Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie/Psychotherapie des Universitätsklinikums Ulm
(Ärztlicher Direktor: Prof. Dr. med. Jörg M. Fegert)
Die Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie ist eine Abteilung des Universitätsklinikums Ulm.
1. Patientenversorgung
Die Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie hält ein Behandlungsangebot für Kinder und Jugendliche in ambulanter/ stationärer/teilstationärer Behandlung und in verschiedenen Spezialambulanzen vor. Hinzu kommt eine Eltern-Kind-Einheit. Nähere Informationen zur Klinik (www.uniklinik-ulm.de/kjpp).
Der teilstationäre und stationäre Bereich
Hier werden Kinder und Jugendliche mit unterschiedlichen psychischen Erkrankungen (Diagnose nach ICD 10) behandelt, die aufgrund des Schweregrades ihrer Störung vorübergehend nicht in ihrem gewohnten familiären oder schulischen Umfeld bleiben können.
Der stationäre Bereich gliedert sich in drei Stationen:
- Die Kinderstation hat 12 Behandlungsplätze und nimmt Kinder und Jugendliche bis zum 14. Lebensjahr auf.
- Die Jugendstation I mit acht Therapieplätzen ist für Patienten vom 15. - 18. Lebensjahr in Krisensituationen oder mit schwereren psychischen Störungen zuständig.
- Im Oktober 2008 wurde die Jugendstation II eingerichtet. Sie umfasst 11 vollstationäre und 6 teilstationäre Behandlungsplätze für Jugendliche im Alter von 13 bis 18 Jahren. Jugendliche, die auf die Jugendstation II aufgenommen werden, müssen absprachefähig sein (d.h. es darf keine akute Eigen- oder Fremdgefährdung vorliegen), darüber hinaus sollten sie Grundfertigkeiten zur Alltagsbewältigung (z.B. sich selbständig waschen, ankleiden) beherrschen. Darüber hinaus umfasst die Jugendstation II eine Eltern-Kind-Einheit. Hier werden psychisch kranke Eltern (bzw. Mutter und/ oder Vater) und ihre psychisch kranken Kinder gemeinsam behandelt.
Der teilstationäre Bereich
- umfasst die Tagesklink mit 10 Therapieplätzen für Kinder und Jugendliche. Diese werden von morgens bis abends behandelt, wenn sie motiviert und fähig sind, einen täglichen Settingwechsel (Klinik-Zuhause) zu vollziehen und hier die volle Unterstützung ihrer Eltern genießen. (siehe auch teilstationäre Plätze der Jugendstation II)
Das Behandlungsangebot besteht aus Milieutherapie, Einzel- und Gruppentherapie, Psychopharmakotherapie, Familientherapeutischen Gesprächen, Ergotherapie, Musiktherapie, Bewegungstherapie, Reittherapie, Arbeitstherapie. Die Mitarbeiter/innen der Sozialarbeit unterstützen die Patient/innen und deren Familien in psychosozialen und sozialrechtlichen Belangen.
Schulpflichtige Patient/innen, die aufgrund ihrer psychischen Belastung den Unterricht in ihrer Heimatschule nicht bewältigen können, besuchen während ihres Aufenthaltes die Klinikschule (Hans-Lebrecht-Schule). Die Klinikschule ist eine öffentliche Schule und verhindert Schulversäumnisse. Ziele sind die Stabilisierung der Persönlichkeit, die Förderung der Lernfähigkeit und eine individuelle Förderung.
Der ambulante Bereich
Der ambulante Bereich gliedert sich in drei Ambulanzen und mehrere Spezialambulanzen auf.
- Die Institutsambulanz ist eine Anlaufstelle für die Untersuchung und Behandlung von Kindern und Jugendlichen mit psychischen Störungen. Ärzte, Psychologen, eine Sozialpädagogin und Arzthelferinnen arbeiten in der Diagnostik und Therapie zusammen. Mit der Behandlung in der Ambulanz sollen aufwändige und für die Familien oft einschneidende stationäre Krankenbehandlungen vermieden oder verkürzt werden.
- Die Hochschulambulanz stellt eine universitäre Besonderheit zur Sicherstellung einer breiten Lehre und Ausbildung dar. Fokus ist insbesondere die Durchführung innovativer klinischer Studien unter Einhaltung der gesetzlichen Standards.
- Die Privatambulanz bietet Wahlleistungen der kinder- und jugendpsychiatrischen Diagnostik, Beratung und Behandlung in allen Fragestellungen für Personen in einer privaten Krankenversicherung und Selbstzahler. Die Wahlleistungen werden durch den ärztlichen Direktor bzw. seine benannten und hierfür legitimierten Vertreter erbracht.
