Presseinformationen 2011
Presseinformation 14 / 2011
Veränderungen auf Chromosom 13 könnten Auslöser für Leukämie sein
Von: Anne Huschka (Wilhelm Sander-Stiftung)
Die Chronisch Lymphatische Leukämie (CLL) ist die häufigste Blutkrebsart der westlichen Welt. Trotz intensiver Bemühungen sind die genauen molekularen Zusammenhänge nach wie vor unklar. Krebszellen von Patienten mit dieser Erkrankung zeichnen sich in mehr als der Hälfte aller Fälle durch den Funktionsverlust einer bestimmten Region auf Chromosom 13 des Erbgutes aus. Krebsforscher um Dr. Daniel Mertens vom Universitätsklinikum Ulm wollen die Ursache dafür aufdecken. Damit schaffen sie Perspektiven für die Entwicklung neuer Diagnose- und Behandlungsmethoden.
Schutzmechanismus scheint außer Kraft gesetzt zu sein
Auf Chromosom 13 vermuten Wissenschaftler einen Schlüsselmechanismus, der in gesunden Zellen die Entstehung von Leukämie verhindert. In Zellen bestimmter Krebsarten dagegen scheint dieser Schutzmechanismus außer Kraft gesetzt zu sein. Bisher suchen Forscher allerdings vergeblich nach einer konkreten Veränderung des genetischen Codes. Deshalb vermutet Dr. Mertens: „In Leukämiezellen müssen die entsprechenden Genabschnitte durch einen anderen Mechanismus in ihrer Funktion gehemmt sein“. Er hat eine sogenannte epigenetische Veränderung auf der Erbsubstanz in Verdacht. Eine solche Modifikation hat keinen Einfluss auf die Reihenfolge der Grundbausteine des Erbguts. Sie kann jedoch ausreichen, um die Aktivität der Gene zu beeinflussen. Genau wie der genetische Code des Erbguts können auch epigenetische Veränderungen prinzipiell an die Tochterzellen weitergegeben werden und somit am Tumorwachstum beteiligt sein.
Das Forscherteam um Dr. Mertens will mithilfe moderner Technologien die epigenetischen Modifikationen auf Chromosom 13 in einer noch nicht dagewesenen Auflösung messen. Ziel der Ulmer Krebsforscher ist es, den Mechanismus zu klären, der für den Verlust des Schutzmechanismus in Leukämiezellen verantwortlich ist. Wenn dies gelänge, wäre der Weg geebnet für neue diagnostische und therapeutische Strategien in der Behandlung der Chronisch Lymphatischen Leukämie.
Forschungsprojekt wird von Wilhelm Sander-Stiftung gefördert
Die Wilhelm Sander-Stiftung fördert dieses Forschungsprojekt mit rund 150.000 Euro. Stiftungszweck ist die Förderung der medizinischen Forschung, insbesondere von Projekten im Rahmen der Krebsbekämpfung. Seit Gründung der Stiftung wurden insgesamt über 190 Mio. Euro für die Forschungsförderung in Deutschland und der Schweiz bewilligt. Die Stiftung geht aus dem Nachlass des gleichnamigen Unternehmers hervor, der 1973 verstorben ist.
Weitere Informationen: www.wilhelm-sander-stiftung.de
Presseinformation 13 / 2011
Zelltod-Hemmung kann Alterung verzögern
Von: Universität Ulm
Zellen verfügen über eine Art „Selbstmordprogramm“. So viel ist aus der Krebsforschung bekannt. Dieses als Apoptose bezeichnete Programm tötet geschädigte Zellen ab und schützt so vor Krebsentstehung. Forscher der Max-Planck-Forschungsgruppe für Stammzellalterung an der Universität Ulm haben jetzt erstmals gezeigt, dass Apoptose zur Alterung von Geweben führen kann. Und in alternden Geweben kommt es zu einer Anhäufung von Zellen mit geschädigtem Erbgut. „In diesem Stadium wird Apoptose zum Problem, da zu viele Organzellen absterben und die Organe an Funktion verlieren“ erklärt Prof. Lenhard Rudolph, Leiter der Forschungsgruppe. Die Ergebnisse sind jetzt vorab auf der Website der renommierten Fachzeitschrift „Nature Cell Biology“ erschienen.
Die aktuellen Versuchsergebnisse zeigen, dass eine Hemmung von Apoptose den Organerhalt in alternden Mäusen mit geschädigtem Erbgut verlängern kann. Ein wichtiges Ergebnis der Studie: Das Krebsrisiko ist nach der Apoptose-Hemmung nicht erhöht, da andere Kontrollpunkte intakt bleiben und instabile Zellen blockieren. Die Forscher hoffen, dass ihre Ergebnisse einen neuen Weg in der Prävention des alternsassoziierten Verlusts von Organfunktionen darstellen könnten. „Medikamentöse Apoptose-Inhibitoren sind bereits verfügbar, wurden aber noch nicht in dem Zusammenhang von Alterung in der Klinik getestet“, weiß Prof. Klaus-Michael Debatin. Debatin leitet die von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderte Klinische Forschergruppe KFO167 „Apoptoseregulation und ihre Störungen bei Krankheiten“ an der Universität Ulm.
Neben Forschern des Instituts für Molekulare Medizin um Lenhard Rudolph und Dr. Tobias Sperka (Max-Planck-Forschungsgruppe für Stammzellalterung) waren aus Ulm Professorin Birgit Liss sowie ihre Mitarbeiter vom Institut für Angewandte Physiologie beteiligt. Die Wissenschaftler wurden von der DFG und durch das Projekt GENINCA der Europäischen Union gefördert.
Tobias Sperka, Zhangfa Song, Yohei Morita, Kodandaramireddy Nalapareddy, Luis Miguel Guachalla, André Lechel, Yvonne Begus-Nahrmann, Martin D. Burkhalter, Monika Mach, Falk Schlaudraff, Birgit Liss, Zhenyu Ju, Michael R. Speicher and K. Lenhard Rudolph: “Puma and p21 represent cooperating checkpoints limiting self-renewal and chromosomal instability of somatic stem cells in response to telomere dysfunction”.
Nature Cell Biology. DOI: 10.1038/ncb2388
Presseinformation 12 / 2011
Prof. Karl Lenhard Rudolph erhält Wilhelm-Vaillant-Preis
Von: Willi Baur
Prof. Karl Lenhard Rudolph, Direktor des Instituts für Molekulare Medizin der Universität Ulm und Leiter der Max-Planck-Forschungsgruppe für Stammzellalterung, wurde mit dem Wilhelm-Vaillant-Preis ausgezeichnet. Verliehen wurde dem renommierten Wissenschaftler der mit 30 000 Euro dotierte und seit 1992 im zweijährigen Turnus ausgelobte Preis im Rahmen eines Festakts zum 30-jährigen Bestehen der gleichnamigen Stiftung am Klinikum der Universität München, der Begründung zufolge „für seine bahnbrechenden Leistungen in der Erforschung der molekularen Ursachen des Alterns“.
Der Preis sei durchaus „einer der etwas größeren“, die er bislang erhalten habe, freute sich Rudolph über die Einladung nach München. „Und natürlich wird uns die Auszeichnung weiter anspornen, die Alterung von Stammzellen zu erforschen, um zukünftige Therapien gegen Organ- und Funktionsverluste oder Tumorentstehung im Alter zu entwickeln“, sagte der 42-Jährige, vor fast genau drei Jahren mit dem Gottfried-Wilhelm-Leibniz-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) ausgezeichnet, dem bedeutendsten deutschen und international höchstdotierten Forschungspreis.
Nicht nur deswegen gilt Prof. Rudolph als einer der absoluten Leistungsträger der Ulmer Universität, die ihn im Herbst 2007 berufen hatte. Dass sich seine viel versprechende Forscherkarriere schon in den Jahren zuvor abzeichnete, unterstreichen insbesondere Förderungen durch verschiedene Eliteprogramme der DFG, unter anderem eine Heisenberg-Professur. 2006 etwa bescheinigte ihm die Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften bei der Verleihung ihres Forschungspreises „eine in Deutschland wohl unvergleichbar hohe Kompetenz und international anerkannte Reputation auf seinem Forschungsgebiet der Alterungs-, Regenerations- und Tumorforschung.
Presseinformation 11 / 2011
Master Online Advanced Oncology ausgezeichnet
Von: Annika Bingmann
Eine ausgereifte Lernplattform, Online-Videovorlesungen sowie Summer Schools an der Uni Ulm - der weltweit einzigartige Fernstudiengang Master Online Advanced Oncology kombiniert verschiedenste Lernressourcen. Jetzt ist das viersemestrige Programm bei den „International E-Learning Awards“ im slowakischen Piešt ausgezeichnet worden. Im Bereich „Blended Learning – Academic Division“ hat sich der Ulmer Studiengang gegen weitere wissenschaftlich fundierte Programme durchgesetzt, die ebenfalls auf modernen E-Learning-Modulen basieren. Der Preis wurde von der „International E-Learning Association“ verliehen. Diese Gesellschaft will computerbasierte Lernmethoden bekannter machen und verbessern.
Der postgraduale Studiengang Master Online Advanced Oncology wird seit 2010 an der Uni Ulm angeboten. Es ermöglicht Onkologen und in der onkologischen Forschung tätigen Wissenschaftlern eine zeitlich sowie örtlich flexible Weiterbildung. Dabei basiert das Curriculum auf den Richtlinien der European Society of Medical Oncology (ESMO) und der American Society of Clinical Oncology (ASCO).
Die Studenten profitieren unter anderem von der hämatologischen und onkologischen Kompetenz des Comprehensive Cancer Center Ulm (CCCU), der Medizinischen Fakultät und internationaler Partner. Aufgrund des großen Bewerberandrangs werden die Studienplätze einmal jährlich in einem aufwändigen Verfahren – Videointerviews inklusive – vergeben.
Presseinformation 10 / 2011
Akute Myeloische Leukämie: Gensignatur gibt Hinweise auf Krankheitsverlauf
Von: Annika Bingmann
Krankheitsverläufe akuter myeloischer Leukämien (AML) lassen sich offenbar anhand der Gensignatur leukämischer Stammzellen prognostizieren. Das haben jetzt Forscher um Prof. Christian Buske, Direktor des Instituts für Experimentelle Tumorforschung am Ulmer Universitätsklinikum, herausgefunden. Untersuchungen, bei denen Mäusen menschliche Leukämiezellen eingesetzt wurden, hatten gezeigt, dass akute myeloische Leukämien nach zellulären Hierarchien organisiert sind. Dabei ist nur ein kleiner Teil der Leukämiezellen für das Fortschreiten der Krebserkrankung verantwortlich
- so genannte leukämische Stammzellen (Krebsstammzellmodell). In ihrem Beitrag „Stem Cell Gene Expression Programs Influence Clinical Outcome in Human Leukemia”, der jetzt in der renommierten Fachzeitschrift „Nature Medicine“ erschienen ist, weist ein internationales Forschungsteam unter Beteiligung von Buske und Wissenschaftlern der Ludwig-Maximilians-Universität München sowie nordamerikanischer und japanischer Forschungseinrichtungen erstmals nach, dass die Gensignatur menschlicher Leukämiestammzellen die Prognose von Patienten mit AML erheblich beeinflussen kann.
Die Identifikation der Gensignatur und zugrunde liegender molekularer Mechanismen könnte ein Meilenstein auf dem Weg zur individuellen Krebstherapie sein. Möglicherweise gibt der Nachweis leukämischer Stammzellen Hinweise darauf, ob bei einem Patienten die Standardtherapie ausreicht, oder ob eine intensivere Behandlung, etwa in Form einer Stammzelltransplantation, nötig wird. Die Bekämpfung der leukämischen Stammzellen selbst könnte zudem ein neuer Ansatz in der Krebstherapie sein. „In einem nächsten Schritt werden wir in laufenden Studien die Bedeutung der Gensignatur leukämischer Stammzellen bei Ulmer AML-Patienten überprüfen“, erläutert Christian Buske. In experimentellen Tumormodellen wollen die Wissenschaftler zudem untersuchen, welche Rolle in der Signatur identifizierte Leukämiegene für Krankheitsentstehung und –verlauf spielen.
Die Forschergruppe wurde vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) sowie von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) unterstützt. Weitere Mittel wurden von kanadischen und japanischen Förderern beigesteuert.
