Epilepsiezentrum Ulm

Das interdisziplinäre Epilepsiezentrum der Universität Ulm wurde 1994 gegründet, um eine Maximalversorgung für Menschen mit Epilepsie in der Region zu gewährleisten und die wissenschaftliche Forschung auf diesem Gebiet voranzutreiben. Es besteht aus mehreren klinischen und theoretischen Abteilungen der Universität sowie assoziierten umliegenden Kliniken, wobei insbesondere eine seit dem Jahr 2002 bestehende, enge Kooperation mit dem Epilepsiezentrum Bodensee hervorzuheben ist, die die Patientenversorgung flächendeckend von Aalen bis Allgäu und zum Bodensee, bzw. von Augsburg bis in den Stuttgarter Raum gewährleistet.

 

Anlaufstelle für die Patienten ist die Epilepsieambulanz der Neurologischen Klinik. Hier werden Patienten eingeschätzt, beraten und gemeinsam mit den überweisenden niedergelassenen Kollegen behandelt (Spezialsprechstunde Epileptologie). Im Vordergrund stehen die Differentialdiagnose, insbesondere auch bei neu aufgetretenen Syndromen, sowie die medikamentöse Therapie meist schwierig zu behandelnder Patienten. Auch neue Therapieoptionen mit noch nicht zugelassenen Medikamenten werden den Patienten regelmässig innerhalb von kontrollierten Studien angeboten. Falls erforderlich, wird zur genauen Einordnung, für eine komplizierte medikamentöse Umstellung oder eine komplexe multidisziplinäre Behandlung ein stationärer Aufenthalt in der Neurologischen Klinik im RKU vereinbart. Hier besteht auch die Möglichkeit der Aufzeichnung von Anfällen mit Video und den Hirnströmen (EEG) (Video-EEG-Monitoring), das meist eine zweifelsfreie Zuordnung der Anfälle ermöglicht.

 

Ein wichtiger Schwerpunkt ist die enge Zusammenarbeit der Neurologischen und Neurochirurgischen Kliniken für das Epilepsiechirurgie-Programm, das Patienten, die mit Medikamenten nicht ausreichend behandelt werden können, eine weitere, sehr erfolgversprechende Therapieoption anbietet. Dafür werden im Rahmen der sog. prächirurgischen Diagnostik Anfälle in der Neurologischen Klinik im RKU mit Video-EEG-Monitoring aufgezeichnet. In der Neurochirurgie in Günzburg bestehen alle Möglichkeiten der modernen Neurochirurgie, um epileptische Herde zu entfernen (Klinik für Neurochirurgie). Bei manchen Eingriffen ist der Einsatz einer multimodalen Neuronavigation erforderlich, bei der Daten verschiedener Untersuchungen (MRT, funktionelles MRT, PET) in den Computer des Operations-Mikroskops eingespeist werden. Damit wird die möglichst vollständige Entfernung des epileptogenen Hirngewebes auch in der Nähe von eloquenten Hirnarealen erleichtert, die Ergebnisse können verbessert und die Komplikationen reduziert werden. Bei manchen Patienten werden Elektroden in Günzburg zur invasiven präoperativen Diagnostik direkt auf der Hirnoberfläche platziert, um den epileptischen Herd dann im Video-EEG-Monitoring in Ulm genau zu lokalisieren und von eloquenten Hirnarealen abzugrenzen.

Patienten aus dem Raum Ulm-Bodensee werden regelmässig in den epilepsiechirurgischen Fallkonferenzen gemeinsam mit den Kollegen aus der Abteilung Epileptologie der Weissenau besprochen (Termine Fallkonferenzen).

 

Für die Beratung von Frauen mit Epilepsie, insbesondere bei Kinderwunsch und Schwangerschaft, wurde im Jahr 2001 eine spezielle Beratungsstelle eingerichtet (Spezialsprechstunde Epileptologie). Hier besteht eine enge Zusammenarbeit mit der Frauenklinik der Universität Ulm.

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