Bindung und Beziehung
Repetitive Beziehungsmuster. Das von Sigmund Freud vor hundert Jahren entdeckte Phänomen der Übertragung prägt zwischenmenschliche Beziehungen in vielfältiger Weise. Der amerikanische Therapieforscher Lester Luborsky entwickelte ein empirisches Verfahren CCRT (Core Conflictual Relationship Theme) zur Identifizierung häufig erscheinender Beziehungsmuster als Ausdruck von unbewussten Übertragungsphänomenen. Das Verfahren wurde durch die Ulm-Leipziger Arbeitsgruppe wesentlich weiterentwickelt. Das frei zugängliche Kategoriensystem CCRT-LU (siehe www.ccrt-lu.org) ermöglicht Untersuchungen des transkribierten narrativen Materials wie Psychotherapie-Sitzungen, Nachttraumberichte, therapeutisch begleiteten Imaginationen oder literarisch gestaltete Patienten-Autobiographien.
Bindung. Ein vom britischen Kinderpsychiater John Bowlby in den 1940er Jahren entwickeltes Konzept stellt eine zentral wichtige Art der Beziehung dar. Bereits im ersten Lebensjahr entwickeln sich in der Beziehung zu den Eltern individuelle entweder "sichere" oder unterschiedliche Arten von "unsicheren" Bindungsmustern, die das Leben eines Menschen i.d.R. auch weiterhin wesentlich prägen. Zwei reliable und valide Interviewverfahren ermöglichen die Bestimmung der Bindungspräsentationen bei Erwachsenen: Das "Adult Attachment Interview (AAI)" und das "Adult Attachment Projective Picture System (AAP)".
Computer-gestützte Inhaltsanalyse. Transkripte von Psychotherapiesitzungen können auch mit halb-automatisierten Computerprozeduren lexikalisch untersucht werden. Der Zugang wurde in den 80er Jahren im Rahmen der Ulmer Textbank (UTB) entwickelt. Die Wortlisten (Diktionäre) spiegeln bestimmte psychotherapeutische Theorien wider.