Kolja Eppert, KatsutoTakenaka, Eric R. Lechman, Levi Waldron, Björn Nilsson, Peter van Galen, Klaus H. Metzeler, Armando Poeppl, Vicki Ling, Joseph Beyene, Angelo J. Canty, Jayne S. Danska, Stefan K. Bohlander, Christian Buske, Mark D. Minden, Todd R. Golub, Igor Jurisica, Benjamin L. Ebert & John E. Dick:"Stem cell gene expression programs influence clinical outcome in human leukemia". Nature Medicine. Vol. 17. Issue 9. DOI 10.1038/nm.2415.
Presseinformation 9 / 2011
Neuer Ultraschall-Brustscanner ermöglicht gezieltere Behandlung von Brustkrebs
Von: Anne Huschka
Jede dritte Krebsdiagnose bei Frauen ist Brustkrebs. Jedes Jahr erkranken allein in Deutschland knapp 60.000 Frauen daran. Gründliche Untersuchungen zahlen sich aus, denn wenn ein Tumor früh erkannt wird, liegen die Heilungschancen bei 80 Prozent. Das Team des Brustzentrums des Universitätsklinikums Ulm stellte jetzt den ersten Ultraschall-Brustscanner für den Großraum Ulm/Alb-Donau vor. Das Gerät liefert dreidimensionale Aufnahmen, die präzisere Diagnosen ermöglichen und unnötige Eingriffe verhindern helfen. Es arbeitet gänzlich ohne Röntgenstrahlen.
Vorteile besonders für Frauen mit dichterem Brustgewebe
Zur umfassenden Brustkrebs-Prävention gehört vor allem das Abtasten der Brust, das nicht nur der Arzt, sondern jede Frau selbst vornehmen kann. Die Krankenkassen bieten Frauen zwischen 50 und 69 Jahren das Mammographie-Screening-Programm an, eine Röntgenuntersuchung der Brust, zu der sie alle zwei Jahre eingeladen werden.
Bei besonders dichtem Brustgewebe oder unklaren Mammographiebefunden kann der Arzt ein weiteres bildgebendes Verfahren nutzen: Den Ultraschall. „Frauen mit dichtem Brustgewebe haben ein fünfmal höheres Risiko, an Brustkrebs zu erkranken“, erläutert Professor Rolf Kreienberg, Ärztlicher Direktor der Ulmer Universitätsklinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe. „Gerade diese Frauen profitieren von Ultraschalluntersuchungen, denn damit steigt die Erkennungsrate für nicht-tastbaren invasiven Brustkrebs um 42 Prozent.“ Für eine noch exaktere Ultraschall-Diagnostik steht am Universitätsklinikum Ulm ab sofort ein Automatischer Brustvolumen-Scanner (ABVS) bereit.
Das Gerät produziert als weltweit erster multifunktionaler Ultraschall-Brust-Scanner automatisch Volumendarstellungen der Brust und stellt Ebenen dar, die mit herkömmlicher Ultraschallbildgebung bisher nicht erfasst werden konnten. „Die präzisere Bildgebung unterstützt unsere Ärztinnen und Ärzte beim Auffinden und Bewerten von Tumoren“, so der Leitende Oberarzt Prof. Georg Sauer. „Und eine exaktere Diagnose ist die Grundlage für eine passgenaue Therapie.“
Höhere Auflösung als herkömmliche Ultraschallgeräte
Oberarzt Dr. Dominic Varga betont die Vorteile des ABVS in der ärztlichen Praxis: „Dieser Scanner stellt erstmalig die gesamte Brust dreidimensional dar, vergleichbar mit den Schichtbildern bei Kernspinaufnahmen.“ Der ABVS hat darüber hinaus eine höhere Auflösung als herkömmliche Ultraschallgeräte. Durch das standardisierte Aufnahmeverfahren entsteht eine gleichmäßig hohe Bildqualität. Zehn Minuten dauert es, bis der ABVS die dreidimensionalen Aufnahmen gemacht hat. Zehn Minuten, die Frauen im Großraum Ulm/Alb-Donau noch ein Stück mehr Sicherheit geben in der Früherkennung und im Kampf gegen den Brustkrebs.
Presseinformation 8 / 2011
Wie Krebszellen dem Tod entgehen
Von: DKFZ
Koordiniert vom Deutschen Krebsforschungszentrum und von der Universität Ulm untersuchen Wissenschaftler in einem neuen „Virtuellen Institut“ der Helmholtz-Gemeinschaft, wie Leukämiezellen gegen den programmierten Zelltod und gegen Chemotherapie resistent werden. Ziel ist es, herauszufinden, wie sich diese Resistenz durchbrechen lässt, um Krebs besser behandeln zu können.
Der programmierte Zelltod schützt den Körper davor, dass Zellen mit geschädigtem Erbgut zur Gefahr für den gesamten Organismus werden. Bei Krebszellen versagt dieser als Apoptose bezeichnete Schutz jedoch häufig, sie werden resistent gegenüber Signalen, die ihnen den Befehl zur Selbsttötung geben. Das ist besonders fatal, da die Wirkungsweise vieler Chemotherapien darauf beruht, Apoptose auszulösen.
Daher untersuchen Krebsforscher, wie sich die Apoptoseresistenz im Zuge der Krebsentstehung entwickelt und wie sie sich durchbrechen lässt. „Für die erfolgreiche Behandlung von Krebs ist das Verständnis der Resistenz gegen Apoptose und gegen Chemotherapie zentral“, sagt Professor Dr. Peter Lichter aus dem Deutschen Krebsforschungszentrum, einer der beiden Sprecher des Virtuellen Instituts.
Chronisch Lymphatische Leukämie als Modellsystem
Die beteiligten Wissenschaftler haben die Chronisch Lymphatische Leukämie (CLL), den häufigsten Blutkrebs bei Erwachsenen, als Modellsystem ausgewählt. „Unsere Kooperationspartner haben sehr viel Erfahrung mit dieser Erkrankung. Außerdem gehen wir davon aus; dass sich die an der CLL gewonnenen Ergebnisse auch auf andere Krebsarten übertragen lassen“, erklärt Privatdozent Dr. Daniel Mertens von der Universität Ulm, der zweite Sprecher des Forschungsverbunds.
In dem neuen Virtuellen Institut erforschen Wissenschaftler zum einen die Signale, die Krebszellen mit den Geweben ihrer Umgebung austauschen. Zum anderen durchsuchen die Forscher das gesamte Erbgut der Leukämiezellen nach Sequenzveränderungen der Gene und nach chemischen Modifikationen einzelner Genbausteine, die die Genaktivität verändern. Mit diesen Forschungsansätzen wollen sie neue Zielmoleküle identifizieren, die für die Apoptoseresistenz charakteristisch und die als Angriffspunkte für verbesserte Medikamente geeignet sind. Gleichzeitig werden die Forscher große Substanzbibliotheken nach Wirkstoffen durchsuchen, die die neu entdeckten Zielmoleküle spezifisch blockieren können.