- Die Spezialambulanzen bestehen aus …
- ... der Pflegekinderambulanz und aufsuchende Institutsambulanz in Institutionen. Wichtig für das Wohlbefinden und für die Wiederherstellung der psychischen Gesundheit der Kinder sind die Herstellung eines klaren und verlässlichen Betreuungsrahmens, die Zusammenarbeit zwischen leiblichen Eltern, Pflegeeltern, Heimerzieher, Jugendamt und anderen Institutionen, sowie die Berücksichtigung des individuellen psychiatrisch-psychotherapeutischen Behandlungsbedarfs. Dieses Angebot richtet sich an die betroffenen Kinder, Pflege- und Herkunftsfamilien sowie an die Fachkräfte in Einrichtungen der Jugendhilfe und Jugendämtern.
- ... der Sprechstunde für Tic-Störungen und Tourette-Syndrom. Die medikamentöse Therapie des Tourette-Syndroms beinhaltet die symptomatische Behandlung bei schwer beeinträchtigender Tic-Symptomatik mit Dopaminantagonisten. Ebenfalls oft behandlungsbedürftig sind die Symptome der oben beschriebenen Verhaltensauffälligkeiten. Schließlich kommt der nicht-medikamentösen Therapie in Form einer intensiven Aufklärung und Beratung und ggf. Verhaltens-, Familien- oder supportive Therapien wie Entspannungsverfahren eine hohe Relevanz zu.
- ... der Trauma- Ambulanz. In der Trauma-Ambulanz wird bei Bedarf eine für das Störungsbild angepasste Verhaltenstherapie angeboten, die individuell auf den Einzelfall abgestimmt durchgeführt wird. Diese Therapie findet in ca. 8 bis 20 Behandlungsterminen von je einer Stunde Dauer teilweise allein mit dem Betroffenen, teilweise allein mit den Bezugspersonen, teilweise gemeinsam statt. Inhalte der Therapie sind z.B. Entspannungsübungen und die Auseinandersetzung mit Gedanken und Gefühlen bezüglich des traumatischen Ereignisses.
2. Lehre und Weiterbildung
Prof. Dr. Fegert ist seit 2001 der Lehrstuhlinhaber an der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie/Psychotherapie der Universität Ulm und deckt gemeinsam mit seinen Mitarbeiter/innen die Lehre im Fach Kinder- und Jugendpsychiatrie/- psychotherapie und die Weiterbildung zum Facharzt in Kinder- und Jugendpsychiatrie/- psychotherapie ab. Seit 2006 ist Prof. Dr. Fegert außerdem der Studiendekan der Medizinischen Fakultät und Mitglied des Fakultätsvorstands
An der Klinik befindet sich außerdem ein vom Regierungspräsidium Baden-Württemberg anerkanntes Ausbildungsinstitut zum Kinder- und Jugendlichentherapeuten (AZVT).
3. Forschungsbereich
Der Forschungsbereich an der 2001 neu gegründeten Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie am Universitätsklinikum Ulm ist breit aufgestellt und befasst sich in derzeit sechs Bereichen mit unterschiedlichen Themen:
- biologische Grundlagenforschung,
- Forschung zu Medikamentenwirkungen und Nebenwirkungen
- Forschung zu Frühen Hilfen, Kinderschutzes, Jugendhilfe
- klinischen Forschung in Bezug auf bestimmte Störungsbilder, Probleme und therapeutische Interventionen
- Forschung zu ethischen Fragen, forensischen Fragen, Fragen der Täter und Opferbegutachtung, des Maßregelvollzugs und Grundfragen der Haltung in Teams welche mit Kindern arbeiten
- Methodenforschung
- Lehr- und Lernforschung
Im Oktober 2009 wurde darüber hinaus die Sektion Psychotherapieforschung/ Ausbildungszentrum für Verhaltenstherapie (AZVT) gegründet.
Jährlich werden ca. 2 Millionen Euro Drittmittel für diese Forschungsbereiche eingeworben und damit ca. 80 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in einem interdisziplinären Team (meist Teilzeitstellen) beschäftigt. Das Forschungsteam besteht vorwiegend aus Psychologinnen und Psychologen, Ärztinnen und Ärzten, Pädagoginnen, Juristinnen und hat seine Stärke in der interdisziplinären Bearbeitung ganz unterschiedlicher Fragestellungen.
