Kopf-Hals-Tumore
Kopf-Hals-Tumore, beschreiben als Überbegriff eine Vielzahl von verschiedenen Tumoren im HN-Bereich. Sie machen ca. 5% der Tumorerkrankungen aus und sind durch eine ca. 4:1 Prädilektion des männlichen Geschlechtes gekennzeichnet. Die Inzidenz in Deutschland beträgt ca. 7/100.000. Über 90% der Kopf-Hals-Tumore sind Plattenepithel-Karzinome. Im Nasopharynx findet sich häufig als Sonderform das undifferenzierte Karzinom vom Nasopharynx-Typ. Die Stadieneinteilung erfolgt nach der Systematik der TNM-Systems der UICC und ist für jede Tumorlokalisation gesondert definiert (UICC, Wittekind 2003), kann jedoch in diesem Kontext vereinfacht wie in Tabellen 1 und 2 gezeigt dargestellt werden (Riess 1994).
Tabelle 1:
N- und M-Klassifikation für Tumoren im Kopf-Hals-Bereich
N1 | Solitäre ipsilaterale Lymphknotenmetastase < 3 cm durchmessend |
N2 | Metastase(n) im solitären ipsilateralen Lymphknoten > 3 cm, < 6 cm durchmessend oder in multiplen ipsilateralen oder bilateralen oder kontralateralen Lymphknoten, keiner > 6 cm durchmessend |
N2a | Singuläre ipsilaterale Lymphknotenmetastase > 3 cm, < 6 cm durchmessend |
N2b | Multiple ipsilaterale Lymphknoten < 6 cm durchmessend |
N2c | Bilaterale oder kontralaterale Lymphknotenmetastasen < 6 cm durchmessend |
N3 | Lymphknotenmetastase > 6 cm durchmessend |
M1 | Fernmetastasen |
Tabelle 2:
Stadiengruppierung der Kopf-Hals-Tumoren
Stadium I | T1 | N0 | M0 |
Stadium II | T2 | N0 | M0 |
Stadium III | T2 | N0 | M0 |
Stadium IV | T4 | N0-1 | M0 |
Die primäre lokoregionäre Ausdehnung und therapeutische Tumorkontrolle bestimmen im wesentlichen die Prognose von Kopf-Hals-Tumoren. Die Stadieneinteilungen und 5-Jahresüberlebensraten sind in Tabelle 3 zur groben Orientierung dargestellt.
Kopf-Hals-Tumore infiltrieren umliegendes Gewebe mit Ausnahme von Knorpel- und Knochengewebe frühzeitig, metastasieren früh und häufig lymphogen (detaillierte Angaben finden sich in Riess 1994). Fernmetastasen betreffen vor allem die Lungen, seltener Knochen, Leber und das Mediastinum (Riess 1994). Bedeutsam ist das Auftreten synchroner(innerhalb 6 Monate nach Erstdiagnose) oder metachroner (> 6 Monate nach Erstdiagnose) Zweittumore im Aerodigestivtrakt (in ca. 10% der Fälle). Zur Tumor-diagnose und Beurteilung der lokoregionären Aus-dehnung werden additiv zur Endoskopie mit Feinnadelaspiration oder Biopsie als bildgebende Diagnostik die Halssonographie, die kontrastmittelverstärkte Spiral-CT und/oder MRT des Halses inklusive der Schädelbasis und zum Metastasenstaging der Röntgen-Thorax in 2 Ebene, das kontrastmittelverstärkte Spiral-Thorax-CT, die Abdomen-Sonographie, fakultativ das kontrastmittelverstärkte Abdomen-Spiral-CT und bei symptomatischen Patienten die Skelettszintigraphie eingesetzt.
FDG-PET wurde zum Primärtumornachweis, zur Primärtumorsuche bei CUP-Syndrom, zum N- und M-Staging, zur Therapiekontrolle, zum Nachweis des lokoregionären bzw. Fernmetastasen-Rezidivs eingesetzt (Übersichten bei Czernin, 2002, Reske, 2001, Lowe 2003).