Neben dem Deutschen Krebsforschungszentrum sind Wissenschaftler aus dem Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) Heidelberg, den Universitäten Duisburg, Essen, Ulm und Würzburg sowie aus England und Dänemark am neuen Virtuellen Institut beteiligt.Mit dem Förderinstrument der „Virtuellen Institute“ unterstützt die Helmholtz-Gemeinschaft die Vernetzung insbesondere mit Hochschulen, aber auch mit anderen Partnern im Wissenschaftssystem. Das Ziel ist, einen unbürokratischen Rahmen zu schaffen, in dem die Wissenschaftler gemeinsam Forschungsvorhaben mit großem Potential vorantreiben können. Das Virtuelle Institut, das zum 1. August 2011 an den Start geht, wird über fünf Jahre mit insgesamt 3.65 Millionen Euro gefördert.
Mehr zum Thema: www.leukemia-resistance.de
Weitere Informationen:
Das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) ist mit mehr als 2.500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die größte biomedizinische Forschungseinrichtung in Deutschland. Über 1000 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erforschen im DKFZ, wie Krebs entsteht, erfassen Krebsrisikofaktoren und suchen nach neuen Strategien, die verhindern, dass Menschen an Krebs erkranken. Sie entwickeln neue Ansätze, mit denen Tumoren präziser diagnostiziert und Krebspatienten erfolgreicher behandelt werden können. Daneben klären die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Krebsinformationsdienstes (KID) Betroffene, Angehörige und interessierte Bürger über die Volkskrankheit Krebs auf. Das Zentrum wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und zu 10 Prozent vom Land Baden-Württemberg finanziert und ist Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft deutscher Forschungszentren.
Diese Pressemitteilung ist abrufbar unter www.dkfz.de/pressemitteilungen
Kontakt:
Dr. Stefanie Seltmann
Leiterin Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Deutsches Krebsforschungszentrum
Im Neuenheimer Feld 280
D-69120 Heidelberg
T: +49 6221 42 2854
F: +49 6221 42 2968
presse@dkfz.de
Presseinformation 7 / 2011
Die Entwicklungen des Berufes mittragen
Von: Jörg Portius
Geschafft! Glücklich und zufrieden nahmen insgesamt 18 Absolventinnen und Absolventen ihre Abschlusszeugnisse zur berufsbegleitenden Weiterbildungsmaßnahme „Pflege in der Onkologie“ aus den Händen von Anna Maria Eisenschink entgegen. „Sie haben sich in den vergangenen zwei Jahren als ausgesprochen engagierter Lehrgang erwiesen.
Bleiben Sie jetzt nicht stehen, sondern tragen Sie auch in Zukunft die Entwicklungen ihres Berufes mit“, bat die Pflegedirektorin des Universitätsklinikums Ulm in ihrer Rede. Der kleine Festakt mit vielen Gästen fand in der altehrwürdigen Villa Eberhardt in Ulm statt – ein würdiger Rahmen und eine Anerkennung für zwei Jahre harte Arbeit.
Traditionell hohe Qualität
„Nicht nur die hohe Teilnehmerzahl freut uns sehr“, sagte Rosemarie Rau, Lehrerin für Gesundheitsberufe am Universitätsklinikum Ulm und Leiterin der Weiterbildung, „ sondern auch, dass rund die Hälfte der Lehrgangsteilnehmer aus anderen Häusern bzw. aus niedergelassenen Praxen den Weg zu uns gefunden hat. Das ist ein Novum und eine Bereicherung für uns und spricht für die traditionell hohe Qualität unserer Weiterbildungsmaßnahme. Die hohe Teilnehmerzahl spiegelt aber auch die Tendenz in der Deutschen Krebsgesellschaft wider, mit weitergebildeten Pflegekräften in onkologischen Zentren die pflegerischen Betreuung stärker in die Zertifizierungskriterien einzubeziehen – hier hat in den vergangenen Jahren eine wichtige Aufwertung stattgefunden.“
Und Dozentin Dr. Regine Mayer-Steinacker bescheinigte den frischgebackenen Absolventen: „Mit Ihnen war es nie langweilig, Sie haben mit den Dozenten lebhafte, fachlich fundierte Diskussionen geführt und Ihre Facharbeiten enthalten sehr viele gute Anregungen.“ Von diesen Anregungen und Konzepten werden zukünftig die Entsender, also Kliniken und Praxen, profitieren, denn die schriftlichen Ausarbeitungen weisen ohne Ausnahme einen hohen Praxisbezug auf.
Die erfolgreichen Lehrgangsteilnehmerinnen und -teilnehmer sind:
Martina Böck, Augsburg
Ayse Capar, Kempten
Susanne Dittmar, Universitätsklinikum Ulm
Martina Eberle, Oberstaufen
Iris Englert, Universitätsklinikum Ulm
Brigitte Günther, Universitätsklinikum Ulm
Carolin Hierlinger, Praxis Dr. Basovski Biberach
Florian Kast, Universitätsklinikum Ulm
Andreas Lorenz, Heidenheim
Anja Meßmang, Oberstaufen
Martina Müller, Universitätsklinikum Ulm
Hartwig Osiander, Universitätsklinikum Ulm
Andreas Perfahl, Heidenheim
Emina Petrovic, Mutlangen
Jenny Schaupp, Universitätsklinikum Ulm
Martina Schiegg, Augsburg
Nicole Schulz, Augsburg
Simone Siegl, Universitätsklinikum Ulm
Der nächste Lehrgang 2011/2013 startet am 1.12.2011.
Presseinformation 6 / 2011
Preis an Ulmer Krebsforscher
Von: Jörg Portius
Kürzlich wurde der renommierte Kind-Philipp-Preis in seiner 32. Auflage verliehen. Ausgezeichnet wurde in diesem Jahr eine Forschergruppe der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin am Universitätsklinikum Ulm für die Entwicklung einer Strategie zur Identifizierung von Hochrisikogruppen der akuten lymphatischen Leukämie des Kindesalters. Die hochrangig publizierten Forschungsergebnisse zeigen neue Behandlungsmöglichkeiten dieser schwer therapierbaren Erkrankung auf.
