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Multiple Myelome

Therapie und Forschung in der Klinik für Innere Medizin III

Hochauflösende genetische Untersuchungen des gesamten menschlichen Erbgutes

Die Klinik für Innere Medizin III ist eines der größten und bedeutendsten Zentren für die Behandlung und Erforschung des Multiplen Myeloms in Deutschland. Es werden alle Stadien und Formen des Multiplen Myeloms behandelt. Ein Schwerpunkt liegt in der Durchführung von kontrollierten, klinischen Studien. Ziel dieser klinischen Studien ist die Verbesserung der derzeitigen Standardtherapien sowie die Erforschung individueller Risikofaktoren, hin zu einer personalisierten Medizin. Es werden auch neuere, teilweise noch nicht zugelassene Medikamente getestet. Für unsere Patienten bedeutet dies, dass sie Zugang zu neuen, viel versprechenden Medikamenten erhalten, meist viele Jahre bevor diese Medikamente zugelassen werden und über die Apotheke verfügbar sind. Das Zentrum Ulm beteiligt sich intensiv an den klinischen Studien der deutschen Studiengruppe Multiples Myelom (DSMM) und ist innerhalb der Studiengruppe eines der am besten rekrutierenden Zentren.

Die Betreuung der Patienten findet entweder in der Spezial-Ambulanz für Multiples Myelom statt, oder auf einer der Fachstationen. Die Durchführung der Hochdosis-Chemotherpie erfolgt in einem eigenen Stationstrakt mit speziellem Luftfiltersystem.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt in der Erforschung der Grundlagen der Krankheitsentstehung. Hierzu werden entartete Plasmazellen auf das Vorliegen von Veränderungen der Chromosomen untersucht (Chromosomen sind die Verpackungseinheiten der DNA, welche die Erbinformationen enthält). Es ist bekannt, dass beim Multiplen Myelom mehrere dieser Chromosomenveränderungen gehäuft auftreten und teilweise auch Auswirkungen auf das Ansprechen auf eine Therapie haben. Weiterhin ermöglicht uns die Entwicklung neuer Technologien die Erforschung bislang unbekannter Chromosomen- und Genveränderungen.

Sowohl die Durchführung der klinischen Studien als auch die Grundlagenforschung werden in enger Zusammenarbeit mit deutschlandweiten oder internationalen Studiengruppen durchgeführt. Ziel ist es, dass die Ergebnisse dieser Forschung dazu beitragen, in Zukunft effektivere und nebenwirkungsärmere Therapien für das Multiple Myelom zu finden.

Leistungszahlen und Qualitätsmanagement

für das Jahr 2009

Anzahl an Neudiagnosen

56

Vorstellungen im Tumorboard

51

Teilnahme an Klinischen Studien

14

Dokumentation im Klinischen Krebsregister

56

Ansprechpartner

Spezialsprechstunde Multiples Myelom:

Herr OA Prof. Dr. med. Donald Bunjes

Herr Dr. med. Christian Langer

Frau Dr. med. Miriam Kull

 donald.bunjes[at]uniklinik-ulm.de

 christian.langer[at]uniklinik-ulm.de

 miriam.kull[at]uniklinik-ulm.de

Terminvereinbarung unter: 0731 500 44032

 

Studienzentrale:

Frau Daniela Hermsdorf

 daniela.hermsdorf[at]uniklinik-ulm.de

Labor:

Herr Dr. med. Christian Langer

Frau Dr. med. Miriam Kull

Frau Sonja Kolmus

Frau Anja Greiner

christian.langer[at]uniklinik-ulm.de

miriam.kull[at]uniklinik-ulm.de

myelom.genetik[at]uniklinik-ulm.de

myelom.genetik[at]uniklinik-ulm.de

 

 

Klinische Studien

Weitere Informationen zu den aktiven Studien erhalten Sie unter:

