Schilddrüsen-Karzinome

Die malignen Tumore der Schilddrüse gehen entweder vom Follikel-Epithel – papilläre Schilddrüsen-Karzinome (50-60% der differenzierten Schilddrüsen-Karzinome) und follikuläre Schilddrüsen-Karzinome (20-30%) – oder den C-Zellen – medulläres Schilddrüsen-Karzinom (4-12%) – aus.

Die Inzidenz liegt zwischen 1-4/100.000 mit einer 2-3:1 Prädilektion des weiblichen Geschlechtes. Die Mortalität von 0,5% weist auf die relativ günstige Prognose des differenzierten Schilddrüsen-Karzinoms hin. Das anaplastische Schilddrüsen-Karzinom mit erheblich schlechteren Prognosen und das medulläre Schilddrüsen-Karzinom werden hier nicht behandelt. Papilläre Schilddrüsen-Karzinome neigen zu Multizentrizität und zur frühzeitigen Lymphgefäßinvasion. Dementsprechend ist der cervikale Lymphknotenbefall mit 33-45% häufig (Becker, 2002). Fernmetastasen werden bei Diagnosestellung in 1-2% im Spätstadium beobachtet. Sie treten häufiger in der Lunge und im Skelett auf. Das follikuläre Schilddrüsen-Karzinom metastasiert relativ früh hämatogen (2-34% bei Erstdiagnose), vorwiegend in die Lunge (6,2%) und das Skelett (6%). Selten werden Lymphknotenmetastasen beobachtet. Die Stadieneinteilung ist in Tabelle 1 dargestellt:

Tabelle 1: Stadieneinteilung des Schilddrüsenkarzinoms (Wittekind, 2003).

Papillär oder follikulär –
unter 45 Jahren

 

Stadium I

jedes T

jedes N

M0

Stadium II

jedes T

 

jedes N

M1

Stadium III

-

-

-

Stadium IV

-

-

-

Papillär, follikulär und medullär
45 Jahre und mehr

 

Stadium I

T1

N0

M0

Stadium II

 

T2

N0

M0

Stadium III

T3

N0

M0


T1,T2,T3

N1a

M0

Stadium IVa

T1,T2,T3

N1b

 

M0

 

T4a

N0,N1

M0

Stadium IVb

T4b

jedes N

M0

Stadium IVc

jedes T

jedes N

M1

undifferenziert
(alle Fälle sind Stadium IV)

 

Stadium IVa

 

T4a

 

jedes N

M0

Stadium IVb

T4b

jedes N

M0

Stadium IVc

jedes T

jedes N

M1

Die therapeutische Strategie basiert auf einer möglichst kompletten Resektion der Schilddrüse mit Ausnahme des T1a papillären Schilddrüsen-Karzinoms, nachfolgender Radiojodablation von verbliebenem Schilddrüsengewebe und einer suppressiven Schilddrüsen-Hormontherapie. Die Prognose ist bei einer 5-10-Jahres-Überlebensrate von 80-90% für das papilläre Schilddrüsen-Karzinom günstiger als für das follikuläre Schilddrüsen-Karzinom mit 60-75% (Mann, 1994).

Die wichtigsten bildgebenden Verfahren zum Primärtumornachweis und Staging stellen die Halssonographie, die Schilddrüsenszintigraphie mit Tc-99m Pertechnetat sowie der Röntgen-Thorax in 2 Ebenen dar. MRT bzw. CT ohne Kontrastmittel sind diagnostischen Problemfällen vorbehalten. Für die Rezidivdiagnostik und Tumornachsorge werden die Sonographie der Schilddrüse und Halsweichteile, die Jod-131-Ganzkörperszintigraphie nach 4 wöchigem Absetzen der Schilddrüsen-Hormonsubstitution oder exogener rTSH-Stimulation sowie CT ohne Kontrastmittel oder die MRT für Spezialfragestellung eingesetzt.

