Maligne Lymphome

Der Morbus Hodgkin ist eine monoklonale maligne Erkrankung lymphoider Zellen und ist mit ca. 1% aller malignen Erkrankungen eher weniger häufig. In Deutschland erkranken ca. 1.100 Männer und 800 Frauen am Morbus Hodgkin. Die Inzidenz des Morbus Hodgkin liegt bei ca. 2,8/100.000. Das Therapieziel ist die Heilung. Die wesentlichen Therapiemodalitäten stellen die Chemotherapie, Radio- bzw. Radiochemotherapie und multimodale Therapiekonzepte bei komplizierten Krankheitsverlaufen dar. Das 10-Jahres-Überleben der im Stadium = II liegt bei ca. 80-85%, das krankheitsfreie Überleben bei 70-75% in 10 Jahren. Im Stadium III beträgt das 10-Jahres-Überleben 65-75% und das krankheitsfreie 10-Jahres-Überleben 30-34%. Im Stadium IV liegt das 10-Jahres-Gesamtüberleben bei ca. 42% und das krankheitsfreie 10-Jahres-Überleben bei ca. 18%.

Non-Hodgkin-Lymphome stellen eine extrem heterogene Gruppe von Neoplasien des Immunsystems dar. Jeder der Subtypen des NHLs ist durch eine eigene histologische, immunphänotypische und teilweise auch genotypische Charakteristik gekennzeichnet. Die Inzidenz beträgt ca. 16/100.000. Die Chemotherapie stellt die wichtigste Therapiemodalität dar, neuere Therapieansätze der Immun- und Radioimmuntherapie sowie der Hochdosis-Chemotherapie sind vielversprechend und werden teilweise zur Zeit klinisch geprüft. Das Therapieziel ist im aggressiven und schnell progredienten NHL die Heilung, beim low grade die Palliation. Die mittlere Überlebenszeit beträgt ca. 6-7 Jahre beim low grade NHL und 3-4 Jahre beim aggressiven NHL. Beim schnell progredienten NHL beträgt die 5-Jahres-Überlebensrate ca. 60%.

Obligate bildgebende Verfahren zur Stadieneinteilung des Morbus Hodgkin und der NHL sind der Röntgen-Thorax in 2 Ebenen, die Abdomensonographie, das kontrastmittelverstärkte Spiral-CT des Halses, Thorax und Abdomens und (bei symptomatischen Patienten) die Knochenmarks- bzw. Skelettszintigraphie. Die Gastroskopie und Endosonographie stellen bei Verdacht auf Malt-Lymphom ebenfalls obligate Untersuchungsmodalitäten dar. Der Stellenwert der MRT für das Initialstaging und für die Verlaufsdiagnostik wird derzeit in klinischen Studien geprüft. Zum nicht invasiven Nachweis des Knochenmarkbefalls bei malignen Lymphomen gilt das Gadolinium-MRT derzeit als Verfahren der Wahl.

Mit Ausnahme einer Subgruppe des low grade NHL speichern sowohl das NHL als auch der Morbus Hogdkin intensiv FDG. Sowohl Lymphknoten als auch Organmanifestationen können mit FDG PET präzise nachgewiesen und lokalisiert werden. Wegen der schnellen Ganzkörperdarstellung mit PET eignet sich FDG PET besonders gut zum effizienten Ganzkörperstaging bzw. Re-Staging. Da in den meisten Studien gemischte Patientenpopulationen von Morbus Hodgkin und NHL untersucht wurden und keine prinzipiellen Detektionsunterschiede beider Krankheitsgruppen mittels FDG PET bestehen, wurden die Ergebnisse der FDG PET im Folgenden zusammengestellt und diskutiert.

