Kurzbeschreibung der Studie „Psychophysiologie der Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS)“

In gängigen Modellen zur Entstehung und Aufrechterhaltung von posttraumatischen Belastungsreaktionen werden psychophysiologischen Veränderungen im autonomen Nervensystem, d.h. z.B. Änderungen der Herzfrequenz, des Hautleitwiderstandes und der Muskelspannung eine wichtige Rolle zugesprochen.  Bei Erwachsenen mit PTBS sind solche störungsspezifischen psychophysiologischen Veränderungen nachweisbar: Im Vergleich zu traumaexponierten Erwachsenen ohne PTBS und nicht traumaexponierten gesunden Erwachsenen zeigen sie eine höhere Herzfrequenz im Ruhezustand, sowie höhere Reaktivität und langsamere Normalisierung bei und nach Konfrontation mit traumabezogenen und nicht traumabezogenen Stressoren. Als spezifisch gilt auch die Normalisierungsrate des Hautleitwiderstands sowie des EMG des musculus corrugator (mimischer Gefühlsausdruck) während der Exposition mit traumabezogenen Reizen. Diese psychophysiologischen Veränderungen erweisen sich durch kognitive Verhaltenstherapie als reversibel.

Die entsprechende Befundlage für Kinder und Jugendliche ist jedoch nicht eindeutig, z.B. ist unklar, ob eine erhöhte Herzfrequenz mit der Traumaexposition allein oder der PTBS Symptomatik zusammenhängt (Kirsch, Wilhelm & Goldbeck, 2011). Eine bessere Kenntnis von psychophysiologischen Korrelaten der Traumatisierung von Kindern und Jugendlichen ist für das Verständnis der Symptomatik, als auch langfristig für die Optimierung der Behandlung traumatisierter Kinder und Jugendlicher von Bedeutung. Möglicherweise können störungsspezifische psychophysiologische Marker identifiziert werden, die die herkömmliche Diagnostik ergänzen und zu einer besseren Prognose beitragen können. Langfristig soll in einem Folgeprojekt die Veränderbarkeit physiologischer Parameter durch eine traumafokussierte kognitive Verhaltenstherapie untersucht werden um physiologische Marker des Therapieverlaufs zu etablieren, die zur Therapiesteuerung, z.B. bei der Dosisfindung der Expositionsbehandlung, und zur Therapieevaluation klinisch nutzbar gemacht werden könnten.

Die geplante Untersuchung erfasst autonome (para-) sympathische Parameter (Herzfrequenz, Hautleitwiderstand, Blutdruck) und faziales EMG (negativer mimischer Affektausdruck) mithilfe non-invasiver Messverfahren an traumaexponierten Probanden mit und ohne PTBS. Es soll geklärt werden, ob spezifische Unterschiede zwischen traumaexponierten Probanden mit PTBS und traumaexponierten gesunden Probanden während einer Ruhephase, einer neutralen Geschichte, der Exposition mit der audiographierten Erzählung ihres eigenen traumatischen Erlebnisses und einer abschließenden Ruhephase hinsichtlich Reaktivität und Normalisierungsrate bestehen.

 

Wer kann an der Studie teilnehmen?

  • Alle Kinder und Jugendliche von 6-17 Jahren, die nach dem 3. Lebensjahr, spätestens vor 3 Monaten ein oder mehrere traumatische Erlebnisse hatten
  • Keine geistige Behinderung
  • Gute Beherrschung der deutschen Sprache
  • Stabile, sichere Lebensumstände ohne Gefahr wiederholter Traumatisierung
  • Keine akute Suizidalität
  • Keine gegenwärtige Herzerkrankung
  • Kein regelmäßiger Substanzkonsum, kein Drogen- oder Alkolholkonsum am Untersuchungstag
  • Keine oder gleichbleibende psychotrope Medikation

 

Projektlaufzeit: 1.09.2011 – 31.01.2013

Projektdurchführung:

Leitung:

Prof. Dr. Dipl.-Psych. Lutz Goldbeck

Sektion Psychotherapieforschung und Verhaltensmedizin

Universitätsklinikum Ulm, Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie/Psychotherapie

Steinhövelstr. 5, 89075 Ulm

Tel +49/+731/500-61661, Fax. +49/+731/500-61662

E-Mail: lutz.goldbeck[at]uniklinik-ulm.de

 

Kooperationspartner:

Prof. Dr. Dipl.-Psych. Frank H. Wilhelm,

Abteilung Klinische Psychologie, Psychotherapie und Gesundheitspsychologie

Universität Salzburg, Fakultät für Psychologie

Hellbrunnerstraße 34, 5020 Salzburg, Österreich

Telefon           +43 662 8044 5119;

E-Mail: frank.wilhelm[at]sbg.ac.at

Mitarbeiter:

Bettina Hofbeck, Diplom-Psychologin

bettina.hofbeck[at]uniklinik-ulm.de

Veronica Kirsch, Diplom-Psychologin (Mutterschutz ab 1.8.2011)

Veronica.kirsch[at]uniklinik-ulm.de

Steinhövelstr. 5, 89075 Ulm

Telefon: (07 31) 5 00-6 17 68

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