Minimalinvasive Chirurgie
Prinzip und Vorteile
In dem Versuch die Lebensqualität der Patienten zu verbessern erlangen laparoskopische und retroperitoneoskopische / extraperitoneoskopische (minimalinvasive) Operationstechniken eine zunehmende Popularität in allen chirurgischen Fächern. Prinzipiell wird bei diesen Operationen der Raum um die Organe durch eine kontrollierte ständige Gaszufuhr aufgebläht. In diesen erweiterten Raum werden dann über so genannte Trokare eine Kamera zur Betrachtung der Strukturen und verschiedene Instrumente für die jeweilige Operation eingebracht. Die Trokare liegen in verschiedensten Ausführungen und Durchmessern vor. Für die Laparoskopie bei Kindern existieren z.B. Trokare mit einem Durchmesser von nur 2mm, bei Erwachsenen werden auch Durchmesser bis 13 mm verwendet .

- Abb. 1: CT eines 5 cm großen Nierentumors links, postoperatives Bild der Patientin mit Trokareinstichstellen (rote Pfeile) und kleinem Bergeschnitt der Niere (grüner Pfeil)
Vorteile der minimalinvasiven Eingriffe liegen in reduzierten Schmerzen nach der Operation, einer verkürzten Krankenhausverweildauer und einem besseren kosmetischen Ergebnis durch kleinere Inzisionen (Abb. 1). Durch den Lupeneffekt der Kamera besteht eine deutlich verbesserte Visualisierung des Operationsfeldes mit der Möglichkeit einer atraumatischeren und subtileren Präparationstechnik. Diese verbesserte Darstellung der Strukturen sowie die Druckerhöhung durch die Gaszufuhr im Arbeitsraum um die Organe mit entsprechender Kompression der Blutgefäße bedingen einen verringerten Blutverlust. Müssen Teile oder sogar ganze Organe entfernt werden, so werden diese mit speziellen Bergebeuteln durch die Bauchdecke geborgen (Abb. 2).
Minimalinvasive Operationstechniken werden seit Jahren an der Urologischen Universitätsklinik Ulm angewandt. Sämtliche gängigen und etablierten Eingriffe bei Kindern und Erwachsenen werden durchgeführt.
Minimalinvasive Eingriffe bei bösartigen Erkrankungen
- Entfernung der gesamten Niere beim Nierenkarzinom (radikale Nephrektomie)
- Resektion eines Nierentumors unter Belassung des restlichen gesunden Nierengewebes (partielle Nephrektomie)
- Entfernung von Lymphknoten im Beckenbereich beim Prostata- und Peniskarzinom (pelvine Lamphadenektomie)
- Resektion von Niere und Harnleiter beim Urothelkarzinom des oberen Harntraktes (Nephroureterektomie)
- Retroperitoneale und pelvine Metastasenchirurgie
- Entfernung der Nebenniere beim bösartigen Nebennierentumor (Adrenalektomie)
Minimalinvasive Eingriffe bei gutartigen Erkrankungen
- Korrektur einer Nierenbeckenabgangsstenose (Pyeloplastik)
- Fensterung von Nierenzysten
- Fixation der Niere bei Hypermobilität (Nephropexie)
- Entfernung der Nebenniere bei gutartigen oder hormonproduzierenden Nebennierentumoren (Adrenalektomie)
- Teilresektion der Nebenniere (partielle Adrenalektomie)
- Versorgung von Krampfadern im Hodensackbereich (Varikozelektomie)
- Korrektur einer Blasensenkung (Sacrocolpopexie)
Minimalinvasive Eingriffe bei Kindern
- Hodensuche mit anschließender Korrektur der Fehllage (Funiculolyse und Orchidopexie)
- Korrektur einer Nierenbeckenabgangsstenose (Pyeloplastik)
- Versorgung von Krampfadern im Hodensackbereich (Varikozelektomie)
- Entfernung von funktionslosen Nieren (Nephrektomie)
- Abb. 2: Bergung einer Niere über einen Bergeschnitt mit Hilfe eines Bergebeutels





