Bildgebende Verfahren in der Neurologie: Magnetresonanztomographie
Leiter der AG Neuro Imaging:
Prof. Dr. med. J. Kassubek
Mitarbeiter der AG:
PD Dr. med. A. Riecker (Oberarzt der Neurologischen Klinik)
Dr. med. A. Unrath
Dr. rer. nat. H.-P. Müller
Dr. med. E. H. Pinkhardt
Dr. rer. nat. D. Lulé
Mitarbeiter der Sektion Neurophysiologie
S. Fuchs (Studien-MTRA)
Fokus: Projekte zur Weiter- und Neu-Entwicklung sowie zur Anwendung unterschiedlicher moderner Verfahren der strukturellen und funktionellen MRT-Bildgebung des Gehirns / ZNS sowie der multimodalen Fusion von Neuroimaging-Techniken, speziell die Untersuchungen zu spezifischen Fragestellungen neurologischer Erkrankungen (Schwerpunkt: neurodegenerative Erkrankungen).
1) Strukturelle MRT-Bildgebung
Hinsichtlich struktureller MRT-Daten werden mittels der Voxel-basierten Morphometrie (VBM), d.h. der Ganzhirn-basierten statistischen Analyse von dreidimensionalen MRT-Datensätzen zur Identifizierung regionaler Strukturveränderungen, unterschiedliche neurologische Erkrankungen untersucht und das topographische Verteilungsmuster der zerebralen Veränderungen dargestellt. Ergänzende MRT-Analysen mit ROI-basierten, absolut quantifizierenden Verfahren (MRreg) werden, teilweise in Zusammenarbeit mit der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie Ulm, mit Schwerpunkt der Amygdala- und Hippocampus-Volumetrie untersucht. SPM-basierte Studien zu einer neuen automatisierten ROI-Analysetechnik, in Zusammenarbeit mit dem Schweizerischen Epilepsiezentrum in Zürich, werden durchgeführt. Zudem werden im Rahmen derselben Kooperation eine neue Technik zur Detektion fokaler kortikaler Dysplasien entwickelt.
Im Rahmen pharmakologischer Therapiestudien mit MRT-Monitoring zur Behandlung der Multiplen Sklerose, aber auch von dementiellen Erkrankungen werden hierfür standardisierte MRT-Protokolle etabliert.
VBM ist eine Analysemethode für hochauflösende Volumen-MRT, die für systematische, Untersucher-unabhängige Querschnittsuntersuchungen von Vergleichskollektiven entwickelt wurde und bei der die untersuchte Variable aus dem Graustufenwert der einzelnen Voxel gewonnen wird. Die Technik erlaubt separat für jedes Voxel Vergleiche räumlich normalisierter Gehirne untereinander.
Die Grundlage der Auswertung basiert auf einer statistischen parametrischen Analyse mit dem Softwarepaket Statistical Parametric Mapping (SPM) (http://www.fil.ion.ucl.ac.uk/spm). Im Sinne des Voxel-basierten Ansatzes wird die globale Variabilität der Bilddaten ausgeglichen und die Intensität der einzelnen Voxel durch Stauchung oder Dehnung im Rahmen der Registrierung moduliert. Die interindividuellen Unterschiede verschiedener Gehirne hinsichtlich Größe und Form sind der Grund, die Variabilität für Vergleichsanalysen zu reduzieren. Diese Korrektur erfolgt bei VBM global für das gesamte Gehirn mit Hilfe sowohl affiner (linearer) Transformationen wie auch nicht-linearer Verformungsalgorithmen (als sogenanntes Brain Warping).
Nach der Registrierung erlauben statistische Verfahren die automatische Segmentierung in Graue und Weiße Substanz sowie Liquorraum und die nachfolgende, für jedes Voxel separat erfolgende Unterschiedstestung. Die Segmentierung erfolgt durch lokale Schwellenwert-basierte Verfahren in Kombination mit a priori-Informationen über die Verteilung von Grauer Substanz, Weißer Substanz und Liquorraum.
