Schuko (BMBF), besser bekannt unter Studie „Ich bin sicher!“

Schutzkonzepte vor sexueller Gewalt in der Heimerziehung aus der Sicht von Jugendlichen und Gruppenerzieherinnen und -erziehern. Ein interdisziplinäres Verbundvorhaben zur Erforschung der Adressatensicht und der Entstehung einer „Kultur des Hinsehens“

Schlagworte

Sicherheit, Schutz, Schutzkonzept, Jugendliche, Jugendhilfeeinrichtung, Internat, Klinik, sexuelle Gewalt

Projektleitung

  • Profilbild von PD Dr. med. Marc Allroggen

    PD Dr. med. Marc Allroggen

    Leitender Oberarzt (Komm.), Sektionsleiter Institutsambulanz und Forensik

Kooperationspartner

Stiftung Universität Hildesheim, Institut für Sozial- und Organisationspädagogik

Hochschule Landshut

Projektlaufzeit

07/2013-06/2016

Projektbeschreibung

Nach dem Bekanntwerden zahlreicher Missbrauchsfälle in pädagogischen Einrichtungen in Deutschland stellte sich die Frage nach einem angemessenen Schutz von Kindern und Jugendlichen in Einrichtungen. In der Folge wurden Präventions- und Interventionskonzepte (sog. Schutzkonzepte) für mehr Sicherheit in der Einrichtung entwickelt. In vielen Fällen wurden diese jedoch von der Leitungsebene „top down“ vorgegeben und weniger gemeinsam mit den Kindern und ihren Betreuungspersonen entwickelt. Wie sich eine sichere Einrichtung aus der Perspektive der dort lebenden Kinder und Jugendlichen selbst und ihren Betreuungspersonen definiert, blieb daher weitgehend unberücksichtigt. Ziel des Projektes war es, die Implementierung von Schutzkonzepten sowie die organisationalen Verfahren und Kontexte und die diesbezüglich wahrgenommenen Veränderungen und Wünsche der Adressatinnen und Adressaten bei der Umsetzung von Schutzkonzepten zu erforschen.

Im Rahmen des Projektes wurden mittels anonymer Online-Befragung und einer papierbasierten Befragung sowie anhand von Gruppendiskussionen Kinder und Jugendliche zwischen 11 und 18 Jahren und ihre Betreuungspersonen im Gruppendienst in stationären Betreuungsformen der Kinder- und Jugendhilfe und in vergleichbaren Organisationen wie Internaten, Kliniken und Kurkliniken befragt. Zum Abschluss der Befragungen lagen von 233 Jugendlichen und 490 Betreuungspersonen beantwortete Online-Fragebögen vor und von 279 Jugendlichen und 147 Betreuungspersonen papierbasierte Fragebögen. An den Gruppendiskussionen nahmen 87 Kinder und Jugendliche und 73 Betreuungspersonen teil. Die befragten Jugendlichen gaben an, sich im Allgemeinen in der Einrichtung eher sicher zu fühlen. Dieses Sicherheitsgefühl stand in einem Zusammenhang mit positiven Beziehungen zwischen den Betreuungspersonen und Jugendlichen. Gleichzeitig aber fanden sich auch Hinweise darauf, dass Gefährdungslagen innerhalb der Einrichtung unterschätzt wurden. Siehe weiter im Abschlussbericht.

Publikationen und erstellte Materialien

Allroggen, M. & Rau, T. (2017). Was würdest du raten? Die Bewertung von Anlaufstellen bei Erfahrungen von sexualisierter Gewalt durch Jugendlichen in institutioneller Erziehung. Unsere Jugend. Die Zeitschrift für Studium und Praxis der Sozialpädagogik, 69, 479-488.

Allroggen, M., Fegert, J. M. & Rau, T. (2017). Psychische Belastung von Fachkräften in (sozial-) pädagogischen Arbeitsfeldern. Eine Übersichtsarbeit über Prävalenz, Entstehungsbedingungen, Folgen und Unterstützungsmöglichkeiten. Sozial Extra, 41 (5), 49–53. doi.org/10.1007/s12054-017-0086-8.

Allroggen, M., Dohmann, S., Strahl, B., Schloz, C., Fegert, J.M., & Kampert, M. (2016). How much insecurity does security need? – The discrepancy in assessing the sense of security of children, adolescents and caregivers in institutions. Child & Youth Services, 37, 4, 381-397. DOI10.1080/0145935X.2016.1210447.

Domann, S., Eßer, F., Kampert, M., Rusack, T., Schloz, C. & Rau, T. (2014). Sicherheit und Schutz vor sexualisierter Gewalt in stationären Einrichtungen der Erziehungshilfe, Forum Erziehungshilfen, 20. Jahrgang 2014, Heft 2, 97-98.

Domann, S., Eßer, F., Kampert, M., Rusack, T., Schloz, C. & Rau, T. (2014). „Ich bin sicher!“ – Schutzkonzepte aus der Sicht von Jugendlichen und Betreuungspersonen – ein interdisziplinäres Forschungsprojekt stellt sich vor. Dialog Erziehungshilfe, 1-2014, 54-55.

Rau, T., Ohlert, J., Seidler, C., Fegert, J. M. & Allroggen, M. (2017). Belastungen von Fachkräften in stationären Einrichtungen für Kinder und Jugendliche. Psychotherapie, Psychosomatik, medizinische Psychologie, 67 (8), 331–337. https://doi.org/10.1055/s-0043-101372

Rusack, T., Eßer, F., Allroggen, M., Domann, S., Fegert, J.M., Kampert, M., Schloz, C., Schröer, W., Rau, T., & Wolff, M. (2019). Die Organisation von Schutz als alltägliche Praxis. Sexualität und Schutzkonzepte aus der Perspektive von Jugendlichen in stationären Einrichtungen. In M. Wazlawik, H.-J. Voß, A. Retkowski, A. Henningsen, & A. Dekker (Hrsg.), Sexuelle Gewalt in pädagogischen Kontexten. Aktuelle Forschungen und Reflexionen (S. 9 – 24). Wiesbaden: Springer.

Schloz, C. (2015). An wen soll ich mich wenden?, Sozial Extra, 5, 34-37.

Seidler, C., Rau, T. & Allroggen, M. (2018). Zusammenhang von Sicherheitsgefühl und psychischen Auffälligkeiten bei Jugendlichen in Internaten und Jugendhilfeeinrichtungen. Zeitschrift für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie, 46, 230-237. https://doi.org/10.1024/1422-4917/a000550 

Wolff, M., Schröer, W., Fegert, J. M. (Hrsg.) (2017). Schutzkonzepte in Theorie und Praxis. Ein beteiligungsorientiertes Werkbuch. Weinheim: Beltz Juventa.

Kontaktadresse

Gefördert von:

Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF)