Einführung

Ein paar Worte im Voraus ...

Krankheiten und Operationen haben in unserem täglichen Leben oftmals eine große Bedeutung. Damit sind häufig Ängste wegen möglicher Komplikationen verbunden. Beruhigende Gespräche können die Ängste meist nur lindern, aber nicht vollständig nehmen. Eine der am häufigsten von Patienten geäußerte Furcht ist das "Nichtwiederaufwachen" aus einer Narkose. Diese Sorge ist heutzutage jedoch unbegründet. Durch erfahrene Ärzte und Pflegekräfte werden die Risiken und Komplikationen so gering wie möglich gehalten. Ständige Fort- und Weiterbildungen des Personals sichern eine hohe Qualität in der Patientenversorgung. An dieser Stelle möchten wir Ihnen einige gängige Anästhesieverfahren vorstellen.

Personelle Struktur

Die nachfolgenden Narkoseverfahren werden durch speziell ausgebildete Anästhesisten durchgeführt. Im Rahmen der 5-jährigen Ausbildung zum Facharzt werden die Anästhesisten ständig von Oberärzten begleitet, um eine bestmögliche Qualität und Sicherheit gegenüber dem Patienten zu gewährleisten. Unterstützt werden sie von speziell qualifizierten Krankenschwestern und -pflegern, die eine zweijährige Fachweiterbildung in der Anästhesie und Intensivmedizin absolviert haben.
Jeder Patient der eine Narkose erhält, wird von einem Anästhesisten und einer Pflegekraft betreut.

Vorbereitung auf die Operation

Das Narkose - Aufklärungsgespräch

Was erwartet Sie beim Narkoseaufklärungsgespräch, auch Prämedikation genannt, vor der Operation:

  • Sie werden über die mögliche Anästhesie- bzw. Narkoseform und die notwendige Überwachung informiert
  • der Anästhesist macht sich ein Bild über Ihren Gesundheitszustand
  • Sie erhalten eine Aufklärung über die Risiken der Narkose
  • abschließend müssen Sie schriftlich für die Narkose einwilligen und der Narkosearzt gibt Sie für die Operation frei

Durch das Aufklärungsgespräch sollen Sie als Patient nicht erschreckt oder verängstigt werden. Im Gegenteil ist es eine Möglichkeit, sich ein Bild darüber zu machen, welche Situation Sie erwartet und welchen Risiken Sie sich aussetzen. Es können gerne Fragen gestellt werden, und vielleicht kann die eine oder andere Sorge ausgeräumt werden.

Wir erwarten Sie entweder in unserer Anästhesieambulanz oder ein Anästhesist sucht sie auf Ihrer Station auf.

Bitte bringen Sie aktuelle Befunde oder Arztbriefe und eine Liste der Medikamente, die Sie regelmäßig einnehmen, zum Aufklärungsgespräch mit.

Vorbereitung am Operationstag

Um Komplikationen zu verhindern und das Risiko zu minimieren, beachten Sie bitte folgende Hinweise:

  • Bitte nehmen Sie nach 24:00 Uhr keine Nahrung und keine Getränke mehr zu sich
  • Medikamenteneinnahmen sind in Absprache mit dem Anästhesisten und der Stationspflegekraft einzunehmen
  • Bitte informieren Sie die Schwester darüber, dass, falls vorhanden, der Allergie-, Anästhesie- bzw. Schrittmacherpass mit in den OP genommen wird
  • entfernen Sie bitte jeglichen Nagellack und verwenden Sie am OP-Tag keine Creme, Kosmetik oder Hautöle
  • Entnehmen Sie bitte beim Abruf zur Operation Zahnspangen, Zahnprothesen oder herausnehmbaren Zahnersatz
  • Bitte gehen Sie vor dem Transport in den OP-Trakt nochmals zur Toilette
  • Legen Sie bitte Fingerringe, Ohrringe und Piercings ab. Besprechen Sie bitte mit der Stationsschwester, wo evtl. Schmuck verwahrt werden kann.

Unsere Verfahrensweisen

Definition

Anästhesie ist die Herbeiführung eines Zustandes, in dem Operationen bei erloschenem Bewusstsein, ohne Schmerzempfindung und Abwehrreaktionen durchgeführt werden können.
Eine Narkose umfasst Bewusstlosigkeit ("Schlaf"), Schmerzlosigkeit, Ausschaltung der Muskelfunktion (Muskelrelaxation) und Ausschaltung der Reflexe.

Neben der Narkose und Patientenbetreuung bei operativen Eingriffen besitzt das Fachgebiet Anästhesiologie drei weitere Säulen:

  • die Intensivmedizin
  • die Notfallmedizin
  • die Schmerztherapie

Allgemeinanästhesie (Vollnarkose)

Intubationsnarkose
Bei der Intubationsnarkose wird im Zustand der absoluten Bewusstlosigkeit, Schmerzfreiheit und Erschlaffung der Muskulatur ein Beatmungsschlauch durch den Rachen in der Luftröhre platziert und anschließend die Atmung durch den Anästhesisten mittels eines Beatmungsgerätes übernommen.

Larynxmaskennarkose
Bei der Larynxmaskennarkose wird wie bei der Intubationsnarkose, im Zustand der Bewusstlosigkeit und Schmerzfreiheit, eine Kehlkopfmaske in den Rachengrund über den Kehlkopfeingang gelegt. Anschließend kann der Patient durch den Anästhesisten über die Maske beatmet werden.

Maskennarkose
Bei sehr kurzen Eingriffen kann es gelegentlich ausreichen, lediglich eine Maske auf das Gesicht aufzusetzen, über die die Atmung unterstützt werden kann.