Schlechte Prognose bei Therapieversagen
Die akute lymphatische Leukämie (ALL) ist die häufigste Krebserkrankung bei Kindern und Jugendlichen. 80 Prozent der Erkrankten können dauerhaft geheilt werden, jedoch bei jedem fünften Patienten kommt es zum Therapieversagen und zu einem Rückfall. Häufig sind diese so genannten Rezidive mit einer schlechten Prognose verbunden.
Die frühzeitige Identifizierung der Risikogruppe ist mit den heute verfügbaren Methoden nicht zuverlässig möglich. Umso dringlicher erscheint die Etablierung von Verfahren, die hier ansetzen.
Den Ulmer Onkologen Dr. Lüder Hinrich Meyer und Dr. Sarah Mirjam Eckhoff aus der Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Klaus-Michael Debatin, Ärztlicher Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin, ist es gelungen, die Genmuster zu identifizieren, die für die Ausprägung dieses aggressiven Leukämietyps charakteristisch sind. Auf dieser Grundlage haben sie einen Klassifikator entwickelt, der die Hochrisikogruppe unter den Leukämiepatienten eindeutig definiert. Zudem fanden die beiden Krebsforscher anhand der beobachteten Genexpressionsmuster Hinweise auf die Veränderung von physiologischen Abläufen, die für das Wachstum und die Differenzierung in Leukämiezellen verantwortlich sind. Dies ermöglicht einen Zugang zu neuen Therapieansätzen.
Der mit 10.000 Euro dotierte Preis wird von der Kind-Philipp-Stiftung im Stifterverband verliehen. Die Stiftung fördert die Erforschung von Leukämie- und Krebserkrankungen im Kindesalter. Jedes Jahr schreibt die Stiftung den „Kind-Philipp-Preis für pädiatrisch-onkologische Forschung“ für die beste wissenschaftliche Arbeit deutschsprachiger Autoren auf diesem Gebiet aus. Die Preisverleihung fand im Rahmen des Kind-Philipp-Symposiums der 77. wissenschaftlichen Tagung der Gesellschaft für Pädiatrische Hämatologie und Onkologie (GPOH) im Audimax der Charité Berlin statt.
(Diese Mitteilung wurde in Kooperation mit dem Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft herausgegeben.)
Presseinformation 5 / 2011
Freiräume für die Forschung
Von: EKFS, Prof. Dr. Stephan Stilgenbauer (Kristina Rudy)
Mit rund einer Million Euro für die kommenden drei Jahre fördert die Else Kröner-Fresenius-Stiftung das Forschungskolleg „Stammzellen, Zellalterung und maligne Transformation“ am Universitätsklinikum Ulm. Das Ulmer Forschungskolleg wurde gemeinsam mit den Universitätsklinika Bonn und Würzburg nach einer bundesweiten Ausschreibung unter 55 Mitbewerbern zur Förderung ausgewählt. Bei den Forschungskollegs handelt es sich um fachübergreifende Forschungs- und Ausbildungsprogramme, die grundlegend für den medizinischen Fortschritt sind. Sie schaffen für hoch qualifizierte junge Ärztinnen und Ärzte Freiräume für hervorragende Forschung, bieten ein optimales Betreuungsumfeld und fördern gezielt den Aufbau eines eigenen Forschungsprofils bzw. einer eigenen Arbeitsgruppe. Die Else Kröner-Forschungskollegs stellen so ein neues Strukturelement in der deutschen Hochschulmedizin dar.
Klinische Fragestellungen in eigene Forschungskonzepte umsetzen
Das an der Medizinischen Fakultät in Ulm geförderte Forschungskolleg beschäftigt sich mit Stammzellen, der Alterungsforschung und der Entartung gesunder Zellen in Tumorzellen (maligne Transformation). Dieser Prozess ist mit Zellalterung verbunden, und es wird vermutet, dass gewebespezifische Stammzellen oder auch „cancer-initiating stem cells“ daran beteiligt sind.
„Die Aneignung und Entwicklung mechanistischer Ansätze und Methoden im Bereich maligner Transformation, Stammzellen und Alterungsforschung soll junge Mediziner in die Lage versetzen, klinische Fragestellungen in eigene Forschungskonzepte umzusetzen“, sagt Prof. Dr. rer. nat. Hartmut Geiger, Leiter der Abteilung Experimentelle Dermatologie-Alterungsforschung und stellv. Sprecher des Kollegs. „Diese Ansätze können nach erfolgreicher Bearbeitung nicht nur zu verbesserten diagnostischen Verfahren sondern auch zu neuartigen vielversprechenden Therapien führen“, so Prof. Dr. med. Stephan Stilgenbauer, Leitender Oberarzt an der Klinik für Innere Medizin III und Sprecher des Kollegs. An dem Forschungskolleg sind neun Institute und Kliniken des Universitätsklinikums Ulm beteiligt mit den Fachgebieten: Dermatologie und Allergologie, Innere Medizin III (Hämatologie, Onkologie, Rheumatologie und Infektiologie), Kinder- und Jugendmedizin, experimentelle Tumorforschung, Immunologie, Molekulare Medizin, Pathologie, Physiologische Chemie, sowie Transfusionsmedizin.
"Clinical Scientist" als Leitbild
Wichtig für die Karriereplanung der Kollegiaten ist dabei die Integration des Programms in die klinische Weiterbildung. „Unser Leitbild ist der Clinician Scientist, der die Brücke zwischen grundlagenorientierter Forschung und klinischer Anwendung schlägt und so wichtige Voraussetzungen für die Medizin der Zukunft schafft“, sagt Dr. Susanne Schultz-Hector, Vorstandsmitglied der Else Kröner-Fresenius-Stiftung. „Mit den Forschungskollegs möchten wir die Begeisterung besonders talentierter junger Mediziner für die Wissenschaft fördern. Für den medizinischen Fortschritt ist es unerlässlich, dass sich hochrangige Wissenschaft entfalten kann und nicht durch die Anforderungen der Krankenversorgung, der Weiterbildung und des Studentenunterrichts in den Hintergrund gerät.“
Weitere Informationen:
Die Else Kröner-Fresenius-Stiftung wurde im Jahr 1983 von Else Kröner, geb. Fernau, gegründet. Else Kröner, die 1988 starb, hat der Stiftung testamentarisch ihr gesamtes Vermögen vermacht. Die gemeinnützige EKFS widmet sich der Förderung klinisch orientierter biomedizinischer Forschung und unterstützt medizinisch-humanitäre Hilfsprojekte. Die Stiftung fördert satzungsgemäß nur solche Forschungsaufgaben, deren Ergebnisse der Allgemeinheit zugänglich sind. Bis heute hat die Stiftung rund 900 Projekte mit einem Gesamtvolumen von ca. 100 Millionen Euro gefördert.
