Forschungsschwerpunkte der Klinik für Radioonkologie und Strahlentherapie


1.    EU gefördertes internationales Forschungsprojekt "ALLEGRO" zur Untersuchung akuter und später Komplikationen nach Strahlentherapie


Das Projekt hat eine Laufzeit von 2 Jahren (bis Januar 2011). Themenschwerpunkte sind die (1) Messung und Modellierung der Dosisverteilung im gesamten Körper, also auch außerhalb des Therapievolumens, (2) die Risikoabschätzung für Funktionsstörungen strahlenexponierter Normalgewebe sowie (3) die Risiko-Analyse hinsichtlich möglicher radiogener Zweitmalignome.
An unserer Klinik wurden zwischen 1981 und 2007 rund 22000 Patienten bestrahlt. Für diese Patienten wurden über die übliche Nachsorgezeit von 5 Jahren hinausgehend Informationen zum Gesundheitsstand, insbesondere zu Tumor-Neu-oder Wiedererkrankungen gesammelt.
Knapp 500 Patienten entwickelten Zweitmalignome mit Latenzen von einem Jahr oder mehr - bei noch kürzerer Latenz ist eine Strahleninduktion der Erkrankung extrem unwahrscheinlich. Bezogen auf die individuellen Nachbeobachtungszeiten ergab sich bei den zum Zeitpunkt der ersten Strahlentherapie im Median knapp 60-jährigen Patienten ein Risiko von ca. 1% pro Jahr. In dieser Rate sind spontane Fälle ebenso enthalten wie solche, die durch Strahlung oder begleitende Chemotherapie ausgelöst wurden. Das Risiko, durch die Strahlentherapie einen Zweittumor auszulösen ist demnach relativ gering. Auch bei Fall-Kontroll-Studien, die festgelegte Kombinationen von Erst- und Zweittumorarten erfassen, wurde bisher kein eindeutig therapiebedingt erhöhtes Risiko gefunden.

 

2.    Das strahlenbiologische Labor


Mit Hinblick auf die Bedeutung der simultanen oder sequenziell kombinierten Radiochemotherapie werden im strahlenbiologischen Labor der Klinik an Zelllinien aus Lungen-, Prostata- und Kolonkarzinomen Untersuchungen zum wechselseitigen Einfluß von Chemo- und Strahlenresistenz auf verschiedene biologische Schlüssel-Aktivitäten durchgeführt. Die Teilungsfähigkeit, Aktivierung und Funktion molekularer Pumpmechanismen, zelluläre Alarmsignale und die Reparatur von DNA-Schäden werden analysiert. Methodisch basieren diese Arbeiten im Wesentlichen auf bildgestützter Immunzytologie, multiparametrischer Durchflußzytometrie und RT-PCR mit Gelelektrophorese. Bisherige Ergebnisse zeigen ein heterogenes Muster von Ursachen und Einflüssen bei der Radio- und Chemoresistenz.

 

 

3.    Klinische Untersuchungen zur Therapie des Prostatakarzinoms


Die Klinik führt eine der weltweit drei randomisierten Studien zur adjuvanten Strahlentherapie nach radikaler Prostatektomie, deren 5 Jahres Ergebnisse im Jahre 2009 im "Journal of Clinical Oncology" publiziert wurden. Die Fortführung der Studienanalyse wird voraussichtlich im Jahre 2012 mit der Publikation von 10-Jahresdaten weitergeführt. Eine neue Studie zur adjuvanten Strahlentherapie nach radikaler Prostatektomie in der Situation mit befallenen Lymphknoten mit minimaler Tumorlast (< = 2 befallene Lymphknoten) nach extendierter Lymphadenektomie vor radikaler Prostatektomie befindet sich in Vorbereitung und wird als multizentrische Studie in Deutschland voraussichtlich Ende des Jahres 2010 in die Rekrutierungsphase einsteigen. Auch hier ist die Klinik für Radioonkologie der PI ("Principal Investigator"). Umfangreiche prospektive und retrospektive Untersuchungen beschäftigen sich mit der Wertigkeit der PET-CT bei PSA-Anstieg nach radikaler Prostatektomie sowie der Therapie des histologisch gesicherten Lokalrezidivs nach radikaler Prostatektomie.

In einem Forschungsprojekt zur Einführung der sogennten "Rapid Arc-Technik" werden Patienten mit Bestrahlung der Prostataloge nach radikaler Prostatektomie im Vergleich zu anderen Bestrahlungstechniken wie z.B. der intensitätsmodulierten Strahlentherapie (IMRT) und der als Standard anzusehenden 3D geplanten Bestrahlung untersucht.

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