Therapie bei postoperativer männlicher Harninkontinenz
Nach operativer Entfernung der Prostata bei Prostatakrebs oder auch nach Prostataoperationen bei gutartiger Vergrößerung (BPS) kann postoperativ eine Belastungsinkontinenz auftreten. Zwar hat das bessere Verständnis der Anatomie im männlichen Becken zu einer Optimierung der Operationsmethode geführt, dennoch liegen die Inkontinenzraten auch in spezialisierten Kliniken bei ca. 2% und außerhalb von Zentren bei 10% und mehr. Das Risiko für eine postoperative Inkontinenz unterliegt dabei diversen Faktoren, an erster Stelle der operativen Erfahrung des Urologen, dann unter anderem der operativen Technik, der lokalen Tumorausdehnung, dem Vorhandensein präoperativer Blasenentleerungsstörungen und dem Patientenalter. Dabei weisen Männer unter 50 Jahren eine signifikant bessere Kontinenzrate auf, als Männer über 70 Jahren.
Im klinischen Alltag werden zunächst konservative Maßnahmen wie Beckenbodentraining und Biofeedbacktraining teilweise in Kombination mit Medikamenten eingesetzt. In den meisten Fällen bildet sich die Harninkontinenz unter solchen Maßnahmen komplett oder zum größten Teil zurück, kann aber auch auf Dauer bestehen bleiben. Im Fall des Letzteren, wobei die Harninkontinenz den Patienten im Alltag einschränkt und alle konservativen Maßnahmen der Kontinenzwiederherstellung ausgeschöpft sind, stehen mehrere operative Verfahren zur Wiederherstellung des Harnhaltevermögens zur Verfügung.
Diese Verfahren unterscheiden sich in therapeutischem Potential, Komplexität und Langzeiterfahrungen, können aber dennoch in vielen Fällen beim Versagen einer Methode auch alternativ eingesetzt werden. Wir sind heute in der glücklichen Lage, in vielen Fällen für einzelne Patienten sogar mehrere Therapieoptionen anbieten zu können. Trotzdem müssen selbstverständlich die am besten geeigneten Verfahren mit größter Sorgfalt ausgewählt werden. Dies setzt sowohl Verständnis über Ursache und Ausprägung der Harninkontinenz, wie auch einen offenen Blick für die Gesamtsituation des Patienten hinsichtlich seiner geistigen, manuellen und psychischen Eigenschaften voraus.
Unsere Spezialsprechstunde für männliche postoperative Harninkontinenz wird durch
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Herrn OA PD Dr. med. Florian Jentzmik | Herrn Dr. med. Andreas Al Gazal |
Sie findet wöchentlich Mittwochs zwischen 09:00 und 13:00 Uhr statt.
Terminvereinbarung über unsere Servicezentrale.
Die am häufigsten angewandten operativen Verfahren bei männlicher Inkontinenz sind:
- Harnröhrenschlinge (AdVanceTM)
- der künstliche Schließmuskel - AMS 800TM
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AdVanceTM
Das AdVance-Schlingensystem repositioniert die männliche Harnröhre so, dass der Schließmuskel seine Auswirkung wieder optimal ausüben kann. Dabei wird die Harnröhre im Dammbereich leicht angehoben und komprimiert. Somit können Patienten mit leicht- bis mittelgradiger Harninkontinenz wieder kontinent werden. Gemeinsam bei allen Schlingen ist die Tatsache, dass zum Wasserlassen keine Manipulation durch den Patienten notwendig ist. Somit eignen sich solche Schlingen für Männer, die das Wasserlassen ohne vorherige Selbstmanipulation wünschen bzw. eine solche Manipulation nicht vornehmen können. Über einen Schnitt im Dammbereich unterhalb des Hodensacks und kleine Schnitte in der Leiste erfolgt die Anlage der AdVance-Schlinge in Voll- oder Rückenmarksnarkose. Dabei wird die Schlinge unterhalb der Harnröhre platziert. Der Eingriff der in Voll- oder Rückenmarksnarkose durchgeführt wird dauert 45 - 60 Minuten. Der kurzfristig eingelegte Katheter kann nach 3 Tagen entfernt werden und der Patient je nach Befinden nach Hause entlassen werden.
Der künstliche Harnröhrensphinkter AMS 800TM
Seit Einführung des künstlichen Harnröhrensphinkters (Schließmuskelapparat) im Jahre 1972 wurde das System mehrmals aktualisiert. Der künstliche Harnröhrensphinkter in der aktuellen Version (AMS 800TM) ist ein langjährig erprobtes hydraulisches System u.a. mit einer seltener zwei Manschetten um die Harnröhre und ein Pumpsystem im Hodensack.
Im Alltag bleibt die Harnröhre durch die Manschette verschlossen und der Patient dadurch kontinent. Zum Wasserlassen wird der Harnröhrenverschluss durch die im Hodensack liegenden Pumpe kurzfristig behoben. Da es bei jedem Toilettengang bedient werden muss, setzt es eine entsprechende manuelle Geschicklichkeit des Patienten voraus. Dadurch können aktuellen Studien zufolge, langfristige Kontinenzraten bei über 90% der Patienten erzielt werden.
Der stationäre Aufenthalt für die Implantation des künstlichen Sphinkters dauert ca. 5 Tage. 1-2 Tage vor dem Eingriff werden möglichst keimfreie Hautverhältnisse geschaffen (Rasur und Hautreinigung äußerlich sowie Antibiotikaeinnahme). Das Sphinkter-System wird über zwei Schnitte am Damm und am Unterbauch implantiert. Alternativ kann dies auch über einen Schnitt zwischen den Hoden erfolgen. Der Eingriff, der in Allgemein- oder Rückenmarksnarkose erfolgt, dauert ca. 60 Minuten. Nach der Operation werden Antibiotika für weitere 2 Tage über die Vene verabreicht und der Patient stationär überwacht. Wenn der Verlauf unauffällig bleibt, kann er am 5. Tag mit dem noch inaktiven Sphinktersystem entlassen werden. Das System wird erst in der 4.-6. Woche aktiviert. Dann wird der Patient in die Betätigung des Systems eingeleitet.








