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Lungenkrebs (Bronchialkarzinom)

Ansprechpartner

Spezialsprechstunde Onkologie:

Herr Prof. Dr. Bullinger

lars.bullinger[at]uniklinik-ulm.de

Frau Dr. Anna Babiak

anna.babiak[at]uniklinik-ulm.de

Frau Dr. Mikyung Payrhuber-Lee

mikyung.lee[at]uniklinik-ulm.de

 

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Labor:

Frau Dr. Anna Babiak

anna.babiak[at]uniklinik-ulm.de

Herr Prof. Dr. Jochen Greiner

jochen.greiner[at]uniklinik-ulm.de

Frau Marlies Götz, MTA

marlies.goetz[at]uni-ulm.de

Therapie und Forschung in der Klinik für Innere Medizin III

Das Bronchialkarzinom ist eine der häufigsten bösartigen Erkrankungen. In Deutschland ist das Bronchialkarzinom bei Männern das am häufigsten zum Tode führende Malignom. Das Bronchialkarzinom wird in kleinzelliges (SCLC, ca. 15-20%) und nicht-kleinzelliges (NSCLC, ca. 80%) Bronchialkarzinom unterteilt. Beim NSCLC werden verschiedene histopathologische Subtypen (u.a. Adenokarzinom, Plattenepithelkarzinom, großzelliges Karzinom) unterschieden. Bei Diagnosestellung liegt meist ein fortgeschrittenes Tumorstadium vor.

Am Universitätsklinikum Ulm werden alle Stadien und Formen des Bronchialkarzinoms behandelt. Ein Schwerpunkt der Klinik für Innere Medizin III liegt in der Behandlung des fortgeschrittenen Bronchialkarzioms und hierbei in der Durchführung von kontrollierten klinischen Studien. Ziel dieser klinischen Studien ist die Verbesserung der derzeitigen Standardtherapien, sowie die Erforschung individueller Risikofaktoren.

 

 

Abb.1: Die Therapie des Bronchialkarzinoms ist komplex und bedarf einer intensiven und interdisziplinären Zusammenarbeit. Alle Patienten werden in unserem Tumorboard für Thoraxtumore besprochen, dieses findet jede Woche donnerstags statt.

 

Die Therapie des fortgeschrittenen nicht-kleinzelligen Bronchialkarzinoms (NSCLC) wandelt sich grundlegend. Mittlerweile sind eine Reihe von molekularen Markern identifiziert worden, die für den Krankheitsverlauf, aber auch für die Therapieentscheidung eine wichtige Rolle spielen. Neben der Bestimmung aktivierender EGFR-Mutationen, die sich als ein prädiktiver Biomarker für den Einsatz von EGFR-hemmenden Tyrosinkinaseinhibitoren etabliert haben, entwickeln sich weitere sehr interessante Biomarker-abhängige Therapiestrategien, wie z.B. ALK/MET-Inhibitoren bei ALK-positiven NSCLC, MEK-Inhibitoren bei N-Ras-mutierten Patienten, oder auch andere neue zielgerichtete Substanzen zur Inhibition von MAGE-A3, hTERT oder IGFR.

 

 

 

Abb. 2: Häufigkeiten molekularer Veränderungen beim fortgeschrittenen Bronchialkarzinom in Zelllinien und bei Patienten, sowie mögliche therapeutische Inhibitoren (Sharma et al., Nat. Reviews 2010).

 

Beim Bronchialkarzinom treten häufig genetische Veränderungen in den Tumorzellen auf (s. Abb. 2). Diese haben z.T. prognostische als auch prädiktive Bedeutung. Die Untersuchung der Wertigkeit molekularer prädiktiver Marker hat in der Klinik für Innere Medizin III sowohl für verschiedene Formen von Leukämien aber auch für solide Tumore eine große Bedeutung.

 

Derzeitiges Biomarker-abhängiges Gesamtkonzept der Klinik für Innere Medizin III:

Die Klinik für Innere Medizin III hat ein modernes Biomarker-bezogenes Studienkonzept für Patienten mit NSCLC entwickelt (s. Abbildung 3).

