Kompetenzbereich Instrumente und Methoden

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Prof. Dr. Dipl.-Psych. Ferdinand Keller

Die Schwerpunkte des Bereiches „Instrumente und Methoden“ liegen in der deutschsprachigen Adaptierung und psychometrischen Validierung bestehender, gut etablierter Erhebungsinstrumente (hauptsächlich aus dem Depressionsbereich) sowie der Neuentwicklung von Instrumenten zur Erfassung der Behandlungszufriedenheit in der KJPP. Weitere Themen sind die verlaufsorientierte Messung von emotionaler Befindlichkeit, Partizipation und Wertschätzung von Therapie sowie die Entwicklung von Zielerreichungsskalen (goal attainment scaling).

Im methodisch-statistischen Bereich wird Wert gelegt auf die Anwendung neuerer Analyseverfahren (psychometrische Analysen und Analyse longitudinaler Daten), die in vielen Fällen eine vertiefte und teststärkere Auswertung der Daten ermöglichen.

Zur Erfassung des Schweregrads von Depressionen in der Selbstbeurteilung stehen international mehrere gut eingeführte Fragebögen zur Verfügung. Für klinische Zwecke wird häufig das Beck-Depressions-Inventar (BDI-II) verwendet, das für Erwachsene bereits seit 2006 in einer deutschen Übersetzung publiziert wurde (Hautzinger et al., 2006). Eine erste Anwendung bei Jugendlichen wurde von Besier et al. (2008) vorgestellt. Im epidemiologischen Bereich (Schuluntersuchungen u.ä.) wird häufig die Allgemeine Depressionsskala (ADS) verwendet. Auch die ADS wurde in eigenen Studien eingesetzt und daraus Beiträge zum deutschen Testmanual der ADS geliefert (Hautzinger et al., 2012).

Da Selbst- und Fremdeinschätzung von Depressivität meist nur mäßig korrelieren (vgl. Straub et al., 2014), sind auch Verfahren zur Fremdbeurteilung wichtig. Ein in den USA sehr häufig verwendetes Instrument ist die Children’s Depression Rating Scale – Revised (CDRS-R). Dieses halb-strukturierte Interview wurde von uns übersetzt, an deutsche Verhältnisse angepasst und psychometrisch evaluiert in einer Klinikstichprobe (Keller et al., 2011) sowie in einer Schulstudie (Keller et al., 2012).

Dysfunktionale Einstellungen spielen eine wichtige Rolle im Rahmen kognitiv-behavioraler Störungsmodelle zur Depression. Mit der Skala dysfunktionaler Einstellungen (DAS) liegt seit längerem ein Messinstrument für Erwachsene vor (Hautzinger et al., 2005) und wir haben eine für Jugendliche geeignete Version entwickelt (Keller et al., 2010).

Die subjektive Zufriedenheit der Patienten wird inzwischen als wichtiges Evaluationskriterium im Rahmen von Qualitätssicherung angesehen. Zur Erfassung der Behandlungszufriedenheit wurden die Fragebögen zur Behandlungseinschätzung stationärer Therapie (BesT) in einer Version für Kinder (BesT-K), für Jugendliche (BesT-J) und für Eltern (BesT-E) entwickelt. Die Fragebogen sollten einerseits schnell und einfach beantwortbar sein, andererseits aber auch alle wesentlichen Aspekte einer kinder- und jugendpsychiatrischen Behandlung abdecken. Außerdem wurde darauf geachtet, dass die Themenbereiche möglichst parallel bei Kind/Jugendlichem und ihren Eltern erfragt werden. Die Fragebögen werden seit ca. 10 Jahren regelmäßig in mehreren KJPP-Kliniken eingesetzt. Zur Kinderversion siehe Keller et al. (2004), eine Publikation zu Jugendlichen- und Elternversion wird gerade eingereicht.

Skalen zur täglichen bzw. wöchentlichen Erfassung von Befinden, Therapiemotivation, Mitsprache und Behandlungszufriedenheit wurden ebenfalls entwickelt. Dazu gibt es Formen für die Jugendlichen, für Betreuer und für Therapeuten. Die Skalen wurden im stationären Kontext in Ulm (z.B. Frick, 2011; Keller et al., 2006) und in der Jugendsuchttherapie (JUST) im ZfP Weissenau (Keller et al., eingereicht) eingesetzt.

Im Rahmen der Entwicklung, Implementierung und Evaluierung von Instrumentarien zur pädagogischen Zielerreichung (Projekte PädZi, MAZ) wurden Instrumente entwickelt, die zum einen allgemeine Kompetenzen von Jugendlichen in Heimen oder ähnlichen Einrichtungen abbilden und zum anderen individuell formulierbare Ziel enthalten (Kleinrahm et al., 2013; Singer et al., 2009).

An weiteren Instrumentenentwicklungen zu nennen sind eine Skala zur Erfassung von Gewichtsangst bei Anorexia Nervosa (Schulze & Keller, 2009) Im forensischen Bereich wurde das Forensische Operationalisierte Therapie-Risiko-Evaluations-System (FOTRES) auf seine Interrater-Reliabilität überprüft (Keller et al., 2011).

Im methodisch-statistischen Bereich steht oftmals die Modellbildung und -testung im Vordergrund, z.B. bei konfirmatorischen Faktorenanalysen (CFA) oder allgemeiner bei Strukturgleichungsmodellen, und weniger die Signifikanzprüfung vieler Einzelvariablen. Entsprechend wurden einige dieser Verfahren, v.a. die CFA, bei der Evaluierung obiger Fragebögen eingesetzt, aber auch Methoden der Item Response Theory (IRT), z.B. das Rasch-Modell und seine Verallgemeinerungen (Keller et al., 2008; Keller, 2012). Aktuelle Bifactor-Modelle, bei denen alle Items auf einem Generalfaktor und zusätzlich noch auf einem von mehreren spezifischen Faktoren laden, wurden beim BDI-II (Bühler et al., 2014) und dem SDQ in der Elternversion (Keller & Langmeyer, 2017) angewendet.

Bei der Analyse von Längsschnittdaten sind Wachstumskurvenmodelle vorteilhaft. Dabei können sowohl bekannte Subgruppen (z.B. Therapiebedingungen, Geschlecht) hinsichtlich ihres Verlaufs verglichen werden (Hierarchisch lineare Modelle – HLM) als auch mittels so genannter growth mixture models (GMM) unbekannte (latente) Subgruppen identifiziert werden, die einen ähnlichen gruppenspezifischen Verlauf (trajectory) aufweisen. Die Anwendung auf die Daten einer Therapiestudie zur Depression ist in Keller & Hautzinger (2007) zu finden. Latente Subgruppen können auch auf der Ebene von Symptommustern gesucht werden (latent class-Analyse – LCA). Anwendungen sind u.a. die Suche nach Subtypen von Asthma bei Kindern (Weinmayr et al., 2013) und die Abgrenzung einer komplexen PTSD von einer „einfachen“ PTSD (Sachser et al., in press).