Studienzentrale >> Klinische Studien >> Multiples Myelom

Beschreibung der Erkrankung

Diagnose eines Multiplen Myeloms im Knochenmark

Mit dem Begriff „Multiples Myelom“ (MM) wird eine bösartige Erkrankung des Knochenmarkes bezeichnet. Wie bei anderen Tumorerkrankungen auch, entsteht die Erkrankung in der Regel durch Entartung einer einzigen Zelle. Ursprungszelle des MM ist die Plasmazelle. Plasmazellen gehören zu den weißen Blutkörperchen und sind im Knochenmark, aber auch in anderen Körpergeweben zu finden. Ihre Aufgabe ist die Produktion von Antikörpern (auch als Immunglobuline bezeichnet). Antikörper spielen eine wichtige Rolle im Immunsystem des Menschen, indem sie bei der Abwehr von Viren, Bakterien und anderen Infektionserregern mitwirken.

 

 

Häufigkeit und Erkrankungsalter, Lokalisation

Das MM macht rund 1% aller bösartigen Erkrankungen des Menschen aus. Im Vergleich zu anderen Tumorerkrankungen (Brustkrebs, Darmkrebs, Lungenkrebs) ist das MM also eine seltene Erkrankung. In Europa erkranken von 100.000 Menschen pro Jahr etwa 4 Menschen an einem MM. Das MM ist typischerweise eine Erkrankung des älteren Menschen. Das mittlere Erkrankungsalter liegt bei 71 Jahren. Der Name der Erkrankung beruht auf dem herdförmigen Wachstum von Tumorzellen an vielen Stellen des Knochenmarkes. Lässt sich bei einem Patienten lediglich ein Krankheitsherd nachweisen, spricht man von einem solitären Plasmozytom. Die Unterscheidung zwischen Plasmozytom und MM ist vor dem Hintergrund der unterschiedlichen Behandlung dieser beiden Plasmazellerkrankungen sinnvoll. Im deutschsprachigen Raum werden auch von Ärzten die beiden Begriffe gleichwertig verwendet. Obwohl bei weit fortgeschrittenen Erkrankungsformen auch Tumorzellen in der Blutbahn nachweisbar sein können, ist die Myelomerkrankung keine Leukämieform. Die Erkrankung wird formal den Lymphomen (Lymphdrüsen-Krebserkrankungen) zugerechnet, obwohl ein Befall von Lymphdrüsen (Lymphknoten) nur selten zu beobachten ist.

Krankheitszeichen

Nachweis von Chromosomen- Veränderungen an Plasmazellen (FISH-Technik)

Ein Multiples Myelom kann mehrere Jahre ohne Krankheitsanzeichen bestehen. Beschwerden treten häufig erst im fortgeschritteneren Stadium auf. Beim überwiegenden Teil der Patienten macht sich das MM durch Knochenschmerzen, vor allem im Sinne von Rückenschmerzen, bemerkbar. Obwohl sehr viele Menschen Rückenbeschwerden beklagen, sind diese nur äusserst selten durch eine bösartige Erkrankung mit Beteiligung des Knochens verursacht, weshalb häufig zunächst „Verschleisserscheinungen“ (degenerative Veränderungen) des Bewegungsapparates für die Schmerzen des Patienten verantwortlich gemacht werden. Oft wird die Erkrankung erst bei Auftreten weiterer Symptome der Erkrankung (Beschwerden durch eine Blutarmut, eine Nierenfunktionsbeeinträchtigung, eine Lähmungserscheinung im Rahmen von Wirbelkörperbrüchen,  andere Knochenbrüche, eine Kalziumerhöhung im Blut) oder bei Nachweis auffälliger Laborparameter erkannt.

Neben Knochenschmerzen sind mögliche Symptome einer Myelomerkrankung:

  • Zeichen einer Blutarmut, wie Abgeschlagenheit, Antriebsarmut, Luftnot bei Belastung, Reizbarkeit oder Kopfschmerzen (sehr häufig)
  • Infektanfälligkeit mit häufig wiederkehrenden, hartnäckigen Infektionen (seltener)
  • Zeichen einer Nierenfunktionsbeeinträchtigung, wie Gewichtszunahme durch Einlagerung von Flüssigkeit in Körpergewebe (Ödeme; seltener)
  • Zeichen einer Kalziumerhöhung im Blut (Hyperkalziämie; sehr selten)

Immer wieder gibt es auch Patienten, bei denen die Erkrankung zufällig diagnostiziert wird, z.B. nachdem im Rahmen einer Routine-Blutentnahme auffällige Laborwerte festgestellt wurden.

