Mamma-Karzinome

Das Mamma-Karzinom stellt mit 23% aller malignen Erkrankungen den häufigsten bösartigen Tumor der Frau dar. In Deutschland erkranken jährlich ca. 43.000 Frauen. Die Inzidenz beträgt 104/100.000, die Mortalität liegt bei ca. 30-35 pro 100.000. Die Stadieneinteilung nach UICC ist in Tabelle 1 dargestellt (Wittekind et al. 2003).

Tabelle 1: Stadieneinteilung des Mammakarzinoms (Wittekind et al. 2003)

Stadium 0

Tis

N0

M0

Stadium I

T1

N0

M0

Stadium IIa

T0,T1

N1

M0

 

T2

 

N0

M0

Stadium IIb

T2

 

N1

M0

 

T3

N0

M0

Stadium IIIa

T0,T1

 

N2

M0

 

T2

N2

M0

 

T3

N1,N2

M0

Stadium IIIb

T4

N0,N1,N2

M0

Stadium IIIc

jedes T

 

N3

M0

Stadium IV

 

jedes T

jedes N

 

M1

Die 5-Jahres-Überlebensrate liegt im Stadium 0 bei 98%, im Stadium I bei 90%, im Stadium II bei 70%, in Stadium III bei 50% und im Stadium IV bei 15%. Das Mamma-Karzinom ist der Prototyp eines malignen Tumors, der früh lymphogen und sekundär oder gleichzeitig hämatogen metastasiert. Die ungefähre Häufigkeit organbezogener Metastasen beträgt in entfernten Lymphknoten ca. 60%, in der Lunge ca. 55%, im Skelett und in der Leber ca. 50%, in der Haut ca. 35%, im Ovar 35% und im ZNS 10%.

Als wichtigstes bildgebendes Verfahren zur Primärdiagnostik und Überwachung der kontralateralen Brust dient die Mammographie, meist in Verbindung mit der Mammasonographie und Axillasonographie. Die MRT der Mamma wird häufig als Zusatzuntersuchung bei unklaren Mammographiebefunden eingesetzt. Zum Staging werden die Abdomensonographie zur Suche von Lebermetastasen, die Thoraxübersichtsaufnahme in zwei Ebenen sowie die Skelettszintigraphie eingesetzt. Bei klinischem Verdacht auf bisher okkulte intrazerebrale Filiae wird meistens die Gadolinium-MRT zur Abklärung von ZNS-Metastasen eingesetzt.

FDG PET wurde beim Mamma-Karzinom zur Primärtumordiagnostik, zum Lymphknotenstaging, zur Diagnostik von Fernmetastasen, zur frühzeitigen Überprüfung des Therapieansprechens einer neoadjuvanten Chemotherapie und zur Rezidivdiagnostik angewendet (Übersicht bei Czernin, 2002 und Reske, 2001). Eine kürzlich publizierte Metaanalyse fand eine Richtigkeit von 92% (95%KI: 89-96%) der Primärtumordiagnostik von FDG PET (Czernin, 2002). Bezüglich der Primärtumordiagnostik von FDG PET bestätigen 4 kürzlich publizierte Studien (Avril, Danforth, Rieber, Schirrmeister) die relativ hohe Sensitivität und Spezifität dieser Untersuchungsmodalität. Allerdings sinkt die Sensitivität von FDG PET bei kleinen Tumoren wohl aufgrund des Partialvolumen- und Recovery-Effektes und möglicherweise einer reduzierten Glukoseutilisation beim Carcinoma in situ auf 42%, im Stadium pT1a und pT1b auf ca. 25%, während sie ab Stadium pT1c mit 84% und pT2 bei > 90% liegt (Avril, 2000). Auch weisen das medulläre Mamma-Ca (Schirrmeister) und das lobuläre Mamma-Ca (Buck 2003) eine geringere Glukoseutilisation als das Adeno-Ca auf. Es ist bisher nicht untersucht, ob durch PET/CT und die damit verbesserte Schwächungskorrektur und Möglichkeit der Partialvolumenkorrektur die Sensitivität der Detektion kleiner, d.h. von T1, Mamma-Karzinomen gesteigert werden kann. Zum Primärtumornachweis kommt der PET wegen der reduzierten Sensitivität im Frühstadium des Mamma-Karzinoms ein konfirmatorischer Stellenwert in diagnostischen Problemfällen zu (Reske, 2001). Die FDG PET wird durch die Gewebsdichte bei Mastopathie, durch vorhergehende mammachirurgische Eingriffe oder frühere Radiatio, chirurgische Maßnahmen wie die der Brustaufbauplastik oder Mamma-Implantate nicht negativ beeinflusst (Avril 2000).

Für das axilläre Lymphknotenstaging geben Czernin und Phelps eine Sensitivität, Spezifität und Accuracy (Czernin, Phelps) an. In den meisten Studien wird unter axillärem Lymphknotenstaging allerdings lediglich eine Klassifizierung in positiv, d.h. Nachweis tumorbefallener axillärer Lymphknoten vs. negativ, d.h. unauffälliger axillärer Lymphknotenstatus vorgenommen (Czernin 2002; siehe Tabellen 2 und 3).


Tabelle 2: Charakterisierung von Brustläsionen mit der FDG-PET (nach Czernin 2002)

Sensitivität (%)

Spezifität (%)

Genauigkeit (%)

93

93

92

95% CI
(Konfidenzintervall)

90-95

84-90

84-92

Patienten (N)

424

284

260


Tabelle 3: Axilläres Lymphknotenstaging mit FDG-PET beim Mammakarzinom (nach Czernin 2002)

Sensitivität (%)

 

Spezifität (%)

Genauigkeit (%)

89

 

87

88

95% CI
(Konfidenzintervall)

86-92

84-90

84-92

Patienten (N)

495

495

281

In fünf kürzlich publizierten Studien wurden dieser Ergebnisse im wesentlichen bestätigt (Rieber, Danforth, Schirrmeister, Kim, Greco), allerdings fanden Danforth bei Patienten im Stadium I und II eine deutlich geringere Sensitivität von lediglich 43%. Auch Guller et al. 2002 beschrieben bei 31 Patienten mit Mamma-Karzinom lediglich eine Sensitivität von 43% der FDG PET zum axillären Lymphknotenstaging. Eine wichtige Zusatzinformation wird von Danforth und Eubank et al. 2001 im Nachweis befallener Mammaria-Interna-Lymphknoten in 25-40% der untersuchten Patienten gesehen. Insgesamt erscheint die Sensitivität der FDG PET zum axillären Lymphknotenstaging mit den derzeit verfügbaren PET-Scannern im Frühstadium zu gering, um alternative z.B. SLN-basierte histologische Diagnosestrategien zu ersetzen.

Lokalrezidiv- und Fernmetastasen

Die Untersuchung der Stoffwecheselaktivität als Detektionsprinzip erscheint bei einer progredienten Tumorerkrankung besonders vielversprechend, da Tumorprogress häufig mit aggressiverem biologischen Verhalten, z.B. gesteigerter tumoraler Proliferation - einer wichtigen Determinante der tumoralen FDG Utilisation (Buck et al.) - einhergeht. In 3 kürzlich publizierten Studien konnte dementsprechend eine hohe diagnostische Aussagekraft für den Nachweis eines Lokalrezidivs und/oder einer Fernmetastasierung gezeigt werden (Kamel 2003, Kim 2001, Liu 2002). Obwohl die Fallzahlen in diesen Studien relativ klein sind, kommt diesen Ergebnissen eine wichtige Bedeutung für den Einsatz von FDG PET beim Mamma-Karzinom zu, da bei isoliertem Lokalrezidiv eine kurative Therapieoption für die betroffenen Patientinnen besteht (Haylock, 2000). Nach ersten eigenen Erfahrungen besitzt gerade bei diesem Einsatzgebiet die PET/CT Untersuchung wegen der hohen Detektionssensitivität der PET und der anatomisch exakten Läsionslokalisation der CT, die eine wichtige Voraussetzung für die Wahl lokoregionärer therapeutischer Strategien darstellt, ein erhebliches klinisches Potential.

