Evaluation eines aufsuchenden, multimodalen ambulanten Behandlungsprogramms für Heimkinder zur Vermeidung stationärer kinder- und jugendpsychiatrischer Behandlungsaufenthalte

ein Modellprojekt zur kinder- und jugendpsychiatrischen Versorgung von Kindern in stationären Jugendhilfeeinrichtungen.

 

Projektförderung:   Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) &

                                Gesetzliche Krankenversicherungen (GKV)

Fördersumme:        232.550,- €    

Projektlaufzeit:       01.07.2005 - 31.11.2007

 

Projektkoordination und –durchführung:

Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie/Psychotherapie des Universitätsklinikums Ulm

Projektleitung:  PD Dr. Dipl.-Psych. Lutz Goldbeck

                          Prof. Dr. Joerg M. Fegert

Projektkoordination: Dr. Dipl.-Psych. Marc Schmid (bis 02/06)

                                   Dipl.-Psych. Tanja Besier (ab 03/06)

 

Beteiligte Studienzentren:

a) Institutsambulanz der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie/ Psychotherapie Ulm (Ambulanzleitung: PD Dr. Dipl.-Psych. L. Goldbeck; Klinikleitung: Prof. Dr. J.M. Fegert)
b) Institutsambulanz der Abteilung für Kinder- und Jugendpsychiatrie/-psychotherapie des psychiatrischen Zentrums „Die Weissenau“ (Ambulanzleitung: Dipl.-Psych. E. Nordmann, Abteilungsleitung: Prof. Dr. R. Schepker)
c) Institutsambulanz für Kinder- und Jugendpsychiatrie des Niedersächsischen Landeskrankenhauses Lüneburg (Leitung: Dr. A. Naumann)
d) Praxis für Kinder- und Jugendpsychiatrie/Psychotherapie Friedrichshafen, Dr. D. Hoehne

e) Praxis für Kinder- und Jugendpsychiatrie/Psychotherapie Biberach, Dr. R. Crasemann

 

Kooperationspartner: 26 stationäre Jugendhilfeeinrichtungen aus Baden-Württemberg, Bayern und Niedersachsen:

St. Anna, Leutkirch
St. Clara, Gundelfingen
Guter Hirte e.V., Ulm
St. Josef, Dürmentingen/Heudorf
St. Konradihaus, Schelklingen
Martinshaus Kleintobel, Berg
Hoffmannhaus, Wilhelmsdorf  
Linzgau, Überlingen-Deisendorf
St. Bonifatius, Lüneburg
Forellenhof, Jesteburg
Friedenshort, Tostedt
Haus Aichhorn, Dornhan
Ravensburger Jugendhilfeverein

Rupert-Mayer Haus, Göppingen

Kinderheim Graf, Ellwangen
Haus am Fels, Blaubeuren
Kinderzentrum Augsburg
Haus Nazareth, Sigmaringen
Oberlin-Haus, Ulm   
Wilhelmspflege, Stuttgart
Paulinenpflege, Kirchheim/Teck
Kleingartacher e.V., Eppingen
Sonnenhof, Schwäbisch Gmünd
St. Kilian, Walldürn
Verein für Jugendhilfe Böblingen
Albert Schweitzer Kinderdorf, Waldenburg

Projektbeschreibung

Ziel dieser Studie war die Evaluation eines aufsuchenden und milieuzentrierten Interventionsprogramms in der Jugendhilfe. Die Schnittstellenfunktionalität zwischen Jugendhilfe und Kinder- und Jugendpsychiatrie sollte zum Wohle der Jugendlichen verbessert werden. Zentrale Bausteine des Interventionsprogramms waren:

  • Errichtung ambulanter Liaisondienste (aufsuchende Sprechstunden eines Facharztes für Kinder- und Jugendpsychiatrie), milieuorientiert und niedrigschwellig
  • Behandlungskontinuität: frühzeitiges Screening hinsichtlich psychischer Auffälligkeiten und bei Bedarf Einleitung einer fortlaufenden Behandlung
  • Kooperation der Fachärzte mit den Fachdiensten und Betreuern der Einrichtung, sowie den Mitarbeitern der zuständigen Jugendämter
  • intensive Psychoedukation (regelmäßige Fortbildungsveranstaltungen) der Pädagogen vor Ort, sowie bei Bedarf Teamberatung oder –coaching
  • nach Möglichkeit ambulante psychiatrische Kriseninterventionen; Vermeidung häufiger Hospitalisierungen
  • spezielle störungsspezifische Gruppeninterventionen (z.B. soziales Kompetenztraining, Training der Emotionsregulation) in den Einrichtungen.

 

Es nahmen 26 verschieden große Jugendhilfeeinrichtungen an dieser Studie teil (zwischen acht und 140 stationäre Plätze), die in Interventions- und Kontrolleinrichtungen unterteilt wurden. Die Einrichtungen der Kontrollgruppe erhielten keine besondere Intervention, sondern wurden als Vergleichsgruppe über die Studienlaufzeit beobachtet (treatment as usual).

Nach sechs und zwölf Monaten erfolgte eine Follow-up Untersuchung. Im Gruppenvergleich wurden am Ende der Studienlaufzeit die Zielparameter stationäre Behandlungstage, psychosoziales Funktionsniveau, Symptombelastung und Lebensqualität ausgewertet.

 

Dokumente zum Download:

Publikationen in Vorbereitung:

Positionspapier Kinder und Jugendliche mit psychischen Störungen in der stationären Jugendhilfe und Reisensburger interdisziplinärere Appell der Fachkräfte. Fegert, J.M, Besier, T., Goldbeck, L. (2008). im Druck (Das Jugendamt; Forum der Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie)

 

Evaluation of Psychiatric Liaison-Services for Adolescents in Residential Group Homes. Besier, T., Fegert, J.M., Goldbeck, L. zur Publikation eingereicht

Zusammenfassung der Ergebnisse

Die Studie bestätigte die Erkenntnis aus der Vorstudie, dass ein Großteil der Kinder und Jugendlichen in stationären Jugendhilfeeinrichtungen psychopathologisch massiv belastet ist und eine große Gruppe unter behandlungsbedürftigen psychischen Störungen leidet.

In der Interventionsgruppe mit intensiver ambulanter Behandlung in den Räumlichkeiten der Jugendhilfeeinrichtungen kam es infolge kürzerer stationärer kinder- und jugendpsychiatrischer Behandlungen zu deutlich weniger stationären Pflegetagen als in der Kontrollgruppe mit herkömmlicher Behandlung. Außerdem konnte im Vergleich zur Regelversorgung nach dem Komm-Prinzip ein sehr viel höherer Anteil der psychisch stark belasteten Jugendlichen fachärztlich versorgt werden. In beiden Gruppen kam es während des zwölfmonatigen Beobachtungszeitraums mit intensiven pädagogischen Bemühungen zu einem erfreulichen Verlauf von psychischer Symptombelastung, sowie zu einem Anstieg von psychosozialem Funktionsniveau und Lebensqualität der Jugendlichen. Die zu Studienbeginn stärker belastete Interventionsgruppe profitierte in hohem Maße von der aufsuchenden Behandlung. Es kann geschlussfolgert werden, dass durch die Integration kinder- und jugendpsychiatrischer Behandlung ein positives Ansprechen auf die pädagogischen Bemühungen in den Einrichtungen erwartet werden kann und die psychosoziale Integration der Jugendlichen somit leichter gelingt.

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