 

Abb.3: Darstellung eines marker-orientierten Therapie-Algorithmus in der Klinik für Innere Medizin III mit Implementierung wichtiger klinischer Therapiestudien

 

Ein weiterer Schwerpunkt der Abteilung ist die Untersuchung von spezifischen Immunantworten gegen Tumorzellen. Beim Bronchialkarzinom sind weltweit verschiedene Phase II und III Studien aktiv und zeigen ermutigende Ergebnisse. In Ulm werden im Labor für Tumorimmunologie spezifische Immunantworten CD8-positiver T-Zellen gegen Tumorzellen des Bronchialkarzinoms untersucht.

 

Abb. 4: Elispot-Verfahren zur Messung von Immunantworten gegen verschiedene von tumor-assoziierten Antigenen abgeleitete Epitope. In dieser Abbildung zeigt sich bei einem exemplarischen Patienten eine Immunantwort gegen die Antigene IMP (Positivkontrolle), RHAMM, PRAME, WT-1, hTERT, RPAME und G250

 

Ziel dieser immunologischen Projekte ist die Entwicklung von zielgerichteten Immuntherapien beim Bronchialkarzinom. Zwei Targetstrukturen werden bereits in Phase III Studien untersucht (MAGE-A3 und hTERT). Die Klinik für Innere Medizin III nimmt an einer adjuvanten Therapiestudie gegen das immunogene Antigen MAGE-A3 teil.

Nach Tumorresektion treten häufig Rezidive der Erkrankung auf. Ziel dieser Studie ist es, die Rezidivwahrscheinlichkeit zu reduzieren. Bei dieser Studie (s. Abb. 5) erhalten die Patienten eine Tumorvakzine gegen MAGE-A3. Diese Tumorvakzine kann auch nach adjuvanter Chemotherapie durchgeführt werden. Viele Patienten sind dankbar, wenn aktiv auch nach Tumorresektion und ggf. adjuvanter Chemotherapie eine gut verträgliche Therapie zur Senkung der Rezidivwahrscheinlichkeit durchgeführt wird.

 

Abb. 5: Im Stadium IB, II, IIIA  kann nach Tumorresektion eine Erhaltungstherapie (auch nach adjuvanter Chemotherapie) mittels einer Vakzine gegen MAGE-A3 erfolgen. Ziel dieser Studie ist es, die Rezidivwahrscheinlichkeit der Patienten nach Tumorresektion  zu reduzieren.

 

Klinische Studien

Weitere Informationen zu den aktiven Studien erhalten Sie unter:

Studienzentrale >> Klinische Studien >> Bronchialkarzinom

Beschreibung der Erkrankung

Das Bronchialkarzinom wird in kleinzelliges und nicht-kleinzelliges Bronchialkarzinom (Small Cell Lung Cancer (SCLC)/ Non Small Cell Lung Cancer (NSCLC)) unterteilt. Beim NSCLC werden darüber hinaus verschiedene histopathologische Subtypen (Adenokarzinom, Plattenepithelkarzinom, Großzelliges Karzinom u.a.) unterschieden, die für die Prognose aber auch Therapie relevant sind. Neuerdings werden molekulare Marker bestimmt, wie EGFR- und K-RAS-Mutationen, die für die Prognose und Therapieauswahl von großer Bedeutung sind.

Hauptursache ist das Tabakrauchen. Daneben gibt es einige Stoffe, die den Tumor auslösen können (beispielsweise Asbest, Chrom oder Radon). Die Heilungsrate des Bronchialkarzinoms ist immer noch schlecht und liegt bei einer Fünfjahresüberlebensrate unter zehn Prozent.

Häufigkeit und Erkrankungsalter, Lokalisation

Das Bronchialkarzinom gehört in Deutschland mit etwa 40.000 Todesfällen pro Jahr zu den häufigsten bösartigen Erkrankungen. Es versterben laut Statistischem Bundesamt ca. 29.000 Männer und ca. 11.000 Frauen jährlich am Bronchialkarzinom. Lungenkrebs stellt damit bei Männern die häufigste, bei Frauen die dritthäufigste Krebs bedingte Todesursache dar. Das mittlere Erkrankungsalter liegt bei 68 Jahren. Die Zahl der Erkrankungen ist bei Frauen zunehmend.