Regionalanästhesie

Manche Operationen und Untersuchungen können auch bei Bewusstsein durchgeführt werden. Die im Rahmen der Regionalanästhesie durchführbare Betäubung schaltet durch spezielle Maßnahmen und Medikamente gezielt Nerven oder Nervenbündel aus.


Regionale Anästhesieverfahren bieten einige Vorteile:

  • Für ältere und schwer kranke Patienten stellen sie eine geringere Kreislaufbelastung dar und sind somit die am besten geeignetste Anästhesieverfahren für diese Personengruppe.
  • Die Schmerzausschaltung endet nicht mit dem Narkoseende sondern klingt langsam ab.
  • Nach der Operation können Sie schneller aus dem Aufwachraum auf Station verlegt werden.
  • Übelkeit und Erbrechen sind nach regionalen Anästhesieverfahren sehr selten.
  • Auch wenn ein regionales Anästhesieverfahren durchgeführt wird, muss der Patient meist nicht bei vollem Bewusstsein sein, sondern kann ein leichtes Schlafmittel erhalten.
  • Die folgend vorgestellten Verfahren werden am Universitätsklinikum Ulm regelmäßig durchgeführt.

Regionalanästhesie - Zentrale Leitungsanästhesie (rückenmarksnahe Verfahren)

Spinalanästhesie
Nach örtlicher Betäubung am Rücken im Bereich der Einstichstelle wird eine Kanüle bis in den Liquorraum des Rückens eingeführt und anschließend das Lokalanästhetikum in den Liquor (Nervenwasser) injiziert. Je nach Medikament beträgt die Wirkdauer zwischen einer und vier Stunden.

 

Periduralanästhesie
Ähnlich wie bei der Spinalanästhesie wird bei der Periduralanästhesie nach örtlicher Betäubung am Rücken eine Kanüle in den Rücken eingeführt. In einer bestimmten Tiefe wird ein Katheter (dünner Schlauch) eingelegt über den Medikamente gegeben werden können.
Die Periduralanästhesie wird im Bereich der Geburtshilfe eingesetzt um die Wehenschmerzen unter der Geburt zu reduzieren. Außerdem kommt sie bei sehr großen und schmerzhaften Eingriffen zusätzlich zur Vollnarkose zum Einsatz. Als Kombination können Schmerzen während der Operation und in den ersten Tagen nach der Operation sehr wirkungsvoll bekämpft werden.

Regionalanästhesie - Periphere Leitungsanästhesie / Plexusanästhesie

Unter Plexusanästhesie versteht man die Betäubung mehrer gebündelter Nerven und wird vorwiegend an der oberen Extremität durchgeführt. Angelegt wird sie im Bereich des Halses oder der Achselhöhle. An der unteren Extremität werden vorwiegend einzelne Nerven betäubt (Nervenblockaden). Zur Anwendung kommt eine Stimulationskanüle, mit der man durch schwache Stromimpulse die Nerven lokalisiert. Dabei werden schmerzlose Muskelkontraktionen ausgelöst. Diese gezielten Reizantworten lassen sehr genaue Medikamentenanwendungen um den Nerv zu.

Überwachung der Vitalparameter

Unter Vitalparametern versteht man lebenswichtige Herz-, Kreislauf- und Atemparameter.
Neben der Narkose an sich ist eine weitere grundlegende Aufgabe der Anästhesie diese Vitalparameter zu überwachen und stabil zu halten und damit in der Zeit um die Operation für Ihre Sicherheit zu sorgen.
Dafür ist es notwendig Überwachungsgeräte anzulegen:

  • EKG
  • Blutdruckmanschette, die sich in kurzen Zeitabständen regelmäßig automatisch aufpumpt
  • Pulsoxymetrie (ein Fingerclip, der die Sauerstoffsättigung im Blut messen kann) 

Außerdem wird eine Infusion angelegt, über die neben Narkosemedikamenten auch Infusionen und spezielle Medikamente gegeben werden können, welche helfen die Vitalparameter stabil zu halten.

 

Erweiterte Überwachung

Abhängig von der Größe der Operation und den unterschiedlichen Vorerkrankungen der Patienten können zusätzliche Überwachungsmaßnahmen notwendig werden. Änderungen lebenswichtiger Herz-, Kreislauf- und Atmungsparameter können so schneller erkannt und Komplikationen verhindert oder umgehend behandelt werden.

Folgende zusätzliche Überwachungsmaßnahmen können notwendig werden:

  • invasive Blutdruckmessung in Form einer arterielle Kanüle
  • zentraler Venenkatheter
  • Überwachung der Narkosetiefe
  • Überwachung der Urinausscheidung
  • Messung der Körpertemperatur
  • spezielle Überwachungsmaßnahmen, die Einzelfällen vorbehalten sind

Arterielle Kanüle

Die arterielle Kanüle dient zur sicheren und permanenten Blutdruckmessung. Damit ist dem Anästhesisten möglich, den Blutdruck von Herzschlag zu Herzschlag zu überwachen und auf Kreislaufreaktionen sofort und sicher zu reagieren.
Außer der kontinuierlichen Kreislaufüberwachung bietet die Kanüle die Möglichkeit, eine schnelle Blutabnahme während der Narkose durchzuführen. Zusätzliche Punktionen der Venen sind nicht notwendig.

Zentraler Venenkatheter

Der zentrale Venenkatheter (ZVK) ermöglicht die Verabreichung spezieller Medikamente, die nicht für die Armvenen geeignet sind. Ist nach einer großen Operation die Nahrungsaufnahme in der ersten Zeit nach der Operation nicht möglich, kann über einen zentralen Venenkatheter auch eine "künstliche Ernährung" erfolgen. Der zentrale Venenkatheter wird über eine große Vene im Hals- oder Schlüsselbeinbereich gelegt und mündet mit der Spitze in der oberen Hohlvene unmittelbar vor dem Herz.