Im Bereich sexueller Missbrauch, Traumatisierung und Kinderschutz weist Prof. Dr. Fegert/ seine Wissenschaftsteams eine besondere Expertise auf.
Ausgewählte Forschungsprojekte zu sexuellem Missbrauch, Traumatisierung und Kinderschutz
Projekte am Universitätsklinikum Rudolf Virchow Berlin (bis 1997):
- Durchführung verschiedener Berliner Forschungsprojekte zum familiären Umgang mit sexuell missbrauchten Kindern, zum Umgang mit sexuell missbrauchten Kindern in Institutionen für behinderte Menschen und zum sexuellen Missbrauch von Männern
Projekte an der Klinik für Kinder- und Jugendneuropsychiatrie/Psychotherapie der Universität Rostock (1997-2001):
- Zusammen mit Prof. Dr. Mechthild Wolff, Dekanin der Fakultät Soziale Arbeit Hochschule Landshut, Durchführung eines Projekts zu sexuellem Missbrauch in Institutionen
- Durchführung eines Projektes zu sexuellem Missbrauch in Institutionen für geistig behinderte Menschen
Projekte an der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, - Psychotherapie am Universitätsklinikum Ulm ab 2001
- 1998-2001, Durchführung eines multizentrischen Projekts zum individuellen und institutionellen Umgang mit sexuell missbrauchten Kindern (VW-Stiftung, Schwerpunkt Recht und Verhalten)
- 1999-2004, Durchführung eines Projekts zu Kinderrechten, Patientenrechten in der kinder- und jugendpsychiatrischen Behandlung (VW-Stiftung, Schwerpunkt Recht und Verhalten) sowie zu verschiedenen Straftaten in der Qualität forensischer Begutachtung, hier Glaubhaftigkeitsbegutachtung, gefördert vom Sozialministerium Mecklenburg-Vorpommern
- 2001-2002, Sexual abused chidren and the law (Europäische Union – Daphne)
- 2003-2005, Hilfeprozesskoordination im Kinderschutz (World Childhood Foundation)
- 2005-2007, Evaluation eines aufsuchenden, multimodalen ambulanten Behandlungsprogramms für Kinder in Institutionen zur Vermeidung stationärer kinder- und jugendpsychiatrischer Behandlungsaufenthalte (Bundesministerium für Bildung und Forschung und Gesetzliche Krankenversicherungen)
- 2007 -2009, Traumatisierungen und psychische Auffälligkeiten von Kindern in Heimerziehung/pädagogische Zielplanung (MAZ I), (Bundesamt für Justiz, Schweiz)
- seit 2009, Traumatisierungen und psychische Auffälligkeiten von Kindern in Heimerziehung/pädagogische Zielplanung (MAZ II); (Bundesamt für Justiz, Schweiz)
- seit 2009, Umgang mit traumatisierten Kindern in Deutschland (Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend)
- 2009-2010, Fehlerlernen im Kinderschutz – Machbarkeitsstudie (Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend)
- 2009 -2011, Traumafolgestörungen bei Pflegekindern (World Childhood Foundation)
- Durchführung zahlreicher Forschungsprojekte zu Frühen Hilfen und Kinderschutz (http://www.uniklinik-ulm.de/struktur/kliniken/kinder-und-jugendpsychiatriepsychotherapie/home/forschung/fruehe-hilfen-und-fruehe-interventionen-im-kinderschutz.html)
Auffallend ist, dass in diesem Bereich quasi nur praxisbezogene Forschung und Modellprojekte gefördert wurden. Karriere- und nachwuchsrelevante universitäre Grundlagenforschung, ausgewiesen z. B. durch Förderung des BMBF macht nur 5% der Gesamtfördersumme in diesem Bereich aus und zeigt strukturelle Mängel in der Forschung zum Wohle traumatisierter und belasteter Kinder und Jugendlicher in Deutschland, da die gleiche Arbeitsgruppe zu anderen Themenbereichen durchaus auch solche Grundlagenförderung von DFG und BMBF erhält. Kein Kinderschutzprojekte der Abteilung wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert, wohl aber das Online-Journal CAPMH, in dem auch internationale Schwerpunktthemen zum Kinderschutz und frühen Hilfen erschienen sind.
Für Informationen zu Einzelprojekten im Bereich Kinderschutz, Frühe Hilfen, Umgang mit Institutionen siehe Homepage (http://www.uniklinik-ulm.de/struktur/kliniken/kinder-und-jugendpsychiatriepsychotherapie/home/forschung/fruehe-hilfen-und-fruehe-interventionen-im-kinderschutz.html)