Kontakt:
Dr. Susanne Schultz-Hector
Else Kröner-Fresenius-Stiftung
Postfach 1852
61352 Bad Homburg
Tel.: (06172) 897510
E-Mail: kontakt@ekfs.de
Presseinformation 4 / 2011
Fortschritt in der Krebsnachsorge
Von: Kristina Rudy
Eine interdisziplinär besetzte Forschergruppe unter der Leitung der Ulmer Universitätsklinik für Kinder- und Jugendmedizin hat sich zum Ziel gesetzt, die Qualität der Nachsorge für Krebspatienten durch die Entwicklung einer neuen S2-Leitlinie signifikant zu verbessern. Unter Leitlinien sind systematisch entwickelte, aber nicht bindende Standards in der medizinischen Behandlung zu verstehen, die Ärzten und Patienten bei ihrer Entscheidungsfindung hin zu einer optimalen Behandlungsstrategie sehr wichtige Hilfen geben.
„Hat ein Patient mit Hilfe einer Krebstherapie seine Krankheit besiegt, beginnt die Nachsorge. Bei dieser geht es nun nicht mehr nur um die alleinige Beobachtung, ob der Krebs zurückkehrt. Vielmehr ist bei der steigenden Anzahl von Langzeitüberlebenden zunehmend wichtig, auch die Spätfolgen der Krebstherapie selbst im Auge zu behalten. Diese betreffen häufig das Hormonsystem der Patienten. Deshalb sind Leitlinien für die frühzeitige Erkennung und Behandlung von Hormonstörungen ein ganz wichtiger Baustein für eine erfolgreiche Nachsorge“, erläutert Dr. Christian Denzer, Endokrinologe an der Ulmer Kinderklinik und Leiter des Projektes, das von der Deutschen Kinderkrebsstiftung (DKKS) mit 140.000 Euro über einen Zeitraum von zwei Jahren gefördert wird.
Gerade die Behandlung von Krebserkrankungen bei Kindern und Jugendlichen konnte dank fortschrittlicher Methoden in den vergangenen dreißig Jahren beeindruckende Erfolge aufweisen. Inzwischen überleben fast achtzig Prozent der jungen Patienten den Krebs dauerhaft und bilden damit eine gänzlich neue Patientengruppe, die immer weiter wächst. „Das ist einer der größten medizinischen Erfolge der jüngsten Zeit“, zeigt sich Dr. Christian Denzer überzeugt.
Auswirkungen auf das Hormonsystem
Die erfreulichen Ergebnisse stellen zugleich aber auch eine große Herausforderung für die Endokrinologie (Lehre von den Hormonen) dar, die in der Nachsorge von Krebspatienten eine Schlüsselposition einnimmt: Zwar sind die Methoden zur Krebsbekämpfung wirksam wie nie, sie haben aber auch ganz spezifische Nebenwirkungen, die sich insbesondere auf das empfindliche Hormonsystem der Patienten auswirken können. Was bedeutet das? Ein Mensch, der in seiner Jugend an Krebs erkrankte und geheilt wurde, muss auch noch Jahrzehnte später mit Folgeerkrankungen rechnen, die ihren Ursprung in der einst so erfolgreichen Krebstherapie haben.
„Angesichts der steigenden Anzahl von Patienten in der Krebsnachsorge ist hier ein Umdenken unerlässlich. Wir haben uns die Frage gestellt, wie eine optimale Nachsorge angesichts dieser neuen Entwicklungen zukünftig aussehen sollte“, erläutert Dr. Denzer, der es sich deshalb im Rahmen des Projektes zur Aufgabe gemacht hat, bisher gültige Empfehlungen zur Früherkennung von Hormonstörungen in der Krebsnachsorge daraufhin zu untersuchen, ob sie aktuell und einheitlich genug sind – und wie man sie noch effektiver gestalten kann. Ziel ist die Entwicklung einer von Flensburg bis nach München geltenden Leitlinie, die, basierend auf dem aktuellen Stand des medizinischen Wissens, konkrete und praxisbezogene Empfehlungen zur Früherkennung von Hormonstörungen nach einer Krebserkrankung im Kindes- und Jugendalter gibt.
Onkologie und Endokrinologie arbeiten Hand in Hand
Das Projekt wurde von der Gesellschaft für Pädiatrische Onkologie und Hämatologie (GPOH) sowie der Arbeitsgemeinschaft Pädiatrische Endokrinologie (APE) der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) ins Leben gerufen. „In diesem Projekt arbeiten die Disziplinen Onkologie und Endokrinologie, die den größten Bereich in der Krebsnachsorge darstellen, Hand in Hand zusammen“, lobt Prof. Dr. Debatin, Ärztlicher Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin, die Interdisziplinarität des Vorhabens und ergänzt: „Für Patienten und Ärzte ist es von entscheidender Bedeutung, dass die Risiken für das Auftreten von spezifischen Krankheitsbildern bekannt sind. Um angemessen und frühzeitig diagnostizieren und rechtzeitig behandeln zu können, ist eine einheitliche und praxisorientierte Leitlinie zur Durchführung von onkologisch-endokrinologischen Nachsorgeuntersuchungen dringend erforderlich.“
Und Prof. Dr. Martin Wabitsch, Vorsitzender der APE und Leiter der Sektion für Pädiatrische Endokrinologie und Diabetologie an der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin, ist sich sicher: „Der Fortschritt in der Krebsnachsorge muss sich dem der Krebstherapie anpassen. Mit unserem zukunftsweisenden Projekt kommen wir diesem Anspruch einen großen Schritt näher.“
Weitere Informationen:
Durch Therapiemaßnahmen wie beispielsweise Bestrahlung und/oder Gabe von Zytostatika (Substanzen, die das Zellwachstum beziehungsweise die Zellteilung hemmen) kann das Hormonsystem junger Patienten empfindlich gestört werden. Mögliche (Spät-)Folgen sind z.B. Wachstumsprobleme, Unfruchtbarkeit, verfrühte Menopause, Über- und Unterfunktion der Schilddrüse, Übergewicht, erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Osteoporose. Zudem treten Therapiefolgen nicht zwingend während oder kurz nach der intensiven Krebsbehandlung auf.