Klassifikation und Stadieneinteilung

Untersuchung von Protein- Veränderungen (jeder Punkt entspricht ein Patienten Proben)

Bei allen Patienten mit Multiplem Myelom wird das Krankheitsstadium (Salmon/Durie-Stadium) festgelegt. Bei den meisten Patienten liegt zum Zeitpunkt der Diagnosestellung ein Stadium III (höchstes Stadium) der Erkrankung vor. Die Stadieneinteilung nach Salmon und Durie, die im Jahr 1975 definiert wurde, hat in den letzten Jahren an Bedeutung verloren, da inzwischen zuverlässigere Merkmale zur Abschätzung der Krankheitsprognose existieren.

Für die klinische Versorgung der Patienten entscheidender als die reine Stadieneinteilung sind heute die folgenden Unterscheidungen: gutartige (MGUS) bzw. bösartige Plasmazellerkrankung (Plasmozytom/MM); lokalisierte (Plasmozytom) bzw. generalisierte (MM) Erkrankung; symptomatisches MM bzw. asymptomatisches MM. Aus diesen Unterscheidungen ergeben sich Therapieentscheidungen: keine Therapie (MGUS); Strahlentherapie (Plasmozytom); Chemotherapie (symptomatisches MM); Verlaufsbeobachtung (asymptomatisches Myelom).

Therapeutische Möglichkeiten

Das Standardverfahren zur Behandlung des multiplen Myeloms ist die zytostatische Therapie (Chemotherapie). Allerdings ist mit konventioneller Chemotherapie keine Heilung möglich.

Bei den meisten Patienten im Stadium I nach Durie und Salmon erfolgt keine Behandlung. Regelmäßige Verlaufsuntersuchungen sind jedoch unbedingt erforderlich, um ein mögliches Fortschreiten der Erkrankung frühzeitig zu sichern.

Chemotherapie

Eine Behandlung wird bei symptomatischer (z.B. Schmerzen aufgrund von Knochenveränderungen) oder asymptomatischer, jedoch rasch fortschreitender Erkrankung oder bei drohenden Komplikationen begonnen. Die Auswahl der Chemotherapie richtet sich nach verschiedenen Faktoren, wie z.B. Alter, Allgemeinzustand und Begleiterkrankungen. Die Nebenwirkungen einer Chemotherapie - wie Blutarmut, Übelkeit und Erbrechen, Haarausfall, Entzündungen der Mundschleimhaut - sind vorübergehender Natur und können durch Medikamente gemildert oder sogar gänzlich verhindert werden.

  • Hochdosis-Chemotherapie, Übertragung eigener (autologer) Stammzellen

Die Hochdosis-Chemotherapie mit Transplantation eigener blutbildender Stammzellen ist heute die Standardtherapie für die meisten Patienten bis zu einem Alter von etwa 65 Jahren. Bei einem Teil der Patienten wird dieses Verfahren zweimal im Abstand von rund 3 Monaten durchgeführt (sogenannte "Doppel-Transplantation"). Die Hochdosisbehandlung ist im Vergleich zur Chemotherapie in konventioneller Dosierung (dann ohne Stammzellersatz) belastender, aber auch hinsichtlich der Effektivität überlegen. Die autologe Transplantation führt zu einer Lebensverlängerung.

  • Normaldosierte (konventionelle) Chemotherapie

Eine konventionelle Chemotherapie, entweder in Form einer ambulanten Tabletten- oder Infusionstherapie, ist bei Patienten indiziert, die für intensivere Therapieformen aufgrund ihres Alters oder aufgrund von Begleiterkrankungen nicht in Frage kommen, oder die nach vollständiger Information die Belastungen und Risiken eine Hochdosistherapie ablehnen. Meist wird dieses Therapie heutzutage mit einer neuen Substanz (Thalidomid, Bortezomib, Lenalidomid) kombiniert, da hierdurch das Ansprechen auf die Therapie deutlich verbessert werden kann.

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