Morphometrische Studien mit VBM können bei der systematischen Untersuchung regionenspezifischer Volumenalterationen einzelner zerebraler Komponenten sowohl zur Hypothesengenerierung als auch zur Überprüfung bereits existierender Hypothesen herangezogen werden. Durch ergänzende Subgruppen- oder SPM-basierte Kovarianzanalysen sind Testungen möglich, welche Regionen krankheits- bzw. symptomspezifisch alteriert sind.
Es wurde eine hausinterne Software entwickelt (TIFT - Tensor Imaging and Fiber Tracking), die neben Funktionen wie Datenkonvertierung/Viewer und spezieller Analyse von Diffusion Weighted Imaging (DWI) und Ultraschalldaten insbesondere eine optimierte Auswertung von Diffusion Tensor Imaging (DTI)-Daten erlaubt. Die Software ist durch ihre offene Struktur anwenderoptimiert und interaktiv nutzbar. Dies eröffnet die Möglichkeit zur weitestgehend automatisierten und standardisierten multiparametrischen Auswertung von verschiedenen MRT Daten.
2) Diffusionstensor-Bildgebung (DTI)
Nach Normalisierung von DTI-Daten auf ein zu jeder Studie separat anzufertigendes Populations-, Scanner- und Sequenz-spezifisches Template (basierend auf dem MNI-Koordinatensystem) ist ein Ganzhirn- und voxel-basierter Gruppenvergleich bei Patienten- bzw. Probandenkollektiven möglich. Als Quantifizierungsparameter wird die Analyse des Gerichtetheitsmaßes (fraktionale Anisotropie, FA) sowie der Durchschnittsdiffusivität („mean diffusivity“, MD) heran gezogen.
Zusätzlich kann die Gerichtetheit zur Visualisierung der Faserbündel im Rahmen des Fibertracking (FT) verwendet werden. Hierbei wird die Richtungsinformation, welche in jedem mittels spezieller DTI-Sequenzen akquirierten Voxel enthalten ist, berechnet.
3) Diffusionsgewichtetes MRT (DWI)
Im Hinblick auf DWI wird die auf halbautomatischen Algorithmen basierende dreidimensionale Ausmessung von Schlaganfallarealen mit dem Ziel der Verlaufs- und Prognose-Abschätzung von Territorialinsulten sowie die Korrelation dieser morphologischen Daten mit serologischen Parametern untersucht.
FT eignet sich neben der Visualisierung der Neuroanatomie am Lebenden auch zu prächirurgischen Fragestellungen im Hinblick auf den Verlauf von Nervenfasertrakten wie der Pyramidenbahn; diesbezüglich wurde die Methodik bereits in Einzelfällen eingesetzt.
4) Magnetisierungs-Transfer-Imaging (MT)
Die neuesten Entwicklungen finden sich in der Auswertung von Magnetisierungs-Transfer Daten. Die MT-Technik ist ein Verfahren, mit dem selektiv das MR-Signal von an Makromoleküle gebundenen Protonen unterdrückt werden kann. Mit dieser Technik können Veränderungen an ansonsten unauffälliger Weißer Substanz dargestellt werden.
5) 1H-MR-Spektroskopie
6) Funktionelle MRT (fMRT)
MRT-basierte funktionelle Bildgebung ermöglicht es, dynamische Prozesse im menschlichen Gehirn nichtinvasiv zu untersuchen. Es ist ein nützliches Werkzeug, um funktionelle Veränderungen in kortikalen und subkortikalen Strukturen verschiedener neurologischer und pyschiatrischer Pathologien zu detektieren. In den letzten 10 Jahren führte die konsekutive Weiterentwicklung der funktionellen MRT (fMRT) Experimente und der korrespondierenden Datenanalyse weltweit zu einem deutlichen Anstieg an fMRT Experimenten. Das fMRT ist eine Möglichkeit physiologische Veränderungen des Blutflusses aber auch des Metabolismus zu messen. Ähnlich wie beim Metabolismus treten Veränderungen des Blutflusses als Folge von Neuronenaktivität auf zum Ausgleich des Sauerstoffverbrauchs im Gehirn.