FDG PET wurde zum Staging, Re-Staging und zur frühen Therapiekontrolle maligner Lymphome eingesetzt (Schiepers, Reske, Spaepen, 2003). Bei nodalen Staging war FDG-PET ca. 10% sensitiver als die gesamte konventionelle bildgebende Diagnostik (Reske, 2003, Spaepen, 2003 ). Aus einfach nachvollziehbaren Gründen ist eine histopathologische Verifizierung eines disseminierten nodalen Befalls bei malignen Lymphomen unrealistisch. Die Spezifität von FDG PET zum Nachweis des nodalen Befalls wird mit ca. 85-90% angegeben (Reske, 2003, Schiepers, 2003) In ca. 10% der Fälle ergaben sich relevante Änderungen der Therapiestrategie (Schiepers, 2003). Zum Nachweis des extranodalen Befalls wurde eine Sensitivität von 100% und eine Spezifität von 97% für FDG PET berichtet (Reske, 2003). Diese war dem CT mit einer Sensitivität von 63% und einer Spezifität von 93% deutlich überlegen (Reske, 2003). FDG PET ist bei der diffusen geringgradigen, d.h. < 10% Infiltration des Knochenmarks mit Tumorzellen falsch negativ, während die häufigen nodalen Knochenmarkinfiltrationen mit großer Sicherheit beim MH und NHL nachgewiesen werden können. Eine besondere Stärke der FDG PET ist die Abklärung der residualen Restmasse nach Chemotherapie und Strahlentherapie (Reske 2003, Lang 2001, Spaepen 2003. Die Sensitivität und Spezifität von FDG PET zum Nachweis des vitalen residualen Lymphoms beträgt 73-88%, bzw 83-86% im Vergleich zum CT mit einer Sensitivität von 88% und einer Spezifität von 33% (Reske, 2001). Jerusalem et al. fanden ein PPV für vitales Restlymphom von 100% und ein NPV von 87% mit FDG PET vs. 42% bzw. 87% für das CT (Jerusalem, 1999). Erste Studien zeigen ein hohes Potential von FDG PET zur frühzeitigen Differenzierung von Respondern vs. non-Respondern bereits während der Chemotherapie: Bereits 7 bzw. 42 Tage nach Beginn der Chemotherapie konnten bei NHL anhand einer SUV-Reduktion von >= 60% bzw. 79% Patienten mit kompletter Remission identifiziert werden (Römer, 1998).

FDG-PET-Scan des Körperstammes beim NHL, Stadium IV: koronale (Bild 1-3) und sagittale (Bild 4) sowie transversale (untere Reihe) Schnittebenen. Disseminierter supra- und infradiaphragmaler Lymphknotenbefall (Pfeile) sowie Befall der Milz (braune Pfeile) und multilokulärer Knochen-/Knochenmarkbefall. Einige Knochenmarkmanifestationen sind mit grauen Pfeilen (Pfeile) markiert.

Primärdiagnostik /
Stadieneinteilung

PET/CT:
F-18-Fluordeoxyglukose

Lymphknotenstaging
Differenzierung

 

 

Lungenbeteilgung/unspezifische Veränderungen

 

 

Nachweis Milzbeteiligung

 

 

Gehirn: Unterscheidung

 

 

Lymphom/Toxoplasmose

 

PET: F-18-Fluorid Tc-99m-Polyphosponat

Abkl. Knochenmetastasierung

 

Knochenmarksszintigraphie

Beurteilung des funktionellen
Knochenmarkraums

Therapieansprechen

PET/CT:
F-18-Fluordeoxyglukose

Residualtumor
(Differenzierung:
Narbe/vitales Restlymphom
nach Therapie)

Nachsorge/
Restaging

PET/CT:
F-18-Fluordeoxyglukose

Bei begründetem Verdacht/
nachgewiesenem Rezidiv
Ganzkörper-Restaging

 

PET: F-18-Fluorid
Tc-99m-Polyphosphonat

Abkl. Knochenmetastasierung

 

Knochenmarksszintigraphie

Beurteilung des funktionellen
Knochenmarkraums

Rezidivdiagnostik

PET/CT:
F-18-Fluordeoxyglukose

Lokalisation und Ausdehnung
eines Lokalrezidivs

Therapie

Radioimmuntherapie

 

Literatur

Reske, S.N., PET and restaging of malignant lymphoma including residual masses and relapse. Eur J Nucl Med, 2003.

Spaepen, K., et al., Positron emission tomography with [(18)F]FDG for therapy response monitoring in lymphoma patients. Eur J Nucl Med Mol Imaging, 2003. 30(Suppl 1): p. S97-105.

Lang, O., et al., Clinical relevance of positron emission tomography (PET) in treatment control and relapse of Hodgkin's disease. Strahlenther Onkol, 2001. 177(3): p. 138-44.

Schiepers, C., J. Filmont, and J. Czernin, PET for staging of Hodgkin's disease and non-Hodgkin's lymphoma. Eur J Nucl Med Mol Imaging, 2003. 30(Suppl 1): p. S82-8.

Spaepen, K., et al., Prognostic value of pretransplantation positron emission tomography using fluorine 18-fluorodeoxyglucose in patients with aggressive lymphoma treated with high-dose chemotherapy and stem cell transplantation. Blood, 2003. 102(1): p. 53-9.

Jerusalem, G., et al., Whole-body positron emission tomography using 18F-fluorodeoxyglucose for posttreatment evaluation in Hodgkin's disease and non-Hodgkin's lymphoma has higher diagnostic and prognostic value than classical computed tomography scan imaging. Blood, 1999. 94(2): p. 429-33.

Römer, W., et al., Positron Emission Tomography in non-hodgkin's lymphoma Assessment of chemotherapy with fluorodeoxyglucose. Blood, 1998. 91: p. 4464-4471.

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