Hintergrund

Aufgrund der demografischen Entwicklung wird die Zahl der Erwerbspersonen in Deutschland in den nächsten Jahrzehnten deutlich sinken . Als arbeitsmarktpolitische Gegenmaßnahmen kommen neben der Erhöhung des Renteneintrittsalters, einer gezielten Förderung der Erwerbsbeteiligung von Frauen auch strategische Überlegungen zu Vereinbarkeit von Familie und Studium in Betracht. An deutschen Hochschulen studieren 7% der Studierenden mit Kind.

 

Das Medizinstudium erweist sich mit seinen besonders strikten Rahmenbedingungen und dem hohen anwesenheitspflichtigen Praxisanteil als idealer Ansatzpunkt für Forschungen zur Vereinbarkeit von Studium und Familie. Die Umsetzung familienfreundlicher Strukturen in diesem Fach kann anderen Fakultäten und Universitäten entsprechend als Musterbeispiel dienen.

 

Die Frage nach der Vereinbarkeit speziell eines Medizinstudiums mit Familie ist darüber hinaus aufgrund des hohen Frauenanteils in diesem Studiengang relevant. Der Frauenanteil im Medizinstudium verzeichnet einen stetigen Zuwachs und liegt seit einigen Jahren bei über 60% . Vor allem bei angehenden Ärztinnen und Ärzten kommen Überlegungen zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie bereits im Studium auf. Daher ist es notwendig, Rahmenbedingungen zu schaffen, die eine Familiengründung bereits im Studium ermöglichen und fördern.

 

Die Universität Ulm und das Universitätsklinikum Ulm führen derzeit zwei Studien durch, die zum Ziel haben, die Lebens- und Studiensituation studierender Eltern der Medizin zu erfassen und darauf aufbauend nötige Veränderungen für ein familienfreundliches Medizinstudium aufzuzeigen.

In einer Pilotstudie der Medizinischen Fakultät der Universität Ulm wird die Möglichkeit einer familienfreundlichen Studienorganisation unter anderem in Form eines Teilzeitstudiums geprüft und erfolgversprechende Maßnahmen durch das Studiendekanat implementiert.

In einer zweiten weiterführenden Studie sollen die Lebens- und Studienbedingungen studierender Eltern an allen Medizinischen Fakultäten in Baden-Württemberg (Freiburg, Heidelberg, Mannheim, Tübingen) erfasst werden. Ziel der Studie ist es, sowohl die Wahrnehmung für studierende Eltern zu schärfen als auch konkrete Faktoren zu ermitteln, die ein effektives Medizinstudium mit Kind an den jeweiligen Fakultäten ermöglichen.

[1] Ridderbusch,, R (2004). Ausbau der Kindertagesbetreuung hat Vorteile für die Volkswirtschaft. Statistisches Monatsheft Baden-Württemberg 11/2004

[2] Vgl. Middendorf, E. (2008). Studieren mit Kind. Ergebnisse der 18. Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks durchgeführt durch HIS Hochschul-Informations-System. Bonn, Berlin: BMBF, S.11ff.

[3] Daten des Statistischen Bundsamtes

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