Deoxygeniertes Blut hat paramagnetische Eigenschaften im Vergleich zu oxygeniertem Blut, welches diamagnetische Eigenschaften aufweist. Änderungen in der lokalen relativen Konzentration von oxygeniertem und deoxygeniertem Blut äußern sich in minimalen lokalen Magnetfeldveränderungen, welche durch fMRT (Messung der T2* Relaxationszeit) detektiert werden können.
Das Signal, welches im fMRT am häufigsten Verwendung findet, basiert auf dem blood-oxygenation level-dependency (BOLD) Effekt (ein Zeitverlauf ist in der folgenden Abbildung dargestellt). Eine Veränderung der neuronalen Aktivität verursacht einen lokalen Anstieg von deoxygeniertem Blut und somit einen erhöhten Bedarf an Sauerstoff, was zu einem Signalabfall des BOLD-Signals führt („initial dip“ -a- in der Abbildung). Dieser Anstieg an deoxygeniertem Blut wird gefolgt von einem Anstieg im zerebralen Blutfluss was lokal zu einem Abfall der Deoxyhämoglobinkonzentration und somit zu einer Erhöhung des lokalen MR-Signals führt (Kurventeil b in der Abbildung). Das Signal erreicht nach etwa 6 Sekunden das Maximum (diese Latenz variiert abhängig von verschiedenen Parametern einer Gehirnregion wie z.B. der Vaskularisation). Das Signal fällt innerhalb von etwa 15-25 Sekunden wieder ab und wird meist gefolgt von einem „post-stimulus-undershoot“ (Kurventeil c in der Abbildung), bevor es wieder den Ruhewert erreicht.
Das fMRT kann somit indirekt Aufschluss über neuronale Aktivitäten im Gehirn geben, die durch definierte Aufgabenstellungen verursacht werden, welche die Probanden bzw. Patienten im MRT-Scanner durchführen. Abhängig von experimentellen Design können diese Aufgabenstellungen als einzelne Ereignisse („event-design“) oder als Abfolge von Ereignissen (“block design”) detektiert werden.
In der experimentellen Anwendung wird üblicherweise die Ausübung einer Aufgabe bei einer Gruppe von Patienten mit der bei einer Gruppe von gesunden Normalpersonen verglichen und statistisch ausgewertet. Zentrale Fragestellungen zur kortikalen Reorganisation bei der Amyotrophen Lateralsklerose (ALS) werden mit Hilfe der fMRT bearbeitet.
Weitere fMRT Projekte sind neuronale Korrelaten des Belohnungssystems bei Patienten mit Restless-Legs-Syndrom mit und ohne dopaminerge Medikation, in Zusammenarbeit mit dem Transferzentrum für Neurowissenschaften und Lernen, Ulm, die Untersuchung der Ursachen, die zu einer Lese-Rechtschreibstörung führen können und, in Kooperation mit der Neurologischen Universitätsklinik Tübingen, die Erforschung der Grundlagen sprechmotorischer Kontrollfunktionen.
Ein weiteres Forschungsprojekt beschäftigt sich mit Alterungs- und Reorganisationsphänomenen bei gesunden Menschen im Alter und Patienten nach Schlaganfall in enger Zusammenarbeit mit der Neurologischen Universitätsklinik Göttingen. Dabei werden insbesondere die neuronalen Mechanismen bei einfachen motorischen Aufgaben und die Auswirkungen auf die ipsi- und kontralateral hemmenden Einflüsse des Kortex auf subkortikale Strukturen untersucht.
Publikationen der Arbeitsgruppe