Therapie-Kontrolle (Mamma-Ca)

FDG wird im wesentlichen in vitale Tumorzellen des Tumorgewebes aufgenommen. Folgerichtig wurde der Einsatz von FDG PET zur Kontrolle einer zytoreduktiven Chemotherapie bei Mamma-Ca untersucht. In 2 kürzlich publizierten Studien konnte bereits nach dem ersten Chemotherapiezyklus eine pathologische Komplettremission mit hoher Sensitivität und Spezifität vorhergesagt werden (Smith et al., 2000, Schelling et al. 2000). Schelling et al. 2000 konnten zeigen, dass bei einer Abnahme der tumoralen SUV unter 55% der prätherapeutischen Untersuchung alle Responder identifizert werden konnten (Sensitivität 100%, Spezifität 85%). Das histopathologische Ergebnis konnte mit einer Richtigkeit von 58% nach dem ersten Chemotherapiezyklus und von 91% nach dem 2. Zyklus bestimmt werden. Bei Bestätigung dieser wichtigen Ergebnisse in einem größeren Patientenkollektiv könnte der frühen Evaluation der Chemotherapie mit FDG sowohl aus klinischen wie auch gesundheitsökonomischen Gründen eine erhebliche Bedeutung zukommen.

Multilokuläres intramammäres Rezidiv eines Mamma-Karzinoms links (Pfeile) bei Z.n. brusterhaltender Therapie, adjuvanter Chemotherapie und antihormoneller Therapie mit Tamoxifen.

Brustkrebs

Primärdiagn. /
Stadieneinteilung

PET/CT:
F-18-Fluordeoxyglukose

Primärtumornachweis bei mammographisch dichter Brust (check dense breast) Lymphknotenstaging Fernmetastasenstaging

 

PET: F-18-Fluorid Tc-99m Polyphoshonat

Abkl. Knochenmetastasierung

 

Sentinel Node Szintigraphie

Wächterlymphknotendetektion

 

Mamma-Szintigraphie

Primärtumornachweis

Primärtumor-
nachweis

PET/CT:
F-18-Fluordeoxyglukose

Unterscheidung von Respondern/Non-Respondern bei Chemother.

 

PET: F-18-Fluorid Tc-99m-Polyphosphonat

Progression von Skelettmetastasen (Chemotherapie, Biphosphonattherapie)

 

Nierenszintigraphie

Monitoring der Nierenfunktion vor/unter nephrotoxischer vor/unter nephrotoxischer Chemotherapie

Nachsorge /
Restaging

PET/CT:
F-18-Fluordeoxyglukose

Bei begründetem Verdacht/nachgewiesenem Rezidiv Ganzkörper-Restaging

 

PET: F-18-Fluorid Tc-99m-Polyphosphonat

Abkl. Knochenmetastasierung

 

Nierenszintigraphie

Monitoring der Nierenfunktion vor/unter nephrotoxischer Chemotherapie

Rezidiv-
diagnostik

PET/CT:
F-18-Fluordeoxyglukose

Lokalisation und Ausdehnung eines Lokalrezidivs: - ansteigender Tumormarker -unklare konventionelle (Sonographie, Mammographie), und Schnittbildgebung (CT, MR)

 

Nierenszintigraphie

Nierenfunktion

Therapie

Sm-153-EDTMP

Palliative Schmerzbehandlung bei Knochenmetastasen

Literatur

Wittekind, C., H. Meyer, and F. Bootz, TNM - Klassifikation maligner Tumoren.
2003, Berlin Heidelberg: Springer Verlag.

Czernin, J. and M.-E. Phelps, Positron emission tomography scanning: current and future applications.
Annu Rev Med, 2002. 53: p. 89-112.

Reske, S.N. and J. Kotzerke, FDG-PET for clinical use. Results of the 3rd German Interdisciplinary Consensus Conference, "Onko-PET III", 21 July and 19 September 2000.
Eur J Nucl Med, 2001. 28(11): p. 1707-23.

Avril, N., et al., Breast imaging with positron emission tomography and fluorine-18 fluorodeoxyglucose: use and limitations.
J Clin Oncol, 2000. 18(20): p. 3495-502.

Danforth, D.N., Jr., et al., The role of 18F-FDG-PET in the local/regional evaluation of women with breast cancer.
Breast Cancer Res Treat, 2002. 75(2): p. 135-46.

Rieber, A., et al., Pre-operative staging of invasive breast cancer with MR mammography and/or PET: boon or bunk?
Br J Radiol, 2002. 75: p. 789-798.

Schirrmeister, H., et al., [F-18] 2-deoxy-2-fluoro D-glucose PET in preoperative staging of breast cancer - comparison with the standard imaging procedures.
Eur J Nucl Med, 2001. 28: p. 351-358.

Buck, A.K., et al., Imaging Proliferation in Lung Tumors with PET: 18F-FLT Versus 18F-FDG.
J Nucl Med, 2003. 44(9): p. 1426-1431.

Phelps, M.E., Positron emission tomography provides molecular imaging of biological processes.
Proc Natl Acad Sci U S A, 2000. 97(16): p. 9226-33.

Kim, T., et al., FDG-PET for detection of recurrent or metastatic breast cancer.
W J Surg, 2001. 25: p. 829-834.

Greco, M., et al., Axillary lymph node staging in breast cancer by 2-fluoro-2-deoxy-D-glucose-positron emission tomography: clinical evaluation and alternative management.
J Natl Cancer Inst, 2001. 93(8): p. 630-5.

Guller, U., et al., Selective axillary surgery in breast cancer patients based on positron emission tomography with 18F-fluoro-2-deoxy-D-glucose: not yet!
Breast Cancer Res Treat, 2002. 71(2): p. 171-3.

Eubank, W.B., et al., 18fluorodeoxyglucose positron emission tomography to detect mediastinal or internal mammary metastases in breast cancer.
J Clin Oncol, 2001. 19(15): p. 3516-23.

Buck, A., et al., FDG uptake in breast cancer: correlation with biological and clinical prognostic parameters.
Eur J Nucl Med, 2002. 29: p. 1317-1323.

Kamel, E.M., et al., [18F]-Fluorodeoxyglucose positron emission tomography in patients with suspected recurrence of breast cancer.
J Cancer Res Clin Oncol, 2003. 129(3): p. 147-53.

Liu, C.-S., et al., Clinical Impact of [18F]FDG-PET in Patients with Suspected Recurrent Breast Cancer Based on Asymptomatically Elevated Tumor Marker Serum Levels: a Preliminary Report. Jpn.
J. Clin. Oncol., 2002. 32(7): p. 244-247.

Haylock, B.J., et al., Locoregional first recurrence after mastectomy: prospective cohort studies with and without immediate chemotherapy.
Int J Radiat Oncol Biol Phys, 2000. 46(2): p. 355-62.

Smith, I.C., et al., Positron emission tomography using [(18)F]-fluorodeoxy-D-glucose to predict the pathologic response of breast cancer to primary chemotherapy.
J Clin Oncol, 2000. 18(8): p. 1676-88.

Schelling, M., et al., Positron emission tomography using [(18)F]Fluorodeoxyglucose for monitoring primary chemotherapy in breast cancer.
J Clin Oncol, 2000. 18(8): p. 1689-95.

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