FDG wird vorwiegend in Metastasen differenzierter Schilddrüsen-Karzinome, die im Rahmen der Enddifferenzierung die Fähigkeit zur Jodspeicherung verloren haben, jedoch weiterhin Thyreoglobulin synthetisieren können, akkumuliert (Grünwald, 1999; siehe Tabelle 2) (Abb. 1).

 

Tabelle 2: Rezidivstaging beim Schilddrüsenkarzinom: Sensitivität und Spezifität publizierter PET-Studien

Autoren

 

Gesamt Pat.

 

Sens. PET %

 

Spez. PET %

Grünwald, 1999

222

75% (gesamt)

90%

85%
(neg J-131 Scan)

Shiga, 2001

32

95%

92%

Schirrmeister, 2001

35

 

64-85%

81-95%

Yeo, 2001

22

80%

83%

Frilling, 2001

24

95%

25%

Helal, 2001

37

76%

Schlüter, 2001

 

64

70%

42%

Plotkin, 2002

17

 

100%

60%

Goshen, 2003

20

93%

 

80%

Dementsprechend wird gemäß der Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie FDG PET in der Nachsorge des differenzierten Schilddrüsen-Karzinoms bei positivem Tumormarkernachweis (HTG) und negativem Jod-131-Ganzkörperscan empfohlen (Reske 2001; Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie)

FDG PET (links) und I-131-Ganzkörperscan (rechts) eines Patienten mit follikulärem Schilddrüsen-Karzinom pT3 N0 Mpul. Im I-131 Ganzkörper scan unauffälliger pulmonaler Befund. Im FDG PET Nachweis multipler hypermetaboler Lungenmetastasen beidseits.

Schilddrüsenkrebs

Primärdiagnostik

Tc-99m-Pertechnetat

Nachweis kalter Knoten

Stadieneinteilung

PET/CT:
F-18-Fluordeoxyglukose

?

PET: F-18-Fluorid
Tc-99m-Polyphosphonat

Abkl. Knochenmetastasierung

Therapieansprechen

J-131-Szintigraphie

Posttherapie-Scan

PET/CT:
F-18-Fluordeoxyglukose

?

PET: F-18-Fluorid
Tc-99m-Polyphosphonat

Progr. von Skelettmetastasen (Radiojodtherapie)

Nachsorge / Restaging

J-131-Szintigraphie

Diagnostische Szintigraphie
Bei begründetem Verdacht / nachgewiesenem Rezidiv

Ganzkörper-Restaging

PET/CT:
F-18-Fluordeoxyglukose

Bei nicht jodspeicherndem Rezidiv / Metastasen

Rezidivdiagnostik

J-131-Szintigraphie

Lokalisation und Ausdehnung eines Lokalrezidivs

PET/CT:
F-18-Fluordeoxyglukose

Bei nicht jodspeicherndem Rezidiv

Therapie

J-131-Therapie

Therapie von Lokalrezidiv und Metastasen mit kurativem Ansatz

Literatur

Becker, H., et al., Maligne Tumore der Schilddrüse, in Chirurgische Onkolgie, H. Becker, et al., Editors. 2002, Thieme Verlag: Stuttgart. p. 570-596.

Wittekind, C., H. Meyer, and F. Bootz, TNM - Klassifikation maligner Tumoren. 2003, Berlin Heidelberg: Springer Verlag.

Mann, K., Schilddrüsenkarzinome, in Internistische Onkologie, W. Wilmanns, D. Huhn, and K. Wilms, Editors. 1994, Georg Thieme Verlag: Stuttgart, New York. p. 600-610.

Grünwald, F., et al., Fluorine-18 fluorodeoxyglucose positron emission tomography in thyroid cancer: results of a multicentre study. Eur J Nucl Med, 1999. 26(12): p. 1547-52.

Reske, S.N. and J. Kotzerke, FDG-PET for clinical use. Results of the 3rd German Interdisciplinary Consensus Conference, "Onko-PET III", 21 July and 19 September 2000. Eur J Nucl Med, 2001. 28(11): p. 1707-23.

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