Kolorektale Karzinome

Die Inzidenz kolorektaler Karzinome nimmt in den westlichen Ländern zu, sie ist mit 20-24 Fällen pro 100.000 pro Jahr in Mitteleuropa eine der häufigsten bösartigen Erkrankungen. In Deutschland erkranken ca. 52.000 Personen pro Jahr. Die Mortalität beträgt 12-15% in der gesamten Krebsmortalität. In Deutschland ist mit 33.000 Todesfällen pro Jahr zu rechnen; damit sind kolorektale Karzinome die zweithäufigste krebsbedingte Todesursache in Deutschland. Histologisch findet sich in 85% das Adeno-Karzinom, in 10-15% das muzinöse Zystadeno-Karzinom und in ca. 1% das Siegelring-Karzinom. Die lymphogene Metastasierungshäufigkeit beträgt beim Adeno-Karzinom und beim muzinösen Zystadeno-Karzinom ca. 50%, beim Siegelring-Karzinom ca. 70%. Die Stadieneinteilung nach UICC ist in Tabelle 1 dargestellt [Wittekind].
Tabelle 1

Stadium 0

Tis

N0

M0

Stadium I

T1, T2

N0

M0

Stadium IIa

T3

N0

M0

Stadium IIb

T4

N0

M0

Stadium IIIa

T1,T2

N1

M0

Stadium IIIb

T3,T4

N1

M0

Stadium IIIc

jedes T

N2

M0

Stadium IV

jedes T

jedes N

M1

Prognose

Die Prognose ist in Stadium I mit einer 5-Jahres-Überlebensrate von 80-100% relativ günstig, beträgt im Stadium II 60-80%, im Stadium III 30-60% und bei Vorliegen einer Fernmetastasierung zum Zeitpunkt der Erstdiagnose weniger als 30%.

Diagnostik

Standardverfahren zur Detektion eines Kolon-Karzinoms ist die Koloskopie. Die obligate bildgebende Diagnostik im präoperativen Staging dient primär zur Abklärung einer Leber- und Lungenmetastasierung, meist durch eine Oberbauchsonographie- und einer konventionellen Thoraxübersichtsaufnahme. Die Endosonographie liefert im Rektum hochspezifische Informationen über die lokale Tumorausdehnung und Infiltrationstiefe (Becker, 2002). Beim sonographischen Nachweis suspekter Leberherde ist eine weiterführende Diagnostik mittels kontrastmittelverstärktem Spiral-CT (Fishman, 2000) oder MRT erforderlich (Becker, 2002). Die Spiral-CT des Thorax ist bei Verdacht auf Lungenmetastasen angezeigt und bei Nachweis sonstiger potentiell in kurativer Intention resezierbarer Fernmetastasen sinnvoll (Collie,1994 ). Selbst bei hochauflösender Bildgebung durch CT oder MRT kann im Frühstadium bei Z.n. operiertem Kolon-/ Rektum-Karzinom bei V.a. Lokalrezidiv in der Regel nicht zuverlässig zwischen Narbe und Rezidiv unterschieden werden (Balzer 2003). Aufgrund des biochemischen Detektionsprinzips kann FDG PET stoffwechselaktives Tumorgewebe zuverlässig von stoffwechselinaktivem Narbengewebe unterscheiden. In einer kürzlich erschienenen Übersichtsarbeit wurden unter EBM-Kriterien die aktuellen Publikationen 1997-2002 der Rezidivdiagnostik kolorektaler Karzinome durch FDG PET bewertet (Dietlein 2003, Tabelle 2).

Darmkrebs

Primärdiagnostik Stadieneinteilung

PET/CT:
F-18-Fluordeoxyglukose

Lymphknotenstaging
Fernmetastasen

Therapieansprechen Monitoring

PET/CT:
F-18-Fluordeoxyglukose

Chemotherapie,
Strahlentherapie

Nachsorge / Restaging

PET/CT:
F-18-Fluordeoxyglukose

Bei begründetem Verdacht / nachgewiesenem Rezidiv
Ganzkörper-Restaging

Rezidivdiagnostik

PET/CT:
F-18-Fluordeoxyglukose

Lokalisation und Ausdehnung eines Lokalrezidivs (Untersch.: Rezidiv/Narbe; Nachweis von Lebermetastasen)
- ansteigender Tumormarker
- unklare konventionelle (Sonographie) und Schnittbildgebung (CT, MR)


Die Sensitivität und Spezifität von FDG PET lag bei 94% (95% KI: 91%-96%), bzw. bei 78% (90% KI: 69/86%). Die Änderung des Stagings durch FDG PET betrug 25% (95% KI: 24-30%, Dietlein 2003).

FDG PET führte 34% (90% KI: 31-38%) zu einer relevanten Änderung des zuvor festgelegten Therapiekonzeptes (siehe Tabelle 3). Eine Arbeit konnte eine 3-Jahres-Überlebensrate von > 70% bei FDG PET basierter Rezidivchirurgie nachweisen. Dieses vorläufige Ergebnis ragt im Vergleich zum konventionellen Therapiemanagement heraus: 69%-80% der Patienten mit einem operiertem Colonkarzinom entwickeln im Rahmen der onkologischen Nachsorge Lebermetastasen und in 12-37% der Patienten treten Lungenmetastasen auf. Im Falle einer Lebermetastasierung und einer erneuten operativen Intervention ist bei 20% der Patienten eine nochmalige R0-Resektion möglich und die Fünfjahres-Überlebensrate beträgt dann etwa 30%.

Erste Erfahrungen lassen eine weitere Verbesserung der Rezidivdiagnostik des kolorektalen Karzinoms durch FDG PET/CT erwarten (Wahl, 2003)

Rezidiv eines Rektum-Karzinoms links pararektal (Pfeilspitzen). Im CT deutliches Gewebsplus (Pfeil) mit stark gesteigerter Stoffwechselaktivität im PET-Scan (Pfeil). Zusätzlich Nachweis zweier pararektaler Lymphknotenmetastasen (Pfeile) sowie einer Lebermetastase in Segment 6 (Pfeil).

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