Tabelle 3:
5-Jahres-Überlebensraten bei Kopf-Halstumoren nach UICC-Stadium (Wittekind et al. 2003)
| 5-Jahres-Überlebensrate % |
Stadium I | 75-90 |
Stadium II | 40-70 |
Stadium III | 20-50 |
Stadium IV | 10-30 |
Tabelle 4:
Wertigkeit der FDG- PET beim primären Lymphknotenstaging von Kopf-Hals Tumoren (Sensitivität und Spezifität international publizierter PET- Studien; nach Lowe, 2003)
Autor, Jahr | Anzahl Patienten | Studie | Sensitivität PET | Spezitivität PET |
Rege, 1994 | 34 | prosp. Studie | 88% | 89% |
Braams, 1995 | 12 | prosp. Studie | 91% | 88% |
Laubenbacher, 1995 | 22 | prosp. Studie | 90% | 96% |
McGuirt, 1995 | 49 | prosp. Studie | 83% | 82% |
Benchaou, 1996 | 48 | prosp. Studie | 72% | 99% |
Wong, 1997 | 6 | prosp. Studie | 67% | 100% |
Myers, 1998 | 14 | prosp. Studie | 78% | 100% |
Adams, 1998 | 60 | prosp. Studie | 90% | 94% |
Kau, 1999 | 70 | prosp. Studie | 87% | 94% |
Di Martino, 2000 | 40 | prosp. Studie | 82% | 87% |
Pöpperl, 2002 | 72 | prosp. Studie | 71% | 86% |
Tabelle 5:
Wertigkeit der FDG-PET bei der Rezidivdiagnostik von Kopf-Hals Tumoren (Sensitivität und Spezifität International publizierter PET- Studien; nach Lowe, 2003)
Autor, Jahr | Anzahl Patienten | Studie | Sensitivität PET | Spezifität PET |
Lapela, 2000 | 56 |
| 95% | 84% |
Lowe, 2000 | 44 | prosp. Studie | 100% | 93% |
Haenggeli, 2000* | 50 |
| 100% | 74% |
Di Martino, 2000 | 13 | prosp. Studie | 100% | 100% |
Terhaard, 2001 | 75 | prosp. Studie | 97% | 82% |
Kresnik, 2002** | 39 |
| 95% | 78% |
Pöpperl, 2002 | 37 |
| 83% | 76% |
* Residualtumor nach Therapie
** LK-Staging und Restaging
Obwohl FDG in Kopf-Hals-Tumoren intensiv angereichert wird, kommt dem Primärtumornachweis mit Ausnahme des CUP-Syndroms (siehe unten) keine diagnostische Bedeutung zu, da wegen physikalischer Limitationen mit der PET ein T-Staging nicht möglich ist. Eine kürzlich publizierte Metaanalyse fand eine Sensitivität und Spezifität des N-Stagings mit FDG –PET von 87-90% bzw. 80-83% (Lowe, 2003). Lokalrezidive wurden mit einer Sensitivität von 80-100% und einer Spezifität von 64-96% nachgewiesen (Lowe, 2003). Sowohl für das N-Staging und die Rezidivdiagnostik war FDG PET der konventionellen Bildgebung (Sonographie, kontrastmittelverstärktes CT oder MRT) überlegen (Lowe, 2003).
Das CUP-Syndrom stellt eine nicht seltene klinische Fragestellung bei nachgewiesener meistens lymphogener Metastasierung im Kopf-Hals-Bereich und unbekanntem Primarius dar. Die Prognose ist bei einem mittleren Überleben von 4-8 Monten ausgesprochen schlecht. Für palliative Therapiekonzepte stellt deshalb die Beschränkung der Morbidität eine wichtige Zielsetzung dar. Auch unter diesem Aspekt ist der Nachweis eines Primarius und der daraus folgenden Option einer lokoregionären Therapie von besonderer Bedeutung. FDG-PET konnte bei negativer konventioneller Bildgebung in 24-53% erfolgreich einen Primärtumor nachweisen und lokalisieren (Reske, 2001). Außerdem konnte in einzelnen Studien eine zusätzliche Fernmetastasierung zuverlässig (Sensitivität 90%, Spezifität 94%) nachgewiesen werden (Reske, 2001).
Primärdiagnostik / | PET/CT: | Differentialdiagnose: |
|
| Bei Zweittumoren: |
Therapieansprechen | PET/CT: | Monitoring: Strahlentherapie, Chemotherapie |
Nachsorge / Restaging | PET/CT: | Bei begründetem Verdacht / nachgewiesenem Rezidiv |
Rezidivdiagnostik | PET/CT: | Lokalisation und Ausdehnung eines Lokalrezidivs (Untersch.: Rezidiv/Narbe) |






