Begleitforschung Hilfetelefon „Sexueller Missbrauch“ des Unabhängigen Beauftragten

Schlagworte

Sexueller Missbrauch, Betroffene, Beratungstelefon, Begleitforschung, Aufarbeitungsprozess, Partizipation

Projektleitung

  • Profilbild von Prof. Dr. med. Jörg M. Fegert

    Prof. Dr. med. Jörg M. Fegert

    Ärztlicher Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie/Psychotherapie

  • Profilbild von Prof. Dr. Miriam Rassenhofer

    Prof. Dr. Miriam Rassenhofer

    Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin (VT)

Projektlaufzeit

01/2015-12/2020

Projektbeschreibung

Ausgelöst durch den sogenannten „Missbrauchsskandal“ läuft seit 2010 ein gesellschaftlicher und politischer Aufarbeitungsprozess mit dem Ziel die Situation Betroffener sexuellen Missbrauchs zu verbessern sowie Kinder und Jugendliche vor sexueller Gewalt zu schützen. Von Anfang an wurde die Expertise Betroffener als wichtige Grundlage bei der Entwicklung von Neuerungen angesehen und Betroffene zur aktiven Partizipation am Prozess eingeladen. Eine Möglichkeit der Partizipation bietet das Hilfetelefon „Sexueller Missbrauch“ des Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs (UBSKM). Bei dieser bundesweiten, kostenfreien und anonymen Anlaufstelle können Betroffene, Angehörige aber auch Fachkräfte einerseits Beratung, Gehör und Unterstützung finden, sich andererseits durch das Teilen ihrer Erfahrungen sowie das Formulieren von Anliegen am Aufarbeitungsprozess beteiligen.

Durch das Begleitforschungsprojekt soll eine wissenschaftlich fundierte Beschreibung zur Inanspruchnahme des Hilfetelefons erstellt, die Qualität des Angebots gesichert sowie die fachpolitische Arbeit des UBSKM untermauert werden.

Die Datenerhebung erfolgt bei Einwilligung anonym im Telefongespräch. Die Telefonate untergliedern sich in direktive Teile, in denen standardisiert bestimmte Sachverhalte, unter anderem mittels Fragebögen erfragt werden und freie Gesprächsteile, in denen genügend Raum für die Anliegen der Anrufenden bleibt. Die Informationen werden von den Fachkräften am Telefon anonym in einem speziell für dieses Projekt entwickelten Erhebungsraster dokumentiert. Das Raster dient ebenfalls als Gesprächsleitfaden und enthält neben anklickbaren vorgegebenen Antwortkategorien auch Freitextfelder zum Notieren von wörtlichen Zitaten und sinngemäßen Beschreibungen. Die Daten werden von unserer Arbeitsgruppe quantitativ und qualitativ ausgewertet.

Nach einer Pilotphase, in der das Erhebungsraster bezüglich Praktikabilität und Inhalt optimiert wurde, läuft seit Mitte Januar 2016 die Haupterhebungsphase. In dieser wurden fortlaufend je nach aktuellen Themen, Interessen und Debatten die Fragestellungen und Schwerpunkte im Raster verändert und angepasst. Mittlerweile (Stand Anfang 2020) gingen über 9.000 Anrufe bei der telefonischen Anlaufstelle ein, aus denen ca. 5.600 auswertbare Datensätze durch Zustimmung zur Teilnahme an der Begleitforschung gewonnen werden konnten. Auswertungsergebnisse wurden dem UBSKM bislang in Form von Zwischenberichten zur Verfügung gestellt und spezifische Fragestellungen in wissenschaftlichen Publikationen thematisiert (Näheres hierzu finden Sie unter ‚Publikationen und Berichte‘).

Publikation und Berichte

OPEN ACCESS
Lizenz erforderlich (Abstract verfügbar)
  • Belastungen durch sexuellen Missbrauch und medizinische und therapeutische Behandlung. Erfahrungen und Forderungen von BetroffenenMedical and therapeutic treatment after sexual abuseexperiences and requirements. J. M. Fegert, C. Bergmann, N. Spröber, M. Rassenhofer © Schattauer 2013. Nervenheilkunde 11/2013. https://www.thieme-connect.com/products/ejournals/html/10.1055/s-0038-1628558
  • Enormes professionelles Unverständnis gegenüber Traumatisierten
    Ist die Glaubhaftigkeitsbegutachtung und ihre undifferenzierte Anwendung in unterschiedlichen Rechtsbereichen eine Zumutung für von sexueller Gewalt Betroffene? J. M. Fegert, J. Gerke, M. Rassenhofer © Georg Thieme Verlag KG 2018. Nervenheilkunde 7–8/2018 https://www.thieme-connect.com/products/ejournals/abstract/10.1055/s-0038-1668320
  • Listening to victims: Use of a Critical Incident ReportingSystem to enable adult victims of childhood sexual abuse toparticipate in a political reappraisal process in Germany. Miriam Rassenhofer∗, Nina Spröber, Thekla Schneider, Jörg M. Fegert © 2013 Elsevier Ltd. Child Abuse & Neglect Volume 37, Issue 9, September 2013, Pages 653-663 - https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0145213413001610?via%3Dihub
  • Child sexual abuse in the Roman Catholic Church in Germany: Comparison of victim impact data collected through church sponsored and government sponsored programs. Miriam Rassenhofer, Andreas Zimmer, Nina Spröber, Jörg M. Fegert © 2014 Elsevier Ltd. Child Abuse & Neglect Volume 40, February 2015, Pages 60-67 https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0145213414003883?via%3Dihub
  • Child sexual abuse in religiously affiliated and secular institutions: A retrospective descriptive analysis of data provided by victims in a government-sponsored reappraisal program in Germany. Nina Spröber, Thekla Schneider, Miriam Rassenhofer, Alexander Seitz, Hubert Liebhardt, Lilith König & Jörg M Fegert BMC Public Health (BMC PUBLIC HEALTH) 14, Article number: 282 (2014) https://bmcpublichealth.biomedcentral.com/articles/10.1186/1471-2458-14-282
  • Entwicklung, Implementierung und erste Ergebnisse eines webbasierten Erhebungsrasters für die telefonische Anlaufstelle der Unabhängigen Beauftragten zur Aufarbeitung des sexuellen Kindesmissbrauchs in Deutschland.  Nina Spröber, Lilith König, Miriam Rassenhofer, Cornelia König, Alexander Seitz , Jörg M. Fegert © 2011 Hogrefe Verlag. Kindheit und Entwicklung (2011), 20, pp. 83-94. https://doi.org/10.1026/0942-5403/a000044

 

Kontaktadresse

Gefördert von:

Unabhängiger Beauftragter für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs