Ösophagus-Karzinome

Das Ösophagus-Karzinom gehört mit einer Inzidenz von ca. 6/100.000 bei Männern und 1,6/100.000 bei Frauen zu den weniger häufigen malignen Tumoren. In Deutschland sterben ca. 4.000 Menschen pro Jahr an dieser Krankheit. Histologisch handelt es sich in 90% der Fälle um Plattenepithel-Karzinome, Adeno-Karzinome stellen 10-15% der Fälle dar. Die Stadieneinteilung nach UICC ist in Tabelle 1 (Wittekind et al. 2003) dargestellt.

Tabelle 1: Stadieneinteilung des Ösophaguskarzinoms (Wittekind et al. 2003)

Stadium 0

Tis

 

N0

Mo

Stadium I

T1

N0

Mo

Stadium IIa

T2,T3

 

N0

Mo

Stadium IIb

T1,T2

N1

Mo

Stadium III

T3

 

N1

 

Mo

 

T4

jedes N

M0

Stadium IV

jedes T

jedes N

M1

Stadium IVa

jedes T

jedes N

M1a

Stadium IVb

jedes T

jedes N

M1b

Die Fünfjahres-Überlebensrate beträgt im Stadium 0 75%, im Stadium I 50%, im Stadium IIa 40%, im Stadium IIb 20%, in Stadium III 15% und in Stadium IV 0%. Wichtig für die Stadieneinteilung ist die genaue Kenntnis der regionalen Lymphabflussgebiete: dies sind die cervikalen, mediastinalen und abdominellen perigastrischen Lymphknoten, ausgenommen sind die zöliakalen Lymphknoten. Tumoren des mittleren und unteren Oesophagus metastasieren überwiegend mediastinal und abdominell, Tumoren des oberen Oesophagus mediastinal und cervikal, während Tumoren des mittleren Drittels in allen Regionen metastasieren können (Becker, 2002). Hämatogene Metastasen treten am häufigsten in Lunge, Leber und Knochen auf. Therapieziele sind Kuration im Frühstadium durch radikale Tumorresektion und Palliation im lokal fortgeschrittenen oder disseminierten Stadium durch kombinierte Radio-Chemotherapie Behandlungskonzepte in onkologischen Zentren. Zur bildgebenden Diagnostik werden entsprechend den Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie folgende notwendige Untersuchungen eingesetzt: Oesophagus- und Magen-Darm-Passage, Thorax-Röntgen in 2 Ebenen, Oesophagogastroskopie mit Biopsie des Tumors, Spiral-CT des Thorax und des Abdomens. Die Endosonographie ermöglicht bei erhaltener Passage Aussagen über die Infiltrationstiefe des Tumors in Nachbarstrukturen und über die submuköse Tumorausdehnung. FDG PET wurde zum Primärtumornachweis, zum N und M-Staging, zur Prognoseabschätzung, Evaluation einer neoadjuvanten Chemotherapie und Rezidivdiagnostik eingesetzt (Übersichten bei Dehdashti 2003, Wahl 2002). FDG PET kann Primärtumore > T1 mit hoher Sensitivität (> 90%) nachweisen, liefert allerdings aufgrund der physikalisch begrenzten Auflösung kein sicheres T-Staging. Bezüglich des N-Stagings berichten die meisten Autoren über einen Vergleich zur CT oder Endosonographie höhere Sensitivität und Spezifität (Tabelle 2).


Tabelle 2: Lymphknotenstaging beim Ösophaguskarzinom: Sensitivität und Spezifität der FDG-PET und der CT (Literaturübersicht international publizierter Studien)

Studie

 

Histo / Pat.-Zahl

Sens PET

Sens CT

Spez PET

Spez CT

Flanagan 1997

29/36

72

28

82

73

Block 1997

35/58

52

28

78

78

Luketich 1997

21/35

45

n.a.

100

n.a.

Kole 1998

22/26

92

38

88

100

Rankin 1998

18/25

37

50

90

80

Yeung 1999

n.a./67

28

25

99

98

Flamen 2000

39/74

33

0

89

100

Lerut 2000

42/74

22

83

91

45

Meltzer 2000

37/47

41

87

88

43

Choi 2000

48/48

81

41

88

100

Himeno 2002

18/31

42

100

 

38

97

Auch für das M-Staging wird von den meisten Autoren eine höhere Genauigkeit (82-85%) (Tabelle 3 im Vergleich zum CT (62-72%) berichtet.

Tabelle 3: M-Staging beim Ösophaguskarzinom: Sensitivität und Spezifität der FDG-PET und der CT (Literaturübersicht international publizierter Studien)

Autor

N

Sensit. PET

Sensit. CT

Spec. PET

Spec. CT

Genauigkeit
PET

Genauigkeit
CT

Lerut et al.

42

86%

--

--

--

86%

62%

Luketich et al.

100

69%

46%

93%

74%

84%

63%

Flamen et al

34

--

--

--

--

82%

64%

Block et al.

58

100%

29%

--

--

--

--

Yeung et al.

109

80%

68%

95%

81%

86%

73%


Entsprechend der höheren Genauigkeit des N- und M-Stagings durch FDG PET im Vergleich zur CT ergibt sich eine verbesserte prognostische Aussage der FDG PET (Fukunaga, 1998). Der Nachweis von Anastomosenrezidiven ist mit FDG PET unzuverlässig. Falsch positive Befunde werden in benignen postoperativen Strukturen und bei entzündlichen Prozessen beobachtet. Das systemische Rezidiv kann mit FDG PET mit hoher Sensitivität nachgewiesen werden (Sensitivität 100%, Spezifität 57%, Richtigkeit 74%) (Wahl, 2002).

In ersten Studien zur frühen Therapiekontrolle einer neoadjuvanten Cisplatin-basierten Chemotherapie 14 Tage nach dem ersten Zyklus konnte bei einer 35%igen Reduktion des prätherapeutischen FDG Uptakes die klinische Therapieresponse mit einer Sensitivität von 93% und einer Spezifität von 95% vorhergesagt werden. Die histopathologische CR konnte bei 8 von 15 Patienten korrekt bereits 14 Tage nach dem ersten Zyklus vorhergesagt werden, während lediglich 1/22 Patienten mit „metabolischem Ansprechen“ keine histopathologische CR erreichten (Weber, 2001). Auch zur Therapiekontrolle einer neoadjuvanten Radiochemotherapie wurden vielversprechende Ergebnisse publiziert (Brücher, 2001)

Oesophagus-Karzinom im oberen Drittel des Oesophagus mit deutlich gesteigerter Stoffwechselaktivität des Primärtumors (Pfeil) sowie infraclaviculäre Lymphknotenmetastasen beidseits (Pfeile).

Primärdiagnostik /
Stadieneinteilung

PET/CT:
F-18-Fluordeoxyglukose

Differentialdiagnose:
Gutartig/bösartig Lymphknotenstaging
Fernmetastasenstaging

Therapieansprechen

PET/CT:
F-18-Fluordeoxyglukose

Monitoring Chemotherapie,
Strahlentherapie

Nachsorge / Restaging

PET/CT:
F-18-Fluordeoxyglukose

Bei begründetem Verdacht /
nachgewiesenem Rezidiv
Ganzkörper-Restaging

Rezidivdiagnostik

PET/CT:
F-18-Fluordeoxyglukose

Lokalisation und Ausdehnung eines
Lokalrezidivs - unklare konventionelle
(Sonographie) und Schnittbildgebung (CT, MR)

Literatur

Wittekind, C., H. Meyer, and F. Bootz, TNM - Klassifikation maligner Tumoren. 2003, Berlin Heidelberg: Springer Verlag.

Becker, H., et al., Ösophaguskarzinom, in Chirurgische Onkolgie, H. Becker, et al., Editors. 2002, Thieme Verlag: Stuttgart. p. 215-254.

Dehdashti, F. and B. Siegel, PET Imaging in Esophageal and Gastric Cancer, in Positron Emission Tomography - Basic Science and Clinical Practice, P. Valk, et al., Editors. 2003, Springer-Verlag: London. p. 571-582.

Wahl, R., Esophagus, in Principles and Practice of Positron Emission Tomography, R. Wahl, Editor. 2002, Lippincott Williams & Wilkins: Philadelphia. p. 210-216.

Fukunaga, T., et al., Evaluation of esophageal cancers using fluorine-18-fluorodeoxyglucose PET. J Nucl Med, 1998. 39(6): p. 1002-7.

Weber, W.A., et al., Prediction of response to preoperative chemotherapy in adenocarcinomas of the esophagogastric junction by metabolic imaging. J Clin Oncol, 2001. 19(12): p. 3058-65.

Brucher, B.L., et al., Neoadjuvant therapy of esophageal squamous cell carcinoma: response evaluation by positron emission tomography. Ann Surg, 2001. 233(3): p. 300-9.

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