Kurzbeschreibung des Projektes „TreatChildTrauma“

 

Das Projekt „TreatChildTrauma“ zielt auf die Verbesserung von Diagnostik, Therapie und Versorgung traumaexponierter Kinder und Jugendlicher mit posttraumatischen Belastungsstörungen (PTBS). Die traumafokussierte kognitive Verhaltenstherapie (Tf-KVT; Cohen, Deblinger & Mannarino, 2009) zeigt in mehreren kontrollierten Studien in den USA vor allem nach sexuellem Missbrauch und häuslicher Gewalt bei Kindern und Jugendlichen mit PTBS die beste Wirksamkeit und wird aktuell weltweit in unterschiedlichen Zielgruppen und in verschiedenen kulturellen Adaptationen implementiert. Die psychotherapeutische Versorgung traumaexponierter Kinder und Jugendlicher mit PTBS in Deutschland ist weiterhin ungenügend. Traumafolgestörungen werden oft übersehen oder fehldiagnostiziert und evidenzbasierte Therapiemethoden wie die Tf-KVT kaum eingesetzt.

Die Studie „TreatChildTrauma“ wird als Multicenterstudie bei 7 bis 14 jährigen Kindern und Jugendlichen mit PTBS durchgeführt, um die Versorgung traumaexponierter Kinder und Jugendlicher deutschlandweit zu verbessern. Die Tf-KVT wird an jedem Studienzentrum implementiert, Diagnostiker und Therapeuten ausführlich trainiert. Die Teilnahme an dem Projekt ermöglicht eine ausführliche psychologische Diagnostik zu den traumatischen Erlebnissen, den entstandenen Belastungen und anderweitigen negativen Folgen. Bei Indikation wird die traumafokussierte kognitive Verhaltenstherapie (Tf-KVT;) in 12 Sitzungen à 90 Minuten Dauer unter engem Einbezug einer vertrauensvollen, nicht-misshandelnden Bezugsperson  durchgeführt. Durch den Vergleich mit einer Wartekontrollgruppe soll der Nachweis der Wirksamkeit der Tf-KVT in Deutschland bei Kindern und Jugendlichen mit PTBS nach unterschiedlichsten Traumaarten und singulärer sowie multipler Traumaexposition erbracht werden.

 

Beteiligte Studienzentren:

 

 
Darstellung der traumafokusierten kognitiven Verhaltenstherapie

Die Tf-KVT zielt auf die Bewältigung der posttraumatischen Belastungssymptome, die Integration des traumatischen Ereignisses, sowie die Normalisierung und Förderung der psychosozialen Gesundheit. Sie ist ressourcenorientiert und flexibel an die individuellen Bedürfnisse, den kulturellen Hintergrund und den Entwicklungsstand des Patienten anpassbar. Nicht misshandelnde, vertrauensvolle Bezugspersonen wie Eltern, Pflegeeltern oder Bezugsbetreuer der Heimeinrichtung werden zur Generalisierung und Stabilisierung des Therapieerfolges fortlaufend, zunächst in separaten, zunehmend in gemeinsamen Therapiesitzungen in alle Komponenten der Behandlung einbezogen. Die Therapie wird als ambulante Kurzzeittherapie mit 12 Sitzungen Behandlungsdauer zu je 90 Minuten Länge mit folgenden Inhalten durchgeführt:

  1. Stärkung im Umgang mit belastenden Gefühlen und Gedanken durch z.B. Informationen zur Symptomatik und den traumatischen Erlebnissen, Erlernen eines Entspannungsverfahrens, Stärkung von Gefühlswahrnehmung und -regulation, positive Selbstinstruktion, sowie Korrektur nicht hilfreicher oder falscher Gedanken und Überzeugungen.
  2. Schrittweise Auseinandersetzung mit den traumatischen Erlebnissen durch das z.B.  Schreiben, Erzählen, Nachspielen, Zeichnen o.ä. des Erlebten, bis durch fortlaufende Wiederholung und Anreicherung um Details, Gefühle und Gedanken eine Gewöhnung stattfindet und die Belastung deutlich abgenommen hat. Zusätzlich schrittweise Bewältigung von z.B. durch das Trauma schwierigen gewordenen Situationen und von Vermeidungsverhalten.
  3. Gemeinsame Eltern-Kind-Sitzungen zur Förderung einer offenen Kommunikation und Etablierung einer co-therapeutischen Unterstützung des Kindes, sowie zur Erarbeitung von Sicherheitsmaßnahmen und zur Förderung der Entwicklung.

 

Für weitere Informationen: http://tfcbt.musc.edu/

 

Wer kann an der Studie teilnehmen?

  • Alle Kinder und Jugendliche von 7-14 Jahren, die nach dem 3. Lebensjahr, spätestens vor 3 Monaten ein oder mehrere traumatische Erlebnisse hatten
  • (sub-)klinische PTBS Symptomatik ist die Hauptproblematik
  • Keine akute Suizidalität
  • Stabile, sichere Lebensumstände ohne Gefahr wiederholter Traumatisierung
  • Keine schwere Bewusstseinstrübung oder Gehirnschädigung während des Traumas
  • Einbezug einer nicht-misshandelnden und vertrauensvollen, psychisch gesunden Bezugsperson in die Therapie ist möglich
  • Ausreichende intellektuelle Leistungsfähigkeit und Verständnis der deutschen Sprache in Wort und Schrift
  • Keine tiefgreifende Entwicklungsstörung
  • Keine psychotrope Medikation oder unveränderte Dosis während der Therapie, keine parallele psychotherapeutische Behandlung 

Projektlaufzeit: 1.2.2012 – 31.01.2015

 

Projektleitung:

Prof. Dr. Lutz Goldbeck, Dipl.-Psych.
Sektion Psychotherapieforschung und Verhaltensmedizin mit Ausbildungszentrum für Verhaltenstherapie
 

Projektförderung: Bundesministerium für Bildung und Forschung

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