Schwerpunkt Adipositas

In den vergangenen Jahrzehnten ist die Rate an Kindern und Jugendlichen mit Übergewicht oder starkem Übergewicht (Adipositas) in Industrieländern stark gestiegen. Übergewicht oder Adipositas ist auf diverse äußere und innere Einflussfaktoren zurückzuführen. So spielen soziokulturelle Einflüsse und Lebensgewohnheiten, wie beispielsweise ungünstige Ernährung und mangelnde Bewegung, eine wichtige Rolle. Neue Erkenntnisse zeigen, dass das Körpergewicht durch komplexe Regelkreise reguliert wird, an denen zahlreiche Botenstoffe im Körper (so genannte Hormone, z.B. das Sättigungshormon Leptin) beteiligt sind. Störungen in der Funktion von Hormonen können zu Übergewicht oder Adipositas führen. Es gibt weiterhin eine Reihe seltener genetischer Defekte, die als ursächlich für eine Adipositas beschrieben sind.

Nur in wenigen Fällen ist eine hormonelle Störung ursächlich für Übergewicht und Adipositas, in sehr seltenen Fällen ein genetischer Defekt (z.B. Formen der monogenen Adipositas). In den meisten Fällen geht das Übergewicht zurück auf eine ungesunde Energiebilanz, die durch eine zu hohe Energiezufuhr durch falsche Ernährung und einen zu niedrigen Energieverbrauch durch Bewegungsmangel entsteht. Liegt keine hormonelle oder genetische Ursache zugrunde, zielt die Therapie vor allem ab auf eine Umstellung der Lebensgewohnheiten, bei der Ernährung und Bewegung im Vordergrund stehen. Dabei stehen den Patienten und ihren Familien unsere kompetenten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Ernährungsberatung, der Bewegungstherapie und der psychologische Beratung zur Seite.

Von zentraler Bedeutung ist die Prävention, Diagnostik und Behandlung von Folgeerkrankungen, die mit Adipositas einhergehen. Folgeerkrankungen können bereits im Kindesalter auftreten und können beispielsweise arterielle Hypertonie, Fettstoffwechselstörungen (z.B. Hypertriglyceridämie) oder Glukosestoffwechselstörungen (z.B. Diabetes mellitus Typ 2) umfassen. Weiterhin können Störungen in der Pubertätsentwicklung, gastroenterologische, respiratorische, orthopädische und dermatologische Störungen auftreten. Negative Auswirkungen auf das seelische Wohlbefinden sind von zentraler Bedeutung, vor allem für Jugendliche mit extremer Adipositas.

Zertifiziertes Adipositaszentrum mit langjähriger Expertise

Unser erfahrenes und engagiertes Team bestehend aus Ärztinnen und Ärzten, Ernährungsberaterinnen, Psychologen und Bewegungstherapeuten betreut Adipositas-Patienten und Ihre Familien leitliniengerecht mit dem Ziel einer bestmöglichen Therapie und größtmöglichen Lebensqualität. Wir sind als "Therapieeinrichtung für Kinder und Jugendliche mit Adipositas" durch die Deutsche Adipositas-Gesellschaft e.V. (DAG) und die Arbeitsgemeinschaft Adipositas im Kindes- und Jugendalter (AGA) zertifiziert. Seit über 25 Jahren haben wir Erfahrung mit übergewichtigen und adipösen Kindern und Jugendlichen und stellen unseren Patienten und deren Familien verschiedene Therapieangebote zur Verfügung. Neben der Betreuung von Patienten arbeiten wir im Rahmen wissenschaftlicher Forschungsprojekte an neuen Erkenntnissen über die Ursachen von Adipositas und an der Verbesserung der Versorgung von Patienten.

Unser Leistungsspektrum
  • Diagnostik und Therapie der Adipositas im Kindes- und Jugendalter
  • Diagnostik und Betreuung von Jugendlichen mit extremer Adipositas
  • Diagnostik und Therapie von monogenen Adipositasformen
  • Prävention, Diagnostik und Behandlung Adipositas-bedingter Folgeerkrankungen
  • Ambulantes Schulungsprogramm für Kinder und Jugendliche mit Adipositas
  • Ernährungsberatung, psychologische Beratung und Bewegungstherapie
Jugendlichen mit extremer Adipositas
Monogene Adipositas

Bei den meisten Patienten führen Adipositas-fördernde Lebensbedingungen oder polygenetische Defekte (mehrere Gene sind betroffen) zu Adipositas. Monogene Formen, bei denen Defekte (Mutationen) in einem einzigen Gen ursächlich für Adipositas sind, sind sehr selten. Bei betroffenen Patienten kommt es bereits im frühen Kindesalter zu einer extremen Adipositas begleitet von einem unstillbaren Hungergefühl (Hyperphagie). Es gibt eine Reihe von verschiedenen Genen, die mit monogener Adipositas assoziiert werden; die meisten dieser Gene haben eine wichtige Funktion bei der Regulation von Hunger und Sättigung als Teil des sog. Leptin-Melanocortin-Signalwegs im zentralen Nervensystem. Zu nennen ist hier beispielsweise das Gen für Leptin (LEP), für den Leptin-Rezeptor (LEPR) oder für das Proopiomelanocortin (POMC). Mutationen im MC4R-Gen sind die häufigste Ursache für eine monogene Adipositas.

Für Patienten mit einem Defekt im Leptin-Gen gibt es die Möglichkeit einer Leptin-Ersatztherapie unter Verwendung eines rekombinanten humanen Leptin-Analogons (Metreleptin). Unsere Sektion ist eines von wenigen Zentren weltweit, die die Leptin-Ersatztherapie erfolgreich durchführen.

Eine neue Therapiemöglichkeit für Patienten mit einem Defekt im LEPR-Gen oder POMC-Gen unter Verwendung eines Melanocortin-4-Receptor (MC4R) Agonisten (Setmelanotide) befindet sich derzeit in der klinischen Prüfung. Unsere Sektion ist eines von vier europäischen Prüfzentren, die an der klinischen Prüfung (Phase III) von Setmelanotide in Patienten mit einem LEPR-Defekt beteiligt sind.

Darüber hinaus führen wir klinische und grundlagen-wissenschaftliche experimentelle Forschungsprojekte durch zur Identifizierung weiterer Gene, die eine extreme frühkindliche Adipositas verursachen.

Weitere Informationen finden Sie unter Klinische Studien und unter Experimentelle Forschung

Ambulantes Schulungsprogramm für Kinder und Jugendliche mit Adipositas

Wir bieten ein einjähriges ambulantes Schulungsprogramm für Kinder und Jugendliche mit Adipositas im Alter von 8 bis 16 Jahren an. Das Schulungsprogramm „Obeldicks“ ist eine evidenzbasierte Therapiemaßnahme, wird interdisziplinär durchgeführt und bezieht die Eltern bzw. die Familie aktiv mit ein. Weitere Informationen erhalten Sie in der Sprechstunde oder unter Tel. 0731-500 57401.

Zu den Schulungsprogrammen

Sprechstunden