Kurzbeschreibung des Projektes: Traumafolgen bei Pflegekindern

Pflegekinder haben in ihrer Herkunftsfamilie häufig Vernachlässigung, Verwahrlosung, körperliche Misshandlung oder sexuellen Missbrauch erlebt, die eine Fremdunterbringung erforderlich machten. Im Jahre 2007 wurden 28200 Kinder und Jugendliche von Jugendämtern in Obhut genommen. Meistgenannter Anlass stellte mit 44% der Fälle die elterliche Überforderung dar. Bei 23% der Kinder und Jugendlichen wurden Anzeichen für Vernachlässigung, körperliche Misshandlung oder sexuellen Missbrauch festgestellt.

Trotz potentiell traumatisierender Erlebnisse in der Vorgeschichte von Pflegekindern gibt es bislang noch kaum Studien, welche die Auftretenshäufigkeit posttraumatischer Belastungsstörungen untersucht haben. Nur eine umfassende Diagnostik kann jedoch eine angemessene störungsspezifische Behandlung der Verhaltensauffälligkeiten ermöglichen. Eine posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) kann unbehandelt weit reichende Folgen nach sich ziehen, sowohl hinsichtlich der emotionalen Befindlichkeit als auch der sozialen Integration der Betroffenen.

Die PTBS ist eine psychische Störung, die sich bei Betroffenen von besonders belastenden, massiv Angst auslösenden Ereignissen (z.B. Unfällen, Gewalt, sexueller Missbrauch etc.) entwickeln kann. Eine in den USA durchgeführte Studie fand bei Pflegekindern deutlich höhere Auftretensraten für eine PTBS als in der Allgemeinbevölkerung (Dubner & Motta, 1999). Allerdings werden Traumafolgestörungen bei Pflegekindern in der Praxis bislang viel zu selten diagnostiziert. Während in den letzten Jahren evidenzbasierte Traumatherapiemethoden für Kinder und Jugendliche entwickelt wurden (Cohen, Mannarino & Deblinger, 2009), haben Pflegekinder bislang zuwenig Zugang zu diesen Therapien.

 

Ziel unseres Projektes ist die Vernetzung von Jugendhilfe und Gesundheitssystem mit dem Ziel einer gezielten und umfassenden traumaspezifischen Diagnostik und Behandlung von Pflegekindern. Hierzu wurden alle Jugendämter in Baden-Württemberg und  Bayern, alle Landesjugendämter und verschiedene Pflegeelternorganisationen in Baden-Württemberg und Bayern zur Projektteilnahme eingeladen. Mit dem Ziel Traumata und posttraumatische Belastungssymptome bei Pflegekindern rechtzeitig wahrzunehmen und entsprechende Interventionen einzuleiten, werden im Rahmen des Projektes Fortbildungen für die teilnehmenden Jugendämter und Pflegeelternorganisationen durchgeführt. Es wird bezweckt, dass die teilnehmenden Jugendämter bei den von ihnen betreuten Pflegekindern eine orientierende traumaspezifische Diagnostik durchführen und auffällige Pflegekinder an kinder –und jugendpsychiatrische Kliniken oder niedergelassene Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten zur weiteren Diagnostik und Behandlung weitervermitteln. Darüber hinaus soll die Kompetenz der Pflegeeltern im Umgang mit traumabedingten Auffälligkeiten der Kinder und Jugendlichen gestärkt werden. Im Rahmen dieses Projektes sollen die Vernetzung von Jugendhilfe und Gesundheitssystem verbessert werden und eine Sensibilisierung der Helfersysteme für die spezifischen Belastungsfaktoren, Risikofaktoren und Bedürfnisse von Pflegekindern erzielt werden.

 

Projektlaufzeit: 1.07.2009 – 30.06.2011

 

Projektdurchführung:

Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie / Psychotherapie des Universitätsklinikums Ulm

Prof. Dr. Jörg Fegert

Prof. Dr. Lutz Goldbeck

Dr. Sylvia H. Oswald

 

 

Projektförderung: World Childhood Foundation (http://www.childhood.org/de/)

 

Projektschritte:

22.10.2009: Auftaktveranstaltung zum Projekt Traumafolgen bei Pflegekindern

Januar 2010 – November 2010: Fortbildungen für die kooperierenden Jugendämter und Pflegeelternorganisationen (Themen: Traumafolgestörungen, Traumaanamnese, Diagnostikverfahren zur orientierenden Untersuchung nach Verhaltensauffälligkeiten, Behandlungs- und Fördermöglichkeiten von Pflegekindern)

Ab Februar 2010: Etablierung einer orientierenden Routineerfassung von Traumata und Verhaltensauffälligkeiten bei Pflegekindern durch die kooperierenden Jugendämter

1.02.2011 – 25.02.2011: Evaluationsphase des Projektes

Mai 2011: Abschlussveranstaltung für die Projektteilnehmer - Vorstellung der Projektergebnisse

 

Projektteilnehmer:

Es haben sich aus Baden-Württemberg, Bayern, Saarland und Thüringen 24 Jugendämter und vier Pflegeelternorganisationen zum Projekt angemeldet.

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am Freitag den 17.06.2011 (zum Downloaden)

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