Derzeit befindet sich das Projekt in der Phase der sogenannten Status-quo-Erhebung. In dieser werden die momentan eingesetzten unterschiedlichen endokrinologischen Nachsorgestrategien überprüft und bewertet. Durch diese Evaluation soll der bestehende Bedarf an einer Entwicklung adäquater Leitlinien für eine einheitliche und aktuelle Nachsorge detailliert beschrieben werden. Darauf folgt die Entwicklung einheitlicher, evidenzbasierter Nachsorgeleitlinien zur frühzeitigen Diagnose und Therapie endokrinologischer Spätfolgen. Perspektivisch werden diese Nachsorgeempfehlungen dann im Rahmen eines Nachfolgeprojekts evaluiert und in regelmäßigen Intervallen aktualisiert.
Nach dem System der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) werden Leitlinien in drei so genannte Entwicklungsstufen von S1 bis S3 entwickelt und klassifiziert, wobei S3 die höchste Qualitätsstufe ist. Die von Dr. Denzer und seinem Team zu entwickelnde Leitlinie wird der „Klasse“ S2 zuzuordnen sein. Das heißt im Kern, dass einerseits eine Evidenz-Recherche durchgeführt wurde (evidenter Sachverhalt = Sachverhalt, der auf der Hand liegt) und andererseits eine formale Konsensfindung in z.B. Fachgremien stattgefunden hat.
Presseinformation 3 / 2011
Ulmer Leukämie-Forscher in Nachwuchsprogramm der Deutschen Krebshilfe aufgenommen
Von: Jörg Portius
Wie entsteht Leukämie – und wie lässt sich die Entstehung möglicherweise verhindern? Mit besonderen Aspekten dieser Grundfragen beschäftigt sich Dr. Florian Kuchenbauer in seinem Forschungsprojekt, das von der Deutschen Krebshilfe e.V. für die kommenden vier Jahre mit 543.000 Euro gefördert wird. Das Max-Eder-Nachwuchsgruppen-Programm wendet sich u. a. an herausragende junge Auslandsrückkehrer, die patientennahe Krebsforschung betreiben. Für die Vereinbarung von klinischer und wissenschaftlicher Tätigkeit im internationalen Rahmen ist der Werdegang von Dr. Kuchenbauer ein eindrucksvolles Beispiel.
Mikro-RNA im Zentrum des Interesses
Der 36-jährige Arzt und Krebsforscher beschäftigt sich mit Molekülen, die bei der Eiweißsynthese eine wichtige Rolle spielen. Sein besonderes Interesse gilt einer neuen Klasse von Botenstoffen, genannt Mikro-RNA. Sie haben bei der Entstehung von Blutzellen verschiedene regulatorische Aufgaben, die noch nicht gänzlich erforscht sind. „Wir untersuchen, wo diese Mikro-RNA bei der normalen Blutbildung auftreten und welche Funktion sie genau haben“, erläutert Dr. Kuchenbauer. „Die zweite Frage lautet, ob eine gestörte Funktion der Mikro-RNA zu einer gestörten Blutbildung beiträgt, wie sie bei der Akuten Myeloischen Leukämie auftritt. Die dritte Aufgabe ist dann herauszufinden, ob man die gestörten Blutzellen bei einer Leukämie heilen kann, indem man ihnen funktionstüchtige Mikro-RNA hinzufügt.“
Arzt und Wissenschaftler
Mit diesen Fragestellungen liegt das Forschungsgebiet von Dr. Kuchenbauer genau im Spannungsfeld von Grundlagen- und patientennaher Forschung: „Mir war immer wichtig, nicht aus dem Blick zu verlieren, wofür ich eigentlich forsche. Ich bin Arzt am Krankenbett und gleichzeitig Wissenschaftler, das spiegelt sich im Arbeitsgebiet der neuen Forschungsgruppe wider. Die Max-Eder-Förderung ist für junge Wissenschaftler eine großartige Chance.“ Die Deutsche Krebshilfe will mit ihrem Nachwuchsgruppen-Programm, dessen Name an den verstorbenen Pionier der gemeinnützigen Organisation erinnert, genau solche Kombinationsforschung fördern.
Ein Auslandsrückkehrer
Zudem fördert die Deutsche Krebshilfe im Rahmen des Max-Eder-Programms u. a. die Rückkehr junger Forscher nach Deutschland. Dr. Florian Kuchenbauer ist ein solcher Auslandsrückkehrer: Nach Studium und Promotion in München führte ihn ein Stipendium der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) 2005 an das renommierte Terry Fox Laboratory in Vancouver, Kanada. An der University of British Columbia erwarb er gleichzeitig einen PhD-Titel in experimenteller Medizin. Im Mai 2009 kehrte er nach Deutschland zurück und ist seit August 2009 als Assistenzarzt an der Ulmer Universitätsklinik für Innere Medizin III tätig. Der Ärztliche Direktor, Prof. Dr. Hartmut Döhner, unterstützt neben seiner Facharztausbildung auch die weitere wissenschaftliche Tätigkeit: „Wir wollen, dass junge Ärzte ihr Fachgebiet nicht nur klinisch, sondern auch wissenschaftlich voranbringen, das ist Aufgabe der Universitätsmedizin und eines Comprehensive Cancer Centers. Deshalb haben wir Dr. Kuchenbauer auch nach seiner Rückkehr für einige Monate für seine wissenschaftliche Tätigkeit freigestellt – wie man sieht, mit Erfolg“, so der Ärztliche Direktor.
Presseinformation 2 / 2011
Selbsthilfe-Forum Blasenkrebs gegründet
Von: Jörg Portius
Die Klinik für Urologie und Kinderurologie am Universitätsklinikum Ulm hat zusammen mit dem Selbsthilfe-Bund Blasenkrebs e.V. (ShB) ein Selbsthilfeforum Blasenkrebs Ulm eingerichtet, das zukünftig mehrmals im Jahr Veranstaltungen für Betroffene und deren Angehörige in Ulm durchführen wird. Geboten werden fachärztliche Vorträge zum Thema Blasenkarzinom vom Team um Prof. Dr. Mark Schrader, Ärztlicher Direktor der Klinik. Zudem stellt sich die Selbsthilfe dar, die, im Sinne einer Verantwortung für die eigene Gesundheit, die Auseinandersetzung mit der Krankheit und deren Folgen thematisiert. Mittelfristig soll aus der engen Kooperation zwischen Klinik und Selbsthilfe eine eigenständige Ulmer Selbsthilfegruppe (ShG) entstehen.
