauer[at]uniklinik-ulm.de jennifer.edelmann[at]uniklinik-ulm.de andrea.schnaiter[at]uniklinik-ulm.de dirk.winkler[at]uniklinik-ulm.de andreas.buehler[at]uniklinik-ulm.de |
Klinische Studien
Weitere Informationen zu den aktiven Studien erhalten Sie unter:
Studienzentrale >> Klinische Studien >> CLL
Beschreibung der Erkrankung
Basisinformation
Die CLL ist mit einer Inzidenz von ca. 5/100.000 die häufigste Leukämie des Erwachsenen in der westlichen Welt. Die Erkrankung betrifft vorwiegend Personen im höheren Lebensalter, allerdings sind etwa 20% der Patienten jünger als 55 Jahre. Die Geschlechtsverteilung ist m:w = 2:1. Die CLL ist charakterisiert durch die Akkumulation morphologisch reif erscheinender, aber funktionell inkompetenter Lymphozyten in Knochenmark, Blut, Lymphknoten und anderen Organen vorwiegend des lymphatischen Systems (Abb. 3). Im Verlauf der Krankheit kommt es zu Verdrängung der Blutbildung und Beeinträchtigung der Organfunktionen. Die Prognose ist individuell unterschiedlich mit Überlebenszeiten zwischen Monaten und Jahrzehnten. Das Stadium nach Binet oder Rai ist von prognostischer Bedeutung, allerdings erlauben neuere labordiagnostische Marker (Thymidin Kinase (TK), ß2-Mikroglobulin (ß2-MG), genomische Aberrationen, der Mutationsstatus der variabeln Anteile der Immunglobulingene (IGHV) und Surrogatmarker wie ZAP-70 eine verbesserte Prognoseabschätzung.
Abb. 3: Diagnose einer CLL im Blut
Krankheitszeichen
Symptome und Befunde
Die Mehrzahl der Patienten sind bei Diagnose beschwerdefrei (Zufallsbefund), ein Teil der Patienten bemerkt eine Lymphknotenvergrößerung. Im fortgeschrittenen Stadien der Erkrankung treten häufig Allgemeinsymptome (B-Symptomatik), Blutungen, Infektneigung und Autoimmunphänomene (v.a. Autoimmunzytopenie) auf. Im Verlauf kann es zu einer hochmalignen Transformation („Richter Syndrom“) mit ungünstiger Prognose kommen.
Diagnosesicherung
Die Diagnosestellung erfolgt nach WHO Kriterien aus dem Blut (Klonale B Zell Lymphozytose durch reife Lymphozyten von >5/nl, Immunphänotyp: CD5+, CD19+, CD23+, CD79a+, CD20(+), sIgM/D(+), CD10-, FMC7-, CD103-, Cyclin-D1-, CD79b-).
Klassifikation und Stadieneinteilung
Stadieneinteilung
Die Stadieneinteilung bei Diagnose erfolgt nach Binet und nach Rai und ist von prognostischer Bedeutung.
Therapeutische Möglichkeiten
Bei der CLL sind Studien im Rahmen der Deutschen CLL Studien Gruppe (DCLLSG) für nahezu alle Situationen (Alter, Stadium, Vortherapie, etc.) aktiv (Abb. 4). Jeder Patient sollte die Möglichkeit haben im Rahmen einer Studien behandelt zu werden. Dadurch wird nicht nur eine immer weitere Verbesserung der Behandlung erreicht, sondern auch die bestmögliche Behandlungsqualität gesichert. Neben den Studien zur konventionellen Primär- und Rezidivtherapie gibt es allogene Transplantationsstudien.
Abb. 4: Studien der DCLLSG
Eine Übersicht der aktuell rekrutierenden Studien ist auf der Internetseite der Deutschen CLL Studiengruppe http://dcllsg.web.med.uni-muenchen.de/studien/uebersicht.php abrufbar.
Neben den Studien der DCLLSG sind weitere, z.T. firmen-initiierte internationale Studien mit innovativen Substanzen aktiv (z.B. Flavopiridol, Lenalidomid, Antikörper, etc.).
Die jeweils aktuell in der Klinik für Innere Medizin III aktiven Studien zur CLL sind im Intranet auf der Seite der Studienzentrale abrufbar. Außerhalb von Studien sollte die Behandlung stratifiziert nach Alter, Begleiterkrankungen, Stadium, Aktivität der Erkrankung und ggf. Vortherapie/Ansprechen erfolgen.
Patienten mit CLL im Stadium Binet A werden außerhalb von Studien initial beobachtet („watch-and-wait“ Strategie) und erst bei Progress (s.u.) behandelt.
Eine Therapieindikation besteht i. d. R. im Stadium Binet-C oder Binet-B mit Beschwerden (B-Symptomatik, Organomegalie, drohende Organkomplikationen) oder bei „active disease“ . Derzeit verfügbare konventionelle Therapieverfahren sind von palliativem Charakter, potentiell kurative Ansätze wie die allogene Stammzelltransplantation sind in Erprobung und sollten in Studien durchgeführt werden.
Für jüngere Patienten besteht die Standardtherapie in einer Fludarabin Kombinationen (FC) oder Bendamustin unter Hinzunahme von Antikörpern (Rituximab). Bei der Auswahl der Therapie (Chlorambucil, Fludarabin, FC+/- Rituximab) sollte weniger das kalendarische Alter sondern die Komorbidität und das Therapieziel (Wirksamkeit und Nebenwirkungen) im Vordergrund stehen.
Je nach Ansprechen auf die vorangegangene Therapie sollte die nächste Behandlung gewählt werden. Bei Remissionen von > 1-2 Jahren kann eine Wiederholung der primären Therapie erfolgen. Häufig ist im Verlauf jedoch eine Eskalation der Therapie sinnvoll bzw. erforderlich um wieder eine Remission zu erzielen.
Bestimmte Patientenuntergruppen (mit genetischen Veränderungen oder sehr kurzer Remissionsdauer) sind frühzeitig Kandidaten für eine allogene Stammzelltransplantation.