Krankheitszeichen

Im Frühstadium macht das Bronchialkarzinom keine typischen Beschwerden. Symptome können sein: Husten, insbesondere bei lang bestehendem Raucherhusten der sich plötzlich ändert, Bronchitis, die sich trotz Antibiotika nicht bessert, Atemnot, Schmerzen im Brustkorb, Allgemeine Abgeschlagenheit und starker Gewichtsverlust, Bluthusten oder Schmerzen im Brustkorb.

Wie auch bei anderen Tumorarten gilt auch hier: Je früher das Tumorleiden erkannt wird, umso größer sind die Heilungschancen.

Klassifikation und Stadieneinteilung

Die TNM-Klassifikation wurde anhand eines großen Datenkollektivs 2009 verändert (s. Abb.6)

Abb. 6: Aktuelle TNM-Klassifikation und Zuordnung zum UICC-Stadium. (Verändert nach IASLC Lung Cancer Staging Project, J Thorac Oncol 2009).

Therapeutische Möglichkeiten

Die Therapie des Bronchialkarzinoms ist entscheidend abhängig vom Subtyp, Stadium und vom Allgemeinzustand und Komorbidität des Patienten.

Hier kommen verschiedene Therapieverfahren zur Anwendung, wie die Operation, Strahlentherapie und/oder die Systemtherapie. Diese Verfahren werden in Abhängigkeit des Stadiums tw. auch kombiniert (siehe auch Abbildungen 2 und 4). Alle Therapieentscheidungen werden in unserem Tumorboard für Thoraxtumore interdisziplinär getroffen.

 

Die Therapieprinzipien werden im Folgenden kurz dargestellt:

Operation

Bei kompletter Entfernung des nicht-metastasierten Bronchialkarzinoms besteht die höchste Chance auf eine Heilung. Bis zum Tumorstadium IIB/IIIA ist es dem Chirurgen möglich, den Tumor mit ausreichendem Sicherheitsabstand vollständig zu entfernen, ohne die Funktion der Lunge unverhältnismäßig zu beeinträchtigen. Die tatsächliche Tumorausdehnung lässt sich aber oft erst mit Sicherheit während der Operation bestimmen. Je nach Ausbreitung der Erkrankung, kann die Operation mehr oder weniger umfangreich erfolgen. Manchmal müssen nur einzelne Lungenlappen, in ungünstigeren Fällen ein ganzer Lungenflügel entfernt werden.

Strahlentherapie (Radiotherapie)

Eine primäre Bestrahlung wird häufig dann durchgeführt, wenn der Bronchialtumor nicht operativ entfernt werden kann.

Palliative Strahlentherapie: Bei schmerzhaften Metastasen oder Knochenmetastasen, die eine Stabilitätsgefährdung des Knochens verursachen, kann eine Bestrahlung häufig eine rasche Besserung der Beschwerden bewirken.

Systemtherapie/Chemotherapie

Adjuvante (nach einer Operation verabreichte) Chemotherapie: Bei Patienten mit Tumoren, die bereits Lymphknotenmetastasen gebildet haben, ist häufig nach einer Operation eine Chemotherapie indiziert, um die Überlebenszeit zu verlängern.

Palliative Systemtherapie/Chemotherapie: Durch neue Zytostatika bekommt die palliative Chemotherapie für Patienten mit metastasiertem nicht-kleinzelligen Bronchialkarzinom einen neuen Stellenwert. Moderne Chemotherapeutika sind gut verträglich und können die Lebenszeit verlängern, sowie tumorbedingte Symptome verbessern oder deren Auftreten verzögern. Zurzeit werden zahlreiche neue Medikamente und innovative Therapieverfahren entwickelt. Auch am Universitätsklinikum Ulm stehen neue Medikamente im Rahmen klinischer Studien für die Behandlung des Bronchialkarzinoms zur Verfügung (s. Abb. 2 und 4).

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