Es gibt wohl kaum einen Menschen, der von der Diagnose Krebs nicht tief betroffen ist und sich nicht aus seinem bisherigen Leben geworfen fühlt. In einer solchen Situation können Gruppen von Menschen, die gleiche oder ähnliche Erfahrungen gemacht haben, eine große Hilfe sein. Ideal ist es, wenn fachärztliche Unterstützungen und Informationen hinzu kommen, die die Klinik für Urologie und Kinderurologie gerne bietet. Blasenkrebs liegt an fünfter Stelle der häufigsten bösartigen Tumorerkrankungen. Für Männer ist das Risiko zu erkranken etwa drei Mal höher als für Frauen. Zu den wichtigsten Risikofaktoren für Blasenkrebs gehören das Rauchen aber auch chronische Entzündungen im Bereich der Blase. Bei rechtzeitiger Entdeckung des Krebses sind die Chancen auf Heilung in aller Regel gut.
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Presseinformation 1 / 2011
Meilenstein in der Leukämieforschung
Von: Jörg Portius
Wichtiger Meilenstein in der Behandlung der akuten lymphoblastischen Leukämie (ALL), der häufigsten Krebserkrankung bei Kindern und Jugendlichen! Einem internationalen Forscherteam unter Leitung einer Arbeitsgruppe der Klinik- für Kinder- und Jugendmedizin am Universitätsklinikum Ulm, ist es gelungen, die charakteristischen genetischen Muster zu entschlüsseln, die bei sehr vielen Patienten zu einem Wiederauftreten (Rezidiv) der lebensbedrohlichen Erkrankung führen. „Insbesondere der frühe Rückfall innerhalb der ersten zwei Jahre nach Diagnosestellung, zum Teil noch während der Therapie, ist mit einer schlechten Prognose verbunden. Daher ist es notwendig, diese Hochrisikogruppe zu erkennen und entsprechend zu behandeln. Unsere Forschungsergebnisse bieten dafür eine sehr gute Grundlage“, sagt Dr. Lüder Meyer, Funktionsoberarzt an der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin sowie Leiter der Ulmer Forschergruppe.
Ungünstige Prognose
Obwohl die erfolgreiche Entwicklung der Behandlung der akuten lymphoblastischen Leukämie in den vergangenen zwei Jahrzehnten dazu geführt hat, dass rund 80 % der Patienten dauerhaft geheilt werden können, kommt es bei jedem fünften Patienten zum Therapieversagen und zum Rückfall, der eine deutlich ungünstigere Prognose bedeutet. „Die Identifizierung von Patienten mit Frührezidiven wurde in der Vergangenheit dadurch erschwert, dass die Mehrzahl dieser Patienten zunächst als Niedrigrisikopatienten eingestuft wurden, also zu Behandlungsbeginn mit den derzeit verfügbaren Methoden nicht als Hochrisikopatienten erkannt werden konnten“, erläutert Prof. Dr. Klaus-Michael Debatin, Ärztlicher Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin, der zusammen mit Dr. Lüder Meyer und Dr. Sarah Eckhoff die Ulmer Arbeitsgruppe bildet.
Weltweit einzigartige Sammlung von Leukämien
Zusammen entwickelten sie ein wissenschaftliches Modell, das, ausgehend von Leukämiezellen die direkt von Patienten stammen, die Leukämieerkrankung nachahmt. „In den vergangenen Jahren konnten wir so eine weltweit einzigartige Sammlung von Leukämien etablieren“, sagt Dr. Meyer und ergänzt: „Wir können nun besondere Subtypen der Leukämie identifizieren, die typisch für Patienten mit einem frühen Wiederauftreten der Leukämie sind.“
Was bedeutet dieses deutlich frühere Wissen für die Therapie? „Durch die detaillierte zell- und molekularbiologische Analyse konnten wir Veränderungen an Signalmolekülen nachweisen, die für Wachstum, Differenzierung und Zelltod von Leukämiezellen verantwortlich sind und die wir durch Medikamente beeinflussen können“, erläutert Prof. Debatin. Somit würden sich gute Hinweise dafür ergeben, dass auch diese mit einer sehr schlechten Prognose in Verbindung gebrachten Frührezidive einer Leukämie im Kindesalter behandelbar sind.
Internationales Netzwerk
Die Ulmer Ärzte und Forscher in Personalunion sprechen in diesem Zusammenhang von einem Klassifikator, der in Kooperation mit Dr. Hans Kestler vom Institut für Neuroinformatik (Arbeitsgruppe Bioinformatik) der Universität Ulm gefunden wurde. Dieser kann die Hochrisikogruppe definieren und wird derzeit weiterentwickelt. Bestätigt wurde die Bedeutung des typischen Genexpressionsmusters auch im Rahmen der Zusammenarbeit mit Prof. G. Basso und Dr. G. te Kronnie von der Universität Padua (Italien), mit der die Universität Ulm und ihre Graduiertenschule eine Partnerschaft unterhält: In einer unabhängigen Gruppe von Patienten, die nach dem gleichem System behandelt worden sind, konnten ebenfalls die meisten Patienten mit einem frühen Rückfall identifiziert werden. „Der frühe Rückfall einer akuten lymphoblastischen Leukämie ist generell schwer zu therapieren. Wir arbeiten derzeit innerhalb der internationalen Arbeitsgruppe an einer Weiterentwicklung des Modells und den sich daraus ergebenden therapeutischen Fragestellungen. Wir sind sicher, mit unseren Analysen einen Weg gefunden zu haben, der zur Identifizierung und Charakterisierung von besonderen Risikogruppen bei der ALL beiträgt“, fasst Prof. Debatin zusammen.
Weitere Informationen:
Die Forschungsergebnisse werden in der Februarausgabe des renommierten Wissenschaftsmagazins Cancer Cell unter dem Titel „Early Relapse in Pediatric ALL is identified by Time To Leukemia in NOD/SCID mice and is characterized by a gene signature involving survival pathways“ veröffentlicht.
(doi: 10.1016/j.ccr.2010.11.014)





